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Tabuthema Hämorrhoiden – gar nichts so Ungewöhnliches

Ein Mann hält seinen Hintern, da vergrößerte Hämorrhoiden ihm Beschwerden bereiten.

© iStock / RealPeopleGroup

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 04.01.2022

Vergrößerte Hämorrhoiden können sehr unangenehm und sogar schmerzhaft sein. Scheuen Sie sich nicht, zum Arzt zu gehen. Denn früh erkannt, können Hämorrhoiden oft mit einfachen Mitteln behandelt werden.

Inhalte im Überblick

    Was sind Hämorrhoiden?

    Hämorrhoiden sind häufig ein Tabuthema – zu Unrecht, wo sie doch jeder Mensch hat. Als Hämorrhoiden werden die gut durchbluteten Gefäßpolster bezeichnet, die sich am Ausgang des Enddarms befinden. Sie sitzen ein Stück oberhalb des Afters und kontrollieren gemeinsam mit dem Schließmuskel die Darmentleerung. Bei manchen Menschen sind die Hämorrhoiden jedoch vergrößert und verursachen Beschwerden wie Blutungen oder Juckreiz. Mediziner sprechen dann von einem „Hämorrhoidalleiden“.

    Je nachdem, wie stark das Hämorrhoidalleiden ausgeprägt ist, lässt es sich in vier Schweregrade einteilen:

    • Grad 1: Hier sind die Hämorrhoiden nur wenig vergrößert. Von außen sind sie nicht sichtbar.
    • Grad 2: Bei diesem Grad sind die Gefäßpolster stärker vergrößert. Beim Stuhlgang oder manchmal auch bei körperlichen Aktivitäten können sie aus dem After heraustreten – ziehen sich aber von selbst wieder zurück.
    • Grad 3: Hämorrhoiden des Schweregrades 3 kommen beim Gang auf die Toilette und bei körperlichen Aktivitäten aus dem Po heraus, ziehen sich nicht wieder von selbst zurück, können aber mit der Hand wieder in den After geschoben werden.
    • Grad 4: Bei diesem schwersten Grad des Hämorrhoidalleidens hängen die Gefäßpolster dauerhaft aus dem After heraus und lassen sich nicht wieder zurückschieben. Sehr häufig tritt mit ihnen auch etwas Analschleimhaut aus dem After – das bezeichnen Ärzte dann als Analprolaps.

    Hämorrhoidalleiden: Wie entsteht es?

    Hämorrhoiden vergrößern sich, wenn der Druck auf das letzte Stück des Enddarms, den sogenannten Analkanal, erhöht ist. Es gibt unterschiedliche Ursachen, die das begünstigen können, wie zum Beispiel:

    • Übergewicht
    • Schwangerschaft und Geburt
    • chronische Verstopfung oder häufiger Durchfall
    • das Heben schwerer Gegenstände

    Das Hämorrhoidalleiden ist relativ weit verbreitet. Etwa vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland lassen sich aus diesem Grund von einem Arzt behandeln. Die Dunkelziffer, also die Anzahl derer, die nicht in Behandlung sind, liegt wohl noch deutlich höher. Experten schätzen, dass mehr als jeder zweite Deutsche über 30 Jahre im Laufe seines Lebens Probleme mit Hämorrhoiden bekommen wird. Grundsätzlich ist es so, dass das Risiko für vergrößerte Hämorrhoiden mit dem Alter zunimmt, da das Gewebe im Laufe der Zeit schwächer wird.

    Verdacht auf vergrößerte Hämorrhoiden: Was tun?

    Vergrößerte Hämorrhoiden können eine Vielzahl an Beschwerden verursachen: Typisch sind Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Nässen oder auch Blutungen. Wenn das Hämorrhoidalleiden bereits weiter fortgeschritten ist, lassen sich die Gefäßpolster ertasten. Die Symptome werden in der Regel stärker, je größer die Hämorrhoiden sind. In schweren Fällen empfinden die Betroffenen ein Fremdkörpergefühl am After, haben starke Schmerzen und laufen Gefahr, dass sich bei Blähungen unabsichtlich Schleim oder Stuhl löst.

    Wer unter vergrößerten Hämorrhoiden leidet und Symptome bei sich bemerkt, sollte sich daher nicht schämen und die Beschwerden von einem Arzt abklären lassen. Ein früher Therapiebeginn kann sich lohnen. Denn oft kann bereits durch einfache Maßnahmen verhindert werden, dass die Hämorrhoiden noch stärker anschwellen. Wer nichts tut, läuft hingegen Gefahr, dass sich das Leiden verschlimmert: Einmal vergrößerte Gefäßpolster schrumpfen nicht wieder von allein auf ihre Normalgröße zurück.

    Wie werden Hämorrhoiden behandelt?

