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Muskelfaserriss erkennen und vorbeugen

Ein Junge in Fußballkleidung sitzt mit Schmerzen auf dem Rasen und fasst sich an den Oberschenkel.

© iStock / SDI Productions

Lesezeit: 4 Minuten19.07.2022

Ein plötzlicher und stechender Schmerz – so schildern es Menschen, die einen Muskelfaserriss erlitten haben. Wie es dazu kommt, was Sie bei einem Muskelfaserriss tun können und was besser nicht, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Muskelfaserriss oder Zerrung?

    Muskelverletzungen treten durch unterschiedliche körperliche Überlastungen auf, vor allem aber beim Sport – sowohl im Freizeit- als auch Profibereich. Im Profifußball machen sie rund 30 Prozent aller Verletzungen aus. Meist sind schnelle Bewegungen und Überdehnungen des Muskels verantwortlich.

    Muskelzerrung

    Die milde Form einer Muskelverletzung ist die Muskelzerrung. Hier ist der Muskel bis auf kleinste Schädigungen der Fasern oder Blutgefäße noch intakt und funktionsfähig, aber in den Bereichen der Schädigung ist die Spannung, der sogenannte Tonus, erhöht. Wie sich ein erhöhter Muskeltonus anfühlt, kennen Sie vielleicht von einer verspannten Schulter. Eine Zerrung macht sich oft nicht unmittelbar bemerkbar, sondern manchmal erst bis zu einem Tag später.

    Muskelfaserriss

    Beim Muskelfaserriss dagegen sind durch eine abrupte Dehnung des Muskels einzelne oder mehrere Muskelfasern gerissen und ein messerstichartiger Schmerz lässt sofort spüren, dass etwas nicht stimmt. Vor allem bei Sportarten, die mit Sprints, Tempowechseln oder Drehungen verbunden sind, kommt es zu Muskelfaserrissen – etwa Fußball oder Tennis. Da bei solchen Sportarten die Beinmuskulatur besonders belastet wird, treten Faserrisse häufig in der Oberschenkel- oder Wadenmuskulatur auf.

    Ursachen und Symptome von Muskelfaserrissen

    Für Freizeitsportlerinnen und -sportler ist die Gefahr, dass Muskelfasern reißen, besonders groß, wenn sie ihre Leistungsfähigkeit überschätzen und die Belastungsgrenze ihrer Muskeln überschreiten. Auch unzureichendes Aufwärmen vor dem Sport, kalte Temperaturen oder körperliche Ermüdung begünstigen Faserrisse. Wenn wir ermüdet sind, koordinieren wir unsere Bewegungsabläufe nicht mehr so gut. Außerdem können nicht erkannte und nicht auskurierte Muskelzerrungen bei erneuter körperlicher Belastung zu einem Faserriss führen. Dessen konkrete Auslöser sind dann meist die schon beschriebenen abrupten Belastungswechsel wie beispielsweise schnelles Lossprinten oder Abbremsen. Zu einer Muskelverletzung kann es theoretisch also auch kommen, wenn wir etwa versuchen, einen Bus noch zu erwischen.

    Zu den akuten Symptomen: Wenn Muskelfasern reißen, setzt er sofort ein – der stechende Schmerz. Er hat meistens ein klar lokalisierbares Zentrum. Druck auf die betreffende Stelle verstärkt den Schmerz und nochmaliges Dehnen führt zu zusätzlichen Schmerzen. Manchmal ist auch ein Bluterguss sichtbar oder man kann eine Delle im Gewebe ertasten. Das ist aber nicht immer so. Wer einen Muskelfaserriss erleidet, nimmt unweigerlich eine Schonhaltung ein und humpelt, wenn die Beine betroffen sind, da normale Bewegungen nicht mehr möglich sind.

    Wie wird ein Muskelfaserriss behandelt?

    Die gute Nachricht vorweg: So schmerzhaft er auch ist, so heilt ein Muskelfaserriss doch meist von selbst vollkommen aus. Die Sofortmaßnahmen direkt nach der Verletzung sollten im Idealfall dem in der Sportmedizin üblichen PECH-Schema folgen:

    • Pause (sofortiger Abbruch der körperlichen Betätigung)
    • Eis (Kühlung der betroffenen Körperpartie)
    • Compression (Druckverband für einige Stunden)
    • Hochlagern des verletzten Körperteils

    In den ersten zwei Tagen ist nun Ruhestellung der Muskeln angesagt. Danach dürfen Sie sich – soweit der Schmerz es zulässt – wieder normal bewegen. Weil sich nach einem Muskelfaserriss die Muskeln von selbst regenerieren, sind weitere medizinische Maßnahmen nicht immer erforderlich. Profisportlerinnen und -sportler werden zwei bis drei Tage nach dem Unfall eine Physiotherapie beginnen mit Massagen, Lymphdrainagen und Dehnübungen. Eine Operation ist in der Regel nur bei schwereren Muskelverletzungen notwendig.

    Ein Physiotherapeut massiert den rechten Oberschenkel einer Sportlerin, die einen Muskelfaserriss erlitten hat.
    Massagen fördern die Heilung von Muskelfaserrissen.

    © iStock / Thitiphat Khuankaew

    Wenn Sie starke langwierige Beschwerden haben oder unsicher sind, wie schwer Ihre eigene Verletzung ist, sollten Sie ärztliche Hilfe einholen. In der Arztpraxis lässt sich klären, ob und welche Behandlung für Sie in Betracht kommt. Bei einem Muskelfaserriss muss Geduld aufgebracht werden. Generell nimmt die vollständige Ausheilung je nach Schwere und betroffenem Muskel zwei bis acht Wochen in Anspruch. Belasten Sie Ihre Muskeln nicht zu früh nach dem Faserriss und achten Sie auf die Signale Ihres Körpers – sonst erhöht sich die Gefahr einer erneuten Verletzung.

    Wie einem Muskelfaserriss vorbeugen?

    Alltagsunfälle, die zu Muskelfaserrissen führen können, lassen sich weder vorhersagen noch komplett ausschließen. Besondere Vorsicht ist im höheren Alter geboten, denn die Wahrscheinlichkeit von Muskelfaserrissen nimmt mit dem Alter zu. Im Sport ist Vorsorge hingegen möglich. Wenn Sie Kurzstreckenläuferin oder -läufer sind, Handball oder Fußball spielen oder eine andere Sportart betreiben, die von abrupten Tempo- oder Richtungswechseln geprägt ist, lässt sich das Risiko von Muskelverletzungen verringern. Wichtig ist vor jeder sportlichen Betätigung, die Muskeln gründlich aufzuwärmen. Außerdem dürfen Sie Ihren Körper mit dem Sportpensum nicht überfordern. Steigern Sie lieber die Trainingseinheiten langsam und behutsam.

    Passend zum Thema

    Medikamente, die den Heilungsverlauf sicher verbessern, sind nicht bekannt. Schmerzmittel wie Ibuprofen können direkt nach der Verletzung die Symptome lindern. Ein gut auf Ihren Körper abgestimmtes Training und sorgfältiges Aufwärmen sind also das A und O, um das Risiko für Muskelverletzungen zu verringern.

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