Krebs

HPV-Impfung: Wie wirkt sie und für wen wird sie empfohlen?

Veröffentlicht am:21.10.2021

11 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 19.11.2025

Gebärmutterhalskrebs wird zu fast 100 Prozent durch humane Papillomaviren verursacht. Auch bei Männern können die Viren eine Krebserkrankung auslösen. Warum die HPV-Impfung so wichtig ist und wer sich in welchem Alter impfen lassen sollte.

Eine Person hält eine Spritze für eine HPV-Impfung in der Hand, im Hintergrund ist ein junges Mädchen.

© iStock / Manit Chaidee

Wie werden humane Papillomviren (HPV) übertragen?

Fast jeder Mensch, der sexuell aktiv ist, infiziert sich einmal im Leben mit humanen Papillomviren (HPV). Sie zählen zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Krankheiten. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über Vaginal- und Analverkehr. Die Viren können aber auch beim Oralsex auf den Mund- und Rachenbereich übertragen werden. Über Mikroverletzungen der Haut oder über die Schleimhäute gelangen sie in den Körper. In seltenen Fällen werden HP-Viren auch durch eine Schmierinfektion übertragen oder während der Geburt auf das Kind, wenn die Mutter mit HPV infiziert ist. Die Infektion verläuft symptomlos und bleibt daher unbemerkt, doch sie kann Krebs verursachen. Den besten Schutz bietet eine frühe Impfung, möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr.

HPV-Typen

Bisher sind über 200 HPV-Typen bekannt. Sie werden unterschieden in Hochrisiko-Typen (vor allem 16 und 18) und Niedrigrisiko-Typen (vor allem 6 und 11).

Die Hochrisiko-Typen werden so bezeichnet, weil sie Krebs auslösen können. Neben den Hochrisiko-Typen 16 und 18 gibt es noch mindestens 13 weitere, die Krebs verursachen können.

Die Niedrigrisiko-Typen können Genitalwarzen (Kondylome) verursachen. Diese kleinen, stecknadelkopfgroßen Hautwucherungen sind zwar harmlos, können aber zu schmerzhaften und juckenden Ekzemen im Analbereich führen. Sie erfordern teilweise eine langwierige ärztliche Behandlung.

Eine Infektion mit einem Hochrisiko-Typ bedeutet nicht, dass zwangsläufig Krebs entsteht. Denn meistens ist die Infektion nur vorübergehend. Das Immunsystem bekämpft den Erreger, sodass er nach ein bis zwei Jahren nicht mehr nachweisbar ist. Es gibt aber auch anhaltende Infektionen. Von 100 Frauen, die sich mit einem der Hochrisikotypen infiziert haben, erkrankt weniger als eine Frau im Durchschnitt nach 15 Jahren an Gebärmutterhalskrebs.

Welche Krebsarten kann eine HPV-Infektion verursachen?

Wenn HPV-Infektionen fortbestehen, können sie über Krebsvorstufen zu folgenden Krebserkrankungen führen:

  • Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
  • Karzinome am Anus und im Genitalbereich 
  • Karzinome in Mundhöhle und Rachen

Frauen sind vor allem vom Zervixkarzinom betroffen. Es wird fast zu 100 Prozent durch HPV verursacht. Männer – insbesondere homosexuelle – erkranken hauptsächlich an Karzinomen im Mund- und Rachenbereich sowie an Anus und Penis.

Bei rund 4.400 Frauen wurde 2022 in Deutschland ein „Zervixkarzinom“ diagnostiziert, mehr als 1.400 verstarben daran. Fünf Jahre nach der Diagnose liegt die Überlebensrate bei 64 Prozent. Jedes Jahr müssen sich etwa 56.000 Frauen einer Konisation unterziehen, also der Behandlung einer Krebsvorstufe, deren Ursache HP-Viren sind. Bei einer Konisation wird der Gebärmutterhals kegelförmig ausgeschnitten. Das Risiko für Frühgeburten erhöht sich durch diesen operativen Eingriff für alle zukünftigen Schwangerschaften.

