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Gesundheitsmagazin

Liebe & Sexualität

Vaginismus: schmerzhafter Scheidenkrampf

Veröffentlicht am:28.11.2022

3 Minuten Lesedauer

Einen Tampon einführen, eine gynäkologische Untersuchung, vaginaler Geschlechtsverkehr – für Frauen mit Vaginismus ist das alles oft unmöglich. Wie erkennt man die Schmerzstörung und was lässt sich dagegen tun?

Junges Paar sitzt auf dem Sofa und spricht über Vaginismus.

© iStock / andresr

Inhalte im Überblick

    Was ist Vaginismus?

    Vaginismus ist dadurch gekennzeichnet, dass die Muskeln im Scheiden- und Beckenbodenbereich sich stark verkrampfen, ohne dass die betroffene Frau es willentlich beeinflussen kann. Meist ist das mit starken brennenden oder stechenden Schmerzen verbunden. Die Vaginismus-Symptome treten vor allem beim vaginalen Geschlechtsverkehr auf, aber auch ein Finger, ein Tampon oder ein ärztliches Untersuchungsinstrument können einen Scheidenkrampf hervorrufen. Aber Achtung: Nicht bei jeder Verspannung und jedem Schmerzempfinden beim Sex ist Vaginismus die Ursache. Die aktuelle Studie zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland (GeSiD) hat gezeigt, dass zwar jede fünfte Frau (20 Prozent) im Laufe ihres Lebens schon einmal Schmerzen und Verspannungen beim Geschlechtsverkehr erlebt hat. Jedoch gibt es nur bei knapp fünf Prozent der befragten Frauen Hinweise auf eine sexuelle Schmerzstörung wie Vaginismus.

    Viele betroffene Frauen und Mädchen erleben Vaginismus von Beginn ihres Lebens an (primärer Vaginismus). Es ist jedoch auch möglich, dass die schmerzhaften Symptome sich entwickeln, obwohl entspannter Geschlechtsverkehr zuvor möglich war (sekundärer Vaginismus). Bei manchen Frauen tritt ein Scheidenkrampf erstmals in den Wechseljahren auf.

    Welche Ursachen können Scheidenkrämpfe haben?

    Schmerzen und Verspannungen beim Sex können sehr unterschiedliche Auslöser haben. Zu den körperlichen Ursachen gehören zum Beispiel Infektionen und Entzündungen. Aber auch Frauen mit gutartigen Wucherungen der Schleimhaut (Endometriose) erleben häufig krampfartige Schmerzen, die sich beim Sex verstärken können.

    Für die Diagnose Vaginismus müssen solche körperlichen Ursachen zunächst ausgeschlossen werden. Hier spielt – vor allem beim Geschlechtsverkehr – die Psyche die entscheidende Rolle. Im Grunde handelt es sich um einen starken, unbewussten Abwehrreflex. Häufig haben die Betroffenen Ängste vor Schmerzen und Verletzungen oder sie leiden unter der Vorstellung, dass die Vagina zu klein sein könnte. Bei einigen ist der Hintergrund eine traumatische Erfahrung, zum Beispiel sexueller Missbrauch oder eine schmerzhafte ärztliche Untersuchung. Manchmal ist auch die Vorstellung von Sexualität generell negativ behaftet oder es bestehen Schwierigkeiten auf partnerschaftlicher Ebene.

    Junge Frau spricht mit ihrer Gynäkologin über Vaginismus.

    © iStock / RossHelen

    Um Vaginismus festzustellen oder auszuschließen, ist eine Untersuchung bei einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen der erste Schritt.

    Wie lässt sich Vaginismus behandeln?

    Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung von Scheidenkrämpfen, die auf Vaginismus zurückzuführen sind, ist zunächst die richtige Diagnose, im Idealfall durch eine einfühlsame gynäkologische Fachperson. Die Ärztin oder der Arzt muss einerseits mögliche körperliche Ursachen abklären, andererseits die psychischen Hintergründe richtig einschätzen können.

    Bei Vaginismus kommen verschiedene Ansätze zur Behandlung infrage:

    • Eine Psychotherapie hilft Betroffenen dabei, eventuell vorhandene Traumata mit fachkundiger Begleitung aufzuarbeiten. Mitunter sind Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie hilfreich, bei denen neue Denkmuster geübt werden. Welche Form der Therapie sich anbietet, hängt von vorangegangenen Erfahrungen, bestehenden Vorstellungen und eventuellen weiteren psychischen Belastungen (wie Depressionen oder Angststörungen) ab.
    • Vielen Frauen mit Vaginismus hilft es, Entspannungstechniken wie Atemübungen zu erlernen, um die verkrampfte Muskulatur bei einem Scheidenkrampf selber zu lösen beziehungsweise Verspannungen von vornherein vorzubeugen.
    • Auch Beckenbodentraining ist oft sinnvoll: Dabei lernt die Betroffene, die Muskeln im Bereich von Beckenboden und Vagina gezielt anzusteuern – und sie nicht nur anzuspannen, sondern auch zu entspannen.
    • Besteht ein vertrauensvolles Verhältnis zu Frauenärztin oder Frauenarzt, kann die gynäkologische Untersuchung Teil der Therapie sein. Dabei führt die untersuchende Person behutsam ein Spekulum (Scheidenspiegel) in die Vagina ein. So kann sie vorsichtig zeigen, wie dehnbar die Scheidenwand tatsächlich ist, und dadurch bestehende Ängste abbauen.
    • Eine weitere Option ist eine Art Gewöhnungstraining, das die Betroffene zu Hause durchführt, entweder mithilfe der eigenen Finger oder geeigneter Hilfsmittel. Dies lässt sich zum Beispiel auch mit Atemübungen kombinieren. Je besser die Frau ihren eigenen Körper kennenlernt, desto einfacher wird es, Ängste und innere Hürden abzubauen, die zu einem Vaginismus führen.

    Egal, welche Hintergründe Anspannung und Schmerzen haben – wichtig ist, dass die Patientin und auch das Umfeld (wie der Partner oder die Partnerin) Geduld haben: Vaginismus-Symptome lösen sich meist nicht von einem Tag auf den anderen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist außerdem, dass die Betroffene selbst aktiv etwas an dem Zustand ändern möchte – Druck vom Partner oder der Partnerin hilft nicht weiter.

    Für manche Betroffene ist ihre Sexualität durch die Schmerzstörung kaum negativ behaftet, sondern sie spüren durchaus Lust und Erregung. Dann ist es hilfreich, andere Wege zu finden, die eigene Sexualität zu leben. Das verbessert wiederum das eigene Körpergefühl und kann Hemmungen sowie Ängste abbauen.

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