Fitness
Gender Exercise Gap: Frauen machen weniger Sport als Männer
Veröffentlicht am:27.02.2026
6 Minuten Lesedauer
Sport und Bewegung sind Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Der Begriff „Gender Exercise Gap“ legt nahe, dass Frauen weniger sportlich aktiv sind als Männer – mit Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden. Was sind die Gründe für den Unterschied?

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Treiben Frauen wirklich weniger Sport als Männer?
Offiziellen Statistiken zufolge sind Frauen tatsächlich durchschnittlich weniger sportlich aktiv als Männer. Doch zunächst ein Blick auf die Gesamtstatistik: Laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes waren alle Menschen in Deutschland im Jahr 2022 täglich im Durchschnitt 34 Minuten sportlich aktiv. Das entspricht rund dreieinhalb Stunden pro Woche.
Statistiken und Durchschnittswerte sind eine komplexe Angelegenheit. Natürlich trainieren manche Menschen stundenlang, während andere gar keinen Sport ausüben. Über die individuelle sportliche Aktivität sagen Statistiken nichts aus. Gleichwohl lassen sich Tendenzen erkennen. Insbesondere eine Information zum Unterschied zwischen Männern und Frauen ist interessant.
Männer üben im Durchschnitt pro Tag länger Sport aus als Frauen. Während Männer im Jahr 2022 täglich 36 Minuten Sport machten, betrug die tägliche Sportzeit der Frauen 32 Minuten. Vier Minuten Unterschied klingen nach wenig, machen aber immerhin über 24 Stunden im Jahr aus. Außerdem sind Frauen seltener Mitglied in einem Sportverein.
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Warum ist der Gender Exercise Gap ein wichtiges Thema?
Es gibt also eine „geschlechtsbezogene Lücke beim Sporttreiben“ (Gender Exercise Gap). Frauen nutzen die Gesundheitsressource Sport somit weniger als Männer, was bedauerlich ist. Denn Sport kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs senken und damit auch das Risiko eines vorzeitigen Todes. Sport fördert auch die psychische Gesundheit.
Für Frauen ist besonders interessant, dass regelmäßiger Sport auch das Risiko für Brustkrebs reduzieren kann. Eine Langzeitstudie hat außerdem ergeben, dass Frauen deutlich schneller von Sport profitieren als Männer. Männer erreichen laut der Studie eine maximale Senkung des Sterberisikos, wenn sie rund 300 Minuten pro Woche sportlich aktiv waren. Frauen benötigten dafür nur 140 Minuten.
Frauen sollten sich dadurch aber nicht verleiten lassen, weniger zu trainieren. Das Ergebnis ist vielmehr eine Ermutigung zum Sport: Bereits wenige Trainingseinheiten haben einen positiven Effekt, insbesondere in Bezug auf die Risikoreduzierung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zeitaufwand und gesundheitlicher Nutzen stehen für Frauen beim Sport in einem besonders positiven Verhältnis.
Wieso profitieren Frauen stärker vom Sport?
Für sportmedizinische Laien ist die mögliche Erklärung hierfür zunächst verblüffend: Männer weisen eine messbar höhere körperliche Leistungsfähigkeit auf als Frauen. Dies liegt unter anderem an ihrem im Durchschnitt größeren Herzen, den weiteren Atemwegen, der höheren Lungenkapazität und der größeren Muskelmasse. Insbesondere haben Männer durchschnittlich einen deutlich geringeren Körperfettanteil.
Und das soll sich negativ auf die Sporteffekte auswirken? Anders herum wird ein Schuh daraus: Die an sich schlechteren körperlichen Voraussetzungen von Frauen lassen sich leichter und schneller verbessern. Frauen können durch körperliche Aktivität schneller Fett reduzieren und schneller ihre Muskeln stärken als Männer. Dies führt zu besseren Herz-Kreislauf-Funktionen und hat auch bei geringem Trainingsaufwand einen positiven Einfluss auf die Gesundheit.
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Welche Gründe gibt es für den Gender Exercise Gap?
Die Lücke ist in Deutschland nicht riesengroß, aber groß genug, um sich zu fragen, warum Frauen im Durchschnitt weniger Sport treiben als Männer.
