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Impfmythen rund um Corona und was davon zu halten ist

Impfmythen im Faktencheck

© iStock / alavarez

Lesezeit: 7 MinutenAktualisiert: 30.09.2021

Gerade wenn es um die Coronavirus-Schutzimpfung geht, tauchen immer wieder die wildesten Gerüchte auf. Vor allem in den sozialen Medien werden auf vielen Kanälen Wirkung und Sicherheit der Impfung in Frage gestellt. Wir stellen Ihnen die häufigsten Zweifel vor und gehen der Frage nach: Was ist dran?

Inhalte im Überblick

    „Ich habe ein sehr gutes Immunsystem! Warum sollte ich mich impfen lassen?“

    Ein starkes Immunsystem schützt nicht vor einer Ansteckung mit Corona. Eine Impfung dagegen schon. COVID-19-Impfstoffe führen zur Ausbildung von spezifischen Antikörpern und verhindern damit häufig, dass die Erkrankung ausbricht. Die Immunität senkt zudem das Risiko eines schweren Verlaufs der Krankheit.

    Das Bundesgesundheitsministerium für Bildung und Forschung erklärt dies so: „Im gesunden Menschen wehrt das Immunsystem Krankheitserreger sehr effektiv ab. Solange bakterielle oder virale Infekte leicht verlaufen, kommt der Körper damit gut klar. Aggressivere Viren aber wie beispielsweise das Coronavirus SARS-CoV-2 können sehr gefährlich werden, wenn sie auf besonders empfängliche Menschen treffen“.

    Wenn Sie jung und gesund sind, ist bei einem guten Immunsystem das Risiko gering, schwer an COVID-19 zu erkranken, allerdings schützten Sie durch die Impfung auch Ihre Familie, Freunde und Kollegen. Durch eine Impfung kann die Verbreitung einer Infektionskrankheit gestoppt oder zumindest verringert werden.

    „Der Impfstoff wurde so schnell entwickelt, wie kann er da sicher sein?“

    Ein Grund für die schnelle Zulassung des Impfstoffes ist der auf die Notsituation angepasste Arzneimittelzulassungsprozess. Er verlief nicht nacheinander, sondern parallel. Das heißt: klinische Studienphasen konnten zeitgleich ablaufen, Zulassungsprozesse wurden priorisiert und es gab eine hohe Bereitschaft von Freiwilligen, an klinischen Impfstudien teilzunehmen. Laut UN-Berichten erfüllen alle zugelassenen COVID-19-Impfstoffe international vereinbarte Maßstäbe für Sicherheit und Wirksamkeit.

    „Ist der Impfstoff gegen Mutationen wirkungslos?“

    Die verfügbaren Impfstoffe wirken gut gegen Mutationen des Coronavirus. Allerdings nur bei einer vollständig abgeschlossenen Impfung. Die aktuell in Deutschland dominierende Deltavariante stellt die zugelassenen Impfstoffe auf die Probe. Es kommt häufiger zu Durchbruchsinfektionen, also zu einer symptomatischen Infektion bei Geimpften. Zum Glück verlaufen diese Durchbruchsinfektionen in der Regel milder als Infektionen bei Ungeimpften. Sollte die Wirksamkeit der Impfstoffe durch weitere Mutationen doch irgendwann erheblich absinken, können die Impfstoffhersteller die verfügbaren COVID-19-Impfstoffe anpassen.

    „Stimmt es, dass mRNA-Impfstoffe meine DNA verändern oder beeinflussen können?“

    Unser Erbgut ist im Zellkern auf der DNA gespeichert. Es gibt keine Hinweise darauf, dass mRNA-Impfstoffe (wie die von BioNTech/Pfizer) das menschliche Genom verändern. Der Impfstoff kommt mit unserer DNA gar nicht in Berührung. Die mRNA des Impfstoffs gelangt nur in das Zellplasma und nicht in den Zellkern, wo unsere DNA sitzt.

    Schon aufgrund seiner chemischen Struktur ist eine Integration von RNA in DNA nicht möglich. Die m-RNA Impfstoffe können das menschliche Erbgut also weder verändern noch beeinflussen. Die mRNA des Impfstoffs wird im Körper schnell abgebaut.

