Aushilfen dürfen in Coronapandemie länger beschäftigt werden

Damit Saisonkräfte und Aushilfen auch in diesem Jahr länger in den Betrieben arbeiten können, hat der Gesetzgeber die Zeitgrenze wie im Vorjahr auf 102 Tage oder vier Monate verlängert.

Flexiblere Regelungen

Auch in diesem Jahr gilt von März bis Oktober 2021 eine längere Zeitgrenze für kurzfristige Beschäftigungen: Sie dürfen 102 statt 70 Tagen dauern, also vier statt der regulären drei Monate. Das soll vor allem den Einsatz von Saisonarbeitern erleichtern, ist aber nicht auf die Landwirtschaft beschränkt. Durch die Ausweitung des zeitlichen Rahmens soll die Wirtschaft in der Coronapandemie entlastet werden, da Betriebe kurzfristig Beschäftigte, die in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei sind, länger im Betrieb halten können.

Das Gesetz wurde am 22. April 2021 durch den Bundestag verabschiedet und ist am 1. Juni 2021 in Kraft getreten. Es gilt hier grundsätzlich rückwirkend für kurzfristige Beschäftigungen, die nach dem 28. Februar 2021 begonnen haben (siehe hier auch im Punkt „Bestandsschutz für Beschäftigungen vor Inkrafttreten“).

Folgende Regeln gelten vom 1. März bis Ende Oktober 2021:

  • Saisonarbeitskräfte und kurzfristig Beschäftigte bleiben für insgesamt 102 Arbeitstage oder vier Monate sozialversicherungsfrei.
  • Eine kurzfristige Beschäftigung liegt jedoch nicht vor, wenn die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird, wie das bei Saisonarbeitern aus dem Ausland meist der Fall ist. Die Berufsmäßigkeit muss geprüft werden, wenn das monatliche Entgelt 450 Euro übersteigt. 
  • Ab dem 1. November 2021 ist wieder die reguläre Zeitgrenze von drei Monaten oder 70 Tagen in Kraft.
  • Die Grenze von vier Monaten gilt auch für ein unvorhergesehenes Überschreiten der Entgeltgrenze von monatlich 450 Euro bei einer geringfügig entlohnten Beschäftigung. Ab dem 1. November gilt wieder die reguläre Zeitgrenze von drei Monaten.
  • Um für Rentner mit vorgezogenen Altersrenten die Arbeit als Aushilfen oder Erntehelfer attraktiver zu machen, gilt auch in diesem Jahr wieder eine höhere Hinzuverdienstgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie liegt für das gesamte Jahr 2021 bei 46.060 Euro.

Mit diesen Änderungen will die Bundesregierung ausländische Saisonarbeiter, die sich schon in Deutschland aufhalten, zum Bleiben ermutigen. Zudem sollen potenzielle Hilfskräfte aus anderen Branchen, in denen pandemiebedingt nicht gearbeitet wird, kurzfristig wechseln können.

Bestandsschutz für Beschäftigungen vor Inkrafttreten

Aufgrund einer Bestandsschutzregelung gilt die verlängerte Zeitgrenze von vier Monaten oder 102 Arbeitstagen nicht für Beschäftigungen, die bereits vor dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Juni 2021 bestanden und nicht kurzfristig sind. Entscheidend ist in diesem Fall die reguläre Zeitgrenze für eine kurzfristige Beschäftigung von drei Monaten beziehungsweise 70 Arbeitstagen.

Arbeitnehmer, die vor dem 1. Juni 2021 bereits kurzfristig beschäftigt waren, können danach im Rahmen der neuen Zeitgrenzen länger angestellt werden. Sie können unter Berücksichtigung von Vorbeschäftigungszeiten in der Zeit vom 1. März 2021 bis 31. Oktober 2021 längstens bis zur Dauer von vier Monaten beziehungsweise 102 Arbeitstagen kurzfristig beschäftigt bleiben.

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Versicherungsrechtliche Beurteilung von geringfügigen Beschäftigungen

Der GKV-Spitzenverband erläutert weitere Details in einem Rundschreiben vom 31. Mai 2021.

Beispiele für die Meldung von Aushilfskräften

Die neuen Zeitgrenzen gelten nur vorübergehend. Grundsätzlich gilt jedoch, dass die versicherungsrechtliche Beurteilung, die vor Inkrafttreten des Gesetzes bei Beginn einer Beschäftigung getroffen wurde, weiter Bestand hat.

Eine Beschäftigung vom 1. Januar 2021 bis 30. April 2021 ist von vornherein befristet. Es liegt zwar keine Berufsmäßigkeit vor, aber die zu diesem Zeitpunkt gültige Zeitgrenze von drei Monaten wird überschritten.

Normalfall: Die Beschäftigung ist sozialversicherungspflichtig.
Personengruppenschlüssel 101
Beitragsgruppenschlüssel 1111
Zuständige Einzugsstelle: Krankenkasse

Die versicherungsrechtliche Beurteilung bleibt aufgrund des Bestandsschutzes unverändert.

Wird die Beschäftigung nach Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Juni bis zum Oktober 2021 aufgenommen, gelten vorübergehend die veränderten Zeitgrenzen.

Eine Beschäftigung vom 1. August 2021 bis 30. November 2021 ist von vornherein befristet. Es liegt keine Berufsmäßigkeit vor.

Zum Zeitpunkt des Beschäftigungsbeginns gilt noch das Übergangsrecht. Die Beschäftigung ist auf vier Monate befristet und damit sozialversicherungsfrei.

1. August 2021:

Personengruppenschlüssel 110
Beitragsgruppenschlüssel 0000
Anmeldung bei der Minijob-Zentrale

Ab 1. November 2021 gilt wieder das ursprüngliche Recht (drei Monate oder 70 Arbeitstage) Zum 1. November 2021 erfolgt daher eine Neubeurteilung der Beschäftigung und Feststellung der Sozialversicherungspflicht:

Abmeldung 1. August 2021 bis 31. Oktober 2021 bei der Minijob-Zentrale
Personengruppenschlüssel 110
Beitragsgruppenschlüssel 0000

Anmeldung bei der Krankenkasse zum 1. November 2021
Personengruppenschlüssel 101
Beitragsgruppenschlüssel 1111

Abmeldung zum 30. November 2021, da die Beschäftigung endet.

Ab dem 1. November 2021 gelten wieder die ursprünglichen Zeitgrenzen. Eine bereits bestehende Beschäftigung ist dann aufgrund der veränderten Grenzen neu zu beurteilen.

Eine Beschäftigung ist von vornherein befristet vom 1. November 2021 bis 31. Januar 2022. Es liegt keine Berufsmäßigkeit vor.

Die Beschäftigung ist auf drei Monate befristet und damit kurzfristig. Sie ist sozialversicherungsfrei.
Personengruppenschlüssel 110
Beitragsgruppenschlüssel 0000
Anmeldung bei der Minijob-Zentrale
Abmeldung zum 31. Januar 2022, da die Beschäftigung endet.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 02.06.2021

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