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Wie wir unsere Ziele erreichen

 Am Tisch sitzen, entschleunigen und die Arbeit einen Augenblick ruhen lassen – das hilft uns dabei, unsere Ziele zu erreichen.

© iStock / FlamingoImages

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 12.08.2020

Manchmal ist der Weg zu unseren Zielen ganz schön steinig. Prof. Dr. Gabriele Oettingen, Professorin für Psychologie an der New York University und der Universität Hamburg, erklärt, wie wir es uns leichter machen.

Inhalte im Überblick

    Frau Prof. Oettingen, warum ist es oft so eine Herausforderung, Ziele zu erreichen?

    Das kann viele Gründe haben. Es kann etwa an den eigenen, individuellen Hindernissen liegen, also an bestimmten Angewohnheiten, Emotionen oder auch irrationalen Überzeugungen. Diese Hindernisse sind oft nicht leicht zu überwinden. Genau deswegen brauchen wir eine wirksame Strategie, um unsere Ziele zu erreichen. 

    Was wäre denn die richtige Strategie? Sollten wir einfach positiver denken?

    Sie meinen: Ich stelle mir einfach vor, dass ich meinen Morgenlauf schon hinter mir habe? Auf den ersten Blick mag solch ein positives Denken eine sinnvolle Methode sein. Aber es ist nicht ganz so einfach. Unsere motivations-psychologische Forschung der letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass positives Denken allein nicht hilft, Wünsche zu erfüllen. Im Gegenteil!

    Ein Beispiel aus einer Untersuchung: Hochschulabsolventen, die besonders positiv fantasiert haben, wie reibungslos der Übergang in das Berufsleben sein wird, haben zwei Jahre später weniger verdient und weniger Jobangebote bekommen. Wir haben auch herausgefunden, dass Menschen, die ausschließlich positiv über ihre Zukunftsperspektiven nachdenken, zwar kurzfristig gute Stimmung aufweisen, langfristig aber eher unter depressiver Verstimmung leiden.

    Was bedeutet das? Wie lässt sich das erklären?

    Wenn man positiv über die Zukunft träumt, dann fühlt man sich schon angekommen. Dadurch lässt die Energie nach, man entspannt sich. Und dann bringt man nicht mehr die nötige Anstrengung auf, um das Ziel zu erreichen, und hat letztlich weniger Erfolg.

    Was ist die Konsequenz? Den Optimismus verbannen?

    Nein, positive Gedanken über eine erwünschte Zukunft sind wichtig. Sie entstehen aus unseren Bedürfnissen und geben dem Handeln die Richtung. Daher sollten wir unsere Wünsche ernst nehmen. Das Problem ist: Sie nehmen uns die Energie, die wir brauchen, um sie zu realisieren.

    Wie kann man das verhindern?

    Durch mentales Kontrastieren. Hier geht es darum, zunächst einen wichtigen, aber erfüllbaren Wunsch zu identifizieren und sich seine Erfüllung lebendig vorzustellen.  Gleich danach identifiziert man das innere Hindernis, das der Wunscherfüllung im Weg steht, und stellt es sich vor. Diese Gegenüberstellung von erwünschter Zukunft und dem inneren Hindernis lässt einen erkennen, wie man das Hindernis über-winden kann. So wird man sich voll der Wunscherfüllung widmen.

    Wie genau funktioniert denn die mentale Kontrastierung?

    Mentale Kontrastierung ist die Basis von WOOP, einer mentalen Übung, mit der es jeder schaffen kann, seine Wünsche zu erkennen und seine Ziele zu erreichen.  Insgesamt dauert eine WOOP-Übung nur 5 bis 10 Minuten. In dieser Zeit sollte man vier vorgegebenen Schritten folgen:

    Was ist, wenn mir das Hindernis zu groß erscheint und ich keine Lösung finde?

    Durch dieses Vorgehen kann mir tatsächlich auch bewusst werden, dass das Hindernis gerade nicht in mein Leben passt, ein anderes Ziel gerade wichtiger ist oder auch, dass der Wunsch nicht erfüllbar ist. Aber dann kann ich meinen Wunsch anpassen, ihn auf einen geeigneten Zeitpunkt verschieben oder mich von der Wunscherfüllung lösen und meine Energie anderen Projekten zuwenden. 

    Also geht es nicht nur darum, Ziele zu erreichen?

    Nein, es geht auch darum, das Leben aufzuräumen. Zu erkennen, welche Wünsche und Ziele mir wirklich wichtig und auch erreichbar sind. Damit kann ich Prioritäten setzen und meine Wünsche anpassen. Zum Beispiel erkenne ich: Siebenmal die Woche Sport treiben geht nicht, aber dreimal pro Woche.

    „Wenn man positiv über die Zukunft träumt, dann fühlt man sich schon angekommen.“

    Prof. Dr. Gabriele Oettingen
    Professorin für Psychologie

    Kann das wirklich jeder einfach so umsetzen?

    Menschen können oft viel mehr, als sie sich zutrauen. Unseren Untersuchungen zufolge funktioniert WOOP unabhängig von Geschlecht, Altersgruppe, Kultur, Bildung oder Persönlichkeitsmerkmalen. Aber: Man muss sich darauf einlassen und sich konzentrieren. Dazu sollte man sich Zeit nehmen und sich nicht unterbrechen lassen.

    Und dann klappt es mit den Wünschen?

    Wünsche werden nicht immer sofort erfüllt. WOOP hilft einem, seine Wünsche zu erkennen und sich aktiv für ihre Erfüllung zu engagieren. WOOP ist eine bewusste Strategie, die der Erfüllung unserer Wünsche dient, ohne dass wir das merken. Viele Studien haben diese nicht bewussten Prozesse belegt. Wenn man eine WOOP-Übung gemacht hat, engagiert man sich danach und merkt das oft erst später. WOOP hilft, sowohl für kurzfristige als auch für langfristige Ziele, für triviale oder für lebensverändernde Vorhaben.

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