    „Kann eine Impfung zu Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit führen?“

    Eine Falschmeldung in den sozialen Medien sorgte bei vielen Frauen für große Ängste. Es wurde behauptet, dass das Spike-Protein auf dem Coronavirus dasselbe sei wie das Spike-Protein Syncitin-1, das unter anderem am Wachstum und der Befestigung der Plazenta während der Schwangerschaft beteiligt ist. Frauen fürchteten, dass die Corona-Schutzimpfung eine Immunreaktion gegen das Bilden der Plazenta hervorrufen könnte. Die gute Nachricht: Die beiden Spike-Proteine sind völlig verschieden und die Impfung mit COVID-19 hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen, die schwanger werden wollen, auch nicht im Falle einer In-vitro-Fertilisation.

    Das Paul-Ehrlich-Institut, welches jeden Impfstoff überprüft, ist sich sicher, dass dank umfangreicher Studien im Rahmen der Arzneimittelzulassung und in der Nachbeobachtung keinerlei Verdacht besteht, dass die Corona-Schutzimpfung zu Unfruchtbarkeit führt – weder bei Männern, noch bei Frauen. Vielmehr ist es sogar so, dass aufgrund des erhöhten Risikos von schwangeren Frauen schwer an COVID-19 zu erkranken, diese mittlerweile in der Schwangerschaft geimpft werden. In den Zeiten der Pandemie ist die optimale Strategie zur Senkung des Risikos von Mutter und Kind, die Impfung bereits zu Beginn der Schwangerschaft abzuschließen.

    „Sind Zyklusstörungen eine Folge der Impfung?“

    Nach Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts wurden auch im Zusammenhang mit der Impfung gegen Covid-19 Zyklusstörungen berichtet. Dabei wurde das gesamte Spektrum veränderter Regelblutungen beobachtet: verstärkte oder verminderte Blutungen, ausbleibende Blutungen, länger als sieben Tage anhaltende Blutungen sowie Zwischenblutungen. Auch nach der Menopause erneut auftretende Regelblutungen wurden im Zusammenhang mit der Impfung gemeldet. Laut den aktuellen Berichten normalisierten sich die Zyklusblutungen bei den betroffenen Frauen innerhalb von wenigen Monaten wieder.

    Der Grund warum Regelveränderungen im Zusammenhang mit der Impfung auftreten könnten, ist aktuell noch nicht bekannt. Das Paul-Ehrlich-Institut und die Europäische Arzneimittelagentur werten die zu Zyklusstörungen gemeldeten Daten weiter aus, um genauere Erkenntnisse zu dieser möglichen Impfnebenwirkung zu gewinnen. Wenn Sie im Zusammenhang mit einer Impfung gegen Covid-19 Zyklusstörungen bei sich beobachtet haben und sich deswegen Sorgen machen, sprechen Sie dazu am besten Ihren Frauenarzt an.

    „Sind die Studien zum Corona-Impfstoff nicht völlig irrelevant, wenn sie nur an gesunden Menschen getestet werden?“

    Diese Aussage ist falsch, denn auch ältere Menschen sowie Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen oder Übergewicht wurden in die klinischen Prüfungen aufgenommen.

    „Können Corona-Impfstoffe Krebs verursachen?“

    Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sind mittlerweile gegen COVID-19 geimpft worden. In keinem Land ist hierdurch die Anzahl von Krebserkrankungen gestiegen. Es gibt zwar Viruserkrankungen, welche das Risiko erhöhen an Krebs zu erkranken, zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs bei einer Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV). Jedoch haben weder die verschiedenen Impfungen, noch die COVID-Erkrankung selbst aktuell ein erhöhtes Krebsrisiko gezeigt.

    Schwangere sind optimal vor Corona geschützt, wenn die Impfung bereits zu Beginn der Schwangerschaft abgeschlossen ist.
    Um das Risiko für Mutter und Kind zu senken, ist es optimal die Impfung gegen COVID-19 bereits zu Beginn der Schwangerschaft abzuschließen.

