Wasser & Luft

Was passiert mit Mikroplastik in unserem Körper?

Veröffentlicht am:17.03.2021

aktualisiert am 15.07.2026

5 Minuten Lesedauer

Wir nehmen täglich unbemerkt kleinste Kunststoffpartikel auf. Woher kommt dieses Mikroplastik und was wissen Forschende über gesundheitliche Folgen? Ein Überblick der aktuellen Datenlage.

Frau trinkt Wasser aus einer Plastikflasche, dabei kann Mikroplastik in den Körper gelangen.

© AOK

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind kleine Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern. Forschende unterscheiden zwei Arten von Mikroplastik:

  • Sie sprechen von primärem Mikroplastik, wenn Produkte bereits feine Teilchen enthalten. Dazu zählen neben Kosmetikprodukten beispielsweise auch Farben für Fassaden und Wohnräume.
  • Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Abbau und die Zerkleinerung von größeren Kunststoffen. Die größten Verursacher von sekundärem Mikroplastik sind Reifen- und Straßenabriebe.

Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Der überwiegende Teil des Mikroplastiks ist sekundäres Mikroplastik von Reifen- und Straßenabrieb. Daneben entsteht sekundäres Mikroplastik auch bei der Abfallbeseitigung sowie durch Abrieb von Kunstharz- und Acrylfarben.

Auch Kleidung aus synthetischen Fasern trägt dazu bei: Beim Waschen lösen sich Mikrofasern, die über das Abwasser in die Umwelt gelangen, weil Klärwerke nur unzureichend kleinste Teilchen zurückhalten können. Außerdem kann Mikroplastik auf landwirtschaftliche Flächen gelangen, etwa durch den Einsatz von Klärschlamm.

Zudem können Kunststoffe durch unsachgemäße Entsorgung von Plastikabfällen in die Umwelt gelangen: PET-Flaschen, Plastiktüten und Kisten werden durch Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung oder Reibung immer weiter zerkleinert.

Wie gelangt Mikroplastik in den menschlichen Körper?

Menschen nehmen Mikroplastik vor allem über Lebensmittel und Getränke sowie über die Atemluft auf.

Wie kommt Mikroplastik in Lebensmittel?

Mikroplastik gelangt über die Nahrungskette – etwa durch Fische und Meeresfrüchte – sowie durch Verarbeitung, Verpackung oder Zubereitung in Lebensmittel. Kleine Plastikteilchen können von Plankton und Fischlarven aufgenommen werden und gelangen so in die Nahrungskette. Über Fische oder Meeresfrüchte kommen sie schließlich auch in den menschlichen Körper. Besonders Muscheln können größere Mengen an Mikroplastik enthalten.

Neben der Nahrung selbst kann Mikroplastik auch bei der Herstellung, Verpackungen oder Zubereitung in die Lebensmittel und damit in den Körper gelangen. So können sich etwa aus Babyflaschen Kunststoffpartikel lösen – besonders bei hohen Temperaturen. Eine geringere Temperatur bei der Zubereitung kann die Freisetzung reduzieren, auch Glasflaschen sind eine Alternative.

Enthalten Getränke Mikroplastik?

Forschende konnten Plastikpartikel in Mineralwässern aus Mehrwegflaschen nachweisen – sowohl in Plastik- als auch in Glasflaschen. Das deutet darauf hin, dass die Verunreinigung nicht ausschließlich vom Verpackungsmaterial selbst stammt. Woher sie genau kommt, bleibt jedoch noch zu klären.

Atmen wir Mikroplastik ein?

Auch über die Atemluft können Menschen Mikroplastik aufnehmen. Die winzigen Partikel wurden in Schwebstaub und abgelagertem Staub nachgewiesen, machen jedoch nur einen kleinen Anteil der gesamten Feinstaubbelastung aus. Wie weit sie in die Atemwege eindringen, hängt vor allem von ihrer Größe und Form ab.

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Wie viel Mikroplastik nehmen wir auf?

