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Brustkrebs: Wie die Früherkennung funktioniert und welche Vor- und Nachteile entstehen können

Frau nimmt an einer Vorsorgeuntersuchung gegen Brustkrebs teil.

© iStock / peakSTOCK

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 25.05.2021

Brustkrebs ist bei Frauen die häufigste Krebsart. Das Risiko für eine Erkrankung steigt dabei bis zum Alter von 65 Jahren zunehmend an. Wie bei allen Krebserkrankungen ist die Heilungschance umso besser, je früher der Krebs erkannt wird. Die Krebsfrüherkennung ist deshalb besonders wichtig.

Inhalte im Überblick

    Die Vor- und Nachteile einer Brustkrebsfrüherkennung

    Ziel von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen ist, dass durch die frühe Erkennung von Krebs schwere Verläufe verhindert werden können. Auf der anderen Seite bergen diese Untersuchungen auch Risiken. Falsch positive Befunde können zu unnötigen invasiven Eingriffen und den damit verbundenen Schäden führen. Manche Krebsarten wachsen so langsam, dass die Betroffenen während ihres Lebens nie Beschwerden bekommen hätten. Für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs gibt es sehr gute wissenschaftliche Daten, die den Nutzen einer regelmäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zeigen. Dennoch ist die Inanspruchnahme sehr unterschiedlich und für manche der Früherkennungsprogramme unbefriedigend.

    Die höchste Teilnehmerrate erzielt dabei die Krebsfrüherkennungsuntersuchung der Frau. Nach Einführung dieser Untersuchung vor 50 Jahren hat sich die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs massiv vermindert. Neben der Untersuchung des Gebärmutterhalses erfolgt dabei ab dem Alter von 30 Jahren auch eine Tastuntersuchung der Brust und der mit ihr zusammenhängenden Lymphknoten. Bei einer Analyse der AOK-Daten zeigte sich, dass über einen Zeitraum von 10 Jahren mehr als 80 Prozent der Frauen unter 40 Jahren mindestens drei Mal an dieser Früherkennungsuntersuchung teilnehmen.

    Ab dem Alter von 50 Jahren bis zum Alter von 69 Jahren werden alle Frauen alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen. Bei dieser Röntgenuntersuchung der Brüste können Tumore schon gefunden werden, wenn sie noch sehr klein sind und die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sie sich schon in den Körper gestreut haben. In der Analyse der Routinedaten der AOK zeigte sich, dass nur etwa die Hälfte der Frauen diese Untersuchung regelmäßig in Anspruch nimmt: Über einen Zeitraum von 10 Jahren nahmen 50 Prozent der Frauen mindestens vier Mal an dieser Untersuchung teil.

    Vorteile der Früherkennungsuntersuchung

    • Die Chancen auf Heilung sind bei sehr früh erkannten Tumoren höher als bei einer bereits weit fortgeschrittenen Erkrankung.
    • Häufig genügt dann die operative Entfernung der Tumore. Auf belastende ergänzende Behandlungen wie Strahlen- und Chemotherapie lässt sich verzichen.
    • Kleine Tumore können brusterhaltend operiert werden.
    • Das Risiko für ein Wiederkehren der Tumorerkrankung sowie das Risiko, an Brustkrebs zu versterben, können reduziert werden. Nehmen 1.000 Frauen regelmäßig am Mammographie-Screening teil, werden zwei bis sechs Frauen vor einem Versterben an Brustkrebs bewahrt.

    Neben Vorteilen kann eine Brustkrebs-Früherkennung auch Nachteile mit sich bringen

    • Es können falsche Ergebnisse entstehen: Bei einer Untersuchung kann ein vermeintlicher Krebs entdeckt werden, vom dem sich letztendlich herausstellt, dass es keiner ist. Auf jeden richtigen Krebsverdacht kommen fünf falsch positive Befunde, bei denen sich der Verdacht am Ende nicht bestätigt.
    • Hierdurch erfahren gesunde Frauen
      • eine starke psychische Belastung
      • eine invasive Diagnostik mit den damit verbunden Risken und – im schlimmsten Fall – sogar eine unnötige Operation.
    • Im umgekehrten Fall kann ein Tumor übersehen werden, was zu einer falschen Sicherheit führt. Dann wird unter Umständen zu spät auf einen tastbaren Knoten reagiert – mit schwerwiegenden Folgen.
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    Was genau ist eigentlich Brustkrebs und wie entsteht er? In unserem Video erfahren Sie, wie aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle wird und welche Risikofaktoren sowie Therapiemöglichkeiten es mittlerweile gibt.

    Risikofaktoren für Brustkrebs: Was Sie selbst tun können, um einige davon zu vermeiden

    Auch wenn Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen ist, hat nicht jede Frau dabei das gleiche Risiko für eine Krebserkrankung. Es gibt Risikofaktoren, die Sie bewusst beeinflussen können, andere nur teilweise und wiederum andere gar nicht.

