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Gesundheitsmagazin

AOK Bremen/Bremerhaven

Sich in den Schlaf hören

Veröffentlicht am:09.09.2026

4 Minuten Lesedauer

Etwas vorlesen, vorsingen oder eine Gute-Nacht-Geschichte vom Band? Beruhigende Stimmen oder Klänge können als Einschlafhilfe für Kinder gute Dienste leisten. Das gelingt vor allem dann, wenn sie in eine feste Abendroutine eingebettet sind. Wie diese aussehen kann, sagt die Bremer Kinder- und Jugendärztin Jana Ahrens.

© AOK

Auf dem Bild ist Jana Ahrens zu sehen.
Die Bremerin Jana Ahrens ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin.

© Jana Ahrens

Was für eine Rolle spielen Geschichten, Lieder oder Klänge beim Einschlafen des Kindes? 

Jana Ahrens: Das Kind muss beim Einschlafen aus einem sehr aktivierten, aufmerksamen Zustand in einen weniger aktivierten Zustand kommen. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Das leise Erzählen, Vorlesen oder Vorsingen, ruhige Musik oder Klänge können dabei helfen, dass das Kind diesen Weg leichter findet. Es gibt aber keine überzeugenden Studien, die sagen, dass Musik zum Beispiel besser ist als eine Geschichte. Das eine überlegene Audioformat gibt es also nicht. Was am besten hilft, ist sehr individuell und hängt auch vom großen Kontext der Schlafroutine ab.

Was ist mit Schlafroutine genau gemeint?

Eine Schlafroutine ist eine feste Abfolge von Gewohnheiten, die man jeden Abend vor dem Zubettgehen wiederholt. Durch diese Routinen empfängt unser Gehirn das Signal, dass es nun an der Zeit ist, ruhiger zu werden. Wie die Reihenfolge aussieht, ob es vielleicht erst das gemeinsame Kuscheln und Lesen ist und dann das Zähneputzen, ist jeder Familie selbst überlassen. Entscheidend ist, dass die Routine immer ungefähr gleich abläuft und an so vielen Abenden in der Woche wie möglich eingehalten wird. 

Und warum ist das wichtig?

Unser Körper profitiert von regelmäßigen Abläufen. Wiederkehrende Abendrituale signalisieren Kindern, dass der Tag zu Ende geht, und helfen ihnen, zur Ruhe zu kommen. Gleichzeitig stellt sich der Körper mit zunehmender Dunkelheit auf die Nacht ein und schüttet vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus. Es steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und fördert die Schlafbereitschaft. Gut untersucht ist außerdem, dass Kinder mit regelmäßiger Schlafroutine früher einschlafen, nachts weniger häufig aufwachen und auch länger schlafen. Audioformate, Vorsingen oder Vorlesen können ein Baustein einer solchen Abendroutine sein. 

Welche Audio-Inhalte sollten Eltern unbedingt vermeiden?

Alles, was aktivierend ist. Bei Musik zum Beispiel sollte man eher eine ruhige, vielleicht auch eine vorhersehbare, bekannte Melodie auswählen ohne viele Rhythmuswechsel oder Appelle wie „Jetzt klatschen wir alle in die Hände“, und „Jetzt springen wir alle hoch“.

Können Kinder besser einschlafen, wenn sie die vertraute Stimme der Mutter oder des Vaters hören – zum Beispiel beim Vorlesen?

Ein gemeinsames Buch lesen, gemeinsam im Bett sitzen, Körperkontakt, eine vertraute Stimme, das ist ein schönes Ritual. Bei Neugeborenen hat sich gezeigt, dass sie neuronal anders auf vertraute Stimmen als auf fremde Stimmen reagieren. Hinzu kommt die Wirkung des Körperkontakts: Wenn man sich beim Vorlesen aneinander kuschelt, dann entsteht beim Kind ein Gefühl von  Sicherheit, Runterkommen und Geborgenheit. 

Kann es auch schlaffördernd sein, ein Hörspiel anzumachen?

Wenn man sich ein Hörspiel anhört, dann ist das zwar keine bekannte Stimme, aber es kann natürlich eine gewohnte Stimme sein, falls ich immer wieder ähnliche oder dieselben Hörspiele höre. Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann fallen mir die Erzählerstimmen von Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen ein, die waren mir vertraut und haben mir Sicherheit vermittelt – das Gefühl: Ich kann schlafen, ich komme zur Ruhe. Die Geschichte, die im Hörspiel erzählt wird, sollte jedenfalls nicht aufregend sein oder eine Reihe von Fragen offen lassen, so dass die Kinder auch noch die nächste Folge hören möchten. Besser eignet sich ein Hörspiel, das die Kinder schon kennen und das eine beruhigende Wirkung auf sie hat. 

