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Selbstbewusstsein bei Jugendlichen stärken, Resilienz fördern

Veröffentlicht am:04.02.2026

12 Minuten Lesedauer

Selbstbewusste und resiliente Jugendliche können häufig besser mit Rückschlägen umgehen. Wer in der Jugend lernt, Probleme zu bewältigen, entwickelt Schutzfaktoren für das spätere Leben. Was können Eltern tun, um die Resilienz ihrer Kinder zu fördern?

An einem sonnigen Tag sitzen fünf Jugendliche, drei Mädchen und zwei Jungen, auf einer Wiese. Die beiden Mädchen links schauen lächelnd zu den drei Kindern rechts hinüber.

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Was bedeutet Resilienz und warum ist die Pubertät dafür wichtig?

In der Psychologie bezeichnet Resilienz die Fähigkeit, belastende Erfahrungen und Ereignisse gut zu bewältigen, im Idealfall sogar gestärkt daraus hervorzugehen und psychisch gesund zu bleiben. Ein unterstützendes soziales Umfeld ist ein wichtiger Faktor, der Resilienz fördern kann. Für Heranwachsende stellt die Familie ein zentrales soziales Bezugssystem dar.

Niemand ist von Geburt an vollständig resilient. Dauerhaft widerstandsfähig und psychisch gesund trotz Belastungen zu bleiben, ist häufig das Ergebnis von Anpassung. In Kindheit, Jugend und insbesondere Pubertät finden viele Anpassungsprozesse in der körperlichen und psychischen Entwicklung statt. Das macht die Pubertät für die Entwicklung von Resilienz zu einem wichtigen Lebensabschnitt.

Die Herausforderungen in der Pubertät sind in gewisser Weise Resilienzübungen für das spätere Leben. In dieser Phase können sich sowohl produktive Strategien als auch problematische Verhaltensweisen verfestigen. Um die Fähigkeit von Jugendlichen zu verbessern, mit gegenwärtigen und zukünftigen Problemen umzugehen, ist es daher wichtig, sie bei der Entwicklung von Resilienz zu unterstützen.

Welche Faktoren fördern die Resilienz von Jugendlichen?

Für die psychische Widerstandsfähigkeit lassen sich sogenannte innere und äußere Faktoren unterscheiden, die ihre Entwicklung entweder fördern oder beeinträchtigen können. Zu den förderlichen inneren Faktoren bei Jugendlichen zählen beispielsweise ein hohes Selbstwertgefühl und ein starkes Selbstbewusstsein.

Förderliche äußere Faktoren umfassen die Unterstützung durch die Eltern und in der Familie sowie stabile soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen im Freundeskreis außerhalb der Familie. Wenn Jugendlichen verlässliche Freunde oder Freundinnen fehlen, entfällt diese externe Unterstützung.

Innerhalb der Familie kann es aber auch negative Faktoren geben, die die Resilienz von Jugendlichen beeinträchtigen können. Am schlimmsten sind Gewalt und Missbrauch im familiären Umfeld. Das ist natürlich ein Extrembeispiel – aber auch häufiger Streit zwischen den Eltern, zwischen Eltern und Kindern oder eine Scheidung sind meist sehr belastend für die psychische Stabilität von Heranwachsenden.

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Wie können Eltern das Selbstwertgefühl von Jugendlichen stärken?

Die Trennung zwischen internen und externen Faktoren ist nicht strikt, da sich die einzelnen Faktoren gegenseitig beeinflussen. Ein stabiles Selbstwertgefühl entsteht beispielsweise nicht unabhängig vom sozialen Umfeld. Mentale Stärke und Selbstwert sind eng mit einem Erziehungsstil verbunden, der sich durch emotionale Zuwendung auszeichnet.

Andererseits können Erfahrungen von Zurückweisung, Vernachlässigung oder auch Überbehütung die psychische Widerstandskraft beeinträchtigen. Unterstützende Eltern können mit dem richtigen Maß an Zuwendung das Selbstwertgefühl ihrer Kinder stärken und somit auch deren Resilienz.

