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Die Fähigkeit zur Empathie – Hilfreich oder auch mal hinderlich?

Zwei Frauen umarmen sich, um Empathie auszudrücken.

© iStock / shapecharge

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 25.05.2021

Wer sich mit dem Begriff Empathie beschäftigt, stellt fest: Eine eindeutige Definition ist kaum zu finden. Ihn mit Mitgefühl zu umschreiben, ist sicher nicht falsch, zeigt aber auch nicht die gesamte Bandbreite seiner Bedeutung auf. Menschen mit Empathiefähigkeit haben viele Vorteile – wer zu empathisch ist, kann aber auch darunter leiden.

Inhalte im Überblick

    Was ist Empathie?

    Sich in andere Menschen hineinzuversetzen, sie gut einschätzen zu können, die Gefühlslage des Gegenübers zu erspüren, mit anderen Menschen mitfühlen, Mitgefühl zeigen: Das alles und noch vieles mehr steckt in dem Begriff Empathie – oder wird mit ihm assoziiert. Einige Experten unterscheiden zwischen kognitiver und emotionaler Empathie.

    Bei der kognitiven Empathie geht es darum, Gefühle und Gedanken einer anderen Person erfassen und nachvollziehen zu können. Empathen sind also in der Lage, die Perspektive des anderen einzunehmen.Bei der emotionalen Empathie handelt es sich hingegen um die Fähigkeit, Gefühle eines anderen Menschen nachzufühlen, so als wären es die eigenen Gefühle. 

    Die Fähigkeit zum Mitgefühl steht hier im Mittelpunkt. Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Empathie nicht nur subjektives Einfühlungsvermögen ist. Damit scheinen komplexe psychische Zusammenhänge einherzugehen, die durch Faktoren wie Erziehung und Entwicklung beeinflusst werden.

    Wann ist Empathie im Alltag hilfreich?

    In unserem Alltag begegnen wir regelmäßig Situationen, in denen der Empathie wichtig ist. Das können Konfliktsituationen in Partnerschaften oder am Arbeitsplatz sein, auch das Verhandlungsgeschick wird von der Empathiefähigkeit beeinflusst.

    Drei Beispiele, in denen Empathie eine Bedeutung hat: 

    • Im Job müssen Polizisten beispielsweise die Absichten eines Unbekannten voraussehen, sich also in ihn hineinversetzen, um im Notfall richtig zu handeln.
    • In einer Beziehung hat der eine Partner eine schwierige Zeit im Job und ist sehr gestresst. Der andere Partner kann nun Anteil nehmen und ihm oder ihr Mitgefühl entgegenbringen. Dann würde man ihn als empathisch bezeichnen. Das ist insofern wichtig für die Beziehung, als dass die Probleme und Ängste des anderen verstanden werden. Nur so kann man sie lösen und beseitigen. Empathie hilft außerdem dabei, die Meinungen und Sichtweisen des Partners anzuerkennen und sich bei Differenzen weniger angegriffen zu fühlen.
    • In der Wirtschaft spielt empathisches Verhalten ebenfalls eine große Rolle: Ein Mitarbeiter im Dienstleistungsbereich sollte sich idealerweise in die Wünsche des Kunden einfühlen können. Nur mit dieser Empathiefähigkeit kann er adäquat auf Bedürfnisse eingehen und schließlich zur Zufriedenheit seines Kunden beitragen. Das Ziel dahinter ist in diesem Fall der finanzielle Zugewinn für das Unternehmen, in dem er beschäftigt ist.

    Empathie meint also in vielen Fällen, dass jemand die Situation eines anderen erkennt und Anteil an diesen Problemen nimmt. Empathie hat aber eben auch mit der Geschicklichkeit zu tun, eine Situation in den Griff zu bekommen und so einen guten Ausgang zu fördern.

    Lachen ist die beste Medizin – das trifft nach wie vor zu. Doch was bewirkt Lachen im Körper wirklich?

    Empathie für sich selbst zu empfinden, hilft in schwierigen Situationen

    In erster Linie ist Empathie mit anderen Menschen verbunden und mit dem Versuch, sich ihnen gegenüber möglichst empathisch zu verhalten. Doch genauso wichtig ist es, das Einfühlungsvermögen auch sich selbst gegenüber aufzubringen. Gerade in Situationen, die schief gelaufen sind, braucht jeder Zuspruch und Trost. Freundlich und nett zu sich selbst zu sein, statt sich ständig viel zu viel abzuverlangen und nach unrealistischer und ungesunder Perfektion zu streben, hängt mit einer gesunden Eigen-Empathie zusammen.

