Immunsystem
Was ist eine Brucellose?
Veröffentlicht am:09.02.2026
8 Minuten Lesedauer
Die Brucellose löst unspezifische Beschwerden wie Fieber und Müdigkeit aus. Menschen können sich bei Tieren oder über tierische Produkte infizieren. Sehr selten gibt es auch in Deutschland Fälle von Brucellose. So schützen Sie sich.

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Brucellose: eine der häufigsten bakteriellen Zoonosen weltweit
Zoonosen sind Infektionen, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Davon gibt es viele verschiedene, die Brucellose ist eine von ihnen. Ausgelöst wird sie durch Brucellen – das sind Bakterien, an denen sowohl Menschen als auch Tiere erkranken können. Für die meisten Infektionen beim Menschen sind Brucella melitensis, typisch für Schafe und Ziegen, und Brucella abortus, verbreitet bei Rindern, verantwortlich. Seltener löst die Schweinebrucellose (Brucella suis) die Symptome aus. Die Erreger, die sogenannten Brucellen, sind winzige, unbewegliche, gramnegative Stäbchen, die Sauerstoff zum Wachsen benötigen. Sie sind empfindlich gegenüber Hitze und Desinfektionsmitteln – bei Temperaturen über 60 Grad sterben sie innerhalb von zehn Minuten ab. Unter natürlichen Bedingungen können Brucellen jedoch erstaunlich lange bestehen: In Wasser, Staub, Erde, Urin und besonders in Milch sowie Rohmilchprodukten überleben sie häufig mehrere Tage bis Wochen. Kommt ein Mensch mit Brucellen in Berührung und erkrankt daran, äußert sich das meist in grippeähnlichen Beschwerden. Wichtig aber zu wissen: Die Nutztierbestände (Rinder, Schafe, Ziegen) in Deutschland gelten seit langem als brucellosefrei, die meisten Infektionen entstehen durch Reisen in Endemiegebiete, wie etwa den Mittelmeerraum oder den Nahen Osten. Die wissenschaftliche Beschreibung der Erreger reicht weit zurück. Bereits 1887 gelang es dem britischen Militärarzt David Bruce, das Bakterium aus der Milz eines verstorbenen Soldaten zu entnehmen.
Wie wird Brucellose übertragen?
Die Brucellose wird beim Menschen vor allem durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder ihren Produkten ausgelöst. Häufigste Infektionsquelle sind kontaminierte tierische Lebensmittel. Durch Rohmilch und nicht ausreichend erhitzte (pasteurisierte) Milchprodukte, wie etwa Rohmilchkäse, aber auch rohes Fleisch, sind die Bakterien beim Verzehr auf den Menschen übertragbar. In Regionen, in denen Brucellose bei Nutztieren weit verbreitet ist, treten zudem Infektionen durch den direkten Kontakt mit erkrankten Tieren auf. Berufsgruppen mit regelmäßigem Tierkontakt, wie Tierärzte und Tierärztinnen oder Schlachthofpersonal, sind besonders gefährdet – bei ihnen gilt die Brucellose unter Umständen auch als Berufskrankheit. Die Aufnahme des Erregers erfolgt meist über den Magen-Darm-Trakt, aber auch andere Wege sind möglich: über die Augen (Konjunktiven), die Atemwege oder verletzte Haut können Brucellen in den Körper gelangen. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist sehr selten – möglich ist das in Einzelfällen etwa über eine Knochenmarktransplantation oder eine Bluttransfusion.
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Ist Deutschland frei von Brucellose?
Die Infektionskrankheit kommt bei Nutztieren auf der ganzen Welt vor. Besonders betroffen sind der Mittelmeerraum, Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie die arabische Halbinsel. In Deutschland gelten alle Rinder-, Schaf- und Ziegenbestände seit dem Jahr 2000 offiziell als brucellosefrei. Bei Schweinen kommt es gelegentlich zu Brucelloseausbrüchen, die verantwortliche Bakterienart Brucella suis führt jedoch selten zu Infektionen beim Menschen. Die Brucelloseinfektionen sind gemessen an der Einwohnerzahl Deutschlands gering: Im Jahr 2023 wurden lediglich 71 neue Fälle dokumentiert. Die meisten Infektionen traten nach einem Auslandsaufenthalt auf, die Betroffenen hatten häufig rohe Ziegenmilch oder Schafkäse verspeist. Der Nachweis von Brucellen ist in Deutschland meldepflichtig.
