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Diabetes Typ 2: Der Lebensstil zieht die Fäden

Ein Mann macht Sportübungen an Fitnessgeräten im Park.

© iStock / YorVen

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 06.08.2021

Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung. Experten unterscheiden zwei Typen, wobei Diabetes Typ 2 mit 90 Prozent am häufigsten vorkommt. Die Körperzellen sind dann nicht mehr richtig in der Lage, genügend Zucker in die Zelle aufzunehmen und zu verwerten. Einmal diagnostiziert, kann Diabetes den Alltag des Patienten bestimmen.

Inhalte im Überblick

    Prof. Dr. med. Stephan Jacob, Diabetologe, Ernährungsmediziner und Kardiovaskulärer Präventionsmediziner Praxis für Prävention und Therapie

    © Prof. Dr. med. Stephan Jacob

    Prof. Dr. Stephan Jacob ist Diabetologe und hat den Online-Coach Diabetes der AOK maßgeblich mitentwickelt.

    Im Interview erklärt er, wie Diabetes mellitus vorgebeugt werden kann und ob Patienten im Alltag automatisch eingeschränkt sind.

    Wie entsteht Diabetes Typ 2?

    Wir wissen heute, dass eine ungünstige Lebensweise mit Fehlernährung, Überernährung, Übergewicht, unzureichende körperliche Aktivität und Tabakkonsum neben der familiären Belastung eine besondere Rolle spielt. Hier wird die verminderte Insulinwirkung (Insulinresistenz) als zentraler Mechanismus angesehen. Zucker in der Nahrung wird häufig dafür verantwortlich gemacht, er ist aber sicher nicht die einzige Ursache: Unter dem Strich spielt das Übergewicht die wesentlichste Rolle, insbesondere wenn das Fett im Bauch angesiedelt ist.

    Was hat das metabolische Syndrom mit Diabetes Typ 2 zu tun?

    Bei vielen Menschen mit Typ 2 Diabetes finden wir neben der Glucose-Störung auch die Störung im Bereich des Blutdrucks, des Fettstoffwechsels und der bauchbetonten Fettverteilung. Alles Faktoren, die die Gefäße schädigen. Viele Daten zeigen daher, dass Menschen mit metabolischem Syndrom erheblich mehr Herz-Kreislauf-Komplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall etc.) haben. Zudem stellt sich heraus, dass dies alles miteinander verbunden ist, unter anderem über die sogenannte Insulinresistenz.

    Kann einer Entstehung von Diabetes mellitus vorgebeugt werden?

    Beim Thema Vorbeugen ist die Erkenntnis wichtig, dass wir die genetische Belastung nicht mehr ändern können, aber wenn wir wissen, dass eine familiäre Häufung vorliegt, dann sollten die Lebensstilmaßnahmen konsequenter beachtet werden. Vor allem regelmäßige körperliche Aktivität und eine leichte Gewichtsreduktion bzw. erst einmal das konstante Halten des Körpergewichtes sind sehr erfolgversprechende Maßnahmen.

    Durch diese Lebensstilmaßnahmen funktioniert die Tür besser, die mit Insulin geöffnet werden muss, um Glucose in die Zelle zu lassen, dadurch wird die Insulinwirkung verstärkt. Gleichzeitig wird durch regelmäßige Bewegung eine Nebentür geöffnet, die durch die Muskelarbeit den Zucker in die Zelle bringt, das spielt für die Vorbeugung von Diabetes eine wichtige Rolle. Zudem ist das natürlich auch relevant für die Behandlung von bereits bestehendem Diabetes und hilft vor allem dabei, weniger Medikamente einnehmen zu müssen.

    Bezüglich Alkohol sollte immer bedacht werden, dass Alkohol viele Kalorien hat und oft ein Mitverantwortlicher bei Übergewicht ist. Grundsätzlich ist Alkohol in geringer Menge nicht verboten, das sollte aber im Einzelfall mit dem Arzt besprochen werden, weil er auch Unterzuckerungen auslösen kann. Im Online-Coach Diabetes geht die AOK auch auf die spezifischen Probleme, die Alkohol bei Menschen mit Diabetes verursachen können, ein und geben entsprechende Verhaltensempfehlungen.