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Warum ist eine HPV-Impfung für Mädchen und Jungen sinnvoll?

Die HPV-Impfung (umgangssprachlich: Gebärmutterhalskrebs-Impfung) schützt zu 94 Prozent vor Gebärmutterhalskrebs, zu 96 Prozent vor einer Krebserkrankung im Mund-Rachenraum und zu 98 Prozent im Analbereich. Mit der Impfung kann das Risiko für eine HPV-Infektion und eine damit zusammenhängende Krebserkrankung wirksam reduziert werden.

Eine schwedische Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Mädchen, die vor dem Alter von 17 Jahren geimpft wurden, ein um 88 Prozent geringeres Risiko haben, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die Ergebnisse basieren auf den Daten von mehr als 1,5 Millionen Mädchen und Frauen zwischen 10 und 30 Jahren.

Eindrucksvoll übertroffen wird dies durch eine im Januar 2024 veröffentlichte große Studie der Public Health Scotland (PHS) in Zusammenarbeit mit den Universitäten Strathclyde und Edinburgh: Bei vollständig geimpften Frauen wurden nach der Impfung gegen HPV im Alter von 12 bis 13 Jahren keine Fälle von Gebärmutterhalskrebs festgestellt, seitdem das Programm 2008 in Schottland eingeführt wurde.

Zum Einfluss der Impfung auf HPV-bedingte Tumore an Vagina, Vulva, Penis, Anus und im Mund-Rachen-Raum gibt es noch keine aussagekräftigen Studien. Das liegt daran, dass es zwischen 10 und 30 Jahre – teilweise sogar noch länger – dauern kann, bis aus einer HPV-Infektion Krebs entstanden ist. Die Impfung ist aber erst seit 2007 in Deutschland zugelassen. Zunächst nur für Mädchen, seit 2018 auch für Jungen.

Studien zeigen, dass in Europa etwa einer von fünf männlichen Jugendlichen ab 15 Jahren mindestens mit einem HPV-Hochrisiko-Typ infiziert ist, der Krebs verursachen kann. Der Anteil verändert sich mit zunehmendem Alter nicht. Diese ungeimpften Jungen und Männer können selbst an Krebs erkranken, aber das Virus auch an ihre Sexualpartner oder -partnerinnen weitergeben.

Ein Junge und ein Mädchen liegen auf einem Sofa und halten sich im Arm.

© iStock / Kiwis

Die HPV-Impfung erfolgt am besten vor dem ersten sexuellen Kontakt – so kann sie die größte Wirkung und den besten Schutz entfalten.

Wer sollte sich impfen lassen und wann?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die AOK übernimmt die Kosten der HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs sowie andere Krebserkrankungen.

Die Impfung sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen, da unklar ist, ob sich bei einer bereits bestehenden HPV-Infektion eine Schutzwirkung entfaltet. Auch wenn sich noch keine sexuellen Kontakte anbahnen, sollte geimpft werden, weil die Immunantwort im jungen Alter besser ausfällt. Es gilt: Je früher, desto besser.

  • Hat der erste Sex bereits stattgefunden, ist eine HPV-Impfung immer noch empfehlenswert. Selbst wenn bereits eine Infektion mit einem HPV-Typ besteht, schützt die Impfung vor den anderen HPV-Typen, die durch die Impfung abgedeckt werden. Ein HPV-Test vor der Impfung ist nicht notwendig.
  • Wurde die Impfung im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren versäumt, sollte sie bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Impfung für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren. Ab 15 Jahren ist es eine Zusatzleistung, die von der AOK übernommen wird.
  • Je nach Lebensführung und Anzahl der Sexualpartner und -partnerinnen kann auch für Erwachsene eine HPV-Impfung Sinn machen. Die Kosten müssen dann selbst getragen werden.