Was sind die Symptome der Brucellose?
Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infizierung bis zum Ausbruch der Erkrankung, beträgt 5 bis 60 Tage. Typisch für die Erkrankung sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit oder der Verlust von Appetit. Außerdem können bei Patienten und Patientinnen Kopfschmerzen sowie Schmerzen im Rücken, in den Muskeln oder Gelenken auftreten. Die Symptome ergeben sich meist akut, in seltenen Fällen – vor allem ohne Behandlung – können sie auch chronisch werden.
Zu den langanhaltenden Brucellose-Symptomen zählen:
- wiederkehrendes Fieber
- Müdigkeit
- Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis)
- Gelenkentzündungen (Arthritis)
- Entzündungen der Wirbelsäule (Spondylitis)
- Entzündungen an den Verbindungsstellen von Wirbelsäule und Becken (Sakroiliitis)
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So wird eine Brucellose diagnostiziert
Die Diagnose der Brucellose ist oft kompliziert, weil die Symptome und die Inkubationszeit sehr unterschiedlich ausfallen können. Deshalb ist eine sorgfältige Anamnese, also die gezielte Befragung zu möglichen Tierkontakten oder Reisen, bei ungewöhnlich lange andauernden und bisher ungeklärten Fieberschüben wichtig. Für eine sichere Diagnose ist aber ein Bluttest unverzichtbar. Im Labor wird der Erreger meist durch Kulturen nachgewiesen. Dafür werden wiederholt Blutproben abgenommen, am besten während der Fieberzustände und vor dem Start einer Antibiotikatherapie. Je nach betroffenem Organ kann das Laborpersonal auch Knochenmark, Hirnwasser, Urin oder Gewebeproben untersuchen. Spezielle Antikörper im Blutserum können ebenfalls auf eine Infektion hindeuten. Ein deutlicher Anstieg der Antikörperwerte über wenige Wochen gilt als Hinweis auf eine akute Infektion. Für bestimmte Erregerarten wie Brucella canis ist ein direkter Erregernachweis notwendig. Moderne Verfahren, wie die PCR können Brucellen besonders schnell und zuverlässig nachweisen, auch direkt aus dem Blut. So können Mediziner und Medizinerinnen verschiedene Arten unterscheiden und Infektionen früh erkennen.
Wie behandelt man Brucellose?
Die Behandlung erfolgt im Normalfall mit einer Kombination bestimmter Antibiotika (Rifampicin und Doxycyclin) über sechs bis zwölf Wochen. Die recht lange Behandlungszeit ist wichtig, um die Brucellen erfolgreich zu beseitigen. Bei schweren Verläufen, zum Beispiel bei Gelenkbeteiligung, Herz- oder Gehirnentzündungen, kann die Therapie länger dauern oder Patienten und Patientinnen erhalten zusätzliche Medikamente. Für Kinder und Schwangere gibt es antibiotische Alternativen wie Cotrimoxazol plus Rifampicin. Monotherapien, also die Einnahme nur eines Antibiotikums, sind nicht empfehlenswert – hier kommt es oft zu Rückfällen. In seltenen Fällen, etwa bei schwerem Knochen- oder Herzbefall, raten Mediziner und Medizinerinnen zu einer Operation.
So beugen Sie einer Brucellose vor
Mit einigen einfachen Vorsichtsmaßnahmen können Sie Ihr Risiko für eine Brucellose verringern:
- Vermeiden Sie nicht pasteurisierte Milchprodukte: Verzehren Sie keine Rohmilch, keinen Rohmilchkäse oder Eis aus unbehandelter Milch, vor allem nicht auf Reisen.
- Braten oder kochen Sie Fleisch vollständig: Erhitzen Sie ganze Fleischstücke auf eine Innentemperatur von mindestens 63 Grad – zum Überprüfen können Sie ein Fleischthermometer nutzen. Verzehren Sie auch andere Fleischarten wie Hack- oder Hühnerfleisch, nur ausreichend gegart.
- Tragen Sie beim Umgang mit Tieren Handschuhe: Wenn Sie Kontakt zu kranken oder toten Tieren oder tierischem Gewebe, etwa während der Geburt eines Tieres, haben, tragen Sie unbedingt Gummihandschuhe.
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