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Tetanus: Nur die Impfung schützt vor dem gefährlichen Erreger

Eine Person wird gegen Tetanus geimpft.

© iStock / elenaleonova

Lesezeit: 4 Minuten09.05.2022

Muskelkrämpfe und starke Schmerzen nach einer vermeintlich harmlosen Wunde: Früher endete die Infektion mit dem Tetanuserreger meist tödlich. Heute ist die Impfung zum Schutz vor Wundstarrkrampf Standard in der Regelversorgung.

Inhalte im Überblick

    Was ist Wundstarrkrampf?

    Der Wundstarrkrampf (Tetanus) ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit. Charakteristisch sind starke Krämpfe. Ist die Atem- und Schluckmuskulatur betroffen, droht Ersticken. Auslöser von Tetanus ist das Bakterium Clostridium tetani, dessen Sporen sich unter anderem in Staub, Schmutz, Erde sowie menschlichen und tierischen Fäkalien wiederfinden – also nahezu überall. Kommt eine Wunde mit dem Erreger in direkten Kontakt, kann eine Tetanusinfektion entstehen. Ob es sich um eine Bisswunde, einen Stich, Kratzer oder eine Verbrennung handelt, spielt für die Übertragung keine Rolle. Typisch für eine Tetanusinfektion sind Verletzungen durch Gegenstände wie Dornen oder rostige Nägel. Haben sich aus den Sporen des Erregers im Körper Bakterien entwickelt, stellen diese Nervengifte (Neurotoxine) her, welche sich über die Lymph- und Blutbahnen verteilen und die Symptome auslösen. Die Zeit vom Eintritt der Erreger in den Körper bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) liegt in der Regel zwischen wenigen Tagen und drei Wochen. Ansteckend ist Tetanus nicht.

    Früher verlief Tetanus fast immer tödlich. Heute führt die Infektion trotz moderner Intensivmedizin noch bei zehn bis zwanzig Prozent der Betroffenen zum Tod – meist durch Atemnot oder Herzversagen. Ohne intensivmedizinische Betreuung liegt die Todesrate sehr viel höher. Der bester Schutz gegen Tetanus ist die Impfung.

    Impfen schützt vor Tetanus

    Der Wundstarrkrampf ist eine weltweit verbreitete Erkrankung, die heute in vielen Entwicklungsländern und in Ländern mit niedriger Impfquote immer noch ein großes Problem darstellt.

    In Deutschland werden laut Robert Koch-Institut (RKI) weniger als 15 Fälle pro Jahr bekannt, was auf den guten Impfschutz zurückzuführen ist.

    Tetanus: Symptome und Verlauf

    Eine Tetanus-Diagnose erfolgt in der Regel durch sicht- und spürbare Beschwerden. Erste Symptome sind Schlafstörungen, Schwitzen und Unruhe. Später spannen sich die Muskeln an, es treten Krämpfe auf, beginnend bei der Kiefermuskulatur. Die Mimik wirkt wie eingefroren. Die Betroffenen können nur schwer sprechen und schlucken, was das Trinken und die Nahrungsaufnahme erschwert.

    Im weiteren Verlauf der Tetanus-Infektion setzt die gewohnte Muskelfunktion in anderen Körperbereichen sukzessive aus. Es kommt zu Muskelanspannungen, Muskelstarre (Rigor) und Krämpfen im Nacken, Rücken, Bauch sowie an Beinen und Armen. Die Krämpfe können so extrem sein, dass die Knochen brechen. Für Betroffene bedeutet das schmerzhafte Qualen bei klarem Bewusstsein, wobei sich die Symptome durch Sinnesreize verstärken, etwa durch Licht, Geräusche und Berührungen.

    Der höchste Schweregrad ist erreicht, wenn die Atemmuskulatur, Kehlkopf und Brustmuskel von den Krämpfen betroffen sind. Dann können Erkrankte ersticken oder einen Herztod erleiden.

    Neben der allgemeinen (generalisierten) Form von Tetanus, die alle Nervenbahnen, Muskeln und Organe betrifft und überwiegend bei Ungeimpften auftritt, existiert eine Variante, die nur im Wundbereich auftritt. Diese zeigt sich meistens bei teilimmunisierten Menschen, deren Impfschutz für eine vollständige Abwehr der Erreger nicht ausreicht. Diese Form ist nicht ganz so gefährlich, kann sich jedoch auf den restlichen Körper ausweiten.

    Wie wird Tetanus behandelt?

