Pflegeformen
KI in der Pflege und im Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen
Veröffentlicht am:26.09.2024
6 Minuten Lesedauer
Aktualisiert am: 08.01.2026
Das Thema KI in der Pflege wirft viele Fragen auf – und weckt auch Ängste: Welche Risiken bestehen? Könnte KI menschliche Betreuung verdrängen und ersetzen? Wo kann KI sinnvoll unterstützen und entlasten? Einige vorsichtige Antworten.

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KI in der Pflege: von der Vision zur Realität
Künstliche Intelligenz (KI) verändert unseren Alltag – etwa durch KI-basierte Apps auf unseren Smartphones und Computern. Auch die Industrie und der Dienstleistungssektor wandeln sich, denn selbstlernende Programme und Maschinen arbeiten immer selbstständiger und übernehmen verschiedenste Aufgaben. Diese Entwicklung macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht halt – auch hier kommt immer mehr künstliche Intelligenz zum Einsatz. So helfen etwa digitale Assistenzsysteme in der Pflege. Dennoch: Im Gesundheitswesen bleiben menschliche Kompetenz und menschliches Miteinander auch auf lange Sicht unersetzlich, besonders wenn es um das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Pflegefachpersonen und pflegebedürftigen Menschen geht.
Andererseits besteht im Pflegesektor ein akuter Mangel an Fachkräften. Aus heutiger Perspektive ist KI deshalb vor allem dort wertvoll, wo sie Pflegepersonal entlastet – etwa bei administrativen Aufgaben. Dadurch verschafft KI den Pflegenden mehr Zeit, sich den wichtigen zwischenmenschlichen Aufgaben zu widmen. KI soll den Menschen also in seiner Arbeit unterstützen und keineswegs ersetzen.
Durch die elektronische Patientenakte (ePA) und die zunehmende Vernetzung im Gesundheitssektor gibt es eine große Fülle an Daten – von Laborwerten und Medikationsplänen bis hin zu Abrechnungsdaten der Kranken- und Pflegekassen. KI kann durch eine umfassende Auswertung der verfügbaren Gesundheitsdaten das Pflegepersonal bei Entscheidungen unterstützen.
Wie funktioniert KI?
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Sammelbegriff für Verfahren, die es Computern ermöglichen, Aufgaben zu erfüllen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern.
Im Grunde handelt es sich bei KI um ein hoch entwickeltes Programm: einen Computercode, der sich über Lernen selbst erweitert (deshalb ist hier auch vom „maschinellen Lernen“ die Rede). Dazu benötigt KI große Mengen an Daten, aus denen sie Muster und Zusammenhänge erkennt, um auf dieser Basis Lösungen aufzuzeigen.
Wenn KI und Robotik zusammentreffen, kann KI bewegungsfähigen Robotern unter anderem beibringen, Bewegungsabläufe immer besser zu koordinieren. In Warenlagern gibt es zum Beispiel KI-gestützte Roboter, die selbstständig Produkte zu Warensendungen zusammenstellen. Wenn ein Roboter eine Sprachfunktion hat, verbessern KI-Anwendungen seine Kommunikationsfähigkeiten. Aber nicht jeder Roboter benötigt KI: ein einfacher Roboterarm in der industriellen Fertigung etwa kann seine Aufgaben auch ohne KI ausführen.
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Anwendungsfelder von KI in der Pflege
Der Faktor Mensch ist in der Pflege unersetzlich. Doch über KI und Robotik sollen pflegebedürftige Personen wieder mehr Autonomie erlangen. Zugleich sollen Pflegende von bürokratischen Aufgaben entlastet werden, um mehr Zeit für menschliche Zuwendung zu gewinnen. So lauten die Erwartungen an den Einsatz von KI in der Pflege.
Das Thema KI in der Pflege muss ganzheitlich betrachtet werden. Es geht also nicht nur darum, wie KI in der Pflege Menschen mit Einschränkungen und das Pflegepersonal konkret unterstützen kann, sondern auch darum, wie medizinische Daten besser genutzt werden können – sei es durch die Pflegeeinrichtungen selbst, die beteiligten ärztlichen Einrichtungen oder durch die Kranken- und Pflegekassen.
