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Systolischer und diastolischer Blutdruck: Wo liegt der Unterschied?

Mann misst seinen Blutdruck.

© iStock / PIKSEL

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 11.05.2021

Wer regelmäßig seinen Blutdruck misst, hat schon mal von Fachbegriffen wie diastolischer und systolischer Blutdruck gehört. Sie bezeichnen den oberen und den unteren Wert einer Messung. Wie sich die Werte unterscheiden und in welchem Bereich sie liegen sollten, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was ist der systolische und was der diastolische Wert?

    Die Begriffe diastolischer und systolischer Blutdruck haben viele Menschen bereits gehört – was verbirgt sich dahinter? Über den Blutkreislauf werden unsere Organe wie Herz, Gehirn, Nieren, Leber, Haut oder Muskeln ständig mit Blut versorgt. Die treibende Kraft dahinter ist das Herz. Es bringt wie eine Pumpe das Blut in Bewegung. Normalerweise geschieht dies in einem Rhythmus von etwa 60 bis 80 regelmäßigen Pumpbewegungen oder Herzschlägen pro Minute.

    Wie arbeitet das Herz?

    Das Herz zieht sich bei jedem seiner Schläge zusammen, um das Blut in den Blutkreislauf zu pressen. Fachleute sprechen von einer Systole. Im Anschluss daran entspannt sich der Herzmuskel. Daraufhin dehnt sich das Herz aus und füllt sich mit Blut – das ist eine Diastole. Dieses Blut wird beim folgenden Schlag wieder in Umlauf gebracht. Ein gewisser Druck ist notwendig, damit das Blut vom Herzen aus durch die Schlagadern (Arterien) und die sich anschließenden kleineren (Arteriolen) und feinsten (Kapillaren) Blutgefäße in die Organe und Gewebe des Körpers fließen kann. Diese Gefäße setzen dem Blutstrom durchaus Widerstand entgegen.

    Nach jedem Herzschlag dehnen sich die großen, herznahen Schlagadern des Körpers aus. Wenn sich das Herz anschließend entspannt, gelangt das zwischengespeicherte Blut weiter in den Körper. Dafür sorgt der Druck, der von den elastischen Wänden der Schlagadern ausgeht. So sorgen die Arterien dafür, dass der stoßweise Blutfluss in eine gleichmäßige Strömung umgewandelt wird.

    Was bedeuten die beiden Blutdruckwerte?

    Systolischer (oberer) Wert: Der Druck, der in den Gefäßen herrscht, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut auswirft.

    Diastolischer (unterer) Wert: Der Druck, der in den Gefäßen herrscht, wenn der Herzmuskel erschlafft und sich erneut mit Blut füllt.

    Beide Werte werden in „Millimeter Quecksilbersäule“ gemessen und tauchen in den Angaben als mmHg auf.

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    Wie wird der Blutdruck gemessen?

    Bei einer Blutdruckmessung wird üblicherweise eine aufblasbare Manschette um den Oberarm gelegt, die sich nur nach innen ausdehnen kann. Sie ist über Schläuche mit einem Messgerät verbunden, auf dem sich der Druck zeigt, der innerhalb der Manschette herrscht. Beim Aufpumpen der Manschette erhöht sich der Druck auf die Oberarmarterie – so weit, bis er stärker ist als der systolische Blutdruck in der Schlagader des Arms. Durch diese kann also kurzfristig kein Blut hindurchfließen. Es strömt erst in dem Moment wieder, in dem der Druck aus der Manschette genommen wird und somit der Blutdruck in der Armschlagader wieder etwas höher ist. Bei jedem Herzschlag wird das Blut nun wieder durch diese eben noch zusammengedrückte Ader gepresst.

    Es gibt auch Blutdruckmessgeräte, die am Handgelenk oder Unterarm angelegt werden. Sie wirken im ersten Moment einfacher anzuwenden. Jedoch ist hier das Risiko größer, falsche Messwerte zu erhalten. Wie bei der Messung am Oberarm muss während der Messung die Hand genau auf Herzhöhe liegen, um falsche Werte zu vermeiden. In Tests schneiden Oberarmmessgeräte bei der Messgenauigkeit oft besser ab als Geräte für das Handgelenk. Auch ist die Anwendung von Unterarmmanschetten bei bestimmten Krankheitsbildern nicht geeignet, zum Beispiel bei Herzrhythmusstörungen oder Atherosklerose.

    Welcher Wert ist wichtiger – der systolische oder der diastolische Blutdruck?

