Haut & Allergie
Allergie durch Hausstaubmilben: Was können Betroffene tun?
Veröffentlicht am:28.05.2021
9 Minuten Lesedauer
Aktualisiert am: 30.01.2026
Hausstaubmilben befinden sich in jeder Wohnung. Für Menschen, die allergisch reagieren, kann das zur Qual werden. Allerdings lassen sich die Beschwerden lindern: mit Medikamenten, einer Hyposensibilisierung und einfachen Maßnahmen in der Wohnung.

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Inhalte im Überblick
- Was löst die Hausstaubmilbenallergie aus?
- Wo sind die Hausstaubmilben versteckt?
- Wie äußert sich eine Hausstaubmilbenallergie?
- Diagnose: Wie wird eine Hausstaubmilbenallergie erkannt?
- Gegen Milben: 10 Tipps zur Vermeidung von Staub
- Was passiert im Körper bei einer Allergie?
- Warum entsteht eine Allergie?
- Wie wird eine Hausstaubmilbenallergie behandelt?
Was löst die Hausstaubmilbenallergie aus?
Medizinisch richtig heißt die sogenannte „Hausstauballergie“ eigentlich Hausstaubmilbenallergie. Denn nicht der Staub an sich ist für die Allergie verantwortlich, vielmehr befinden sich die allergie-auslösenden Stoffe, also die Allergene, im Kot von Hausstaubmilben. Diese winzigen Partikel trocknen aus und zerfallen in noch kleinere Teile. Sie vermischen sich mit dem Hausstaub und werden so im ganzen Raum verteilt. Tatsächlich sind also die Milben die Verursacher und nicht der Staub an sich.
Wo sind die Hausstaubmilben versteckt?
Die etwa 0,1 Millimeter großen Milben sind mit dem bloßen Auge nicht zu sehen. Sie ernähren sich in erster Linie von Hautschuppen. Und Hautschuppen sind überall dort, wo sich Menschen aufhalten. Deshalb findet man die Milben im Bett und auf Polstermöbeln, aber auch in Teppichen und Vorhängen. Milben mögen es zudem gern warm und feucht. Sie kommen in jeder Wohnung vor und haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.
Hausstaubmilben überleben länger bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit. Wenn die Heizperiode im Winter wieder beginnt und die Luftfeuchtigkeit sinkt, stirbt ein großer Teil der Milben ab. Zuvor jedoch, im Spätherbst oder zu Beginn des Winters, hat sich die größte Menge Milben-Exkremente angesammelt, die dann auch noch durch die Heizungsluft im gesamten Raum verteilt werden. Allergiker und Allergikerinnen leiden in dieser Zeit deshalb besonders unter ihrer Hausstaubmilbenallergie.
Wie äußert sich eine Hausstaubmilbenallergie?
Menschen, die auf Milben allergisch reagieren, können ganz unterschiedliche Symptome haben, vor allem:
- häufiges Niesen
- laufende oder verstopfte Nase
- ständiges Räuspern
- tränende und juckende Augen
- allergische Hautreaktionen wie zum Beispiel deutlicher Juckreiz
- Schlappheit und Müdigkeit
- asthmatische Beschwerden wie Husten, pfeifende Atmung und Kurzatmigkeit
- Schlafstörungen
Typisch ist auch, dass die Beschwerden ganzjährig auftreten.
Warum allergische Menschen nachts leiden
Da die Milben vor allem in Matratzen, Kissen, Decken und Bettbezügen vorkommen, treten die Beschwerden vorwiegend nachts und morgens nach dem Aufwachen auf.
Diagnose: Wie wird eine Hausstaubmilbenallergie erkannt?
Um die Hausstaubmilbenallergie festzustellen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- An erster Stelle steht das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin, der oder die sich ausführlich die Symptome beschreiben lässt (Anamnese).