Mögliche Anwendungsfelder von KI in der Pflege sind:
Verwaltung Assistenzsysteme Datenaufbereitung Datengestützte Handlungsvorschläge Gesundheitsüberwachung
Hilfe zur Selbsthilfe – kostenlos für alle Interessierte
AOK-Familiencoach Pflege
Der AOK-Familiencoach Pflege ist ein Online-Selbsthilfe-Programm, das Ihnen hilft, den seelisch belastenden Pflegealltag besser zu bewältigen und sich vor Überlastung zu schützen.
KI in der Pflege: aktuelle Entwicklungen und Ausblick
Welches der potenziellen KI-Anwendungsfelder sich am schnellsten entwickeln wird, ist schwer vorherzusagen. Neben den technischen Aspekten stellt sich die Frage nach der Akzeptanz von KI in der Pflege sowohl aufseiten der pflegebedürftigen Menschen als auch auf jener der Pflegenden.
Betrachtet man die beiden Aspekte Akzeptanz und technische Machbarkeit zusammen, so dürfte der KI-basierte autonome Roboterassistent noch am längsten auf seine flächendeckende Einführung in deutschen Pflegeeinrichtungen warten. Reine Sprachassistenzsysteme – also ChatGPT und Co – sind bereits so weit entwickelt, dass ihre Anpassung und Einführung in das Pflegeumfeld schon bald Realität werden könnten – und in manchen Einrichtungen schon sind: Beispielsweise gibt es eine KI-basierte Sprach-App. Pflegende sprechen die Informationen, die für die Pflegedokumentation notwendig sind, in ein Smartphone ein und die KI, die Dialekte oder Akzente erkennt und versteht, überträgt die Sprachbeiträge in korrekter Schriftsprache in bestehende Dokumentationssysteme. Sie weiß genau, was wohin gehört und entlastet die Pflegepersonen bei der Verwaltungsarbeit.
Allgemein dürfte aber von dem allgegenwärtigen Hype um KI in den allermeisten Pflegeeinrichtungen in Deutschland noch wenig zu bemerken sein. Zum einen fehlt es nach Ansicht vieler Experten und Expertinnen an Umfang und Qualität der medizinischen Daten, die der KI zur Verfügung stehen. Zum anderen mangelt es in vielen Einrichtungen noch an den notwendigen IT-Kapazitäten und auch an Know-how: Auch das Personal muss auf die Neuerungen vorbereitet werden.

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KI im Gesundheitswesen und der Datenschutz
Immer dort, wo es um (digitale) Daten geht, stellt sich auch die Frage nach dem Datenschutz. Medizinische und pflegerelevante Daten sind besonders sensibel und die Gefahr der Verletzung individueller Persönlichkeitsrechte ist hoch. Medizinische Daten dürfen unter keinen Umständen in falsche Hände geraten. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Datendiebstahl. Wer Zugriff auf die Daten haben soll, muss auch gesellschaftlich diskutiert werden: nur die medizinischen und pflegerischen Einrichtungen selbst oder auch die Krankenkassen und private Unternehmen? In Deutschland hat die Bundesregierung 2018 die Datenethikkommission eingesetzt, die in ihrem Gutachten ausführlich auf den Pflegebereich eingeht und die Daten von pflegebedürftigen Menschen als besonders schützenswert einstuft.
KI in der Pflege: ein Zwischenfazit
Als Fazit kann aus heutiger Sicht gezogen werden: Fachleute erkennen in der KI das Potenzial, den Pflegesektor zu verbessern, indem
- die Pflegebedürftigen weniger abhängig vom Pflegepersonal und so autonomer werden,
- die Pflegenden von bürokratischen Tätigkeiten entlastet werden und Zeit für zwischenmenschliche Aufgaben gewinnen und
- die Qualität der pflegerischen und medizinischen Leistungen verbessert wird.
Unklar ist, ab wann genau KI in der Pflege eine tragende Rolle spielen kann. Der Durchbruch von KI in der Pflege setzt technische Weiterentwicklung, Datensicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz von KI-gestützten Pflegesystemen voraus.
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