Passende Angebote der AOK

Welche Impfstoffe gibt es?

Für die HPV-Impfung sind zwei Impfstoffe zugelassen:

  1. Der zweivalente Impfstoff: Cervarix: Dieser schützt direkt vor einer Ansteckung mit den beiden Hochrisiko-Typen 16 und 18. Etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebskarzinome werden auf die Typen 16 und 18 zurückgeführt. Außerdem bewirkt der Impfstoff einen Kreuzschutz gegen die Typen 31, 33 und 45. Das bedeutet: Es besteht auch ein Schutz vor diesen verwandten Erregern, obwohl sie mit der Impfung nicht direkt abgedeckt sind. Allerdings ist die Infektion mit Genitalwarzen durch die Impfung nicht abgedeckt
  2. Der neunvalente Impfstoff: Gardasil 9: Dieser ist wirksam gegen neun HPV-Typen. Er schützt gegen die Hochrisiko-Typen 16 und 18 sowie 31, 33, 45, 52 und 58. Zusätzlich besteht ein Schutz vor Genitalwarzen, die von den Niedrigrisiko-Typen 6 und 11 ausgelöst werden.

Bei Kindern bis zum Alter von 14 Jahren sind zwei Impfungen für einen vollständigen Impfschutz notwendig. Die zweite Impfdosis sollte 5 bis 13 Monate nach der ersten verabreicht werden.

Muss die HPV-Impfung aufgefrischt werden?

Eine Auffrischung der HPV-Impfung wird nach derzeitigem Kenntnisstand nicht empfohlen. Der Antikörperspiegel bleibt wie bei anderen Impfungen viele Jahre relativ konstant.

Unabhängig von der Impfung sollten Mädchen jedoch unbedingt die regelmäßigen Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wahrnehmen. Es gibt HPV-Typen, die nicht von der Impfung abgedeckt sind – auch diese können Krebs verursachen. Das Screening ermöglicht das frühe Erkennen von Vorstufen, die dann in der Regel gut behandelbar sind.

Doc Felix erklärt in diesem Video, wie Safer Sex und Impfungen, insbesondere gegen HPV, vor Infektionen schützen.

Schützen Kondome vor HPV?

Safer Sex und Kondome sind sinnvoll, um vor sexuell übertragbaren Erkrankungen zu schützen. Leider ist der Schutz vor einer Ansteckung und Infektion mit HP Viren durch Kondome nicht optimal möglich. Die HPV-Übertragung erfolgt auch über die Haut im Genital- und Analbereich, also durch engen Körperkontakt, also Bereiche, die durch das Kondom nicht abgedeckt werden. Das Infektionsrisiko verringert sich aber.

HPV-Impfung: Welche Nebenwirkungen können auftreten?

In Deutschland wurden zwischen 2014 und 2024 mehr als zehn Millionen Impfdosen verabreicht. Nur in Einzelfällen wurden anhaltende oder die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigende Nebenwirkungen gemeldet.

Bei den beiden zugelassenen HPV-Impfstoffen handelt es sich um sogenannte Totimpfstoffe, die keine lebenden Erreger enthalten. Die Impfung kann also keine HPV-Infektion auslösen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sammelt Daten zu Nebenwirkungen und wertet diese aus. Inzwischen liegen Beobachtungsstudien mit Millionen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor. Die Impfung gilt als gut verträglich und sehr sicher.

Sehr häufig treten lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Schwellung, Rötung und Schmerzen auf. Auch über Kreislaufreaktionen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit wird oft berichtet. Dabei handelt es sich um gewöhnliche Impfreaktionen, die auch bei anderen Impfungen auftreten können und schnell wieder abklingen.

Achtung: Es sollte nicht geimpft werden, wenn gerade eine akute fieberhafte Erkrankung vorliegt. Auch bei einer vorliegenden Schwangerschaft wird die Impfung nicht empfohlen.

Fachlich geprüft
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