Und wie bettet man das Hörspiel dann in die Abendroutine ein?

Ja, wie könnte so eine Abendroutine aussehen? Nach dem Essen geht man ins Bad, putzt sich die Zähne, zieht den Schlafanzug an und dann wird vielleicht noch was Schönes zusammen gelesen oder gesungen beim gemeinsamen Kuscheln im Bett. Und wenn man dann noch eine Geschichte anmacht, finde ich, kann das ein netter Abschluss sein. Ich glaube, das Entscheidende ist, das Ganze zu begrenzen. Das Hörspiel sollte nicht einfach die ganze Nacht laufen, sondern sich per Timer von alleine ausstellen. 

Wie lange sollte man das Kind dann hören lassen und in welcher Lautstärke?

Für Mädchen und Jungen im Kindergartenalter vielleicht 20 Minuten, später vielleicht auch mal 30 Minuten. Das Entscheidende ist, dass sich dadurch die Dauer des Gesamtschlafs nicht verkürzt. Wichtig ist dabei auch der Abstand: Das Gerät sollte man nicht ins Bett oder unter das Kopfkissen legen. Und die Lautstärke sollte nicht zu hoch sein, sondern gerade so, dass das Kind entspannt zuhören und das Gesagte verstehen kann. 

Besteht die Gefahr, dass die Kinder irgendwann gar nicht mehr ohne so etwas einschlafen können?

Die Kinder verlernen das Einschlafen dadurch nicht. Es können sich aber Schlafassoziationen entwickeln: Gewöhnt sich ein Kind beispielsweise daran, immer mit einem bestimmten Hörspiel einzuschlafen, kann es sein, dass es dieses auch nachts nach dem Aufwachen wieder zum Einschlafen braucht. Deshalb kann es hilfreich sein, unterschiedliche Elemente wie Vorlesen, Singen, Hörspiele oder ruhige Musik in die Abendroutine einzubauen. Gleichzeitig geben klare und verlässliche Orientierung, zum Beispiel die Vereinbarung, dass ein Hörspiel für 20 Minuten läuft und danach ausgeschaltet wird.

Wie sieht es mit Filmen und Videos auf Tablet oder Smartphone aus? 

Aufgrund von Studienergebnissen wird empfohlen, dass die Stunde vor dem Schlafen „bildschirmfrei“ sein sollte, weil das Licht und die bewegten Bilder aktivierend wirken können und dadurch der Übergang in die Ruhephase schlechter gelingt. Das gilt ja nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Darum sollte man das Handy beim Einschlafen wirklich nur als Audio-Device nutzen. Das heißt, der Abstand zum Bett muss ausreichend sein, der Bildschirm sollte ausgeschaltet sein, Autoplay sollte ausgestellt sein, und es sollte zwischendurch keine Werbung eingespielt werden.

Interview: Astrid Funck

Aumio-App als Einschlafhilfe

Ob im Kindergarten, in der Schule oder in der Familie: Kinder haben jeden Tag zahlreiche Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten. Das kann sie überfordern, Stress auslösen und zu Einschlafproblemen führen. Die App Aumio unterstützt Kinder mit spielerischen Übungen und Geschichten dabei, sich zu entspannen und leichter einzuschlafen. Sie bietet mehr als 400 verschiedene Inhalte: Traumreisen, Mut-Mach- und Gute-Nacht-Geschichten, beruhigende Klänge und Entspannungsmusik. Achtsamkeitsübungen und Meditationen sollen zum Beispiel die Konzentration fördern und Wutanfälle abmildern. Hinzu kommt ein E-Mail-Programm mit begleitenden Tipps für die Eltern. 

Aumio wurde an der Freien Universität Berlin entwickelt. Alle Inhalte lassen sich herunterladen und offline nutzen. Die App schützt die Privatsphäre von Kindern, sammelt keine Daten und ist komplett werbefrei. Für Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren, die bei der AOK Bremen/Bremerhaven versichert sind, ist die Aumio-App ein Jahr lang kostenfrei. 

Hier finden Sie weitere Informationen zur Aumio-App.

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