Expertenforum - Studentin mit Praktikum und Tarifbeschäftigung bei uns

© ZORAN ORCIK / Adobe Stock
Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Studentin mit Praktikum und Tarifbeschäftigung bei uns
    Sehr geehrtes Expertenteam,

    wir haben eine MAin, die bei uns (unbefristet als Tarifbeschäftigte) mit 23 WoStd. arbeitet. Diese MAin leistet jetzt bei uns gleichzeitig ein Pflichtpraktikum ab. Sie möchte jetzt ihre Stundenzahl auf 20 WoStd. reduzieren, um in der Sozialversicherung den "Studentenstatus" zu erhalten.

    - Unsere MAin ist 1979 geboren, also 41 Jahre alt.
    - Sie ist bei uns als Tarifbeschäftigte unbefristet beschäftigt
    - Sie leistet daneben ein bezahltes Praktikum - vom 01.05.20 bis 30.04.21 - bei uns ab
    - Aktuell arbeitet sie 23 WoStd, die sie auf 20 WoStd reduzieren möchte

    Meine Frage wäre:
    - Können wir diese MAin nach der Reduzierung der WoStd als Werkstudentin behandeln?
    - Müssten wir sie dann in beiden Beschäftigungen in der Sozialversicherung als Studentin versichern?
    - Käme die MAin - mit 41 Jahren - noch in die studentische Krankenversicherung? Oder müsste sie sich nicht privat in der KV versichern?

    Vielen Dank schon mal für Ihre Hilfe!!!!

    Viele Grüße
    Ch. Kolter-Bekker
  • 02
    RE: Studentin mit Praktikum und Tarifbeschäftigung bei uns

    Hallo Frau Kolter-Bekker,
     
    zu Ihren Fragen nehmen wir wie folgt Stellung:
     
    1.     Voraussetzung für die Anwendung der Vorschriften über die Versicherungsfreiheit der von Studenten ausgeübten Beschäftigungen im Rahmen des „Werkstudentenprivilegs“ ist zunächst die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlichen Studierenden. Dies setzt voraus, dass eine wissenschaftliche Ausbildung in einem geordneten Studien- oder Ausbildungsgang erfolgt und der Student sich einer mit dem Studium in Verbindung stehenden oder darauf aufbauenden Ausbildungsregelung unterwirft. Zu den ordentlichen Studierenden gehören diejenigen, die an einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule eingeschrieben (immatrikuliert) sind. Die Einschreibung bzw. Immatrikulation wird in der Regel mit der Immatrikulationsbescheinigung bestätigt.
     
    Sofern die betreffende Mitarbeiterin die vorgenannten Regelungen dem Personenkreis der „ordentlichen Studierenden“ zuzuordnen ist und die wöchentliche Arbeitszeit die 20-Stunden-Grenze nicht überschreitet, kann sie als „Werkstudentin“ behandelt werden.
     
    2.     Da uns der Dauer des vorgeschriebenen Zwischenpraktikums mit einem Jahr relativ lang vorkommt, geben wir Ihnen zur Dauer und deren Auswirkung auf die versicherungsrechtliche Beurteilung noch einige grundsätzliche Hinweise.
     
    Vorgeschriebene Praktika liegen nur dann vor, wenn sie in einer Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung normiert sind. Die Verpflichtung zur Ableistung des Praktikums ist nachzuweisen. Von einem in diesem Sinne vorgeschriebenen Praktikum ist nicht nur für die in einer Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebene „Mindestdauer des Praktikums“ auszugehen, sondern darüber hinaus auch für den die Mindestdauer überschreitenden Zeitraum, wenn (weiterhin) ein Zusammenhang zwischen dem Praktikum und dem Studium besteht. Ein solcher Zusammenhang ist in aller Regel dann gegeben, wenn die Hochschule das Praktikum anerkennt (z. B. als Teil der Studien- oder Prüfungsleistung).
    Im Zweifelsfall muss dieser Zusammenhang nachgewiesen werden.
     
    Hiervon zu unterscheiden sind die Fälle, in denen die Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung keine Mindestdauer für ein Praktikum, sondern einen „festen Zeitraum“ (z. B. von drei Monaten) vorsieht.
    Wird ein Praktikum über diesen fest vorgeschriebenen Zeitraum hinaus fortgeführt, ist von diesem Zeitpunkt an nicht mehr von einem vorgeschriebenen Praktikum auszugehen; in der Konsequenz ergeben sich hieraus andere versicherungsrechtliche Folgen.
     