    Beide Werte gehören zusammen und werden gemeinsam angegeben. Grundsätzlich schwankt der Blutdruck, weil der Körper ihn nach Bedarf reguliert. So haben wir im Schlaf normalerweise einen niedrigen Blutdruck. Er erhöht sich bei körperlicher Anstrengung, weil die Muskeln mehr Blut benötigen. Insgesamt nimmt der Blutdruck zu, je älter wir werden. Vor allem der obere, systolische Blutdruckwert steigt mit der Zeit. Das liegt daran, dass die Gefäßwände nicht mehr so elastisch sind.

    Auch Risikofaktoren wie Übergewicht, eine Ernährung mit übermäßig Salz und Alkohol sowie ein Mangel an Bewegung lassen den Blutdruck steigen. Eine genetische Veranlagung kann ebenfalls ein Grund dafür sein. Bestimmte Medikamente, wie etwa Mittel zur Behandlung von psychischen Erkrankungen oder auch die Antibabypille, können den Blutdruck zusätzlich erhöhen. Menschen, die sich mehr bewegen, sich salzarm ernähren und abnehmen, können ihren Blutdruck auf diese Weise wieder senken. Blutdrucksenker können helfen, wenn diese Maßnahmen nicht fruchten.

    Welche Blutdruckwerte sind normal?

    Von Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, spricht man bei Werten ab 140 mmHg und ab 90 mmHg. Hier werden verschiedene Stufen je nach Höhe des Druckes unterschieden. Leidet ein Mensch unter Bluthochdruck, ist der Druck in den Blutgefäßen auch im Ruhezustand erhöht. Das Herz muss dann mit erhöhter Anstrengung pumpen. Das belastet Herz- und Gefäßwände und kann zu schweren Langzeitfolgen wie einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Niereninsuffizienz führen. Je früher Bluthochdruck erkannt und behandelt wird, desto besser.

    Wann ist der Blutdruck zu niedrig?

    Von niedrigem Blutdruck oder auch Hypotonie spricht man bei Blutdruckwerten von unter 100 zu 60 mmHg. Es gibt verschiedene Ursachen für niedrigen Blutdruck. Gerade junge schlanke Menschen haben oft einen dauerhaft niedrigen Blutdruck ohne Behandlungsnotwendigkeit. Bei älteren Menschen stecken manchmal bestimmte Krankheiten dahinter. Auch Flüssigkeitsmangel oder bestimmte Medikamente können Verursacher sein. Die sogenannte „orthostatische“ Hypotonie entsteht, wenn der Körper zum Beispiel beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen nicht in der Lage ist, den Blutdruck und die Blutverteilung schnell anzupassen.

    Die Blutdruckwerte in der Übersicht

    StufeSystolischer Blutdruck in mmHgDiastolischer Blutdruck in mmHg
    niedrigunter 100unter 60
    normalunter 130unter 85
    hoch130 bis 13985 bis 89
    leicht erhöht (Hypertonie Grad 1)140 bis 15990 bis 99
    mittelgradig erhöht (Hypertonie Grad 2)160 bis 179100 bis 109
    deutlich erhöht (Hypertonie Grad 3)über 180über 110

    Wann liegt ein Notfall vor?

    Steigen die Blutdruckwerte plötzlich stark an (>180/120 mmHg), besteht die ernstzunehmende Gefahr, dass Organe des Körpers Schaden nehmen. Ein sogenannter hypertensiver Notfall liegt vor, wenn hohe Blutdruckwerte in Kombination mit bestimmten Symptomen einhergehen. Warnsignale sind:

    • Übelkeit und Brechreiz
    • Sehstörungen
    • Kopfschmerzen
    • Bewusstseinsstörungen
    • Lähmung
    • Atemnot
    • Brustschmerzen
    • Schwindel
    • Einblutungen in die Augen

    Wenn diese Symptome in Kombination mit hohen Blutdruckwerten auftreten, sollte sofort reagiert und ein Notarzt unter der Tel. 112 gerufen werden. Wichtig ist auch, dass ein unkontrolliertes Absetzen von blutdrucksenkenden Medikamenten eine solche Blutdruckentgleisung zur Folge haben kann. Besprechen Sie das Absetzen von Medikamenten unbedingt mit Ihrem Arzt.

    Messgerät zeigt diastolischen und systolischen Blutdruck an.

    © iStock / laflor

    Was gilt es zu beachten, wenn man den systolischen und diastolischen Blutdruck selbst misst?

    Die Deutsche Hochdruckliga hat zehn Regeln zur Blutdruckselbstmessung aufgestellt:

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