Menschen nehmen vermutlich nur sehr kleine Mengen Mikroplastik auf – nach aktuellem Stand im Mikrogrammbereich pro Woche. Frühere Schätzungen von etwa fünf Gramm pro Woche gelten heute als deutlich zu hoch. Sie beruhten auf vereinfachten Berechnungen, bei denen die tatsächliche Partikelgröße nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

Die Datenlage ist weiterhin unsicher, da es bislang nur wenige verlässliche Messungen gibt. Wie viel Mikroplastik Menschen tatsächlich aufnehmen, ist daher noch nicht abschließend geklärt.

Hand mit nassem Sand, in dem viele kleine Plastikpartikel sichtbar sind.

© iStock / pcess609

Mikroplastik ist an vielen Stränden sichtbar. Unsichtbar kleine Kunststoffpartikel sind zudem in Wasser, Lebensmitteln und der Luft nachweisbar.

Welche gesundheitlichen Folgen hat Mikroplastik für den Menschen?

Derzeit lässt sich die Frage, ob Mikroplastik zu Schäden oder Krankheiten im Körper führt, nicht abschließend beantworten, denn es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass Mikroplastik gesundheitliche Risiken für den Menschen verursacht. Die Datenlage ist begrenzt und viele Fragen noch offen.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen konnten Mikroplastik in Stuhlproben nachweisen, was für eine Aufnahme in den Magen-Darm-Trakt spricht. Welche gesundheitliche Bedeutung das hat, ist bislang jedoch nicht geklärt.

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Was zeigen Tier- und Zellstudien zu den Folgen von Mikroplastik?

Tierstudien liefern erste Hinweise darauf, dass Kunststoffpartikel die Nahrungsaufnahme oder das Verhalten verändern können. Sehr kleine Mikroplastikpartikel können von Tieren aufgenommen und in Geweben nachgewiesen werden. Einige Tier- und Zellstudien deuten darauf hin, dass Mikro- und Nanoplastik Entzündungs- oder Immunreaktionen auslösen könnten. Zu einer Schädigung des Darmgewebes oder anderer Zellen scheint es aber nicht zu kommen.

Ob solche Effekte beim Menschen auch auftreten, ist bislang unklar. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung ist es derzeit unwahrscheinlich, dass von Plastikpartikeln gesundheitliche Risiken ausgehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewertet das Risiko etwas kritischer: Es gibt bislang weder eindeutige Belege für negative gesundheitsschädliche Effekte noch ausreichend Daten, um Risiken sicher auszuschließen.

Kann man Mikroplastik aus dem Körper entfernen?

Derzeit gibt es keine wissenschaftlich belegte Methode, um Mikroplastik aus dem menschlichen Körper zu entfernen. Immer wieder kursieren Behauptungen, etwa zu Zitronenöl oder anderen Hausmitteln – dafür gibt es jedoch keine Belege. Mikroplastikpartikel sind sehr stabil und es ist unwahrscheinlich, dass solche Mittel Mikroplastik wirksam entfernen können.

Was unternimmt die Politik gegen Mikroplastik?

Politik und Behörden versuchen, Mikroplastik vor allem durch Verbote und strengere Regeln zu reduzieren. In Deutschland sind seit 2021 viele Einweg-Kunststoffprodukte verboten. Dazu zählen unter anderem Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Glitzer sowie To-go-Verpackungen und Behälter aus Styropor.

Auf EU-Ebene wird die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika seit 2023 durch ein Verbot von absichtlich zugesetzten Mikroplastikpartikeln stark eingeschränkt. Die UN hat eine Reihe von Verhandlungen ausgerichtet, um den weltweit ersten Vertrag zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung zu erreichen. Leider konnte sich auch die fünfte Verhandlungsrunde des internationalen UN-Verhandlungskomitees (INC) nicht auf strengere, verbindliche Regeln zur Reduzierung der Plastikverschmutzung einigen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) will die Arbeit gegen Plastikverschmutzung fortsetzen.

Fachlich geprüft
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