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Darmkrebsfrüherkennung: Wie zuverlässig sind Stuhltests?

Eine Ärztin klärt ihre Patientin zu den Möglichkeiten der Darmkrebsfrüherkennung auf.

© iStock / Lordn

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 23.12.2021

Darmkrebs entsteht meist aus Wucherungen der Darmwand, die in den Darm hineinragen. Die meisten dieser Darmpolypen bleiben harmlos, manche können über die Jahre bösartig werden. Bei der Darmkrebsfrüherkennung kann Darmkrebs frühzeitig erkannt werden.

Inhalte im Überblick

    Darmkrebs: Darum ist die Früherkennung wichtig

    An der Darmwand können Wucherungen entstehen, die ins Innere des Darms hineinragen. Diese sogenannten Polypen sind in der Regel klein und harmlos. Sie können über Jahre hinweg wachsen, ohne Beschwerden zu verursachen. In manchen Fällen werden sie jedoch bösartig: Es entsteht Darmkrebs. Daher ist es sinnvoll, sie frühzeitig aufzuspüren und zu entfernen.

    Darmkrebs ist in Deutschland bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Jedes Jahr erkranken etwa 32.000 Männer und 26.000 Frauen an Darmkrebs. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter: Mehr als 50 Prozent der Darmkrebserkrankungen treten ab dem 70. Lebensjahr auf, nur circa 10 Prozent der Patienten sind jünger als 55 Jahre. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

    Darmkrebs lässt sich früh erkennen und durch die Entfernung von Darmpolypen sogar wirksam vorbeugen. Daher bieten die gesetzlichen Krankenkassen ein Darmkrebs-Früherkennungsprogramm an, an dem Männer und Frauen ab 50 Jahren teilnehmen können. Seit 2003 geht die Zahl der Neuerkrankungen leicht zurück – bis dahin war sie kontinuierlich gestiegen. Es wird vermutet, dass diese Entwicklung auf die verbesserte Früherkennung von Darmkrebs zurückzuführen ist.

    Um Darmkrebs und dessen Vorstufen frühzeitig aufzuspüren, kommen zwei Untersuchungen zum Einsatz: die Darmspiegelung (Koloskopie) und der Stuhltest.

    Die Darmspiegelung

    Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) untersucht ein für diese Methode speziell qualifizierter Arzt den Dickdarm von innen. Mithilfe eines biegsamen Schlauchs führt er über den After eine Kamera mit einer Lichtquelle in den Darm ein, um Auffälligkeiten wie Polypen und andere verdächtige Veränderungen an der Darmwand aufzuspüren. Wird er fündig, kann er dank der ebenfalls über den Schlauch zur Verfügung stehenden Instrumente die verdächtigen Wucherungen meist direkt entfernen. Das herausgenommene Gewebe wird danach im Labor auf Krebszellen untersucht.

    Warum eine Darmspiegelung?

    Die Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs.

    Männern werden ab 50 Jahren, Frauen ab 55 Jahren bis zu zwei Früherkennungsdarmspiegelungen von ihrer gesetzlichen Krankenkasse angeboten. Sofern bei der ersten Koloskopie keine Auffälligkeiten gefunden wurden, reicht es aus, die zweite zehn Jahre nach der ersten durchzuführen. Wird die erste Früherkennungskoloskopie ab dem Alter von 65 Jahren gemacht, wird später keine weitere Früherkennungskoloskopie empfohlen.

    Die Darmspiegelung kann bis zu 4 von 1.000 Männern und bis zu 3 von 1.000 Frauen vor dem Tod durch Darmkrebs bewahren. Vor einer Darmspiegelung muss auf feste Nahrung verzichtet und ein Abführmittel eingenommen werden. Für die Darmspiegelung kann man sich ein Beruhigungs- oder Narkosemittel geben lassen.

    Der Stuhltest

    Eine weitere Möglichkeit, Darmkrebs frühzeitig zu erkennen oder sogar vorzubeugen, ist der sogenannte Stuhltest. Diesen Test können Sie zu Hause anwenden. Nachdem Sie die Stuhlprobe bei Ihrem Arzt abgegeben haben, wird diese im Labor auf Blutspuren untersucht. Frauen von 50 bis 54 Jahren können den Stuhltest auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen jährlich durchführen. Männer können in diesem Alter wählen, ob sie jährlich den Stuhltest durchführen möchten oder anstelle dessen eine Darmspiegelung machen lassen. Ab 55 Jahren wird Frauen und Männern, die keine Darmspiegelung machen lassen möchten, der Stuhltest alle 2 Jahre angeboten.

    Eine Hand hält einen Stuhltest über einer Toilette.
    So oder ähnlich sieht das Probengefäß für den Stuhltest aus. Nach der Entnahme wird die Stuhlprobe im Labor untersucht.