Natürlich gibt es Aspekte, die sowohl Frauen als auch Männer am Sport hindern, zum Beispiel begrenzte finanzielle Möglichkeiten für die Sportausrüstung, was besonders etwa beim Skisport oder Reitsport ins Gewicht fällt. Es gibt aber auch Barrieren, die nur oder vor allem Frauen betreffen.
- Fehlende Vorbilder: Frauen sind im Spitzensport unterrepräsentiert und werden finanziell weniger gefördert. In den Medien wird zudem weniger Frauensport gezeigt und darüber berichtet.
- Hinderliche Strukturen: Führungspositionen im organisierten Sport werden nach wie vor häufiger von Männern besetzt – ein möglicher Grund für die geringere Förderung von Frauensport.
- Fehlende Förderung: Der Mangel an gezielter Unterstützung hat direkte Folgen: So brechen beispielsweise Mädchen im Alter von 14 Jahren doppelt so häufig mit dem Sport ab wie Jungen.
- Geschlechtsspezifische Gewalt: Frauen und Mädchen sind im Sport häufiger von (sexualisierter) Gewalt betroffen. Dieses Problemfeld ist an sich erschreckend und senkt die Motivation, Sport im Verein auszuüben.
- Unsicheres Umfeld: Zum vorigen Punkt passt, dass viele Frauen eine sichere Umgebung zum Sporttreiben vermissen.
- Zeitmangel: Frauen sehen sich oft mit einer Doppelbelastung aus beruflichen und familiären Aufgaben konfrontiert. Entsprechend ist Zeitmangel für viele Frauen ein echtes Problem, wenn es darum geht, regelmäßig Sport zu treiben. Das betrifft vor allem Mütter.
- Mangelndes sportliches Selbstbewusstsein: Viele Frauen empfinden sich als unfit oder unsportlich. Diese Selbsteinschätzung ist ein Hinderungsgrund für viele Frauen, mit dem Sport anzufangen.
- Fehlende Angebote: Selbst in modernen Demokratien und bei populären Sportarten wie Fußball kann es vorkommen, dass es in unmittelbarer Nähe kein passendes Angebot für Mädchen und Frauen gibt. In Gesellschaften mit einem traditionellen Frauenbild sind die Angebote oft noch sehr viel eingeschränkter oder gar nicht vorhanden.
- Alte Stereotype und mangelnde Akzeptanz: In manchen Milieus mangelt es immer noch an Akzeptanz für sporttreibende Frauen. Viele Frauen denken dann selbst, dass Sport nichts für sie sei.
Wie lässt sich die Lücke Gender Exercice Gap schließen?
Beim Sport geht es um mehr als „nur“ Gesundheit: Er hat eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Sport kann Frauen und Mädchen stärken und einen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter leisten. Die olympischen und paralympischen Spiele von Paris 2024 waren immerhin die ersten, bei denen genauso viele Frauen wie Männer am Start waren. Das ändert zwar nichts an den Verhältnissen im Breitensport, ist aber ein Aufbruchssignal.
Um die sportliche Aktivität von Frauen im Breiten- und Spitzensport nachhaltig zu fördern, bedarf es Veränderungen in den Köpfen und in den Strukturen.
- Angebote angleichen: Es sollte überall genauso viele Sportangebote für Frauen wie für Männer geben.
- Rahmenbedingungen gerecht gestalten: Familien- und Hausarbeit sollte unter den Geschlechtern gleichmäßig verteilt sein. Die Möglichkeiten zur sportlichen Teilhabe können durch Kinderbetreuungsangebote und eine leichtere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Sport verbessert werden.
- Geschlechterstereotype hinterfragen: Klischees und Vorurteile über Frauensport müssen aus den Köpfen von Männern (und Frauen) verschwinden.
- Unterstützung aktivieren: Freundeskreis, Partner und Partnerinnen sowie Eltern haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie viel Sport Mädchen und Frauen ausüben, und können sie dabei unterstützen.
- Sichtbarkeit und Anerkennung: Athletinnen verdienen die gleiche Aufmerksamkeit in den Medien und Anerkennung für ihre Leistungen wie Männer.
- Mehr Förderung des Frauensports für finanzielle Chancengleichheit.
- Förderung weiblicher Führungsrollen in allen Bereichen des Sports.
- Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt durch wirksame Schutzmaßnahmen.
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