Sicher Reisen
Reisen für Personen mit eingeschränkter Mobilität und Behinderung
Veröffentlicht am:20.02.2026
10 Minuten Lesedauer
Einfach mal Urlaub machen ist für viele Menschen, die im Rollstuhl sitzen, eine Sehbehinderung haben oder schon älter sind, nicht einfach. Doch es gibt Angebote, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind. Tipps für betreutes Reisen.

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Urlaub für Menschen mit Behinderung
Stufen vor dem Eingang ins Museum, keine leichte Sprache bei Durchsagen im Bus oder kein Fahrstuhl am Bahnhof – auf solche Hindernisse treffen Menschen mit Behinderung, wenn sie verreisen. Barrierefreiheit ist noch nicht überall selbstverständlich. Doch die Reisebranche stellt sich immer mehr auf ihre Bedürfnisse ein. Um Menschen mit Behinderung zu unterstützen, das perfekte Urlaubsziel zu finden, gibt es das Angebot „Reisen für Alle“ und Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen in allen Bundesländern.
„Reisen für Alle“ ist ein Kennzeichnungssystem. Hotels, Jugendherbergen, Gästehäuser, Orte und Regionen in Deutschland, die Angebote für Menschen mit Behinderungen bereithalten, können sich auf Barrierefreiheit überprüfen und zertifizieren lassen. Berücksichtigt werden folgende Personengruppen:
- Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind,
- mit Sehbehinderung,
- Schwerhörigkeit,
- Lernbehinderung,
- Gehörlosigkeit sowie
- einer Allergie oder Unverträglichkeit.
Wer sich für eine Reise interessiert, kann in einer Datenbank suchen und nach den individuellen Bedürfnissen filtern: ob das Ausflugsschiff für Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen geeignet ist, ob Assistenzhunde willkommen sind, es Audioguides oder ein Pflegebett gibt. Gebucht werden können Anreise, Übernachtung, gastronomische Einrichtungen, Ausflüge oder Gästeführungen.
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Betreutes Reisen für Menschen mit Behinderung
Um Menschen mit Behinderung das Reisen leichter zu machen, haben sich gemeinnützige Vereine und GmbHs zu einem bundesweiten Netzwerk zusammengeschlossen: den Lebenshilfe Tours. Das touristische Angebot ist vielfältig. Reiseassistentinnen und -assistenten begleiten die Urlauberinnen und Urlauber. Angeboten werden Tagesausflüge, Bildungs- und Städtetrips, Wochenendreisen oder Reisen in ferne Länder. Ziele sind zum Beispiel die Nord- und Ostsee, aber auch Italien oder Kanada.
Neben Gruppenreisen sind Einzelreisen möglich. Die „Solo-Tours“ sind ideal für Menschen, die alleine in den Urlaub fahren möchten, sich aber vor Ort eine Betreuung wünschen, die ihnen hilft oder ihnen zeigt, wo sie preiswert essen, einkaufen oder etwas erleben können. Wer solch eine Reise bucht, wird am Bahnhof abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Auch Familien und Paare können die Solo-Tours nutzen. Ein Familienmitglied, der Partner oder die Partnerin mit Behinderung wird dann vor Ort betreut und kann selbstständig etwas unternehmen.
Der Urlaub wird bei verschiedenen Reiseveranstaltern gebucht. Sie geben auch Tipps für die Freizeitgestaltung und eine Telefonnummer für Notfälle. Die Leistungen der einzelnen Veranstalter unterscheiden sich jedoch.
Betreute Reisen sind allerdings oft teurer, weil die Assistentinnen und Assistenten bezahlt werden müssen. Finanzielle Unterstützung bietet die Eingliederungshilfe. Das ist eine Sozialleistung, die Menschen mit Behinderung soziale Teilhabe ermöglicht.
Barrierearme Angebote in Familienferienstätten
Das Bundesfamilienministerium fördert seit über fünfzig Jahren den Bau und die Einrichtung gemeinnütziger Familienferienstätten. Sie ermöglichen Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen, sich in der Natur, zum Beispiel am Meer oder in den Bergen, zu erholen. Elf Bundesländer gewähren Zuschüsse für diese Reisen. 68 Familienferienstätten sind barrierearm und für Familien mit pflegebedürftigen Kindern oder Angehörigen geeignet. Manche bieten auch eine geschulte Betreuung und Pflege an.
Barrierefrei fliegen: Welche Unterstützung gibt es?
Flughäfen und Fluggesellschaften unterstützen Menschen mit Behinderung beim Ein- und Aussteigen ins Flugzeug. Der Bedarf sollte mindestens 48 Stunden vor dem Reiseantritt angemeldet werden und ist kostenlos. Oft gibt es an Flughäfen auch spezielle Treffpunkte, Rufsäulen, Pick-up-Punkte oder Check-in-Schalter. Das Flughafenpersonal unterstützt bei der Gepäckaufgabe und -ausgabe und begleitet Menschen mit eingeschränkter Mobilität zum Bus oder Taxistand. Wer einen elektrischen Rollstuhl mitnehmen möchte, sollte sich vorher informieren, ob er mit an Bord genommen werden darf. Ein Blindenführhund ist kein Problem. Informationen zum barrierefreien Fliegen hat die Berliner Behindertenzeitung zusammengestellt.
Fliegen: Informationen in Leichter Sprache
Seit 2008 gibt es Regeln für Flugreisen. Sie gelten fast in der gesamten Europäischen Union sowie in der Schweiz, Norwegen und Island. Informationen zu den Regeln und Rechten von Menschen mit Behinderung hat das Luftfahrtbundesamt in Leichter Sprache zusammengestellt. Erklärt wird beispielsweise, wann eine Begleitperson gebraucht wird, welche Hilfsmittel ins Flugzeug mitgenommen werden dürfen und welche Hilfen es an Bord gibt.
