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Vibrionen-Infektion: Was ist beim Baden in der Ostsee zu beachten?

Veröffentlicht am:31.08.2026

10 Minuten Lesedauer

von Volker Zapf

In den letzten Jahren häufen sich Meldungen zu Vibrionen an deutschen Küsten. Tatsächlich nimmt die Belastung deutscher Gewässer durch diese Bakterien zu. Wie gefährlich sind sie, welche Krankheiten können sie auslösen und wie kann man sich schützen?

Ein Sandstrand an der Ostsee, der dicht mit Strandkörben und Sonnenschirmen besetzt ist. Die Sonne scheint und das Meer ist ruhig.

© iStock / deepblue4you

Was sind Vibrionen?

Vibrionen sind Bakterien, die weltweit vor allem in Meeren und in Brackwasser leben. Das ist eine Mischung aus Salz- und Süßwasser, wie sie in Flussmündungen oder Lagunen vorkommt. Vibrionen sind stäbchenförmig, kommaartig gekrümmt, haben einen Schwanz (Geißel) und können sich selbstständig fortbewegen.

Vibrionen bewegen sich entweder frei im Wasser oder heften sich an Gestein, Pflanzen oder Tiere. Darüber hinaus können sie den Verdauungstrakt von Fischen, Krebstieren, Muscheln oder Quallen besiedeln.

Bei Temperaturen von über 20 Grad Celsius vermehren sich Vibrionen in Ufernähe stark. Strömung, Gezeiten und Wind können das Wasser zwar durchmischen, in geschützten flachen Buchten können sich Vibrionen jedoch anreichern.

Doc Felix erklärt den Unterschied zwischen Viren und Bakterien.

Was ist der Unterschied zwischen Cholera-Vibrionen und Nicht-Cholera-Vibrionen?

Es gibt mehr als 150 verschiedene Arten von Vibrio-Bakterien. Die meisten von ihnen sind harmlos. Nur etwa ein Dutzend kann nach dem derzeitigen Wissensstand beim Menschen Beschwerden oder Krankheiten verursachen.

Die bekannteste Untergruppe der Vibrionen sind die Vibrio cholerae. Zwei Vertreter dieser Gruppe (Vibrio cholerae O1 und O139) können Cholera auslösen. Cholera ist eine sehr schwere Durchfallerkrankung, kommt aber ausschließlich in Regionen mit einem Mangel an sauberem Trinkwasser vor.

In Nord- und Ostsee gibt es bei uns Nicht-Cholera-Vibrionen. Unter diesem Begriff fasst man alle anderen krankheitserregenden Vibrionen zusammen.

Welche Krankheiten können Nicht-Cholera-Vibrionen auslösen?

Vibrionen lösen vor allem Wundinfektionen und Magen-Darm-Erkrankungen aus. Sie können durch den Kontakt mit kleinen offenen Wunden eine Wundinfektion hervorrufen. Bei immungeschwächten Menschen reichen schon kleinere Verletzungen der Haut.

Eitrige Wunden sind eine mögliche Folge. Im schlimmsten Fall kann infolge der Infektion eine lebensbedrohliche Sepsis auftreten. Außerdem sind Ohrentzündungen durch Vibrionen möglich.

Für Magen-Darm-Erkrankung sind der Verzehr oder die Zubereitung von infizierten Meerestieren mögliche Eintrittspforten für die Vibrionen. Beispielsweise kann es zu einer Schleimhautentzündung von Magen und Dünndarm (Gastroenteritis) kommen.

Welche Symptome deuten auf eine Infektion mit Nicht-Cholera-Vibrionen hin?

Bei Infektionen des Magen-Darm-Traktes durch Nicht-Cholera-Vibrionen kann es zwar in Einzelfällen zu einer Sepsis kommen, meist ist der Verlauf aber mild. Typische Symptome sind:

  • Schmerzen im Unterleib
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • wässriger Durchfall

Eine Wundinfektion durch Vibrionen kann einen schweren Verlauf nehmen und muss früh behandelt werden. Ein mögliches Anzeichen für eine schwere Wundinfektion ist, dass der Schmerz im Verhältnis zur Größe und Schwere der Wunde als sehr stark empfunden wird. Zudem können Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Das Bild zeigt ein unbekleidetes Bein mit einer oberflächlichen Schürfwunde. Eine andere Person, von der nur die Hände zu sehen sind, trägt eine Lösung aus einem Fläschchen auf.