Zwischen Vernachlässigung und Überbehütung (Stichwort: „Helikoptereltern”) liegt allerdings ein weites Feld. Für Eltern ist es wichtig, einen Erziehungsstil zu finden, der emotionale Wärme mit klaren Regeln und angemessener Distanz kombiniert.

Welche Formen der Erziehung können der Resilienz von Jugendlichen schaden?

Grundsätzlich sind weder zu viel noch zu wenig elterliche Kontrolle förderlich für die Entwicklung von Resilienz. Das Gleiche gilt für zu wenig beziehungsweise zu viel Freiräume. Deshalb stellen die beiden extremen Erziehungsstile eher ungünstige Faktoren für die Entwicklung von Resilienz dar: der permissive und der autoritäre Erziehungsstil.

Auf einem Sofa in einem Wohnzimmer sitzen eine Frau und ein männlicher Teenager. Sie schauen sich in die Augen. Die Frau gestikuliert mit den Armen und spricht zu dem Jungen.

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Ein Erziehungsstil, der das Selbstwertgefühl von Jugendlichen stärken kann, zeichnet sich durch ein Zusammenspiel von Freiräumen und klaren Grenzen aus.

Was ist der permissive Erziehungsstil und wie hängt er mit Resilienz zusammen?

Beim permissiven Erziehungsstil reagieren Eltern emotional und offen auf die Bedürfnisse ihrer Kinder und kommen diesen Bedürfnissen in der Regel nach. Sie setzen jedoch kaum Regeln und stellen keine großen Anforderungen an die Kinder. Weil sie die Autonomie des Kindes sehr wichtig finden, greifen Eltern, die permissiv erziehen, nur selten kontrollierend ein.

Durch eine solche Erziehung fehlen manchen Jugendlichen die notwendigen Grenzen, Strukturen und die Orientierung. Das kann zu mangelnder Selbstkontrolle und einem ungünstigen Umgang mit Problemen führen. Eine mit Regeln strukturierte Umgebung kann für Jugendliche hingegen ein wichtiger Faktor sein, um ihre Selbsteinschätzung, ihr Selbstbewusstsein und ihre Resilienz zu fördern.

Wie hängen ein autoritärer Erziehungsstil und Resilienz zusammen?

Autoritäre Erziehung ist durch ein hohes Maß an Kontrolle, festgelegte Regeln, klare Hierarchien und ein eingeschränktes Eingehen auf die Bedürfnisse der Kinder gekennzeichnet. Vielen autoritär erzogenen Jugendlichen fehlt emotionale Wärme.

Wenn ihre Bedürfnisse wenig beachtet werden, sind ein niedrigeres Selbstwertgefühl und gering ausgeprägte soziale Kompetenzen mögliche Folgen. Dadurch kann es schwerer fallen, mit Belastungen und Widerständen im Leben umzugehen, was mit einer geringeren Resilienz verbunden sein kann.

Das Video erklärt körperliche Veränderungen in der Pubertät und enthält fünf Tipps von Matthias Jung, wie Eltern ihre Teenager in dieser Phase unterstützen können.

Welche Erziehung kann die Resilienz fördern?

Die Entwicklung von Resilienz bei Jugendlichen wird durch eine familiäre Umgebung begünstigt, die auf ihre Bedürfnisse eingeht, die Entfaltung bereits vorhandener Fähigkeiten unterstützt und Gelegenheiten zur Entwicklung neuer Fähigkeiten bietet.

Warum sind sowohl Nähe als auch Distanz in der Erziehung wichtig?

Jugendliche müssen einerseits eine eigene, vom Elternhaus unabhängige Identität entwickeln, um bei außerfamiliären Widerständen resilient sein zu können. Dies erfordert Abgrenzung und Freiräume. Andererseits bieten ihnen Regeln und Strukturen Sicherheit. Auch sie sind ein positiver Faktor für die Entwicklung der Resilienz.