    Was passiert im Körper, wenn sich Diabetes Typ 2 bemerkbar macht bzw. was sind die ersten Symptome?

    Diabetes tut nicht weh. Die meisten Menschen bemerken die Erkrankung deshalb erst viel zu spät. Lediglich Müdigkeit, vermehrter Durst und häufige Toilettengänge können Anzeichen für einen Diabetes Typ 2 sein. Die Beschwerden sind aber nicht immer zwangsläufig da.

    Wichtig ist dabei auch die Frage, wer eigentlich zur Risikogruppe für Diabetes Typ 2 gehört. Wenn in der Verwandtschaft ein Diabetes bekannt ist, oft auch nur „Alterszucker“ genannt, wenn Übergewicht besteht, wenn geraucht wird, wenn ein hoher Blutdruck oder Fettstoffwechselstörungen bestehen oder wenn beispielsweise in der Schwangerschaft ein Schwangerschaftsdiabetes aufgetreten ist, dann sollte unbedingt geschaut werden, ob nicht bereits ein Diabetes mellitus vorliegt.

    „Diäten sind out, es geht um eine vernünftige Ernährung, die auch mittel- und langfristig – und mit Genuss – eingehalten werden kann.“

    Prof. Dr. med. Stephan Jacob
    Diabetologe, Ernährungsmediziner und Kardiovaskulärer Präventionsmediziner

    Wie sieht der neue Alltag eines Diabetes-Patienten aus?

    Als Erstes müssen die Patienten gut informiert sein, um zu verstehen, was in ihrem Körper passiert. Bei neu entdeckten Typ 2 Diabetikern steht meist eine Umstellung des Lebensstils im Vordergrund, die sollte schrittweise erfolgen, ein Einüben in einen gesünderen Lebensstil braucht etwas Zeit.

    Diäten sind out, es geht um eine vernünftige Ernährung, die auch mittel- und langfristig – und mit Genuss – eingehalten werden kann. Schließlich hat jede Person einen anderen Geschmack, auf den Rücksicht genommen werden sollte.

    Früher wurde Patienten empfohlen, viele kleine Portionen zu essen, damit die Bauchspeicheldrüse die Aufgabe mit ihrer Restfunktion noch bewältigen kann. Auch waren die Möglichkeiten der medikamentösen Einstellung sehr überschaubar, da hat sich sehr viel getan. Heute wird eher dazu geraten, auf Zwischenmahlzeiten zu verzichten, um die Bauchspeicheldrüse nicht ständig in Aktion zu halten und die Kalorienaufnahme nicht unnötig zu erhöhen. Der Mechanismus wird im Online-Coach auch sehr eindrücklich mit einem kurzen Animationsfilm erklärt.

    Mann mit Diabetes Typ 2 prüft Blutzuckerspiegel.
    Diabetologe Prof. Dr. Stephan Jacob empfiehlt Patienten mit Diabetes, auf ihre Werte zu achten.

    © iStock / filadendron

    Regelmäßige Bewegung sollte am besten in den Alltag eingebaut werden. Da hilft es nicht, nur am Wochenende seine Runden zu drehen. Falls Insulin nötig wird, ist es ratsam, sich einen Diabetologen zu suchen, der gut schult und für eine richtige Einstellung sorgt. Einer Unterzuckerung und deren Folgen können somit entgegengewirkt werden.

    Aber nicht jeder Typ 2 Diabetiker braucht automatisch Insulin. Mit den neuen Medikamenten kann die Insulintherapie heute häufig unnötig werden. Besonders dann, wenn ein gesunder Lebensstil praktiziert wird.

    Inwieweit trägt ein gesunder Lebensstil dazu bei, die Auswirkungen von Diabetes zu verhindern?

