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Wie Eltern ihre Kinder zu respektvollen Menschen erziehen
Veröffentlicht am:02.02.2026
6 Minuten Lesedauer
Ein respektvoller Umgang fördert das persönliche Wohlbefinden und stärkt die Gemeinschaft. Als zentrale Vorbilder können Eltern diesen Wert bewusst vorleben und an ihre Kinder weitergeben.

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Was bedeutet Respekt?
Wenn wir von Respekt sprechen, denken viele zuerst an Höflichkeit oder Gehorsam. Doch der Begriff umfasst mehr. Respekt bedeutet, dass wir eine Person, Meinung oder Lebensweise achten und wertschätzen, ohne die entsprechende Ansicht selbst übernehmen zu müssen. Respekt ist die Grundlage für ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben.
Kinder jeden Alters nehmen Respekt als wichtige Emotion wahr, die auf Freundlichkeit und Fairness beruht. Sie erkennen, dass sich Respekt darin zeigt, wie Menschen miteinander umgehen. Dabei verbinden sie Respekt nicht nur mit Autorität, sozialem Status oder Dominanz. Sie verstehen Fairness und prosoziales Verhalten wie Teilen, Helfen und Trösten als zentrale Bestandteile von Respekt.
Warum ist Respekt so wichtig?
Respekt ist nicht nur die Basis für ein gutes Zusammenleben, sondern auch entscheidend für das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen sowie für positive Beziehungen zu Gleichaltrigen. Forschungen deuten darauf hin, dass das Erleben von Respekt durch Eltern oder Gleichaltrige das Selbstwertgefühl junger Menschen stärken und das Risiko für depressive Symptome mindern kann.
Zudem weisen Kinder, die von anderen Gleichaltrigen respektiert werden, eine höhere soziale Kompetenz auf. Soziale Kompetenz bedeutet, das eigene Verhalten in Bezug auf eine Gemeinschaft auszurichten und zu bewerten. Sozial kompetente Menschen können mit Konflikten umgehen, Rücksicht nehmen, Grenzen anerkennen und anderen die gleichen Rechte zugestehen wie sich selbst.
Darüber hinaus deutet die Forschung darauf hin, dass Respekt dazu beitragen kann, körperliche Aggressionen bei Kindern und Jugendlichen zu verringern. Ein durch Respekt gestärktes Selbstwertgefühl schützt außerdem vor Mobbing. Kinder, die ihre eigenen Wert kennen und sich selbst vertrauen, sind widerstandsfähiger. Eltern können diese Stärke bewusst fördern.
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Blick in die Forschung: Wie lernen Kinder Respekt?
Die Forschung liefert Hinweise dazu, wie Eltern ihren Kindern Respekt vermitteln und vorleben können. Dabei zeigt sich, dass eine liebevolle Beziehung, eine altersgerechte Förderung sowie das soziale Umfeld entscheidend sind.
Erziehung auf Augenhöhe
Kinder Respekt lernen und später selbst zeigen. Während frühere Erziehungsansätze auf Macht und Kontrolle setzten, weiß man heute: Kinder verinnerlichen ethische Normen und Verhaltensweisen am besten in einer liebevollen Erziehung. Lob, gemeinsames Nachdenken und Erklären helfen ihnen, die Erfahrungen anderer zu verstehen und Respekt zu verankern.
Entwicklungsangepasste Förderung
Die Art und Weise, wie Eltern Respekt fördern, sollte dem Alter und den Fähigkeiten der Kinder angepasst sein. In jüngeren Jahren sollte der prosoziale Respekt im Vordergrund stehen. Kinder erfahren durch Handlungen, die auf andere ausgerichtet sind, wie Helfen, Trösten oder Teilen erste Formen von Respekt. Mit zunehmendem Alter gewinnt das Thema Fairness an Bedeutung. Es geht darum, die Perspektiven anderer zu verstehen, Regeln als gemeinsame Basis zu akzeptieren und Konflikte fair zu lösen.
Rolle von Schulen
Auch Bildungseinrichtungen beeinflussen die Entwicklung von Respekt bei Kindern. Gruppen-Diskussionen über soziale Konflikte im Klassenraum können etwa das Verständnis für einen auf Fairness basierenden Respekt fördern. Zudem können Anti-Mobbing-Programme dazu beitragen, Eigenschaften wie Respekt, Empathie und Toleranz zu fördern und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Schülerinnen und Schüler gehört, verstanden und umsorgt fühlen.
Jedes Kind hat ein Recht auf Respekt
Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert Kindern weltweit grundlegende Rechte auf Schutz, Teilhabe und ein gesundes Aufwachsen. Damit ist auch das Recht jedes Kindes auf Respekt verankert. In Deutschland schreibt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung vor, welche die Würde des Kindes achtet.