Das bedeutet in puncto Nähe und Distanz zur Familie: Jugendliche benötigen beides: sowohl die kontrollierende und emotionale Nähe der Eltern als auch Freiräume zur Persönlichkeitsentfaltung. Bei einer Erziehung, die Selbstbewusstsein und Resilienz fördert, kommt es auf das Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Freiräumen an.

Was verbirgt sich hinter einem autoritativen Erziehungsstil?

Eine Balance zwischen Nähe und Distanz wird am ehesten durch einen Erziehungsstil erreicht, der in der Pädagogik autoritativ genannt wird. Dabei geht es um die Ausgewogenheit zwischen angemessenen Ansprüchen an die Kinder und klaren Regeln einerseits sowie emotionaler Wärme, Eingehen auf Bedürfnisse und Respekt für jugendliche Autonomie andererseits.

Autoritative Eltern stellen zwar Anforderungen, bieten dabei aber auch viel Unterstützung. Sie setzen ihren Kindern klare Normen und Grenzen und achten konsequent auf deren Einhaltung; gleichzeitig gestehen sie ihren Kindern innerhalb dieser Grenzen Freiräume zu, sind aufmerksam und reagieren auf die Sorgen und Bedürfnisse ihrer Kinder, deren Perspektive sie respektieren und berücksichtigen.

Wie können Eltern konkret die Resilienz von Jugendlichen unterstützen?

Bei der Resilienzförderung sind Kommunikation, Vertrauen, Struktur und Regeln, Ermutigung zur Eigenständigkeit sowie positive Vorbilder wichtig.

  • Vermitteln Sie Ihrem Kind Liebe und Wertschätzung.
  • Machen Sie sich die Talente und Stärken Ihres Kindes bewusst. Fokussieren Sie sich auf diese Stärken und nicht auf die Schwächen. Ermutigen Sie es, seine Stärken weiter auszubauen.
  • Nehmen Sie Ihrem jugendlichen Kind nicht zu viel ab („Das erledige ich schon für dich!“), sondern fördern Sie eigenständiges Handeln („Weißt du schon, wie du das machen möchtest?“).
  • Lassen Sie Ihr Kind eigene Erfahrungen machen und vermitteln Sie ihm, dass Fehler zum Lernprozess dazugehören.
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn es ein Problem selbst in die Hand genommen hat.
  • Übertragen Sie Ihrem Kind Verantwortung, zum Beispiel bei Aufgaben im Haushalt.
  • Etablieren Sie Routinen und setzen Sie Grenzen und Regeln fest, etwa in Bezug auf Zeiten für Freundesbesuche, Mahlzeiten oder Medienkonsum.
  • Sie können Ihr Kind in den Prozess der Regelfindung einbeziehen. Wichtig ist aber: Regelverstöße müssen Konsequenzen nach sich ziehen.
  • Kommunikation ist entscheidend. Hören Sie Ihrem Kind zu und gehen Sie auf das Gesagte ein. Kommunizieren Sie klar und verständlich, was Sie von Ihrem Kind erwarten.
  • Seien Sie ein positives Vorbild für den Umgang mit Problemen. Teilen Sie Ihrem Kind mit, was Sie belastet, und spielen Sie ihm nichts vor.

Der Medienratgeber für Familien

Fazit: Was ist das Grundprinzip einer resilienzfördernden Erziehung?

Jugendliche sollten die Möglichkeit haben, sich schrittweise von den Eltern zu lösen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Dies kann dazu beitragen, die Entwicklung einer eigenen Identität zu unterstützen und zugleich die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln zu fördern.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Eltern ihre Kinder mit ihren Problemen allein lassen. In schwierigen Phasen sollten Eltern den Jugendlichen Schutz und Rat geben, um Widerstände zu überwinden. Dadurch lernen Jugendliche, dass sich Probleme gemeinsam bewältigen lassen und dass sie sich in Krisenzeiten auf Bezugspersonen verlassen können.

Auf diese Weise können Jugendliche positive Erfahrungen in der Familie sammeln. Diese helfen ihnen, eigene Ressourcen und Strategien zu entwickeln, mit denen sie auch zukünftige Herausforderungen und Probleme besser bewältigen können.

Fachlich geprüft
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