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Angehörigen bei einer Alkoholabhängigkeit im Alter helfen

Ein Mann sitzt in einem Sessel und trinkt ein Glas Whiskey.

© iStock / FlyMint Agency

Lesezeit: 5 Minuten22.04.2022

Einsamkeit, Gewohnheit, Trauer – es gibt viele Gründe, warum Menschen im Alter häufiger zu Alkohol greifen. Dabei kann Alkoholkonsum gerade für ältere Menschen gefährlich werden. Das können Betroffene und Angehörige gegen die Abhängigkeit tun.

Inhalte im Überblick

    Alkoholabhängigkeit im Alter: ein schleichender Prozess

    Alkoholabhängigkeit im Alter entsteht oft schleichend: Ein Gläschen Wein zum Essen, einen Schnaps als „Absacker“ hinterher – im Laufe der Jahre erobert sich der Konsum von Alkohol bei vielen älteren Menschen einen festen Platz im Alltag. Doch diese Gewohnheit kann riskant werden – insbesondere wenn sich die Lebensumstände ändern. Der Eintritt in den Ruhestand, der Verlust des Partners oder der Partnerin oder das Leben mit einer Erkrankung bedeuten starke Einschnitte im Leben älterer Menschen und sind manchmal Gründe, einmal mehr ins Weinregal zu greifen. Doch Alkohol ist ein gesundheitsschädliches und häufig unterschätztes Suchtmittel, das mit zunehmendem Alter auch noch schlechter vertragen wird.

    Problematisch wird es vor allem, wenn jemand immer häufiger trinkt und zunehmend an Alkohol denkt. Das Risiko, alkoholabhängig zu werden, ist besonders hoch, wenn durch den Alkoholkonsum Gefühle wie Einsamkeit oder Trauer betäubt werden sollen.

    Ein ernst zu nehmendes und verbreitetes Risiko: Etwa 18,5 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer ab 65 Jahre konsumieren laut einer Studie des Robert Koch-Instituts Alkohol in riskantem Maße. Bei 3 Prozent aller Männer sowie 0,5 Prozent aller Frauen über 65 Jahre liegt laut einer bereits recht alten Studie von 2008 ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit vor. Gleichzeitig vertragen ältere Menschen Alkohol schlechter als jüngere. Aus diesem Grund empfiehlt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen Senioren, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. Sie sollten nicht mehr als etwa zehn Gramm Alkohol täglich trinken. Das entspricht einem kleinen Glas Bier oder Wein.

    Woran kann man eine Alkoholabhängigkeit als Angehöriger erkennen?

    Die schädlichen Wirkungen von Alkohol können teilweise typischen Altersbeschwerden ähnlich sein. Ob bestimmte Beschwerden alters- oder alkoholbedingt sind, ist für Angehörige nicht immer so leicht zu erkennen. Die Gefahr ist groß, dass eine Alkoholabhängigkeit bei älteren Menschen unerkannt und somit auch unbehandelt bleibt.

    Typische Symptome können zum Beispiel sein:

    • vermehrte Stürze oder Gangunsicherheit,
    • depressive Verstimmungen und Ängste,
    • Schlafstörungen und innere Unruhe,
    • bereits bestehende Erkrankungen, wie Diabetes oder Bluthochdruck, verschlimmern sich,
    • die Wirkung von Medikamenten verändert sich,
    • Senioren vernachlässigen ihr Äußeres oder den Haushalt.

    Deutliche Warnzeichen für eine Alkoholabhängigkeit sind aber vor allem, dass die Gedanken des Betroffenen zunehmend um Alkohol kreisen oder der Konsum steigt.

    Es gibt verschiedene Stufen, die bei Alkoholkonsum unterschieden werden. Daran können Sie sie erkennen:

    • Ein riskanter Konsum liegt vor, wenn die getrunkenen Alkoholmengen zu körperlichen und psychischen Problemen führen können. Hier gibt es klare Grenzen: bei Frauen 12 Gramm Alkohol am Tag (entspricht 0,125 Litern Wein oder 0,3 Litern Bier), bei Männern 24 Gramm Alkohol.
    • Von einem schädlichen Gebrauch spricht man, wenn der Alkoholkonsum schon nachweislich die Gesundheit beeinträchtigt hat, zum Beispiel die Leber geschädigt oder auch eine depressive Verstimmung hervorgerufen wurde.
    • Eine eigentliche Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht) besteht, wenn Alkohol immer mehr das Leben bestimmt. Hier steht keine Menge an Alkohol im Mittelpunkt, sondern die Macht, die Alkohol über das Leben des Betroffenen hat.
    Ein Mann und sein Vater gehen Arm in Arm spazieren und sprechen über Sorgen.
    Sprechen Sie mit dem Betroffenen in einem ruhigen Moment. Signalisieren Sie, dass Sie sich um seine Gesundheit Sorgen machen und ihm helfen möchten.

    © iStock / greenleaf123

    Was tun bei Alkoholabhängigkeit im Alter?