    Um mit sich selbst empathisch zu sein, muss klar sein: Jeder Mensch macht Fehler. Aber an diesen kann er wachsen und sich weiterentwickeln. Empfinden wir Empathie mit uns selbst, können wir uns Hindernissen entgegenstellen und sie überwinden, denn wir wissen, dass wir uns in schwierigen Situationen selbst unterstützen.

    Wenn es Ihrer besten Freundin nicht gut geht und sie Unterstützung braucht, sind Sie wahrscheinlich darauf bedacht, besonders freundlich zu ihr zu sein. Uns selbst gegenüber sind wir allerdings meist nicht sehr einfühlsam. Teilweise sogar empathielos: Wir kritisieren uns häufig, reden uns für unsere Fehler schlecht, anstatt diese als Anlass zu sehen, gerade jetzt freundlich und unterstützend zu uns selbst zu sein.

    Erleben wir etwas Traumatisches, wie etwa einen Unfall, an dem wir keine Schuld tragen, steht meist im Vordergrund, wie sich Dinge wieder lösen und richten lassen. Wichtiger wäre es sich selbst wieder aufzubauen und sich Mut zuzusprechen.

    Eine Frau legt ihre Hand um ein Mädchen, um Empathie auszudrücken.
    Empathie in menschlichen Beziehungen

    © iStock / fizkes

    Welche Nachteile kann zu viel Empathie haben?

    Wer ein gutes Gespür für andere hat, sollte gleichzeitig gut auf sich selbst aufpassen. Denn eine große Empathiefähigkeit kann leicht dazu führen, dass man sich zu sehr in andere Menschen hineinversetzt und sich selbst dabei vernachlässigt

    Wichtig ist es, die eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick zu verlieren und auf die eigene emotionale Balance zu achten. Gerade im Berufsleben kann es passieren, dass man, vereinfacht gesagt, sein Kontingent an Mitgefühl bereits „aufbraucht“ und dann für Familie und Freunde keines mehr übrig ist. Viele Menschen fühlen sich dann ausgelaugt und verhalten sich Familienmitgliedern gegenüber gereizt. 

    Wer grundsätzlich zu viel Empathie anderen gegenüber entwickelt, vernachlässigt zudem oftmals seine eigenen Bedürfnisse. Das kann zu einer nachhaltigen Unzufriedenheit führen. Ein guter Zuhörer zu sein, ist das eine, dabei auch auf das eigene Wohlbefinden zu achten und das richtige Maß an empathischem Verhalten zu finden, das andere. Empathen sollten daher in der Lage sein, auch Grenzen zu ziehen.

    Neid ist meist negativ behaftet, dabei können wir in manchen Situationen von ihm profitieren.

    Wann ist weniger Empathie ratsam?

    Grundsätzlich ist die Bedeutung von Empathie eine durchweg positive. Doch es gibt Situationen, in denen Mitgefühl und Perspektivwechsel für eine gewisse Zeit in den Hintergrund rücken sollten. Ein gutes Beispiel sind herausfordernde Berufe wie der des Rettungssanitäters oder der Notärztin.

    Natürlich ist es wichtig, dass sie ihren Patienten zuhören, sie umsorgen und sich kümmern. Ein gewisses Maß an Empathie sollte vorhanden sein. Doch wenn es um lebensbedrohliche Situationen geht, etwa Opfer eines Verkehrsunfalls geborgen werden müssen, dann sollte das empathische Einfühlungsvermögen in den Hintergrund rücken. 

    Kann man Empathie lernen?

    Empathie ist eine Fähigkeit, die wir uns im Laufe der Evolution angeeignet haben. Wir können sie nicht erlernen. Stattdessen wird sie durch unsere sozialen Kompetenzen und kommunikativen Fähigkeiten von klein auf geprägt. 

    Unser Mitgefühlwird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst, wie etwa dem Umfeld, in dem wir als Kind aufwachsen, und wie wir in diesem Umfeld behandelt wurden. Sie ist außerdem abhängig davon, wie stark unsere Sensibilität ausgeprägt ist – was sich ebenfalls im Kindesalter entwickelt.

     Aus diesem Grund haben wir wenig Einfluss darauf, wie empathisch wir tatsächlich sind. Wer jedoch merkt, dass er unter der Empathie für andere leidet, sollte darauf achten, sich selbst wieder mehr in den Fokus zu rücken. Stellen Sie auch Ihre eigenen Bedürfnisse wieder mehr in den Vordergrund und achten Sie darauf, dass Ihre Empathie nicht der einzige Beweggrund für Ihre Entscheidungen ist.

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