    Komplikationen sind bei Diabetes Typ 2 kein unabwendbares Schicksal. Veränderungen im Lebensstil können bedeutend dazu beitragen, Folgeerkrankungen zu verhindern. Auch hier gilt wieder: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und nicht zu viel Gewicht. Auf diese Weise kann einer fortschreitenden Insulinresistenz, den Blutdruckerhöhungen, den Fettstoffwechselstörungen und Komplikationen wie dem diabetischen Fuß entgegengewirkt werden.

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    Welche Tipps geben Sie Diabetes-Patienten ganz konkret an die Hand?

    Zunächst ist es mir wichtig, dass meine Patienten verstehen, dass man heute gut mit Diabetes leben kann. Es gibt viele Möglichkeiten, die Erkrankung zu behandeln und die Lebensqualität zu erhalten.

    Ich empfehle meinen Patienten, auf ihre Werte zu achten. Das gilt gleichermaßen für den Blutzucker, wie auch für das Gewicht und den Blutdruck.

    Außerdem sind regelmäßige Arztbesuche wichtig, um die Behandlung anpassen zu können, falls nötig.

    Nicht zuletzt ist es stets ein guter Tipp, sich mit seiner Erkrankung zu beschäftigen. Wer die Vorgänge im Körper richtig versteht, verhindert womöglich gesundheitliche Beeinträchtigungen. Der AOK Online-Coach Diabetes kann hier sehr unterstützen.

    „Wer die Vorgänge im Körper richtig versteht, verhindert womöglich gesundheitliche Beeinträchtigungen.“

    Prof. Dr. med. Stephan Jacob
    Diabetologe, Ernährungsmediziner und Kardiovaskulärer Präventionsmediziner

    Der AOK Online-Coach Diabetes

    Der Online-Coach Diabetes beantwortet alle wichtigen Fragen rund um das Thema Diabetes mellitus Typ 2. Schritt für Schritt erklärt das interaktive Online-Angebot, wie die Krankheit entsteht und was genau im Körper passiert. Zum Beispiel erfahren Sie, was es mit dem Blutzuckerspiegel auf sich hat und wie Ernährung und das Körpergewicht ihn beeinflussen. Auch wie viel sich Patienten bewegen, spielt eine wichtige Rolle. Es gibt gleich mehrere Hebel, die, an der richtigen Stelle angesetzt, den Diabetes in den Griff bekommen können. Darüber hinaus liefert der Online-Coach Informationen zur Behandlung und zu den Vorteilen des Disease-Management-Programm (DMP) AOK-Curaplan für Diabetes-Patienten.

    Der Online-Coach ist in insgesamt 9 Module unterteilt, die inhaltlich aufeinander aufbauen und in denen die Themen Bewegung, gesunde Ernährung und das Motivationsprogramm WOOP erklärt werden. Außerdem zeigt der Online-Coach, welche Lebensmittel bei Typ-2-Diabetes empfehlenswert sind, warum Nikotin und Alkohol bei Diabetes besonders schädlich sind und welche Begleit- und Folgeerkrankungen es gibt. Gleichzeitig werden wertvolle Tipps zur Behandlung und zum Umgang mit der Erkrankung gegeben – damit Patienten auch mit Diabetes ein gutes und langes Leben führen können. An der Entwicklung war ein Expertenteam aus Diabetologen, Psychologen sowie Ernährungs- und Sportwissenschaftlern beteiligt.

    Wie können Sie teilnehmen?

    Um den kompletten Coach durchlaufen zu können, ist eine Registrierung mit Angabe der AOK-Versichertennummer notwendig. Diese wird nur zur Prüfung der Versicherung genutzt. Alle weiteren eingegebenen Daten werden von der AOK nicht eingesehen, verwertet oder weitergegeben.

    Haben Sie medizinischen Fragen zum Diabetes mellitus oder auch einer anderen Erkrankung oder Therapie, steht Ihnen unsere medizinischer Info-Service AOK-Clarimedis zur Verfügung.

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