    Es ist ratsam, den Alkoholkonsum insbesondere im Alter einzuschränken. Wer weniger Alkohol trinkt, fühlt sich körperlich und geistig fitter. Auch erhöhte Leberwerte sowie Verdauungs- oder Stoffwechselstörungen können sich deutlich verbessern, wenn Sie auf Alkohol verzichten. Wenn das Aufhören schwerfällt oder sogar eine mögliche Alkoholabhängigkeit im Raum steht, brauchen Betroffene Hilfe.

    Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bieten kostenlos telefonische, schriftliche und persönliche Beratung an. Diese Anlaufstellen klären mit den Betroffenen im ersten Schritt, ob diese tatsächlich ein riskantes Trinkverhalten zeigen. Ebenso ist der Hausarzt ein guter Ansprechpartner zu diesem Thema.

    Fachberatungsstellen und Ärzte können bei einer Alkoholabhängigkeit im Alter an weitere ambulante oder stationäre Behandlungsmöglichkeiten verweisen, wie zum Beispiel Psychotherapeuten oder Entzugskliniken. Eine Entwöhnungstherapie hat bei älteren Menschen mit Alkoholproblemen die gleichen Erfolgsaussichten wie bei jüngeren. Zusätzlich können Selbsthilfe- und Motivationsgruppen dabei helfen, vom Alkohol loszukommen.

    Unterstützung

    Häufig gibt es auch Angebote speziell für ältere Menschen. Es lohnt sich, sie wahrzunehmen, da die spezifischen Bedürfnisse und Konflikte älterer Menschen unter Gleichaltrigen meist offener besprochen werden können.

    Wie können sich Angehörige bei Alkoholismus im Alter verhalten?

    Wer den Verdacht hegt, dass ein Freund, ein Elternteil oder ein anderer Angehöriger ein Alkoholproblem haben könnte, sollte das behutsam ansprechen. So gehen Angehörige am besten vor:

    1. Suchen Sie das Vier-Augen-Gespräch: Teilen Sie dem Betroffenen Ihre Beobachtungen zu dessen Trinkverhalten mit. Signalisieren Sie, dass Sie sich um seine Gesundheit sorgen und helfen möchten.
    2. Verweisen Sie den Betroffenen an professionelle Gesprächsangebote zu diesem Thema, wie zum Beispiel Suchtberatungsstellen oder den Hausarzt. Bieten Sie ihm an, ihn bei diesen Gesprächen zu begleiten.
    3. Helfen Sie durch Ihr eigenes Verhalten, und zwar indem Sie selbst weniger Alkohol trinken, insbesondere vor dem Betroffenen. Gelegentlich verführen Menschen unterbewusst andere zum Trinken von Alkohol, selbst wenn diese abgelehnt haben, nach dem Motto „Ein kleines Glas kannst du doch ruhig“ – ein gefährliches Verhalten.
    4. Falls Sie bei dem Betroffenen auf taube Ohren stoßen, sollten Sie professionellen Rat hinzuziehen. Fachstellen zur Suchtberatung bieten auch Hilfe für Angehörige. Denn Alkoholabhängigkeit im Alter kann für die ganze Familie zu einer Belastung werden.

    Weniger trinken im Alltag: Das kann helfen

    Alkohol ist so fest verankert in unserer Gesellschaft, da fällt es schwer, sich dem zu entziehen. Doch es lohnt sich auch noch im Alter. Mit diesen Tipps kann es gelingen, nach und nach etwas weniger zu trinken, bevor sich eine Abhängigkeit überhaupt entwickelt:

    1. Durchbrechen Sie alte Gewohnheiten: Greifen Sie zum Abendbrot zum Beispiel zu einem alkoholfreien Bier anstelle eines alkoholhaltigen.
    2. Trinken Sie bei Feiern, in Gaststätten oder auch zu Hause immer zuerst ein alkoholfreies Getränk.
    3. Testen und probieren Sie verschiedene alkoholfreie Getränke. Vielleicht entdecken Sie etwas Neues, was Ihnen besonders gut schmeckt. Es muss ja nicht immer Wasser sein.
    4. Sagen Sie nicht automatisch Ja, wenn Ihnen Alkohol angeboten wird. Durchbrechen Sie diesen Mechanismus.
    5. Wenn Sie Lust auf ein alkoholisches Getränk verspüren, können Sie zur Ablenkung spazieren gehen oder einer Tätigkeit nachgehen, die Ihnen Freude macht, zum Beispiel Gartenarbeit.
    6. Mit einer aktiven Freizeit können Sie Ihren Lebensmittelpunkt auf positive Dinge lenken: Sport treiben, Freunde treffen oder Karten spielen halten gesund und fit.
    7. Testen Sie doch einmal im Jahr aus, wie sich Alkoholverzicht für Sie anfühlt. Vielleicht fühlen Sie sich wirklich besser und fitter. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet beispielsweise einmal im Jahr eine Online-Fastenaktion an.

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