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Nicht nur Biologie: warum Frauen älter werden als Männer

Ältere Frau umarmt ihren Partner über ein Sofa gebeugt.

© iStock / Ridofranz

Lesezeit: 3 Minuten28.07.2022

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen ist höher als die der Männer – nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Die Gründe dafür sind komplex und noch nicht vollständig geklärt: eine Übersicht über Erklärungsansätze.

Inhalte im Überblick

    Warum werden Frauen älter als Männer?

    Frauen leben im Mittel länger als Männer, und zwar um ganze vier bis fünf Jahre: In Deutschland haben laut Statistischem Bundesamt neugeborene Jungen heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,6 Jahren, während Mädchen damit rechnen können, 83,4 Jahre alt zu werden. Der Unterschied ist auch in anderen Ländern der Erde vorhanden: Weltweit beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern knapp 70 Jahre, die von Frauen etwas mehr als 74 Jahre.

    Die Frage, warum Frauen älter als Männer werden, beschäftigt Forschende schon lange. Fest steht bislang: Den einen Grund, der den geschlechtsspezifischen Altersunterschied erklären kann, gibt es nicht. Vielmehr ist offenbar ein komplexes Zusammenspiel aus verschiedenen Einflüssen dafür verantwortlich. Neben biologischen Faktoren können dabei auch andere Ursachen eine Rolle spielen.

    Warum Frauen älter als Männer werden: biologische Ursachen

    Wer nach den Gründen dafür sucht, warum Frauen länger leben als Männer, kommt um genetische Einflüsse nicht herum. Frauen besitzen das X-Geschlechtschromosom doppelt. Das kann eventuell Vorteile verschaffen: Ist eines der beiden Chromosomen nicht intakt, kann das zweite Chromosom die fehlende Funktion des ersten ausgleichen – und könnte damit zu einem Überlebensvorteil beitragen. Dass Lebewesen mit zwei gleichen Geschlechtschromosomen länger leben, zeigen zumindest Untersuchungen an Tieren: Bei Säugetieren besitzen die Weibchen doppelte Geschlechtschromosomen, bei Vögeln die Männchen – und beide leben im Durchschnitt länger als ihre andersgeschlechtlichen Artgenossen.

    Auch die hormonelle Ausstattung könnte eine Rolle spielen: Frauen haben einen höheren Anteil an dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Das wiederum könnte das geringere Erkrankungsrisiko für die sogenannte koronare Herzkrankheit (KHK) zumindest vor der Menopause erklären. Bei der KHK kommt es durch eine Einengung der Herzkranzgefäße im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt. Hinzu kommt, dass das Immunsystem von Frauen im Allgemeinen besser funktioniert und potenziell lebensbedrohliche Infektionen eher verhindert als die Immunabwehr bei Männern. Die Ursachen für diese Unterschiede sind noch nicht geklärt.

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    Warum Frauen älter als Männer werden: weitere mögliche Einflüsse

    Neben biologischen Voraussetzungen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler andere Faktoren, welche die Unterschiede in der Lebenserwartung von Männern und Frauen erklären könnten. Tatsächlich scheinen Umwelteinflüsse nicht nur bei wild lebenden Säugetieren, sondern auch bei Menschen eine Rolle dabei zu spielen. Dafür spricht die Tatsache, dass Geschlechtsunterschiede in der Lebenserwartung je nach Land oder Region und auch nach historischem Zeitraum größer oder kleiner sein können.

    Als Faktoren von außen, die die Lebenserwartung unterschiedlich beeinflussen, kommen zum Beispiel Einkommen und sozialer Status sowie ein ungesunder Lebensstil mit hohem Alkohol- und Tabakkonsum, schlechter Ernährung, Bewegungsmangel oder riskantem Verhalten infrage. Anders gesagt: Frauen achten im Durchschnitt stärker auf eine gesunde Lebensweise. Das hat auch eine repräsentative Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK bestätigt. Dabei gaben 77,1 Prozent der Frauen an, dass sie ganz bewusst versuchen, durch ihr Verhalten Krankheiten vorzubeugen. Bei den Männern fanden nur 64,3 Prozent diese Aussage zutreffend. Ähnlich sieht es bei den Vorsorgeuntersuchungen aus. Während 68,3 Prozent der Frauen regelmäßig zum Arzt oder zur Ärztin gehen, damit eventuelle Erkrankungen früh entdeckt werden können, sind es bei den Männern nur 58,2 Prozent.

    Älteres Paar läuft in einem Park.
    Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Lebenserwartung von Frauen und Männern aus.

    © iStock / shapecharge

    Die Unterschiede in der Lebenserwartung werden kleiner

    Was letztendlich Lebensalter und Sterblichkeit entscheidend beeinflusst, ist aber immer noch nicht eindeutig geklärt. Fakt ist, dass die mittlere Lebenserwartung in den meisten hochentwickelten Ländern in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. In Deutschland hat sie sich in den letzten 150 Jahren sogar verdoppelt. Das ist unter anderem auf die geringere Säuglingssterblichkeit und eine bessere medizinische Versorgung zum Beispiel durch leicht zugängliche Früherkennungsuntersuchungen oder Fortschritte in der Behandlung von Krankheiten zurückzuführen. Zudem sind Faktoren wie Hygiene, Bildung sowie die Arbeits- und Lebensweise der Menschen von zentraler Bedeutung.

    Seit 1950 war auch zu beobachten, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung von Männern und Frauen in Deutschland immer größer wurden. Seit 1990 sind diese aber wieder zurückgegangen. Diese Schwankungen deuten darauf hin, dass genetische Faktoren allein die Unterschiede nicht erklären können, sondern die unterschiedlichsten Faktoren bei diesem Thema zusammenwirken.

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