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Warum wir unsere Blutgruppe kennen sollten

Eine Person mit Latexhandschuhen testet eine Blutprobe auf ihre Blutgruppe.

© iStock / wakila

Lesezeit: 5 Minuten21.09.2022

A, B oder 0? Viele Menschen kennen ihre Blutgruppe nicht. Dabei ist es nicht nur wichtig, die eigene Blutgruppe, sowie den Rhesusfaktor zu kennen – es ist auch ganz einfach, diese herauszufinden.

Inhalte im Überblick

    Die menschlichen Blutgruppen

    Unsere roten Blutkörperchen (Erythrozyten) haben wie alle Zellen eine Hülle. Darauf befinden sich bestimmte Oberflächenstrukturen, die auch Antigene genannt werden. Jede Person besitzt eine bestimmte Kombination solcher Antigene. Diese Kombination bestimmt, in welche Blutgruppe sich das Blut einer Person einordnen lässt. Insgesamt gibt es etwa 30 Blutgruppen-Systeme, von denen viele im medizinischen Alltag unbedeutend erscheinen. Die wichtigsten Blutgruppen-Einteilungen sind das AB0- sowie das Rhesus-System.

    Was ist das AB0-Blutgruppensystem?

    Im AB0-Blutgruppensystem wird zwischen vier Blutgruppen unterschieden: A, B, AB und 0.

    Die Basis für das AB0-System sind die beiden Antigene A und B auf der Hülle der roten Blutkörperchen. 

    Menschen mit Blutgruppe A oder B haben jeweils A- oder B-Antigene auf den roten Blutkörperchen. Bei der Blutgruppe AB befinden sich sowohl A- als auch B-Antigene auf den roten Blutkörperchen. Menschen mit Blutgruppe 0 besitzen keins der beiden Antigenen.

    Im Blutplasma befinden sich zudem die sogenannten Blutgruppen-Antikörper. Diese werden gebildet, sobald Blutkörperchen mit „fremden“ Antigenen auftauchen. Jemand mit der Blutgruppe 0 bildet also Antikörper gegen die Antigene A und B. Jemand mit der Blutgruppe-AB besitzt beide Antigene (A und B) und bildet daher keine Antikörper gegen andere Blutgruppen.

    1. Blutgruppe A – hat A-Antigene auf den roten Blutkörperchen mit Anti-B-Antikörpern im Blut
    2. Blutgruppe B – hat B-Antigene mit Anti-A-Antikörpern im Blut
    3. Blutgruppe 0 – hat keine Antigene, aber sowohl Anti-A- als auch Anti-B-Antikörper im Blut
    4. Blutgruppe AB – hat Antigene A und B, aber keine Antikörper

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    Was ist das Rhesus-System?

    Das Antigen D, welches hier im Mittelpunkt steht, wurde erstmalig bei Rhesusaffen entdeckt, weshalb wir heute vom Rhesus-System sprechen. Ist das Antigen auf den roten Blutkörperchen vorhanden, ist die Person Rhesus-positiv. Fehlt das Antigen, ist die Person Rhesus-negativ. Das betrifft in Europa etwa 15 Prozent der Bevölkerung und ist somit seltener als ein vorhandener Rhesusfaktor.

    Der Rhesusfaktor zeigt an, ob sich das Blut von zwei Menschen verträgt, wenn es gemischt wird. Ob sich zum Beispiel das Blut von Mutter und Kind verträgt, hängt also vom Rhesusfaktor ab. Wenn Rhesus-negative Frauen ein Kind erwarten, das Rhesus-positiv ist, können sich im mütterlichen Blut Antikörper gegen das Antigen D des Kindes bilden. Bei der ersten Schwangerschaft schaden diese Antikörper dem Kind normalerweise nicht. Wenn die Frau aber zum zweiten Mal mit einem Rhesus-positiven Kind schwanger ist, können die Antikörper dessen Entwicklung schaden. Zu den Vorsorgeuntersuchungen von Schwangeren gehört daher die Blutgruppenuntersuchung der Mutter. Sollte sie Rhesus-negativ sein, werden vorbeugende Schritte zum Schutz des Kindes eingeleitet.

    Üblicherweise werden das Vorhandensein oder Fehlen eines Rhesusfaktors durch ein simples Plus (für Rhesus-positiv) oder Minus (für Rhesus-negativ) hinter der Blutgruppe dargestellt. In unserer Tabelle sehen Sie jede mögliche Kombination von Blutgruppe und Rhesusfaktor:

    BlutgruppeRhesusfaktor
    A+A RhD-positiv
    A-A RhD-negativ
    B+B RhD-positiv
    B-B RhD-negativ
    0+0 RhD-positiv
    0-0 RhD-negativ
    AB+AB RhD-positiv
    AB-AB RhD-negativ

    Die Vererbung und Häufigkeit von Blutgruppen

    Welche Blutgruppe man hat, kann anhand der Blutgruppen-Vererbung eingegrenzt werden. Das AB0-System richtet sich nach den mendelschen Erbregeln, die der Naturforscher Gregor Mendel entdeckt hat. Die Vererbung der Blutgruppe wird von einem Gen bestimmt. Jeder Mensch besitzt von diesem Gen zwei Varianten, auch Allele genannt. Ein Allel wird vom Vater vererbt, das andere von der Mutter. Die Kombination aus den beiden Allelen bestimmt, welche Blutgruppe eine Person hat.

