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Ginseng: Wirkung und mögliche Nebenwirkungen
Veröffentlicht am:10.02.2026
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Seit Jahrhunderten gilt Ginseng in Asien als Pflanze, die Körper und Geist stärkt. Ginseng soll Konzentration und Stressresistenz fördern – doch stimmt das? Wem Ginseng helfen kann und wer ihn nicht nehmen sollte.

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Für was ist Ginseng gut?
Es gibt Ginseng in verarbeiteter Form als Tee, Kapseln oder anderen pflanzlichen Arzneizubereitungen. Am häufigsten wird die Wurzel des asiatischen Ginsengs verwendet und auf verschiedene Weisen verarbeitet. Man unterscheidet zwischen „Weißem Ginseng“, der lediglich getrocknet und „Rotem Ginseng“, der zunächst gedämpft und dann getrocknet wird – beide lassen sich anschließend zerkleinern oder pulverisieren. Aus der Wurzel gewinnen Hersteller zudem unterschiedliche Extrakte, die trocken, weich oder flüssig sind.
Asiatischem Ginseng werden traditionell eine Vielzahl positiver Wirkungen zugeschrieben. Er soll Müdigkeit sowie Stress reduzieren, die geistige Leistungsfähigkeit fördern und auch bei Erkrankungen wie Diabetes, Atemwegserkrankungen oder altersbedingten Beschwerden unterstützen. In den letzten Jahren beschäftigten sich Forschende vermehrt mit der Frage, bei welchen Krankheiten Ginseng hilft und ob die traditionellen Aussagen zur Wirkung tatsächlich belegbar sind.
Welche Wirkung von Ginseng ist durch Studien belegt?
Einige wenige Studien deuten darauf hin, dass asiatischer Ginseng die kognitive Leistung bei Erwachsenen mittleren Alters leicht verbessern könnte, allerdings nur in Kombination mit Ginkgo – das betrifft unter anderem das abstrakte Denken, die Aufmerksamkeit und die Reaktionszeit. Eine Übersichtsarbeit, die 19 Studien analysierte, kommt zu dem Schluss, dass Ginseng eine nicht krankheitsbedingte Müdigkeit leicht reduzieren kann. Hinweise auf positive Wirkungen bei erhöhten Blutzuckerwerten, erektiler Dysfunktion, also Erektionsstörungen, oder chronischer Müdigkeit sind bisher begrenzt und teilweise widersprüchlich. Relativ eindeutig scheint jedoch, dass Ginseng die sportliche Leistungsfähigkeit nicht steigert. Für andere Einsatzgebiete wie Alterung, Stress, Asthma oder Angstzustände gibt es bislang zu wenig verlässliche Daten. Kurzum: Fast alle der erwarteten positiven Effekte von Ginseng wurden durch bisherige Studien nicht bestätigt. Die meisten Studien waren mit unter 200 Teilnehmenden eher klein und die Forschungszeit von weniger als drei Monaten eher kurz. Größere Studien sind notwendig, um eine mögliche Wirksamkeit von Ginseng weiter zu untersuchen.
Woher stammt Ginseng?
Ursprünglich stammt der asiatische Ginseng (Panax ginseng) aus Fernost, vor allem aus Korea, Nordostchina und dem fernöstlichen Sibirien. Dort besitzt er in der traditionellen chinesischen Medizin einen festen Platz als beruhigendes Mittel und Adaptogen. Adaptogene Kräuter wie Ginseng sollen dem Körper helfen, sich an körperliche sowie psychische Belastungen anzupassen und Stress besser zu bewältigen.
Hilft Ginseng bei Müdigkeit oder Schwäche?
Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), ein Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel, empfiehlt, bei Müdigkeit und Schwäche Zubereitungen mit der Ginseng-Wurzel einzunehmen. Das HMPC bezieht sich allerdings lediglich auf den traditionellen Einsatz von Ginseng – durch Studien wissenschaftlich bestätigt ist die Wirksamkeit bisher nicht. In der Europäischen Union sind Ginsengpräparate nur für Erwachsene vorgesehen. Sie sollten die Arzneien höchstens drei Monate einnehmen und bei länger anhaltenden Beschwerden oder einer Verschlimmerung das ärztliche Gespräch suchen.
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Interessierte können pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit Ginseng kaufen. Nahrungsergänzungsmittel, die rechtlich als Lebensmittel gelten, dürfen keine echte Arzneiwirkung entfalten: Pflanzen wie Ginseng dürfen nur in so geringen Mengen enthalten sein, dass sie die für Medikamente typische Ginseng-Wirkung nicht erreichen. Das dient der Sicherheit der Anwender und Anwenderinnen. Schließlich kann jede pharmakologische Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen. Deshalb ist die Dosierung in Lebensmitteln bewusst niedrig gehalten.
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Welche Nebenwirkungen kann Ginseng haben?
Durch die Einnahme von Ginseng können Untersuchungen zufolge Kopfschmerzen, Durchfall, Schlaflosigkeit und Hautausschläge entstehen – auch Vaginalblutungen sind möglich. Doch wie wirkt Ginseng auf den Blutdruck? Menschen mit Blutdruckproblemen sollten besonders aufpassen, denn Ginseng kann zu Bluthochdruck führen. Da die Pflanze scheinbar zentral auf den Körper einwirkt, ist Vorsicht geboten – vor allem bei Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen. Wer beispielsweise Blutverdünner wie Vitamin-K-Antagonisten nutzt, sollte Ginseng nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin einnehmen, da gefährliche Wechselwirkungen möglich sind. Ginseng kann nämlich den Blutspiegel einiger Arzneimittel wie Blutverdünner, senken und den Effekt sedierender, also beruhigender Medikamente verstärken. Auch bei Erkrankungen, auf die Ginseng eventuell Einfluss haben könnte, wie die erektile Dysfunktion, liegt die Entscheidung über eine Anwendung stets beim Mediziner oder der Medizinerin. Sie können auch entscheiden, wann man Ginseng nicht nehmen sollte. Zwar zeigen nur wenige Studien schwere Nebenwirkungen. Die meisten Studien sind jedoch methodisch eher schwach, weshalb ihre Ergebnisse nicht besonders aussagekräftig sind.
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