- Dann erfolgt ein spezieller Allergietest, auch Prick-Test genannt. Die Allergene werden dabei meist auf dem Unterarm aufgebracht und die Haut an dieser Stelle leicht eingeritzt. Tritt eine Rötung oder eine Schwellung an der Stelle auf, zeigt das eine allergische Reaktion an. Eine weitere Möglichkeit ist der Provokationstest. Dabei werden Auszüge des Allergens in Form eines Sprays oder Tropfen auf die Nasenschleimhaut oder die Augenbindehaut aufgetragen. Entsteht danach eine Schwellung oder fängt die Nase an zu laufen, deutet das stark auf eine allergische Reaktion hin.
- Eine Blutuntersuchung kann ebenfalls eine Allergie nachweisen. Sie erfolgt aber nur nach einem nicht eindeutigen Prick-Test oder als Alternative, wenn der Prick-Test ungeeignet für die Patientin oder den Patienten ist.
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Gegen Milben: 10 Tipps zur Vermeidung von Staub
Bei jeder Allergie – so auch bei einer gegen Hausstaubmilben – ist oberstes Gebot, die Auslöser der Allergie zu meiden. Aber wie entsteht Hausstaub überhaupt? Es handelt sich um winzige Partikel aus verschiedenen Quellen, die durch die Luft schweben und sich an bestimmten Stellen sammeln. Typische Bestandteile sind Fasern von Textilien, Hautschuppen, Haare und Bakterien. Vermeiden lässt sich Hausstaub also nicht. Mit diesen hilfreichen Tipps können Sie die Belastung mit Milben-Allergenen in den Wohnräumen verringern. Gerade im Schlafzimmer kann es auch sinnvoll sein, Maßnahmen zu kombinieren.
- Lüften Sie alle Räume gut.
- Glatte Böden sind für allergische Menschen eine gute Wahl. Diese sollten Sie regelmäßig, ruhig zweimal wöchentlich, feucht wischen.
- Wer Teppichboden hat, sollte mehrmals pro Woche saugen. Wenn möglich, sollten Sie den Teppich zumindest im Schlafzimmer entfernen.
- Bei Staubsaugern unbedingt auf einen speziellen Feinstaubfilter mit möglichst hoher Filterklasse, also 13 oder 14, achten (HEPA – steht für High Efficiency Particulate Air). Außerdem sollte das Gerät in sich sehr dicht gebaut sein.
- Wischen Sie Staub immer feucht und tragen Sie dabei ruhig einen Mundschutz und eine Schutzbrille, wenn Sie allergisch sind.
- Waschen Sie die Bettwäsche regelmäßig bei mehr als 60 Grad.
- Entfernen Sie Staubfänger wenn möglich aus der gesamten Wohnung, zumindest aber aus dem Schlafzimmer – zum Beispiel Vorhänge, Sofakissen, Polstermöbel, Wolldecken, offene Bücherregale, Stofftiere. Ledermöbel sind eine gute Alternative.
- Gerade Kuscheltiere sollten möglichst bei 60 Grad waschbar sein. Alternativ lässt man sie mindestens 48 Stunden bei minus 15 Grad im Gefrierschrank und wäscht sie anschließend. Das gilt als gutes Hausmittel gegen Milben in Kuscheltieren.
- Mit Luftreiniger gegen Staub lässt sich die Allergenbelastung senken.
- Verzichten Sie auf Pflanzen und Luftbefeuchter im Schlafzimmer – sie können das Milbenwachstum fördern.
Häufig werden immer noch die sogenannten „Encasings“ bei Hausstaubmilbenallergien empfohlen. Dabei handelt es sich um Matratzenbezüge, die Milben abwehren sollen. Der Nutzen dieser Maßnahme ist umstritten, eine Analyse aller verfügbarer Studien zu diesem Thema konnte keinen messbaren Nutzen feststellen.

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Was passiert im Körper bei einer Allergie?
Das Immunsystem schützt den Körper vor Schadstoffen, Krankheitserregern und krankmachenden Zellveränderungen. Leidet jemand unter einer Allergie, reagiert dessen Körper überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe und bekämpft sie – so auch bei Hausstaubmilben. Das Immunsystem löst eine Art Kettenreaktion aus.