    Es gibt drei Allele: A, B und 0. Da jeder Mensch zwei dieser Allele hat, ergeben sich daraus die Kombinationsmöglichkeiten AA, BB, 00, A0, B0 und AB. Die Allele A und B sind bestimmender als 0, verhalten sich aber zueinander ebenbürtig. Das bedeutet, aus der Kombination A0 kommt beispielsweise bei einer Vererbung die Blutgruppe A heraus. Haben beide Elternteile die Blutgruppe 0, müssen die Kinder ebenfalls zwingend 0 sein.

    Auch die Vererbung des Rhesusfaktors folgt den mendelschen Regeln. Es gibt zwei Allele des Gens, eines mit Rh-positiver Eigenschaft und eines mit Rh-negativer Eigenschaft. Jedes Kind erhält wieder von seinem Vater und seiner Mutter jeweils ein Allel. Das Allel mit Rh-positiver Eigenschaft ist bestimmender. Das heißt, wenn ein Kind ein Allel mit Rh-positiver Eigenschaft und eins mit Rh-negativer Eigenschaft vererbt bekommt, hat es das Rhesus-Antigen auf den Blutkörperchen. In manchen Fällen kann durch die Blutgruppe sogar ein Verwandtschaftsverhältnis aufgeklärt werden, bei dem beispielsweise eine Vaterschaft bestimmt wird.

    Betrachtet man die Verteilung der Blutgruppen in Mitteleuropa und Deutschland, fällt auf, dass die Blutgruppen A und 0 am häufigsten vorkommen. Die meisten Menschen haben Rhesus-positives Blut.

    • Platz 1: 37 Prozent der Menschen haben die Blutgruppe A+
    • Platz 2: 35 Prozent haben die Blutgruppe 0+
    • Platz 3: 9 Prozent haben die Blutgruppe B+
    • Platz 4 und 5: 6 Prozent haben die Blutgruppe A- und 0-
    • Platz 6: 4 Prozent haben die Blutgruppe AB+
    • Platz 7: 2 Prozent haben die Blutgruppe B-
    • Platz 8: 1 Prozent hat die Blutgruppe AB-

    Wie finde ich meine Blutgruppe heraus?

    Blutspender und Blutspenderinnen bekommen einen Blutspendeausweis, auf dem die eigene Blutgruppe verzeichnet ist. Blut spenden hilft anderen Menschen, die zum Beispiel durch eine Verletzung massiv  Blut verloren haben. Gleichzeitig wissen Blutspendende, welche Blutgruppe sie haben, was in einem Notfall lebensrettend sein kann. Werdende Mütter können ihre Blutgruppe in der Schwangerschaft erfahren, da sie getestet und im Mutterpass eingetragen wird.

    Eine Krankenschwester mit Gesichtsmaske betrachtet eine Blutprobe in einem Reagenzglas, während ihre Patientin sie anschaut.
    Krankenschwester steht vor Patientin und betrachtet Blutprobe in Reagenzglas

    © iStock / Andrey Shevchuk

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    Warum sollten wir unsere Blutgruppe kennen?

    Geringe Blutverluste kann unser Körper durch vermehrte Neubildung ersetzen. Größere Verluste kann der Körper jedoch nicht kompensieren. Wenn ein Mensch beispielsweise durch eine Verletzung viel Blut verliert, kann das lebensbedrohlich sein. Eine Bluttransfusion ist dann mitunter notwendig. Dabei wird gespendetes Blut, in Form von Blutkonserven, über einen venösen Zugang dem Körper des Patienten zugefügt. Es ist elementar, dass die Blutgruppen von Empfänger und Spender kompatibel sind. Wenn die Transfusion mit Blut der falschen Blutgruppe erfolgt, treffen Antigene und Antikörper aufeinander. Mit der Folge: Die Antikörper attackieren die „fremden“ roten Blutkörperchen, was ein lebensbedrohliches Risiko darstellt. Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin führt vor jeder Bluttransfusion verschiedene Tests durch, um sicher zu gehen, dass Spenderblut und Patientenblut zusammenpassen. Dabei muss die passende Blutgruppe vom Arzt oder von der Ärztin eigenhändig, per Unterschrift bestätigt werden, bevor weitere Schritte unternommen werden. In Notfällen, bei denen Laborergebnisse nicht abgewartet werden können, werden Transfusionen mit der universell verträglichen Blutgruppe 0 negativ gegeben. Dennoch kann es nützlich sein, die eigene Blutgruppe zu kennen. Menschen mit der Blutgruppe 0 negativ können sich durch dieses Wissen beispielsweise besonders zu einer Blutspende motiviert fühlen, da ihre Blutgruppe nicht nur für andere Patienten besonders begehrt ist, sondern auch die einzige ist, die sie selbst in einem Notfall vertragen.

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