    Risikofaktoren einer Brustkrebserkrankung

    Aktiv beeinflussbar / Wirkt sich positiv ausTeilweise beeinflussbar / Wirkt sich positiv ausNicht beeinflussbar / Wirkt sich negativ aus
    eine ausgewogene Ernährungfrühe Schwangerschaftenzunehmendes Alter
    regelmäßige Bewegunglange Stillzeitenfamiliäre Belastungen
    Normalgewicht(Anlagen im Erbgut)
    geringer Alkoholkonsumgutartige Veränderungen in der Brust
    frühe erste Regelblutung mit elf Jahren und jünger
    später Eintritt in die Wechseljahre (älter als 54)
    Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

    Brustkrebsvorsorge: Tastuntersuchung für Frauen ab 30 Jahren

    Die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen der Frau beginnen mit dem 20. Lebensjahr. Ab dem Alter von 30 Jahren erfolgt auch eine jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen. Hier werden neben der gynäkologischen Tastuntersuchung auch die Brust sowie die Lymphknoten der Achselhöhle auf Knoten oder auffällige Veränderungen von der Ärztin bzw. vom Arzt abgetastet. Grund: Die Lymphflüssigkeit der Brust wird vor allem aus den Bereichen, in denen Brustkrebs am häufigsten entsteht, in die Lymphknoten der Achselhöhle abgeleitet.

    Hat sich Krebs bereits über die Lymphe verteilt, kann man die befallenen Lymphknoten tasten. Lymphknoten können jedoch auch bei Entzündungen geschwollen sein. Da diese Untersuchung in der Regel nur einmal pro Jahr stattfindet, erhalten Frauen eine Anleitung, wie sie ihre Brust regelmäßig selbst auf Veränderungen abtasten können und worauf sie hierbei achten müssen.

    Wichtig: Auch nach einer COVID-19-Schutzimpfung können die Lymphknoten in den Achseln anschwellen – eine normale Reaktion des Körpers auf die Impfung und durchaus erwünscht. Die Nebenwirkungen sind in der Medizin bekannt und können bis zu zehn Tage lang andauern. Vor der Untersuchung durch den Frauenarzt sollten Frauen daher erwähnen, wenn sie vor kurzem eine Corona-Schutzimpfung erhalten haben. So kann er die geschwollenen Lymphknoten richtig einordnen.

    Zusätzlich für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren: Mammografie-Screening

    Alle zwei Jahre erfolgt für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eine Einladung zum Mammografie-Screening. Die teilnehmenden Zentren müssen sehr hohe Qualitätsanforderungen hinsichtlich der verwendeten Röntgengeräte und der Bewertung der Bilder durch die Ärzte erfüllen. Weitere Informationen zum Mammografie-Screening-Programm finden Sie auf den Seiten der Mammografie-Kooperationsgemeinschaft. Die Teilnahme am Programm ist stets freiwillig.

    Kommt es beim Mammografie-Screening zu Auffälligkeiten, werden weitere Untersuchungen, wie eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung, veranlasst. Oft kann der Verdacht so beseitigt werden. Bei bestehendem Verdacht wird eine Biopsie durchgeführt, bei der Gewebeproben entnommen und im Labor auf Krebszellen untersucht werden. Gibt es keine Anzeichen für eine Krankheit, erfolgt der nächste Termin zwei Jahre später. Auch wenn diese Vorsorgeuntersuchung kostenlos ist, nehmen nicht alle geladenen Patientinnen die Einladung an. Obwohl eine Mammografie Brustkrebs im Anfangsstadium erkennbar macht, besteht auch das Risiko von Überdiagnosen und Fehldiagnosen, die das Leben verändern können. Eine Entscheidungshilfe für oder gegen ein Mammografie-Screening bietet der gemeinsame Bundesausschuss

    Welche Leistungen bietet die AOK zur Früherkennung von Brustkrebs an?

    Die Leistungen der AOK unterscheiden sich regional. Mit der Eingabe Ihrer Postleitzahl können wir die für Sie zuständige AOK ermitteln und passende Leistungen Ihrer AOK anzeigen.

    Hilfe und Unterstützung für Angehörige

    Die AOK bietet einen Online-Coach für Angehörige von Menschen an, die an Krebs erkrankt sind. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit Experten des Universitätsklinikums Leipzig und des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums entwickelt. Der „Familiencoach Krebs“ hilft dabei, Familienmitglieder und Freunde zu unterstützen und sich selbst vor emotionaler, körperlicher oder sozialer Überlastung zu schützen. Zudem informiert das Online-Angebot über die Entstehung, Diagnose und Behandlung verschiedener Krebserkrankungen und beantwortet sozialrechtliche Fragen, die im Zusammenhang mit der Erkrankung eines nahestehenden Menschen entstehen können.

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