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Was gehört zur richtigen Männervorsorge?

Ein Mann geht zur Männervorsorge zum Doktor

© iStock / Cecilie_Arcurs

Lesezeit: 4 Minuten16.04.2021

Wenn es um Vorsorge geht, überlassen Männer den Frauen gerne das Feld. Dabei ist Früherkennung wichtig. Der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e. V. Dr. Axel Schroeder weiß, welche Untersuchungen Mann braucht und worauf Frauen bei ihrem Partner achten können.

Inhalte im Überblick

    So wichtig ist die Vorsorge für den Mann

    Herr Dr. Schroeder, nur 40 Prozent der Männer gehen regelmäßig zur Krebsvorsorge, so das Robert Koch-Institut. Hand aufs Herz: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran?

    Aber ja, das mache ich! Zur Früherkennung von Prostataerkrankungen und zur Darmkrebsvorsorge gehe ich zu einem meiner Kollegen. Früherkennung hilft heilen – das kann man gar nicht oft genug sagen. Je früher wir einer Erkrankung auf die Spur kommen, desto höher ist die Chance, sie so schonend wie möglich behandeln zu können.

    Dabei geht es nicht ausschließlich um die Krebsfrüherkennung. Bei dem „Check-up für Erwachsene“ zum Beispiel können Ärzte Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nieren- und Gefäßerkrankungen frühzeitig entdecken und Risikofaktoren eingrenzen. Diese Untersuchung steht Männern und Frauen alle drei Jahre kostenfrei zur Verfügung, und das auch schon früher, als es etwa bei der Darmkrebsvorsorge der Fall ist.

    Worauf konzentriert sich denn speziell die Krebsfrüherkennung beim Mann?

    In erster Linie auf zwei Tumore, die früh erkannt werden können: Darmkrebs und Prostatakrebs. Zur Früherkennung von Darmkrebs gibt es zwei Verfahren: den Stuhltest, um für das Auge nicht sichtbares Blut im Stuhl aufzuspüren, und die Darmspiegelung. Bei der Darmspiegelung können gutartige Polypen, die eine Vorstufe von Darmkrebs sein können, direkt mitentfernt werden. So wird aus der Früherkennung dann auch gleich eine Prävention.

    Und was erwartet den Mann bei der Prostatakrebsvorsorge?

    Der Arzt tastet die äußeren und inneren Geschlechtsorgane ab. Auch die Hoden werden untersucht, um Verhärtungen zu erfühlen, die auf Hodenkrebs hinweisen können. Diese Krebsform tritt jedoch eher bei jungen Männern auf und ist von der Häufigkeit mit etwa 4.000 Neuerkrankungen pro Jahr nicht zu vergleichen mit Prostatakrebs, mit circa 60.000 Neuerkrankungen jährlich.

    Die Prostatakrebsvorsorge zielt auch darauf ab, den Mann dafür zu sensibilisieren, wie wichtig das Abtasten ist. Außerdem können gutartige Veränderungen entdeckt werden, wie zum Beispiel eine vergrößerte Prostata. Die ist übrigens die häufigste gutartige Erkrankung bei älteren Männern und führt zu Beschwerden beim Wasserlassen.

    Warum das Timing bei der Vorsorge beim Mann entscheidend ist

    Warum drücken sich Ihrer Meinung nach so viele Männer davor, zum Arzt zu gehen?

    Frauen haben ein ganz anderes Körperbewusstsein und eine andere Sensibilität. Das ist sicher auch der Empfängnisverhütung und der Begleitung während einer Schwangerschaft geschuldet. Da wird die Frauenärztin oder der Frauenarzt automatisch zum wichtigsten Ansprechpartner. Einen „Männerarzt“ gibt es in dem Sinne nicht.

    Es gibt bei Männern keine besonderen Umstände, die es schon in jungen Jahren zwingend erforderlich machen, einen Arzt aufzusuchen, der sich ausschließlich mit Männerfragen befasst. Das ist dann erst im höheren Alter der Fall.

    Ist es schon vorgekommen, dass ein Mann zu Ihnen in die Praxis gekommen ist, dessen Behandlungserfolge sechs Monate früher besser gewesen wären?

    Das kommt durchaus vor, aber man muss da differenzieren: Tumore wachsen unterschiedlich schnell. Es gibt Prostatakarzinome, die sind sehr aggressiv und entwickeln sich rasant. Das ist in der Regel bei Männern zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr der Fall.

    Das sogenannte Alterskarzinom hingegen ist nicht mehr so gefährlich und muss deshalb nicht zwingend behandelt werden. Viele Männer sterben an ganz anderen Erkrankungen, und wenn sie dann obduziert werden, findet man ein Prostatakarzinom, das den Mann aber gar nicht beeinträchtigt hat.

    Ein Mann sitzt aufgrund der Männervorsorge bei seinem Arzt

    © iStock / Rowan Jordan

    Warum Männervorsorge ein Beziehungsthema ist

    Gibt es etwas, worauf der Partner achten kann, wenn es um die Vorsorge geht?

    Generell können Partnerinnen und Partner ihre Männer ermutigen, zur Früherkennung zu gehen. Das tun auch tatsächlich viele. Wenn wir in der Praxis nachfragen: „Na, wer schickt Sie denn zu uns?“, stellt sich oftmals heraus, dass es die Partnerin war. Frauen gehen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen und wenn sie selbst zur Früherkennung geht, übernimmt sie die Rolle der Vermittlerin.

    Natürlich raten wir dem Mann auch dazu, seine Hoden regelmäßig abzutasten. Aber häufig ist es eben die Partnerin, die bei ihrem Mann einen Knoten ertastet und ihn daraufhin zum Arzt schickt. Diese Eigeninitiative erleben wir im Alltag sehr oft – und wir empfehlen sie den Paaren auch! 

    Und wie spricht der Partner das Thema Vorsorge am besten an?

    Die Partner sollten offen in der Kommunikation sein und sich nicht scheuen, nachzuhaken und etwas zu empfehlen. Männer neigen eher zur Verdrängung, wenn es um die Gesundheit geht. Wir hören von Männern häufig den Satz: „Wenn ich aufhöre zu arbeiten, dann habe ich Zeit, zum Arzt zu gehen.“ Wenn der Arzt dann aber tatsächlich etwas feststellt, bricht für sie erst einmal eine Welt zusammen.

    „Wenn es um ihre Gesundheit geht, neigen Männer zur Verdrängung.“

    Dr. Axel Schroeder
    Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e. V.

    Was sagen Sie Männern, denen die Vorsorge unangenehm ist?

    Früherkennung tut nicht weh, und die Scheu davor sollten Männer – und natürlich auch Frauen – dringend ablegen. Je früher etwas entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungschancen. Jedoch muss man sich über eines im Klaren sein: Wenn ich etwas abklären lasse, muss ich mich unter Umständen mit den Konsequenzen auseinandersetzen.

    Es ist also möglich, dass es nach einer Untersuchung auch einer Behandlung bedarf. Wenn eine Patientin oder ein Patient sagt: „Tut mir leid, aber ich lasse mich nicht behandeln, wenn etwas gefunden wird“, dann macht es auch keinen Sinn, zu einer Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

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