Betreutes Reisen für Menschen mit Demenz
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet betreute Reisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an: in Deutschland, Europa und Thailand. Ab Pflegegrad 2 können die Kosten für Betreuung und Pflege häufig über die Verhinderungspflege abgerechnet werden. Möglich sind individuelle Reisen, bei denen Reisezeit, Reiseziel und Dauer selbst bestimmt werden können. Einige Hotels sind auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz gut eingestellt. Vor Ort werden sie von einem ambulanten Pflegedienst oder in einer Tagespflege betreut.
Eine andere Möglichkeit sind Gruppenreisen. Die Betreuung der Menschen mit Demenz übernehmen Fachkräfte, die von ehrenamtlichen Kräften unterstützt werden. Angehörige haben Zeit, sich mit anderen auszutauschen, gemeinsam etwas zu unternehmen und zu entdecken.
Pflegende Angehörige, Menschen mit Demenz und ihre Familien können sich neun bis zehn Tage auch in Familienferienstätten erholen, von denen einige speziell auf sie ausgerichtet sind. Neben Angeboten für Paare gibt es Gruppenfreizeiten. Menschen mit Demenz wird ein professioneller Pflegedienst zur Verfügung gestellt. Für ihre Angehörigen gibt es spezielle Freizeitangebote, zum Beispiel Ausflüge oder Wanderungen.
Die Kosten für Pflege und Betreuung können durch Leistungen der Pflegeversicherung getragen werden, etwa durch den Entlastungsbetrag oder die Verhinderungspflege nach dem Sozialgesetzbuch XI.

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Betreute Reisen für Seniorinnen und Senioren
In puncto Freizeitgestaltung steht bei älteren Menschen das Reisen mit großem Abstand an erster Stelle – auch bei den über 75-Jährigen. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Malteser. Einige Reiseveranstalter bieten für diese Zielgruppe betreute Reisen im In- und Ausland an: Städtereisen, Kreuzfahrten und barrierefreies Reisen mit Betreuerinnen und Betreuern. Immer mehr Hotels stellen sich auch auf ältere Gäste ein. Die Wege sind ebenerdig und möglichst kurz, es gibt Fahrstühle, höhenverstellbare Betten und Badezimmer, die für ältere Menschen gut zugänglich sind, sowie spezielle Angebote für Sport und Mahlzeiten.
Besonders beliebt sind bei älteren Menschen Gruppenreisen. An- und Abreise sind organisiert, vor Ort gibt es ein Programm und die Reisebetreuerinnen und -betreuer kümmern sich um alles. Bei einigen Reiseveranstaltern gehören ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerinnen oder -pfleger zum Betreuungspersonal. Sie unterstützen ältere Menschen bei der Medikamenteneinnahme oder wenn eine Spritze gegeben werden muss.
Spezielle Reiseangebote gibt es auch für Menschen mit Vorerkrankungen, zum Beispiel mit Diabetes. In der Regel begleitet eine Ärztin oder ein Arzt die Reise, um den Teilnehmenden ein sicheres Gefühl zu geben. Reisen für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie für Ältere bietet zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz (DRK) an.
Welche Reiseziele bieten sich an?
Ideale Reiseziele sind die Nord- und Ostsee. Das Klima aktiviert den Organismus, die salzhaltige und pollenarme Luft macht die Atemwege frei. Auch die Durchblutung sowie das Immunsystem werden aktiviert. Spaziergänge am Wasser fördern die Motorik. Reisen in Regionen mit Bergen und Wäldern bieten sich ebenfalls an. Die Bedingungen für Nordic-Walking und zum Fahrradfahren mit einem E-Bike sind dort ideal.
Während der Reise sollten Sie jedoch einige Dinge beachten.
- Vermeiden Sie Stress und planen Sie Pausen ein. Trinken Sie zwischendurch.
- Planen Sie genügend Zeit ein, wenn Sie umsteigen müssen.
- Bewahren Sie Medikamente im Handgepäck auf, für den Fall, dass es zu Verzögerungen kommt.
- Meiden Sie Reisen in Länder und Regionen mit extrem heißem tropischen sowie sehr kaltem feuchten Klima.
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Die Pflege von Angehörigen kann emotional und körperlich belasten. Der Familiencoach Pflege bietet ein kostenloses Online‑Selbsthilfeprogramm, das hilft, die psychische Gesundheit zu stärken und Überlastung vorzubeugen.
Was sollten Sie vor der Reise beachten?
Ältere Menschen und Menschen mit Behinderung sollten sich vor der Reise gut informieren und den Urlaub entsprechend planen. Einige Tipps:
- Klären Sie vor dem Reiseantritt ab, ob an dem Urlaubsort besondere gesundheitliche Risiken bestehen und spezielle Impfungen notwendig sind.
- Suchen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin auf, wenn Sie eine Fernreise planen, lassen Sie einen Gesundheitscheck machen und klären Sie ab, ob Sie bei einem Langstreckenflug Thrombose-Strümpfe tragen sollten.
- Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumonie (Lungenentzündung) impfen.
- Wenn Sie starke Schmerzmittel einnehmen, ist eine ärztliche Bescheinigung, am besten auf Englisch, ratsam. Denn die Mitnahme ist nicht in allen Ländern erlaubt.
- Wenn Sie mit der Deutschen Bahn reisen und Hilfe beim Ein-, Um- und Aussteigen brauchen, müssen Sie die Hilfe rechtzeitig anmelden: bis spätestens 20 Uhr am Vortag, bei Reisen ins Ausland mindestens 24 Stunden vorher.
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