Zähne
Parodontitis: Wenn das Zahnbett entzündet ist
Veröffentlicht am:09.05.2022
aktualisiert am 06.10.2026
10 Minuten Lesedauer
Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats und unter Erwachsenen weit verbreitet. Wie die Erkrankung im Mundraum entsteht, wie man sie behandeln kann und was man tun kann, damit sie gar nicht erst auftritt.

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Inhalte im Überblick
- Parodontitis: Was steckt dahinter?
- Parodontitis und Parodontose: Was ist der Unterschied?
- Was sind die Ursachen von Parodontitis?
- Wie entsteht Parodontitis – und welche Faktoren erhöhen das Risiko?
- Was sind die Symptome bei einer Parodontitis?
- Wie kann ich einer Parodontitis vorbeugen?
- Wie wird Parodontitis behandelt?
Parodontitis: Was steckt dahinter?
Bei der Parodontitis handelt es sich um eine dauerhafte, chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, auch Zahnbett genannt. Damit ist das Gewebe gemeint, das den Zahn umgibt und dafür sorgt, dass er fest im Kieferknochen sitzt. Wenn der Zahnhalteapparat dauerhaft entzündet ist, können sich die Zähne lockern, da es durch den Entzündungsprozess zu Knochenabbau kommt. Unbehandelt führt Parodontitis zu Zahnverlust.
Die Parodontitis hat eine Vorstufe: die Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Bei vielen Menschen entzündet sich das Zahnfleisch gelegentlich, was meist keine längerfristigen Probleme bereitet und oft von selbst abheilt. Wird sie im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entdeckt, etwa in Bereichen, die bei der Mundhygiene schwer erreichbar sind, kann sie dort gezielt behandelt werden.
Heilt sie nicht ab, kann die Entzündung auf den gesamten Zahnhalteapparat übergreifen. Die Folge ist eine Parodontitis. Deshalb sollte man schon bei einer Zahnfleischentzündung aktiv werden und einem schlimmeren Verlauf vorbeugen.
Parodontitis und Parodontose: Was ist der Unterschied?
Unter einer Parodontitis versteht man eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates und des Zahnfleisches, bei der es zum Rückgang des Zahnfleisches kommt.
Viele Menschen nutzen umgangssprachlich den Begriff „Parodontose“, wenn sie eigentlich eine Parodontitis meinen. Der Begriff ist medizinisch veraltet und wird in der modernen Zahnmedizin kaum noch verwendet.
Was sind die Ursachen von Parodontitis?
Die Hauptursache für Parodontitis sind Bakterien, die sich im Zahnbelag – auch als Plaque bezeichnet – ansammeln. Dabei handelt es sich um einen dünnen, zunächst kaum sichtbaren, weichen Belag auf dem Zahn, den sogenannten Biofilm. Dieser bildet sich vor allem am Übergang zum Zahnfleisch.
Plaque besteht aus Bakterien, Nahrungsresten und Bestandteilen des Speichels. Wird sie nicht regelmäßig und gründlich entfernt, bleibt sie am Zahnfleischrand haften und kann sich auch zu Zahnstein verhärten.
Durch diese anhaftenden Beläge werden entzündliche Prozesse ausgelöst. Zwischen Zahn und Zahnfleisch bilden sich Spalten, sogenannte Zahnfleischtaschen. In diesen können sich Bakterien besonders gut vermehren und die Entzündung weiter verstärken.
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Wie entsteht Parodontitis – und welche Faktoren erhöhen das Risiko?
Bakterien im Mund sind an sich nichts Schlimmes: Ein Milliliter Speichel enthält rund 60 Millionen Bakterien – viele davon erfüllen sinnvolle Aufgaben. Gesundes Zahnfleisch sitzt fest am Zahn und bildet eine natürliche Barriere, die das Eindringen von Bakterien verhindert.
Wenn es sich Bakterien – etwa durch unzureichende Zahnhygiene – in den Belägen richtig gemütlich machen, wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst. Reicht die Immunabwehr nicht aus, um die Bakterien zu stoppen, können sie sich weiter ausbreiten und den Zahnhalteapparat und die Knochen angreifen.
In der Folge nimmt der Körper auch Opfer in Kauf: Er baut entzündete Knochen- und Gewebeteile ab – im schlimmsten Fall lockern sich die Zähne und fallen aus.
Neben Plaque und Zahnstein gibt es auch weitere Faktoren, die das Risiko für Parodontitis erhöhen können:
Unzureichende Mundhygiene
Rauchen
Diabetes mellitus
Schwangerschaft
Genetische Veranlagung
Medikamente
Wie häufig ist Parodontitis und ab wann tritt sie auf?
In Deutschland ist unter den 35- bis 44-Jährigen rund die Hälfte betroffen, unter den 65- bis 74-Jährigen sind es rund 65 Prozent und bei den über 74-Jährigen 90 Prozent.
Was sind die Symptome bei einer Parodontitis?
