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Die Heilkraft der geschriebenen Worte

Wer mit Stift und Papier in einer  angenehmen Arbeitsatmosphäre seine Gedanken in Worte fasst kann die heilende Kraft der Worte spüren.

© iStock: ijeab

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 12.08.2020

Die schönen Erlebnisse festhalten, spontane Ideen einmal ausformulieren oder ein Problem loswerden – wer über seine eigenen Gedankenwelt schreibt, tut auch seiner seelischen Gesundheit etwas Gutes

Inhalte im Überblick

    Malerinnen-Legende Frida Kahlo hat es gemacht. Genauso wie  der große russische Dramatiker Anton Tschechow: sich Dinge von der Seele schreiben. Die schönen Ereignisse des Lebens noch ein wenig festhalten. Es gibt viele gute Gründe, ein Tagebuch zu führen. Es ist ein wunderbares Ritual für die letzte Stunde des Tages: Bevor man am Abend zu Bett geht, nimmt man ein Tagebuch zur Hand, gießt sich vielleicht noch eine Tasse Kräutertee ein und schreibt alles auf, was der Tag einem geschenkt hat. All die kleinen und größeren Ereignisse, Freuden, Aufregungen und Ärgernisse – sie finden ihren Platz in einem linierten Notizbuch. Manchmal sind es nur ein paar Zeilen, manchmal eine ganze Seite oder zwei, je nachdem, wie man sich fühlt. Viele Menschen, für die es zur festen Gewohnheit geworden ist, sagen: „Es rundet einfach den Tag ab.“ Man blickt noch einmal zurück und ordnet alles, was geschehen ist, noch einmal ein. Danach gibt es nichts Unerledigtes mehr, über das man noch länger nachdenken oder grübeln müsste.

    Das Tagebuch

    Für den einen ist es eine unverzichtbare Beschwerdestelle, für den anderen ein geduldiger Seelentröster oder ein Ventil zum Stressabbau. Auf jeden Fall ist es kostbare Zeit, die man mit sich selbst im klärenden Zwiegespräch verbringt. Zahlreiche Studien belegen: Tagebuchschreiben hilft uns, mental gesund zu bleiben. Dabei ist es gar nicht wichtig, dass die Sätze in geschliffener Sprache aufgezeichnet werden. Ganz im Gegenteil: Viele ältere Menschen beginnen damit, sich Notizen zu Arztbesuchen zu machen oder besondere Familiendaten aufzuschreiben. Vielleicht wollen sie auch ein-fach ein schönes Gedicht festhalten, das sie irgendwo gelesen haben. Mit der Zeit kann man dann anfangen, die eigenen Gedanken und Gefühle zu formulieren, wenn man dazu Lust hat. Auf diese Weise sammelt man wichtige persönliche Informationen an einem Ort.

    Warum das so gut tut? Vielleicht, weil auch schwierige Dinge dadurch sagbar werden und weil Schreiben ein Stück Freiheit ist. Niemand zensiert, niemand korrigiert. Was man schreibt, geht keinen anderen Menschen etwas an. Man tut es ganz und gar für sich. Der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler nannte es ein wohltuendes Gefühl, mit jemandem „zu plaudern, der einem nicht widersprechen kann“ und gibt indirekt einen Hinweis auf eine wichtige Funktion: Ein Tagebuch hört auf wunderbare Weise zu, es ist geduldig. Ein treuer Verbündeter. Und ohne dass man es merkt, fördert es die Selbsterkenntnis und die Fähigkeit zur Problemlösung.

    Viele berühmte Menschen haben Tagebuch geführt, Thomas Mann etwa, Albert Einstein, Franz Kafka oder Susan Sontag. Das Diarium war ihr Gefährte, jahrelang. „Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke“, notierte die amerikanische Autorin und Regisseurin Susan Sontag in einem ihrer Tagebücher. Vielleicht war es ihre Art, dem eigenen Denken auf die Spur zu kommen und sich Klarheit zu verschaffen. Denn auch darum geht es.

    Immer mehr Therapeuten raten ihren Klienten, Tagebuch zu schreiben. Dahinter steht die Erkenntnis, dass es Menschen hilft, sich anderen zuzuwenden, wenn sie ihre eigenen Gefühle vorher zu Papier gebracht haben: Tagebuchschreiber sprechen demnach mehr mit ihren Mitmenschen, sind optimistischer und verwenden häufiger das Wort „Wir“ statt „Ich“. Die Fähigkeit, Gefühle in Worte zu kleiden, macht Menschen also offenbar kommunikativer.

    Beim Schreiben sortieren wir lose Gedanken, Eindrücke und Gefühle und bewerten sie:  Was unwichtig ist, legen wir beiseite, was von Bedeutung ist, bekommt einen Platz. Ganz nebenbei ist das Schreiben ein hervorragendes Gedächtnistraining. Es bringt Worte an die Oberfläche, die wir im alltäglichen Sprechen kaum verwenden, und hilft auf diese Weise gegen Wortfindungsstörungen. Und auch die Zusammenarbeit der logischen linken und der intuitiven rechten Gehirnhälfte funktioniert durch regelmäßiges Schreiben immer besser.

    Tatsache ist: Wir alle vergessen im Leben unheimlich viel. Nicht nur Worte und Begriffe, sondern auch viele schöne, lustige Momente und kostbare Erfahrungen. Wer Tagebuch schreibt, hält sie fest und kann später einmal in der Chronik des eigenen Lebens blättern.

    Wie schreibt man ein Tagebuch?

    Menschen, die noch nie ein Tagebuch geführt haben, sind oft unsicher, worüber sie schreiben können. Dabei ist es wirklich ganz einfach, denn man kann alles zum Thema machen. Vielleicht helfen die folgenden Fragen:

    • Was ist heute um mich herum passiert?
    • Was habe ich gefühlt?
    • Was habe ich mit anderen Menschen erlebt?
    • Über wen habe ich mich geärgert, wer hat mich erfreut?
    • Was hat mir gefallen?
    • Gab es eine Enttäuschung?
    • Was konnte ich genießen?
    • Worüber war ich heute besonders glücklich oder dankbar?
    • An wen aus der Vergangenheit habe ich gedacht?
    • Hatte ich eine besonders schöne Erinnerung?
    • Habe ich etwas Neues gehört, erfahren oder gelernt?
    • Was möchte ich in Zukunft gerne ändern?
    • Gibt es jemanden, den ich einmal ansprechen sollte?
    • Hätte ich in einer Sache anders reagieren sollen?
    • Wen hätte ich heute loben sollen, habe es aber leider nicht getan?
    • War der Tag eher hell oder eher dunkel?
    • Was habe ich für meine Gesundheit getan?
    • Gab es vielleicht ein Missverständnis? 

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