© iStock / YKD

Um einer Vibrionen-Infektion in der Ostsee oder anderen Salzwässern vorzubeugen, sollte eine Wunde nach Kontakt mit Salzwasser gereinigt und nach Möglichkeit desinfiziert werden.

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Wie häufig sind Vibrionen-Infektionen und wer ist besonders gefährdet?

Infektionen mit Nicht-Cholera-Vibrionen sind selten. In Deutschland besteht seit 2020 eine Meldepflicht für Vibrionen-Infektionen. Dem Robert Koch-Institut wurden für das Jahr 2024 95 Fälle gemeldet, wobei sich nur 42 Menschen in Deutschland infiziert haben.

Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist also sehr gering. Außerdem finden sich unter den in Europa dokumentierten Fällen nur wenige junge und gesunde Menschen, die meist auch nur leicht erkranken.

Andererseits gibt es Personengruppen, die sowohl ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung als auch für einen schweren Krankheitsverlauf haben:

  • ältere Menschen
  • Menschen mit Immunschwäche
  • Menschen mit Vorerkrankungen wie
    • Diabetes
    • Lebererkrankungen
    • Krebserkrankungen
    • schweren Herzerkrankungen

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Vibrionen in Deutschland: Warum ist die Ostsee besonders betroffen?

Nicht-Cholera-Vibrionen bevorzugen Wasser mit einem Salzgehalt von 0,5 bis 2,5 Prozent und Temperaturen von über 20 Grad Celsius. Daher werden sie in Deutschland und benachbarten Ost- und Nordseeanrainern vor allem im Sommer in mäßig salzhaltigen Brackwasser- und Meeresbereichen nachgewiesen.

Die Ostsee ist am stärksten betroffen, weil sie mit ihrem Salzgehalt von maximal 2 Prozent im „Lieblingsbereich“ der Vibrionen liegt, während die Nordsee einen Salzgehalt von rund 3,5 Prozent aufweist. Außerdem heizt sie sich schneller auf und durch die schwächeren Gezeiten wird das Wasser auch weniger stark bewegt.

Vereinzelt können Vibrionen auch in leicht salzigen Seen vorkommen. Davon gibt es in Deutschland viele. Ja nach Salzgehalt finde man verschiedene Unterarten.

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Wächst mit dem Klimawandel die Gefahr von Vibrionen-Infektionen?

Klares Ja: Das Überleben krankmachender Vibrionen, sowohl im Wasser als auch in belasteten Lebensmitteln wie Fisch oder Meeresfrüchten, wird durch hohe Temperaturen begünstigt. Und die Wasser- und Lufttemperaturen steigen mit dem Klimawandel. Gerade in Europa werden Wärmeperioden länger und häufiger.

Die Gebiete und Zeiträume, in denen Vibrionen günstige Bedingungen vorfinden, werden größer. Dadurch dürfte die Zahl der Vibrionen in heimischen Gewässern zunehmen – und mit ihr die Zahl der Wundinfektionen, die beim Baden durch diese Bakterien verursacht werden.

Das Gleiche gilt für Magen-Darm-Infektionen durch Lebensmittel aus dem Meer. Insbesondere Muscheln, die für ihre Ernährung Meerwasser filtern, können Vibrionen anreichern. Daher gelten beispielsweise lebend verzehrte Austern als Risikolebensmittel für Vibrionen-Durchfallerkrankungen.

Wie lassen sich Infektionen durch Vibrionen verhindern?

Lebensmittelinfektionen können Sie vermeiden, wenn Sie Fisch und Meeresfrüchte ausreichend erhitzen. Vibrionen sterben bei mindestens 70 Grad Celsius für zwei Minuten im Inneren des Lebensmittels sicher ab. Wichtig: Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen sollten keine rohen Muscheln essen.

Was das Baden in natürlichen Gewässern betrifft: Mit einer frischen Verletzung oder einer schlecht heilenden Wunde sollten Sie auf das Baden im Meer verzichten.

Kommt eine offene Wunde doch mit warmem Salzwasser in Kontakt, sollten Sie diese anschließend mit sauberem Wasser reinigen und beobachten. Ältere und immungeschwächte Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen sind die Risikogruppen für Vibrionen-Infektionen und müssen besonders vorsichtig sein.

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