Wie gelingt respektvolle Erziehung im Alltag?
Im turbulenten Familienalltag ist es nicht immer leicht, respektvoll zu handeln. Doch als wichtigste Vorbilder prägen Sie Ihre Kinder maßgeblich. Diese Tipps helfen Ihnen, eine Erziehung auf Augenhöhe zu gestalten und Respekt zu stärken:
1. Respektvoll kommunizieren und wirklich zuhören
Der Respekt gegenüber Ihrem Kind beginnt mit der Art und Weise, wie Sie mit ihm sprechen und ihm zuhören.
- Ernst nehmen: Beziehen Sie Ihr Kind in Entscheidungen ein und schätzen Sie seine Meinung. So lernt es, dass es wichtig ist und seine Stimme zählt. Das fördert zudem die Bereitschaft, mitzuarbeiten.
- Klar und ehrlich sein: Bleiben Sie bei Konflikten ruhig und bestimmt. Sprechen Sie in „Ich“-Botschaften statt in Vorwürfen. So versteht Ihr Kind die Folgen seines Handelns besser und passt sein Verhalten aus Einsicht an, nicht aus Zwang.
- Aufmerksam sein: Schauen Sie Ihr Kind an und berühren Sie es, wenn Sie mit ihm sprechen. Das signalisiert: „Du bist mir wichtig!“ und zeigt, was respektvolle Interaktion bedeutet.
2. Klare Regeln und liebevoll Grenzen setzen
Mit klaren Regeln, Ritualen und verständlichen Grenzen zeigen Sie Respekt für die Bedürfnisse Ihres Kindes.
- Orientierung geben: Regeln, Rituale und Absprachen geben Ihrem Kind im Alltag Halt und Sicherheit – ob beim Aufstehen, Essen oder Schlafengehen.
- Verständlich bleiben: Formulieren Sie Regeln einfach und klar. Erklären Sie diese geduldig und lassen Sie ältere Kinder mitreden. Wenn Kinder den Sinn einer Regel verstehen, lernen sie, Grenzen zu respektieren.
- Altersgerecht einbinden: Kleinkinder benötigen wenige, klare Regeln. Ältere Kinder können Sie hingegen aktiv einbeziehen, wenn Sie Regeln festlegen. Regeln sind keine starren Gesetze, sondern sollten gemeinsam mit Ihrem Kind weiterentwickelt werden. So lernt Ihr Kind schrittweise, verantwortungsvoller zu handeln.
3. Konflikte meistern und Gefühle zulassen
Selbst in hitzigen Momenten ist es ein Akt des Respekts, ruhig zu bleiben und gewaltfrei zu handeln. So zeigen Sie Ihrem Kind, dass es auch starke Gefühle respektvoll ausdrücken kann.
- Die Notbremse ziehen: Wenn Wut aufkommt, ziehen Sie sich zurück. Beruhigen Sie sich, bevor Sie reagieren. Das ist wichtig, denn Gewalt ist keine Lösung und macht Kindern Angst.
- In Verbindung bleiben: Bleiben Sie auch im Streit mit Ihrem Kind in Verbindung. Eine Umarmung oder ein zugewandtes Wort helfen dabei, wieder zueinanderzufinden.

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4. Das Selbstwertgefühl stärken
Ein starkes Selbstwertgefühl ist die Basis für Selbstachtung und respektvolles Handeln. Indem Sie die Stärken und Bemühungen Ihres Kindes anerkennen und loben, vermitteln Sie ihm, dass es wertvoll ist.
- Positive Seiten sehen: Schenken Sie Ihrem Kind Ihre volle Aufmerksamkeit. Lob für seine Stärken und gutes Verhalten fördert das Selbstvertrauen.
- Anstrengung und Erfolge anerkennen: Loben Sie nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Mühe dahinter. Das fördert Eigenverantwortung und das Selbstvertrauen.
5. Offen mit Fehlern umgehen
Ein respektvoller Umgang mit Fehlern zeigt Ihrem Kind, dass niemand perfekt ist, und vermittelt ihm, wie wichtig Verantwortung ist.
- Fehler zugeben: Entschuldigen Sie sich, wenn Sie einen Fehler gemacht haben. So bringen Sie Ihrem Kind einen respektvollen Umgang mit Fehlern bei und ermutigen es, es Ihnen gleichzutun.
- Sich selbst reflektieren: Was ist mir im Alltag wichtig? Welche Erwartungen habe ich an mich und mein Kind? Solche Fragen helfen Ihnen, bewusst und respektvoll zu handeln.
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