Zähne
Chancengleichheit in der Zahngesundheit: gesunde Zähne für alle Kinder
Veröffentlicht am:14.01.2026
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Kinderzähne sind heute gesünder denn je. Dennoch gibt es soziale Unterschiede. Besonders Kinder aus Familien mit wenig Bildung und Einkommen sowie Migrationshintergrund benötigen gezielte Unterstützung.

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Kinderzähne: soziale Unterschiede trotz Fortschritten
Die Zahngesundheit von Kindern hat sich enorm verbessert – und das unabhängig von sozialer Herkunft und Migrationshintergrund. Die Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS) belegt, dass heute etwa vier von fünf Zwölfjährigen kariesfrei sind. Zum Vergleich: Anfang der 1990er-Jahre war es nur jedes dritte Kind. Eine Studie aus Hamburg bestätigt diesen positiven Trend und zeigt, dass Karies bei Vorschulkindern über einen Zeitraum von fast vier Jahrzehnten erheblich zurückgegangen ist.
Trotz dieser Erfolge bleiben soziale Unterschiede in der Mundgesundheit bestehen. Laut DMS erhöhen ein niedriges Bildungsniveau und ein Migrationshintergrund das Kariesrisiko für Kinder. So haben Zwölfjährige aus bildungsfernen Familien eine viermal höhere Karieserfahrung als Kinder aus bildungsstarken Familien. Die Studie zeigt zudem: Während knapp 88 Prozent der Zwölfjährigen ohne Migrationshintergrund kariesfrei sind, sind es bei Zwölfjährigen mit Migrationshintergrund nur rund 52 Prozent.
Eine europaweite Untersuchung ergänzt: Neben Bildung und Migration wirkt sich auch das Einkommen einer Familie auf die Zahngesundheit ihrer Kinder aus. Demnach haben Kinder aus einkommensschwachen Ländern eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine schlechte Mundgesundheit.
Das soziale Umfeld prägt die Zahngesundheit
Das soziale Umfeld bestimmt, wie gut sich ein Mensch um seine Gesundheit kümmert und welche Chancen er hat, gesund zu bleiben. Zu den Einflussfaktoren gehören unter anderem: Bildung und Fürsorge in der Kindheit, das Stresslevel im Alltag, Einkommen, soziale Teilhabe oder die Wohnsituation.
Gesundheitliche Ungleichheit hat viele Gründe. So haben Menschen mit niedrigem sozialem Status beispielsweise andere, dringendere Sorgen. Sie scheuen den Besuch einer Zahnarztpraxis, weil sie sich vom höheren Bildungsgrad des Personals eingeschüchtert fühlen oder weil sie die Kosten einer Untersuchung oder Behandlung nicht einschätzen können. Außerdem berücksichtigen Gesundheitsinformationen und Vorbeugemaßnahmen oft nicht die Lebensumstände, kulturellen Hintergründe und den Alltag dieser Menschen.
Darum ist Zahnpflege in der Kindheit so wichtig
Kranke Zähne verursachen nicht nur Schmerzen, sondern beeinträchtigen auch die allgemeine Gesundheit. Entzündungen im Mund können Entzündungen im gesamten Körper und den Verlauf von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes beeinflussen.
Mit gesunden Milchzähnen bleiben den Kindern oft nicht nur sehr schmerzhafte Erfahrungen erspart. Sie legen auch den Grundstein dafür, dass die Zähne ein Leben lang gesund bleiben, und fördern die gesamte Entwicklung der Kinder. Gesunde Milchzähne ermöglichen eine klare Sprache, formen Gebiss und Kiefer, unterstützen das körperliche Wohlbefinden und helfen den Kindern, ohne Unbehagen, Schmerzen oder Scham am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
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Gesunde Zähne für alle Kinder: Was wir tun können
Für gesunde Zähne sind vier Punkte entscheidend: eine zahngesunde Ernährung, stärkende Fluoride, eine gewissenhafte Zahnpflege und die zahnärztliche Vorsorge. Zusätzliche Maßnahmen helfen gezielt dabei, die Zahngesundheit von Kindern aus sozial benachteiligten Familien zu verbessern.