    Die Behandlung von vergrößerten Hämorrhoiden richtet sich nach dem Schweregrad des Hämorrhoidalleidens sowie nach dem Auslöser der Beschwerden. Zuallererst können Sie versuchen, die Risikofaktoren einzuschränken, also zum Beispiel Übergewicht zu reduzieren oder eine chronische Verstopfung zu vermeiden. Bei leichten Fällen können Salben und Zäpfchen für Erleichterung sorgen. Sind die Beschwerden jedoch stärker, ist möglicherweise ein operativer Eingriff notwendig.

    Salben gegen leichte Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden

    Um Hämorrhoiden-Beschwerden wie Juckreiz oder eine wunde Haut zu lindern, kommen häufig Salben oder Cremes zum Einsatz, die Wirkstoffe wie Panthenol, Zink, Hamamelis oder Aloe vera enthalten. Sie können Entzündungen hemmen und die Reparatur der Haut unterstützen. Ärzte können auch Salben verschreiben, die Kortison enthalten, oder Wirkstoffe wie Lidocain, die die Haut betäuben.

    Zäpfchen für zielgenaue Wirkung

    Viele der Wirkstoffe gegen Hämorrhoiden-Beschwerden werden auch in Form von Zäpfchen oder Analtampons eingesetzt. Sie können ihre Wirkung direkt im Analkanal entfalten und nicht äußerlich wie eine Salbe.

    Hämorrhoidalleiden-Behandlung durch eine Operation

    Wenn vergrößerte Hämorrhoiden besonders starke Beschwerden verursachen, können sie durch kleinere Eingriffe reduziert werden. Bei vergrößerten Hämorrhoiden der Schweregrade 1 und 2 können Ärzte einen Wirkstoff spritzen, der die Durchblutung der Gefäßpolster verringert. Dies nennt man Verödung.

    Vergrößerte Hämorrhoiden zweiten und dritten Grades können in manchen Fällen durch eine Gummibandligatur abgebunden werden, sodass sie nach einiger Zeit abfallen. Bei vergrößerten Hämorrhoiden dritten oder vierten Grades ist eventuell eine Operation notwendig, bei der die vergrößerten Gefäßpolster entfernt werden.

    Hausmittel können bei Hämorrhoiden helfen

    Halten sich die Hämorrhoiden-Beschwerden im Rahmen, können die Betroffenen auch versuchen, mit einfachen Hausmitteln Linderung zu erzielen. Einige Menschen schwören auf Sitzbäder mit klarem Wasser, die außerdem entzündungshemmende Zusätze wie Arnika, Kamille, Eichenrinde oder Teebaumöl enthalten.

    Wichtig ist außerdem, dass die empfindliche Haut am After nicht zusätzlich gereizt wird. Bei vergrößerten Hämorrhoiden ist die Hygiene ebenfalls wichtig – insbesondere nach dem Toilettengang. Betroffene sollten die empfindliche Haut um den After besonders gut reinigen, am besten mit Wasser oder feuchtem Toilettenpapier, da Stuhlreste die Haut zusätzlich reizen können.

    Es gibt aus Studien Hinweise, dass sich mit Flohsamen die Häufigkeit von Blutungen, die beim Stuhlgang entstehen können, verringern lassen. Bei richtiger Anwendung regen sie die Darmtätigkeit an, weichen den Stuhl auf, sodass sich das Pressen auf der Toilette reduziert – was wiederum die Hämorrhoiden entlastet. Wichtig ist dafür aber, die Flohsamen mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen, da sie sonst genau das Gegenteil bewirken können.

    Ein junger Mann trägt mehrere große Kartons.
    Mit zunehmendem Alter sollte man nicht mehr so schwer heben, da dabei Druck auf den Unterleib und den Darmbereich ausgeübt wird.

    © iStock / Dean Mitchell

    Wie kann man Hämorrhoiden vorbeugen?

    Vergrößerte Hämorrhoiden sind möglicherweise genetisch bedingt und treten auch im Alter mit höherer Wahrscheinlichkeit auf. Dennoch können Sie einiges tun, um das Risiko eines Hämorrhoidalleidens zu verringern. Dazu gehört es zunächst einmal, die typischen Ursachen zu vermeiden. Ein zu hohes Körpergewicht übt Druck auf den Darm aus – halten Sie daher Ihr Gewicht möglichst im Idealbereich.

    Setzen Sie außerdem ballaststoffreiche Kost, wie zum Beispiel Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst, auf den Speiseplan und trinken Sie ausreichend. Dadurch halten Sie den Stuhl weich, vermeiden Verstopfung und zu starkes Pressen auf der Toilette. Insbesondere Letzteres kann den Druck erhöhen und die Hämorrhoiden vergrößern. Achten Sie daher auch auf Ihre Körpersignale, schieben Sie den Gang auf die Toilette nicht auf. Das trägt dazu bei, Verstopfung zu vermeiden.

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