Gelangen Allergene in den Körper, werden sie von bestimmten Zellen des Immunsystems, den sogenannten T-Zellen, entdeckt und fälschlicherweise als Bedrohung eingeordnet. Daraufhin geben T-Zellen anderen Zellen des Immunsystems, den B-Zellen, ein Signal, Antikörper zu produzieren. Bei einer Allergie sind das ganz bestimmte Antikörper: sogenannte IgE-Antikörper. Sie binden an das Allergen und markieren es als „körperfremd“.
Die Antikörper dienen dann als Brücke, um an spezielle Immunzellen – wie den Mastzellen – zu binden, zum Beispiel in der Nase oder der Lunge. Dadurch sind diese Zellen dann für den nächsten Kontakt mit dem Allergen vorbereitet: Sie können chemische Stoffe wie Histamin freisetzen. Histamin wirkt als natürlicher Entzündungshemmer. Es sorgt für die Erweiterung der Blutgefäße, damit mehr Abwehrzellen die Kontaktstelle erreichen können. Histamin verursacht zudem Juckreiz als Warnsignal für den Körper. Es ist deshalb auch für allergische Reaktionen wie juckende Augen oder eine laufende Nase verantwortlich.
Warum entsteht eine Allergie?
Eine Allergie kann als eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems verstanden werden. Die exakten Ursachen für Allergien sind jedoch nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich um eine Kombination aus genetischer Vorbelastung sowie verschiedenen äußeren Einflussfaktoren. Das Entstehen von Allergien kann zum Beispiel begünstigt werden durch:
- übertriebene Hygiene
- unüberlegten Einsatz von Desinfektionsmitteln in der Wohnungsreinigung
- Luftverschmutzung
- Zigarettenrauch
- eine ungesunde Ernährung
- Stress
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Wie wird eine Hausstaubmilbenallergie behandelt?
Es gibt verschiedene Medikamente, um die Beschwerden bei einer Hausstaubmilbenallergie zu behandeln. Dazu gehören:
- Antihistaminika oder auch Histamin-Rezeptor-Blocker genannt, weil sie die Wirkung von Histamin hemmen und damit die Beschwerden abmildern. Sie sind eine gute Wahl bei leichten bis mittelschweren Allergiesymptomen.
- Mastzellstabilisatoren (Chromone) sind in ihrer Wirkung etwas schwächer als Antihistaminika. Auch sie hemmen die Freisetzung von Botenstoffen, welche Entzündungen fördern. Sie müssen aber vorbeugend eingesetzt werden. Die genaue Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt.
- Kortikosteroide sind Hormone, die der Körper selbst in der Nebennierenrinde bildet. In künstlich hergestellter Form werden sie als Medikamente bei einer Allergie gegen Milben eingenommen und kommen bei mittelschweren bis schweren Beschwerden zum Einsatz, etwa in Form von Sprays bei allergisch bedingtem Asthma.
- Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten funktionieren ähnlich wie Antihistaminika als Hemmstoffe.
- Abschwellende Nasentropfen und -sprays können Symptome lindern.
All diese Medikamente unterdrücken jedoch nur die Allergie-Symptome, die von Milben ausgelöst werden. Die einzige Möglichkeit, eine Hausstaubmilbenallergie langfristig zu behandeln, ist eine sogenannte Hyposensibilisierung. Bei dieser spezifischen Immuntherapie bekommen die Betroffenen regelmäßig kleine Mengen des abgewandelten Allergens unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie, SCIT) oder sie nehmen entsprechende Tropfen oder Tabletten ein (sublinguale Immuntherapie, SLIT). Ziel ist, dass der Körper sich an das Allergen gewöhnt.
Eine solche Therapie dauert in der Regel etwa drei Jahre. Oftmals sind die Allergiker und Allergikerinnen anschließend symptomfrei oder die Beschwerden haben sich zumindest stark verringert. Allerdings gibt es keine Erfolgsgarantie und es ist auch möglich, dass die Allergie-Symptome zu einem späteren Zeitpunkt erneut auftreten. Dann lässt sich die Hyposensibilisierung gegebenenfalls wiederholen. Diese Behandlung hat aber auch den Vorteil, dass ein allergisches Asthma häufig verhindert werden kann.
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