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Wie krank das „Broken-Heart-Syndrom“ wirklich macht

Eine Frau hält sich die Hand auf die Brust – sie hat starke Schmerzen.

© iStock / Mintr

Lesezeit: 3 MinutenAktualisiert: 18.08.2021

Wer einen geliebten Menschen verloren hat oder von jemandem verlassen wird, kennt die Schmerzen eines „gebrochenen Herzens“. Das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“ ist tatsächlich ein medizinisches Phänomen, das bei starker emotionaler Belastung wie Trauer, Kummer und Stress auftreten kann. Woran Sie das „Broken-Heart-Syndrom“ erkennen können, was genau im Herzen passiert, wenn es „bricht“ und was dann zu tun ist, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was genau ist das „Broken-Heart-Syndrom“?

    Das „Syndrom des gebrochenen Herzens“, in medizinischen Kreisen auch „Takotsubo-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie“ genannt, ist eine noch nicht vollständig erforschte Krankheit. Es verursacht ähnliche Symptome wie ein Herzinfarkt, also zum Beispiel Herzschmerzen und Atemnot, muss aber ganz anders behandelt werden. Ausgelöst werden die Schmerzen durch starken emotionalen Stress. Zumeist werden emotionale oder körperliche Ausnahmesituationen als Ursache vermutet. Das kann der Tod eines Angehörigen sein, aber auch Liebeskummer oder körperliche Belastungen wie eine Operation. Besonders betroffen davon sind Frauen nach der Menopause. Wie dieses Syndrom genau entsteht und welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, ist noch nicht vollständig geklärt.

    Erstmals beschrieben wurde die Krankheit 1990 von japanischen Ärzten. Namensgeber des sogenannten „Takotsubo“-Syndroms war eine traditionelle, japanische Tintenfischfalle in Form eines ausgebuchteten Tonkruges mit verengtem Hals. Sie erinnerte die Ärzte an das typische Bild des Herzens bei dieser Krankheit: Eine Bewegungsstörung und eine ballonartige Aufweitung der linken Herzkammer.

    Woran erkenne ich, dass ich an einem „Broken-Heart-Syndrom“ leide?

    Typische Symptome dieses medizinischen Phänomens sind:

    • heftige Schmerzen in der Brust
    • Luftnot
    • Gleichzeitig lassen sich meist erhöhte Herzenzymwerte im Blut und eine veränderte Herzstromkurve im EKG messen.

    Für gewöhnlich deuten diese Anzeichen bei einer medizinischen Untersuchung vor allem auf einen Herzinfarkt hin. Doch: Etwa zwei Prozent aller Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt leiden am „Broken-Heart-Syndrom“, einem plötzlichen Funktionsverlust des Herzens, der ebenso lebensbedrohlich wie ein Herzinfarkt sein kann.

    Anders als beim Herzinfarkt ist beim „Broken-Heart-Syndrom“ jedoch kein Gefäß verschlossen. Tatsächlich finden sich in der Herzkatheter-Untersuchung oft unauffällige Herzkranzgefäße. Zusammen mit der Vorgeschichte einer außerordentlichen emotionalen oder körperlichen Belastung und dem typischen Bild im Herzultraschall kann die Diagnose eines „gebrochenen Herzens“ gestellt werden.

    Ein Mann stützt sich auf seine Beine – er hat Atemnot.
    Da es in der akuten Phase zu ernsthaften Komplikationen kommen kann, sollten Betroffene schon bei den ersten Anzeichen wie heftigen Brustschmerzen oder Atemnot der Notarzt alarmieren.

    © iStock / Kanawa_Studio

    Wie unser Herz „brechen“ kann

    Ein Herz kann natürlich nicht brechen, aber starker emotionaler Stress kann ein Auslöser für die plötzliche Funktionsstörung unseres Herzens sein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Regionen des Gehirns, die für die Verarbeitung von Emotionen und die Kontrolle der unbewussten Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung verantwortlich sind, bei Patientinnen nach einem Takotsubo-Syndrom nicht so gut miteinander kommunizierten wie bei gesunden Frauen. Das heißt: Veränderungen im Gehirn könnten die Anfälligkeit für ein Takotsubo-Syndrom erhöhen. Wie Herz und Gehirn bei dieser Krankheit aufeinander wirken, versuchen Kardiologen und Neurowissenschaftler mittlerweile in einem gemeinsamen Projekt zu erforschen.

    Wie eine Behandlung aussehen kann

    Besonders in der Frühphase des „Broken-Heart-Syndroms“ ist die Gefahr von lebensbedrohlichen Komplikationen hoch. Daher ist eine Monitorüberwachung auf der Intensivstation angezeigt, um einen drohenden Schock oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu erkennen. Je nach dem auslösenden Ereignis kann auch eine psychologische Betreuung notwendig sein. Ist die Akutphase erstmal überstanden, ist die Prognose günstig: In der Regel bilden sich die Veränderungen am Herzmuskel innerhalb von wenigen Wochen vollständig zurück.

    Eine durch objektive Daten abgesicherte Therapie der Stress-Kardiomyopathie gibt es bisher nicht. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen sind jedoch zu neuen Erkenntnissen über die Erkrankung gelangt, die auch für die Behandlung relevant sein könnten. Demnach weisen Herzzellen von „Broken-Heart-Syndrom“-Patienten eine erhöhte Signalweiterleitung und eine gesteigerte Empfindlichkeit auf Stresshormone, sogenannte Katecholamine, auf. Diese zwei Mechanismen wurden von den Forschern als typisch für das „Broken-Heart-Syndrom“ identifiziert. Auf Basis dieser Erkenntnisse soll nun die Wirkweise von verschiedenen Medikamenten auf die erkrankten Herzzellen weiter erforscht werden.

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