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Alkoholvergiftung: Wie äußert sie sich und was sollte man tun?

Zwei Jugendliche liegen, umgeben von Konfetti, betrunken auf dem Boden. Eine Alkoholvergiftung könnte der Fall sein.

© iStock / Astarot

Lesezeit: 4 Minuten21.01.2022

Eine Alkoholvergiftung kann gefährlich werden, weil Außenstehende die Situation oft falsch einschätzen und nicht erkennen, dass der Betroffene Hilfe braucht. Es gibt jedoch Symptome, bei denen sofort ein Arzt verständigt werden sollte.

Inhalte im Überblick

    Was ist eine Alkoholvergiftung?

    Wenn von einer Alkoholvergiftung (Alkoholtoxikation) die Rede ist, denken die meisten Menschen an einen lebensgefährlichen Zustand. Das ist tatsächlich der Extremfall. Faktisch beginnt eine Alkoholvergiftung jedoch viel früher. Alkohol ist ein Zellgift. Über die Schleimhäute im Magen und Darm gelangt es schnell in die Blutbahn und wirkt sich auf die Tätigkeit des Gehirns aus. Das ist der Grund dafür, dass Menschen meistens emotionaler reagieren, wenn sie etwas getrunken haben. Sie sind ungewöhnlich fröhlich oder albern, andere werden aggressiv. Sobald die Funktionsfähigkeit des Gehirns eingeschränkt ist, sprechen Mediziner von einer Alkoholvergiftung. Das ist schon bei einer verhältnismäßig geringen Menge der Fall.

    Eine Alkoholvergiftung verläuft in mehreren Stadien. Dabei sind die Auswirkungen auf das Gehirn in erster Linie abhängig von der Alkoholkonzentration im Blut, die in Promille ausgedrückt wird. Das Ausmaß der Intoxikation wird also vor allem von der Dosis, aber auch der Geschwindigkeit der Aufnahme bestimmt. Daneben spielt die Geschwindigkeit des Abbaus von Alkohol im Körper eine Rolle. Durch regelmäßigen Alkoholkonsum kann es zu einer Stimulation der Enzyme kommen, die am Abbau beteiligt sind, und sich eine Toleranz gegenüber Alkohol entwickeln. Die Promille-Angaben sind daher nur ungefähre Richtwerte, da die Auswirkungen individuell sehr stark voneinander abweichen können:

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    • Exzitation: Das erste Stadium beschreibt einen Zustand unterhalb der Grenze bis etwa ein Promille. Man fühlt sich enthemmt, redet mehr, obwohl die Aussprache zunehmend unklarer wird. Die Reaktionszeit verlangsamt sich und der Gang wird schwankender.
    • Hypnose: Die Symptome nehmen in diesem Stadium der Alkoholvergiftung deutlich zu. Das Sprechen fällt immer schwerer, die Spannung der Muskeln nimmt genauso ab wie die Koordinationsfähigkeit. Häufig setzt Müdigkeit ein und vielen Betrunkenen wird übel. Sie erbrechen sich. Wenn sie einschlafen, kann man sie aber noch aufwecken. Das Erinnerungsvermögen lässt ebenfalls nach. Oft gibt es Gedächtnislücken am nächsten Tag – die Betroffenen haben einen „Filmriss“. Der Promille-Bereich bewegt sich meist zwischen ein und zwei Promille.
    • Narkose: Die Anzeichen für eine starke Alkoholvergiftung sind jetzt unverkennbar. Die Betroffenen sind bewusstlos, lassen sich nicht mehr wecken. Sie reagieren nicht mehr auf Schmerzreize. Unkontrollierte Urin- und Stuhlabgänge sind möglich. Es besteht die Gefahr, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt. Im Blut befindet sich meistens über zwei Promille Alkohol. Zur Narkose kann es unter anderem durch exzessives Trinken (Binge Drinking) kommen.
    • Asphyxie: Ein komatöser Zustand mit geweiteten Pupillen, die nicht mehr auf Lichtreize reagieren. Ab etwa drei Promille besteht akute Lebensgefahr. Die Atmung kann aussetzen, der Kreislauf zusammenbrechen oder die Betroffenen ersticken an Erbrochenen oder an ihrer eigenen Zunge. Das hängt damit zusammen, dass die sogenannten Schutzreflexe aussetzen. Sie sorgen normalerweise dafür, dass die Atemwege frei bleiben oder derjenige erwacht, wenn die Atmung nicht mehr funktioniert. Außerdem kann es sogar in einer lauen Sommernacht passieren, dass ein Betrunkener erfriert. Denn der Körper schafft es nicht mehr, die Temperatur zu regulieren. Wenn sie unter 32 Grad Celsius sinkt, besteht Lebensgefahr.

    Wie äußert sich eine gefährliche Alkoholvergiftung?

    Der Zustand der Asphyxie ist lebensgefährlich. In der Praxis besteht das Problem jedoch darin, dass auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, ob ein Betrunkener nur tief schläft oder bewusstlos ist. Zudem sind andere Partygäste meistens ebenfalls alkoholisiert, was ihre eigene Wahrnehmung verschleiert. Daraus können gefährliche Situationen entstehen.

    Wann ist es nötig, bei einer Alkoholvergiftung einen Notarzt zu verständigen?

    Solange Betrunkene bei Bewusstsein sind, also noch lallen und sich bewegen können, besteht normalerweise keine akute Gefahr. Sobald jemand anscheinend schläft, ist Aufmerksamkeit gefragt. Versuchen Sie, den Betroffenen zu wecken. Wird er wach und ist noch ansprechbar? Dann sollte er den Alkoholkonsum unbedingt einstellen – und sich ausschlafen. Anders sieht es aus, wenn es nicht möglich ist, den Betrunkenen zu wecken. In diesem Fall sollten Sie sofort den Notarzt verständigen.

    Ein Mann liegt mit dem Kopf auf dem Tisch und hält ein Bierglas in der Hand.
    Alkoholvergiftung als Folge von Alkoholkonsum.

    © iStock / SimonSkafar

    Wie sieht die Erste Hilfe bei einer Alkoholvergiftung aus?

    Es ist nicht möglich, Alkohol aus dem Körper zu entfernen, indem man viel Wasser oder Kaffee trinkt. Der Versuch, einem Bewusstlosen Kaffee einzuflößen, ist sogar sehr gefährlich. Das Risiko, dass er sich erbricht, steigt dadurch an. Weil die Reflexe nicht mehr funktionieren, könnte er an seinem Erbrochenen ersticken. Die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme besteht daher darin, den Betroffenen in die stabile Seitenlage zu bringen und darauf zu achten, dass die Atemwege frei sind. Als Zweites sollten Sie für Wärme sorgen, etwa über eine Decke. Lassen Sie den Betrunkenen nicht alleine. Es kann übrigens passieren, dass er zwischendurch kurz zu sich kommt. Dieser Wechsel ist normal und kein Zeichen für eine Entwarnung. Bei einer starken Alkoholvergiftung besteht Lebensgefahr. Deswegen ist es besser, einmal zu viel den Notarzt zu rufen als einmal zu wenig.

    Hier erfahren Sie mehr über die Wirkungen, die Alkohol hat, und wie Ihnen ein guter Umgang gelingt

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