    Neben einer Werkstudentenbeschäftigung kann gleichzeitig ein in einer Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenes Zwischenpraktikum beim selben Arbeitgeber ausgeübt werden, sofern beide Tätigkeiten vertraglich und organisatorisch strikt voneinander getrennt werden. Eine Zusammenrechnung von Werkstudentenbeschäftigung und dem vorgeschriebenen Zwischenpraktikum erfolgt in einem solchen Fall nicht.
     
    3.     Die Versicherungspflicht in der „Studentischen Krankenversicherung“ nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V besteht längstens bis zum Ende des Semesters, in dem das 30. Lebensjahr vollendet wird.
     
    In Ihrem Sachverhalt kann die 41-jährige Studentin somit nicht in der „Studentischen Krankenversicherung“ versichert werden. Der weitere Krankenversicherungsschutz wäre somit im Rahmen einer freiwilligen Krankenversicherung sicherzustellen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     
  • 03
    RE: Studentin mit Praktikum und Tarifbeschäftigung bei uns
    Sehr geehrtes Expertenteam,

    es geht nochmals um obigen Fall. Bis heute wurde uns noch keine Immatrikulationsbescheinigung vorgelegt.
    D.h., wir wissen zwar aus der Kopie des Praktikantenvertrages, dass unsere MAin ein Studium absolviert, aktuell ist sie jedoch bei uns mit 23 WoStd. beschäftigt und nebenbei noch mit 15 WoStd. im Praktikum.

    Wie ist dieser Fall in der Sozialversicherung zu beurteilen? Wir führen die MAin mit zwei Personalnummern. Aktuell wird bei der "Hauptpersonalnummer" das Praktikumsentgelt mitversteuert.
    In meinen Unterlagen habe ich ein altes Schreiben meiner Vorgängerin gefunden, dass bei gleichzeitigem Praktikum und Arbeit beim selben AG, von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis auszugehen ist......

    Für Ihre Hilfe bedanke ich mich wieder mal im Voraus!!

    Viele Grüße
    Ch. Kolter-Bekker
  • 04
    RE: Studentin mit Praktikum und Tarifbeschäftigung bei uns
    Sehr geehrtes Expertenteam,

    es geht nochmals um obigen Fall. Bis heute wurde uns noch keine Immatrikulationsbescheinigung vorgelegt.
    D.h., wir wissen zwar aus der Kopie des Praktikantenvertrages, dass unsere MAin ein Studium absolviert, aktuell ist sie jedoch bei uns mit 23 WoStd. beschäftigt und nebenbei noch mit 15 WoStd. im Praktikum.

    Wie ist dieser Fall in der Sozialversicherung zu beurteilen? Wir führen die MAin mit zwei Personalnummern. Aktuell wird bei der "Hauptpersonalnummer" das Praktikumsentgelt mitversteuert.
    In meinen Unterlagen habe ich ein altes Schreiben meiner Vorgängerin gefunden, dass bei gleichzeitigem Praktikum und Arbeit beim selben AG, von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis auszugehen ist......

    Für Ihre Hilfe bedanke ich mich wieder mal im Voraus!!

    Viele Grüße
    Ch. Kolter-Bekker
  • 05
    RE: Studentin mit Praktikum und Tarifbeschäftigung bei uns
    Hallo Frau Kolter-Bekker,
     
    damit die Werkstudentenbeschäftigung gleichzeitig neben dem in der maßgebenden Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenen Zwischenpraktikum beim selben Arbeitgeber ausgeübt werden kann, ist dem Arbeitgeber von der betreffenden Person zunächst eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung vorzulegen, damit diese zu den Abrechnungsunterlagen genommen werden kann.
    Darüber hinaus sind – wie in unserer ersten Antwort beschrieben - beide Tätigkeiten vertraglich und organisatorisch strikt voneinander zu trennen. In einem solchen Fall kann keine Zusammenrechnung von Werkstudentenbeschäftigung und dem vorgeschriebenen Zwischenpraktikum vorgenommen werden.
     
    Übt dagegen eine Person ohne „Studentenstatus“ bei einem Arbeitgeber neben einer „normalen“ Beschäftigung zusätzlich noch ein (freiwilliges) Praktikum aus, ist wie von Ihnen beschrieben, von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis und damit Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung auszugehen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
Kontakt zur AOK Bremen/Bremerhaven AOK/Region ändern
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.