    © iStock / SetsukoN

    Darmkrebsvorsorge mit Stuhltest: Was wird untersucht?

    Die Polypen können Blut in den Stuhl absondern. Das Blut ist jedoch meist nicht mit bloßem Auge zu erkennen. Dieses sogenannte okkulte Blut im Stuhl lässt sich durch den Stuhltest zur Krebsfrüherkennung aufspüren.

    Im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung werden immunologische Stuhltests eingesetzt. Sie reagieren spezifisch auf das im menschlichen Blut enthaltene Hämoglobin und sind daher weniger störanfällig als die älteren chemischen Tests.

    Wie funktioniert ein Stuhltest?

    Wenn Sie einen Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung machen möchten, können Sie sich direkt an Ihren Arzt wenden. Neben Ihrem Hausarzt können auch weitere Fachärzte, wie Internisten, Urologen oder Fachärzte für Frauenheilkunde, die Stuhltests ausgeben. Die Verpackung sowie der Beipackzettel für den Stuhltest zeigen an, wie viel Stuhl für die Untersuchung nötig ist. In der Testpackung gibt es ein Entnahme-Kit.

    In der Regel enthält dies ein spezielles Papier, das in die Toilette gelegt wird und den Stuhl dort abfängt. Mit weiteren Entnahmeinstrumenten wird dann eine Probe aus dem Stuhl entnommen und in ein Röhrchen gefüllt. Dieses Röhrchen lässt sich luftdicht verschließen. In der Arztpraxis erhalten Sie weitere Informationen dazu, wie Sie den Test richtig durchführen.

    Der Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung ist so konzipiert, dass er zu Hause durchgeführt wird. Die Stuhlprobe hält bis zu fünf Tage in dem Röhrchen. Danach lässt sie sich nicht mehr zuverlässig auswerten. Ihr Arzt wird Ihnen daher sagen, bis wann Sie die Stuhlprobe abgeben müssen, damit sie noch rechtzeitig zur Untersuchung im Labor ist.

    Stuhltest positiv: Was tun?

    Wenn bei der Analyse der Stuhlprobe Blutspuren gefunden werden, wird sich die Arztpraxis bei Ihnen melden, da dann eine Darmspiegelung zur Abklärung durchgeführt werden muss. Das Blut im Stuhl kann durch Darmpolypen oder Darmkrebs abgesondert worden sein, hat aber oft auch eine andere Ursache, zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür. Bei der Darmspiegelung kann der Arzt erkennen, ob im Dickdarm Polypen oder bösartige Tumoren sind.

    Wenn die Darmspiegelung keine Auffälligkeiten zeigt, gilt Entwarnung. Die nächste Früherkennungskoloskopie wird dann erst in zehn Jahren empfohlen – bis dahin ist auch kein weiterer Stuhltest notwendig.

    Wie sinnvoll ist der Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung?

    Der Stuhltest hat den Vorteil, dass er nicht invasiv ist. Es besteht daher keine Gefahr von Komplikationen. Menschen, die sich vor einer Darmspiegelung scheuen, haben mit dem Stuhltest eine Möglichkeit, Hinweise auf möglicherweise bestehenden Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen zu erhalten. Der Nutzen des Tests steigt, wenn er regelmäßig gemacht wird. Regelmäßig durchgeführt, kann der Stuhltest etwa einen von 1.000 Menschen vor dem Tod durch Darmkrebs bewahren.

    Was bedeutet ein positives Testergebnis?

    Wenn 1.000 Personen über 10 Jahre regelmäßig einen Stuhltest machen, erhalten 340 einen auffälligen Befund und werden zur Befundabklärung zu einer Darmspiegelung eingeladen.

    Bei mehr als der Hälfte dieser Menschen ist die Darmspiegelung jedoch unauffällig.

    Neben der relativ hohen Rate an Fehlalarmen ist ein weiterer Nachteil der Stuhltests, dass sie etwa ein Drittel aller Tumoren und viele Polypen übersehen. Im Vergleich dazu kann der Arzt im Rahmen einer Darmspiegelung rund 95 Prozent der Tumoren und die meisten größeren Polypen erkennen – und diese Wucherungen meist direkt in einem Schritt entfernen. Allerdings können bei einer Darmspiegelung auch in seltenen Fällen Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder unbeabsichtigte Verletzungen der Darmwand auftreten. Das kann bei einem Stuhltest nicht passieren.

    Kurzum: Der Stuhltest zur Früherkennung von Darmkrebs ist einfach durchführbar und komplikationsarm, aber auch weniger zuverlässig als eine Darmspiegelung. Er muss in kürzeren Abständen als die Darmspiegelung wiederholt werden und ein auffälliger Befund muss im Rahmen einer Darmspiegelung abgeklärt werden.

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