Zunächst verursacht Parodontitis wenig spürbare Beschwerden. Da die ersten Anzeichen nicht eindeutig sind, kann in einem frühen Stadium meist nur die Zahnärztin oder der Zahnarzt eine zuverlässige Diagnose stellen. Mögliche Frühsymptome, die sich überwiegend mit einer Zahnfleischentzündung decken, sind:
- geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch
- Zahnfleischbluten
- Schmerzen beim Essen
- Mundgeruch
Erst bei fortgeschrittener Entzündung bildet sich das Zahnfleisch sichtbar zurück und löst sich vom Zahn. Dadurch entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich die Entzündung weiter ausbreitet. Der Zahnhalteapparat wird nach und nach abgebaut. Wird die Parodontitis nicht rechtzeitig gestoppt, lockert sich schließlich der Zahn.

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Wie kann ich einer Parodontitis vorbeugen?
Gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind das A und O, um Parodontitis so gut wie möglich vorzubeugen. Entscheidend ist, Zahnbeläge und Zahnstein möglichst früh zu beseitigen, damit sich schädliche Bakterien gar nicht erst ausbreiten können. Weiche Beläge lassen sich durch gründliches Zähneputzen entfernen.
Da die Zahnbürste nur schwer in die Zahnzwischenräume gelangt, empfiehlt sich die zusätzliche Verwendung von Interdentalbürsten oder Zahnseide. Mundspülungen können die tägliche Pflege ergänzen. Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin berät Sie bei der Auswahl der für Sie geeigneten Hilfsmittel und zeigt Ihnen die richtige Putztechnik.
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Wenn Sie Kronen oder Füllungen haben, können Ränder überstehen, an denen sich bevorzugt Belag bildet. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin kann solche Stellen bei Bedarf korrigieren. Auch Zahnstein, verhärtete Beläge oberhalb des Zahnfleischrandes, lässt sich nur in der zahnärztlichen Praxis entfernen. Am besten geschieht das bei einer professionellen Zahnreinigung (PZR). Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht vollständig übernommen, aber häufig bezuschusst.
Gut zu wissen
Zahnstein lässt sich nicht zu Hause entfernen. Zahnärztliche Praxen entfernen diesen bei Kontrolluntersuchungen und im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung (PZR). Das alles sind vorbeugende Maßnahmen. Eine Parodontitis kann nicht im Rahmen der professionellen Zahnreinigung behandelt werden, sondern erfordert eine spezifische und tiefergehende Behandlung.
Wie wird Parodontitis behandelt?
Bei einer Entzündung des Zahnhalteapparats gilt: Je eher erkannt, desto leichter lässt sie sich behandeln. Zu Beginn stehen die Entfernung bakterieller Beläge und eine gründliche Mundhygiene im Vordergrund, die auch zu Hause konsequent fortgesetzt werden muss.
Ein Röntgenbild ergänzt je nach Befund die genaue Diagnose und Behandlungsplanung. Entscheidend ist anschließend die gezielte Reinigung der Zahnfleischtaschen (antiinfektiöse Therapie).
Wie läuft eine Parodontitis-Behandlung im Einzelnen ab?
Bei einer Parodontitis-Behandlung entfernt die Zahnärztin oder der Zahnarzt alle Beläge und Ablagerungen auf den Zähnen – sowohl oberhalb als auch unterhalb des Zahnfleischrandes. Dazu gehören Biofilm und Zahnstein und sogenannte Konkremente, die sich unter dem Zahnfleisch befinden. Je nach Schweregrad werden in manchen Fällen zusätzlich Antibiotika verordnet.
Nach drei bis sechs Monaten wird der Behandlungserfolg von der Zahnärztin oder dem Zahnarzt kontrolliert. Dabei werden die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen und bei Bedarf neue Röntgenaufnahmen angefertigt.
Bestehen weiterhin tiefere Zahnfleischtaschen, kann ein zusätzlicher chirurgischer Eingriff nötig sein. Unter örtlicher Betäubung wird das Zahnfleisch an den betroffenen Stellen vorsichtig geöffnet, um die Zahnwurzel gründlich zu reinigen. Anschließend wird das Zahnfleisch wieder dicht am Zahn vernäht.
Wie geht es nach der Parodontitis-Behandlung weiter?
Nach der Behandlung ist eine gute Mundhygiene besonders wichtig, um ein Wiederaufflammen der Parodontitis zu verhindern. Gesetzlich Versicherte haben im Anschluss an die Behandlung in der Regel zwei Jahre lang Anspruch auf ein spezielles zahnmedizinisches Nachsorgeprogramm, die sogenannte Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT). Bei Bedarf kann sie um sechs Monate verlängert werden.
Im Rahmen der UPT zeigt Ihnen Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt, wie Sie Ihre Zähne und Zahnzwischenräume richtig reinigen und worauf es im Alltag ankommt. Zusätzlich werden die Zähne von Zahnstein und Plaque gereinigt und die Zahnfleischtaschen gemessen. Wenn nötig, werden auch betroffene Stellen unterhalb des Zahnfleischrandes gezielt behandelt.
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Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Zahnfleischentzündung und Parodontitis.
Bundesministerium für Gesundheit:
Zahnfleischentzündung und Parodontitis.
Rauchen und Raucherentwöhnung.
Stiftung Gesundheitswissen: Was ist Parodontitis?
Zahnärztekammer Nordrhein: Parodontitis: Entstehung und Behandlung.
Gemeinsamer Bundesausschuss: PAR Richtlinie.
Deutsche Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP) e.V.: Demonstration bakterieller Plaque.