    Ist ein Wundstarrkrampf bereits eingetreten, werden vielfältige Therapieformen kombiniert. Die Wunde wird gut gesäubert, ausgeschnitten und offen behandelt, da eine Zufuhr von viel Sauerstoff dem Bakterium schadet.

    Die Ärzte injizieren einen Tetanus-Immunglobulin (Antikörper), um das im Blut zirkulierende Gift zu neutralisieren. Die Gabe eines Tetanus-Toxoids wird als aktive Immunisierung eingesetzt. Ein Toxoid ist ein inaktiviertes, nicht mehr schädliches Gift (Toxin). Darüber hinaus soll die Einnahme von Antibiotika die Vermehrung und das Überleben des Erregers erschweren. Eine umfasssende intensivmedizinische Behandlung ist erforderlich. Sie dient der Erhaltung der lebenswichtigen Funktionen und soll Komplikationen vermeiden. Oftmals ist eine künstliche Beatmung lebensrettend.

    Ein Junge ist mit dem Fahrrad gestürzt und schaut sich die Wunde am Knie an.
    Verletzungen und Wunden lassen sich im Alltag kaum verhindern. Die Tetanusimpfung schützt zuverlässig vor einer Infektion mit dem Tetanus-Erreger und ist für Jung und Alt wichtig.

    © iStock / miljko

    Tetanus vorbeugen: Wie gut schützt eine Impfung?

    Verletzungen lassen sich im Alltag nie vollständig vermeiden. Es ist praktisch unmöglich, niemals mit dem Erreger in Kontakt zu kommen. Eine Impfung ist die einzige Möglichkeit, einem Wundstarrkrampf zuverlässig vorzubeugen. Selbst nach einer überstandenen Infektion kann die Krankheit erneut ausbrechen. Bei nicht oder nicht ausreichend Geimpften wird im Falle einer risikoreichen Verletzung eine Tetanus-Immunprophylaxe empfohlen – so schnell wie möglich. Fehlende Impfungen der Grundimmunisierung sind den Empfehlungen entsprechend nachzuholen. Verletzt sich eine Person mit vollständigem Impfschutz, ist meist keine Behandlung notwendig. Um den Impfschutz aufrechtzuerhalten, ist eine regelmäßige Auffrischung wichtig.

    Die Tetanus-Impfung für Kinder

    Kinder erhalten die Tetanus-Impfung in Deutschland üblicherweise bereits im Säuglingsalter über die Grundimmunisierung in drei Dosen. Sie bekommen einen Kombinationswirkstoff, der nicht nur vor Tetanus, sondern auch vor Keuchhusten, Diphtherie, Hepatitis B, dem Erreger Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Kinderlähmung schützt. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht die Impfung im Alter von zwei, vier und elf Monaten vor. Bei Frühgeburten soll eine weitere Impfung im dritten Lebensmonat für zusätzlichen Schutz sorgen. Kurz vor der Einschulung im 6. Lebensjahr erhalten Kinder dann in der Regel ihre erste Auffrischungsimpfung, gefolgt von einer weiteren zwischen dem 10. und 17. Lebensjahr.

    Die Tetanus-Impfung für Erwachsene

    Wer als Kind die Grundimmunisierung zum Schutz vor Tetanus erhalten hat, sollte den Impfschutz alle zehn Jahre erneuern, so die Empfehlung der STIKO. Bei einer akuten Verletzung kann es sinnvoll sein, den Impfschutz zu einem früheren Zeitpunkt aufzufrischen.

    Tetanus und die Corona-Impfung

    Gemäß der Empfehlung der STIKO muss zwischen COVID-19-Impfungen, egal ob mRNA- oder Vektorimpfstoff sowie Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung, kein zeitlicher Abstand zu einer anderen Impfung eingehalten werden, sofern es sich um einen Totimpfstoff handelt. Der Tetanus-Impfstoff ist ein solcher Totimpfstoff, da darin keine lebenden, vermehrungsfähigen Erreger enthalten sind. Er kann, wenn nötig, zeitgleich mit der Corona-Impfung an unterschiedlichen Injektionsorten gegeben werden.

    Anders sieht es (Stand März 2022) mit dem erst kürzlich zugelassenen COVID-Impfstoff Nuvaxovid (Novavax) aus. Hier wird derzeit ein Abstand von 14 Tagen vor und nach einer Impfung mit Nuvaxovid zu Totimpfstoffen empfohlen.

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