    © iStock / Vasyl Dolmatov

    „Stimmt es, dass ich bei einer Impfung mit Corona-Viren infiziert werde?“

    Nein! Der Impfstoff gegen COVID-19 kann und wird auch nicht dafür sorgen, dass man sich bei einer Impfung mit Viren ansteckt. Nach einer Impfung passiert im Körper laut Bundesgesundheitsministerium folgendes: „Die beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe weisen die Zellen an, ein Protein zu reproduzieren, das Teil des SARS-CoV-2-Coronavirus ist und dem Körper hilft, das Virus zu erkennen und zu bekämpfen, wenn es auftritt. Der Impfstoff COVID-19 enthält nicht das SARS-CoV-2-Virus, so dass Sie durch den Impfstoff auch kein Corona bekommen können. Das Protein, das dem Immunsystem hilft, das Virus zu erkennen und zu bekämpfen, verursacht keinerlei Infektion.

    „Kann eine Impfung für Rheumatiker lebensgefährlich sein?“

    Ganz im Gegenteil! Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt ihren Patienten die Corona-Schutzimpfung ausdrücklich und warnt vor Fake-News. Der mRNA-Impfstoff ist zwar für Rheuma-Patienten noch nicht systematisch getestet, aber erste Erfahrungen mit Totimpfstoffen zeigten, dass die Impfung auch für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gut wirksam und außerdem sicher ist.

    „Stimmt es, dass einige Menschen kurz nach der Impfung gestorben sind?“

    Ja, das stimmt. Das heißt aber nicht, dass die Todesfälle direkt mit der Impfung zusammenhingen. Der Grund dafür: Wenn besonders viele alte Menschen mit schweren Vorerkrankungen und erhöhtem Sterberisiko im Rahmen einer Studie beobachtet werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eine gewisse Anzahl von ihnen an unterschiedlichsten Erkrankungen stirbt.

    Ein Warnsignal ist, wenn die beobachteten Toten mehr sind, als die altersgleichen erwarteten Toten in der Normalbevölkerung. Dieses Warnsignal gab es nach den Impfungen gegen COVID nicht, somit gibt es keinen Zusammenhang zwischen Impfung und versterben.

    „Enthalten die Impfstoffe gefährliche Chemikalien?“

    Tatsächlich enthalten einige Impfstoffe Formaldehyd, Aluminium oder Phenol. Diese Substanzen haben allerdings wichtige Aufgaben: Formaldehyd tötet Erreger ab, Aluminiumhydroxid verstärkt die Immunantwort und Phenol macht Impfstoffe haltbar. Allerdings sind diese Stoffe in äußerst geringen Konzentrationen vorhanden, also weit unterhalb der toxikologischen Grenzwerte, berichtet das RKI. Und: Für alle empfohlenen Schutzimpfungen gibt es inzwischen quecksilberfreie Impfstoffe.

    „Sind Nebenwirkungen bei so „jungen“ Impfstoffen nicht unkalkulierbar?“

    Wie bei jeder Impfung kann es zu leichten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber oder Abgeschlagenheit kommen. Diese sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem den Schutz gegen die Krankheit aufbaut.

    Dem RKI liegt bisher keine Studie vor, die belegt, dass Krankheiten wie Autismus, Diabetes, Multiple Sklerose, Allergien oder Asthma durch einen Impfstoff ausgelöst wurden, auch wenn diese Gerüchte immer wieder auftauchen. Diese Fehlinformationen werden immer wieder über Impfstoffe verbreitet.

    In Deutschland wird jeder Verdachtsfall auf Impfkomplikationen ins Melderegister des Paul-Ehrlich-Instituts aufgenommen. Forscher versuchen, mögliche Risikosignale von Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. So ist sichergestellt, dass jeder zugelassene Impfstoff einer ständigen Sicherheitskontrolle unterliegt. Nur dadurch sind Nebenwirkungen und Risiken kalkulierbar.

    „Stimmt es, dass man nicht mehr geimpft werden muss, wenn man schon mal Corona hatte?“

    Das stimmt so nicht. Auch Menschen, die bereits an COVID-19 erkrankt sind, können von einer Impfung profitieren. Aufgrund der schwerwiegenden Gesundheitsrisiken, die mit COVID-19 verbunden sind und auch weil eine erneute Ansteckung mit COVID-19 möglich sein kann, ist es ratsam, sich gegen COVID-19 impfen beziehungsweise „boostern“ zu lassen. Auch wenn man bereits Corona hatte. Unter dem Booster-Effekt versteht man die stärkere und schnellere Reaktion des Körpers auf das gleiche Antigen. Grund hierfür sind Gedächtniszellen, die sich nach der Erstreaktion auf das Virus im Immunsystem gebildet haben.

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