Gruppenprophylaxe: gemeinsam für starke Kinderzähne
Seit 1989 gibt es die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in Kitas, Schulen und weiteren Betreuungseinrichtungen. Sie fördert die Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen und beugt Zahnerkrankungen vor. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ) koordiniert dieses gesetzlich geregelte Präventionsprogramm gemeinsam mit den Krankenkassen und den Ländern. Dafür besuchen Zahnärztinnen, Zahnärzte und geschultes Personal die Einrichtungen regelmäßig und
- vermitteln kindergerecht Zahnwissen,
- üben gemeinsam Zähneputzen,
- kontrollieren die Zähne und
- führen bei Bedarf Fluoridierungen durch.
Die Gruppenprophylaxe ist ein effektives Programm für Kindergesundheit in Deutschland. Bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko können die Behandelnden eine Intensivprophylaxe durchführen.
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Zahnärztliche Behandlung bei Kindern
Die AOK fördert die Zahngesundheit von Kindern mit einem umfassenden Leistungspaket.

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Zähneputzen in der Kita: eine gesunde Gewohnheit für alle
Viele Kitas legen großen Wert auf Mundhygiene, aber nicht alle. Dabei kann ein verpflichtendes tägliches Zähneputzen in der Kita die Zahngesundheit weiter verbessern – besonders bei Kindern aus Familien, die Zahnpflege eher vernachlässigen. So lernen die Kinder früh, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen. Das tägliche Ritual in der Gruppe etabliert die Mundpflege als soziale Gewohnheit. Diese Gewohnheit wirkt sich idealerweise ein Leben lang auf ihr Verhalten aus. Zudem sensibilisieren die Erzieherinnen und Erzieher die Eltern für die Bedeutung der Mundhygiene.
Zahnärztinnen und Zahnärzte: wichtige Lotsen für die Gesundheit
Karies entsteht hauptsächlich durch ungesunden Zuckerkonsum. Dieser kann besonders in sozial schwachen Familien zu frühkindlicher Karies führen. Eine schlechte Ernährung fördert zudem andere Zahnerkrankungen wie Parodontitis sowie Entzündungen im ganzen Körper. Zahnärztinnen und Zahnärzte erkennen oft schnell, wenn Kinder sich ungesund ernähren, und können Tipps für eine zahngesunde Ernährung geben. Bereits kurze Beratungsimpulse können eine große Wirkung entfalten.
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Frühe Vorsorge: Zahnarztbesuch ab dem Babyalter
Um Zahnerkrankungen vorzubeugen, ist ein Termin in der Zahnarztpraxis bereits für Babys wichtig. Das Vorsorgeprogramm beginnt im sechsten Lebensmonat des Kindes. Die Eltern erhalten Informationen zur Mundhygiene, zu einer zahnschonenden Ernährung und zur richtigen Zahnpflege, sobald die ersten Zähnchen da sind. Kinder ab sechs Jahren sollten mindestens zweimal im Jahr zur Untersuchung gehen. Denn jetzt brauchen die neu durchgebrochenen bleibenden Zähne besonderen Schutz. Die Behandelnden versiegeln beispielsweise vorsorglich Kauflächen der bleibenden Backenzähne. Das schützt die Zähne langfristig.
Alle erreichen: mit gezielter Ansprache und kultureller Sensibilität
Gesundheitsinformationen und Präventionsangebote müssen der Lebenssituation ihrer Zielgruppe entsprechen. Wichtig sind Informationsmaterialien in verschiedenen Sprachen und kultursensible Beratungsangebote, um auch Familien mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Schichten zu erreichen.
Die Mundgesundheit aller Kinder ist somit eine Gemeinschaftsaufgabe. Familien und Eltern sind für die Gesundheit ihrer Kinder hauptverantwortlich. Kitas, Schulen und Zahnarztpraxen können sie dabei unterstützen, ein Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln. Wenn alle Beteiligten gut beraten, aufklären und unterstützen, stärken sie die Chancengleichheit und ermöglichen jedem Kind ein strahlendes und gesundes Lächeln.
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