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Was ist Upcycling und wie nachhaltig ist der Trend?

Durch Upcycling zu Blumentöpfen umfunktionierte Plastikflaschen an einer Mauer.

© iStock / Lucia Gajdosikova

Lesezeit: 4 Minuten23.06.2022

Balkonmöbel aus Paletten, Laternen aus Konservendosen oder Einkaufstaschen aus T-Shirts – beim Upcycling werden alte Gegenstände neu gedacht und wiederverwendet. Wie nachhaltig der Trend ist und worauf Sie beim Upcycling achten sollten.

Inhalte im Überblick

    Was ist Upcycling?

    Das Spektrum an praktischen Lösungen, wie sich ausgediente Produkte im Alltag weiterverwenden lassen, wächst stetig. Eine von ihnen ist Upcycling. Bei diesem Vorgang werden scheinbar nutzlose Dinge in neuwertige Produkte umgewandelt beziehungsweise aufgewertet („up“), um sie wieder in den Wirtschaftskreislauf („cycling“) einzuführen. Die Grundidee hinter Upcycling ist, weniger Dinge wegzuwerfen, gleichzeitig weniger Neues zu kaufen, dadurch wertvolle Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen.

    Grundsätzlich lassen sich fast alle gebrauchten Produkte upcyceln. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, es gibt zahlreiche sinnvolle Upcycling-Ideen: So entstehen beispielsweise aus Feuerwehrschläuchen wasserfeste Taschen, aus leeren Konservendosen dekorative Laternen oder aus Weinkisten praktische Bücherregale. Mit dem steigenden Bewusstsein für Umweltschutz ist Upcycling immer populärer geworden. Mittlerweile findet die kreative Zweckentfremdung nicht nur im Do-it-yourself (DIY)-Bereich großen Anklang, sondern beispielsweise auch in der Modebranche oder Möbelindustrie. Wird Upcycling im großen industriellen Stil betrieben, verschwimmen hierbei oft die Grenzen zwischen Upcycling und Recycling.

    Was ist der Unterschied zwischen Upcycling und Recycling?

    Der wesentliche Unterschied zwischen Upcycling und Recycling liegt im Wiederverwertungsprozess der Materialien. Beim Prinzip des Recyclings werden Produkte – wie der Name bereits verrät – wieder in den Wertstoff-Kreislauf zurückgeführt. Dafür werden die Gegenstände zunächst in ihre Grundbausteine zerlegt. So wird zum Beispiel eine leere Plastikflasche erst zerkleinert, geschmolzen und dann als aufbereiteter Rohstoff wiederverwendet. Daraus entsteht möglicherweise wieder eine Plastikflasche oder ein anderes Kunststoff-Produkt. Die Aufbereitung der Rohstoffe setzt meist einen industriellen Prozess voraus, der wiederum Energie benötigt. Doch können auch Recyclingprodukte nicht unendlich oft wiederverwertet werden. Meist verliert das Material, wie zum Beispiel Plastik oder Papier, nach mehrfachen Recyclingprozessen an Qualität. Die Umwandlung eines Produkts zu einem qualitativ schlechteren Endprodukt wird auch als Downcycling bezeichnet.

    Beim Upcycling hingegen erfährt das bestehende Produkt eine Aufwertung. Der zugrundeliegende Rohstoff wird dabei nur wenig verändert. Beim DIY-Upcycling steckt zudem kein industrieller Vorgang dahinter, sondern Handwerksarbeit. Das spart wiederum wertvolle Energie und macht den Prozess des Upcyclings so nachhaltig.

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    Ist Upcycling immer nachhaltig?

    Ob und wie nachhaltig Upcycling ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So kursieren zum Beispiel im Internet unzählige Upcycling-Ideen mit Plastikmüll. Doch nicht immer ist es sinnvoll, Abfall aus der Kreislaufwirtschaft zu entfernen. Wer zum Beispiel eine leere Pfandflasche als Blumenvase umfunktioniert, umgeht zwar den Kauf einer neuen Vase, aber verhindert zugleich den Wiedereinsatz der Flasche im Mehrwegsystem. Die Konsequenz: Es werden neue Flaschen produziert und dafür Ressourcen verbraucht. Anders ist es bei pfandfreien Plastikflaschen. Aus ihrem Material entstehen meist (wenn überhaupt) nur minderwertige Produkte wie Blumentöpfe oder Eimer. In diesem Fall kann es eine gute Idee sein, die Flasche auf andere Art zu nutzen. Wer selbst einen Gegenstand upcyceln möchte, sollte sich daher zunächst die Frage stellen: Wird der Gegenstand an anderer Stelle gebraucht oder auf anderem Wege besser verwertet?

    Ob ein Upcycling-Produkt nachhaltig ist, hängt außerdem davon ab, ob der Kauf oder Einsatz weiterer Materialien für die Herstellung nötig ist. Wenn für ein einzelnes Upcycling-Projekt viele neue Produkte gekauft werden müssen, ist es weniger nachhaltig. Ebenso wichtig ist, dass keine schädlichen Stoffe verarbeitet werden. Materialien aus Kunststoffen wie Plastik lassen sich später vielleicht nicht mehr recyceln oder setzen womöglich beim Recyclingvorgang giftige Stoffe frei. Daher sollte die zweite Frage in puncto Upcycling lauten: Welche Materialen werden zum Upcyceln des Gegenstands benötigt und sind diese umweltfreundlich?

    Unterm Strich kommt es auf die Gesamtökobilanz an. Handelt es sich bei dem Gegenstand um ein tatsächliches Abfallprodukt, das sich ohne den Zusatz oder nur mit wenigen Materialen aufwerten lässt und einen Zweck erfüllt, ist Upcycling eine nachhaltige Methode, um Ressourcen zu schonen.

    Eine Frau betreibt Upcycling indem sie einen alten Holzstuhl mit weißer Farbe restauriert.
    Wer alte Besitztümer repariert und wiederverwendet, lebt umweltfreundlicher.

    © iStock / fotostorm

    Nachhaltig leben: Reparieren, wiederverwenden und auf langlebige Produkte setzen

    Der beste Weg, um Ressourcen und Energie zu sparen, ist immer noch die Vermeidung von Abfall. Nach Angaben der Statistikbehörde Eurostart produzieren die Menschen in Deutschland mehr Müll als in den meisten anderen EU-Ländern. Im Jahr 2020 wurden durchschnittlich 632 Kilogramm Müll pro Kopf entsorgt. Vor allem Verpackungen sowie Einwegprodukte sind kurzlebig und landen schnell im Müll. Daher ist es wichtig, auf langlebige und recyclingfähige Produkte zu setzen. Denn je länger ein Produkt in der Kreislaufwirtschaft bleibt, desto nachhaltiger ist es. Upcycling stellt dabei lediglich eine Möglichkeit dar, Abfall sinnvoll weiterzuverwenden.

    Was Sie tun können, um die Umwelt zu schonen:

    • Setzen Sie auf qualitativ hochwertige Produkte, da diese meist länger halten.
    • Reparieren Sie Gegenstände, bevor Sie neue kaufen. In sogenannten Repaircafés (Werkstätten) können Sie Elektrogeräte meist kostengünstig reparieren lassen oder unter Anleitung selbst reparieren.
    • Entsorgen Sie Müll sachgerecht, damit er wiederaufbereitet werden kann.
    • Achten Sie beim Kauf neuer Produkte auf nachhaltige Materialien und eine nachhaltige Produktion.
    • Kaufen Sie nur Dinge, die Sie wirklich brauchen.

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