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Das verrät unser Blut über uns

Ein Mensch nimmt einem anderen Menschen Blut ab.

© iStock / undefined undefined

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 25.03.2021

Eine neue Studie weist darauf hin, dass Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe schwerer an Covid-19 erkranken. Stimmt das wirklich? Welche weiteren Zusammenhänge von Gesundheit und Blutgruppen bestehen? Zwei Experten geben Antworten.

Inhalte im Überblick

    Kann die Blutgruppe Einfluss auf den Verlauf von viralen Erkrankungen haben?

    Eine neue Studie hat untersucht, ob Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe stärker an Corona erkranken als andere. „Wir sehen ein 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Menschen mit der Blutgruppe A“, sagt Professor Dr. Andre Franke vom Institut für Klinische Molekularbiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

    Der Molekularbiologe untersuchte gemeinsam mit seinen Kollegen des Universitätsklinikums Oslo den Zusammenhang zwischen dem Verlauf einer Covid-19-Erkrankung und der Blutgruppe der Betroffenen. Ergebnis: Studienteilnehmer mit Blutgruppe A litten besonders häufig unter Atemproblemen.

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    Je nach Blutgruppe sind die Menschen anfälliger für bestimmte Krankheiten

    Laut dem Deutschen Roten Kreuz haben 43 Prozent der Deutschen die Blutgruppe A. Müssen sich diese nun besonders Sorgen machen? Nein! Weitere Chromosomen, Zellbestandteile, die das Erbgut tragen, beeinflussen ebenfalls den Verlauf einer Krankheit. „Daneben gibt es auch nicht-genetische Risikofaktoren, die beachtet werden müssen“, so Professor Franke. Obwohl die Genetik eine Rolle spielt, ist sie nicht allein für Erkrankungen und deren Verlauf verantwortlich.

    Dass Erkrankungen mit unserer Blutgruppe zusammenhängen, wurde bereits mehrfach untersucht. „Bei Menschen mit den Blutgruppen A, B und AB besteht im Gegensatz zu Menschen mit der Blutgruppe 0 eine höhere Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen und Thrombose, da das Blut schneller verklumpt“, sagt Franke. Menschen mit der Blutgruppe A seien Studien zufolge auch verstärkt von Durchfall-Erkrankungen betroffen.

    Dies hängt mit Vielfachzucker zusammen, den Menschen mit der Blutgruppe A auf der Oberfläche vieler Zellen mit sich tragen. Vielfachzucker sind Kohlenhydrate, die für den Stoffwechsel unabdingbar sind und als Energieträger dienen. Keime, die zu Magen-Darm-Beschwerden führen, haften besonders gerne an diesen Zuckern.

    „Menschen mit der Blutgruppe A, B und AB haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an einer Thrombose zu erkranken.“

    Prof. Dr. Andre Franke
    Biologe und Forscher am Institut für Klinische Molekularbiologie der Christian-Albrechts-Universität Kiel

    Wissenschaftler sehen bei einer weiteren infektiösen Erkrankung eine Verbindung mit Blutmerkmalen. „Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und Malaria“, sagt Dr. Christof Weinstock, stellvertretender Vorsitzender der Sektion Immunhämatologie und Immungenetik der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.

    Menschen mit der Blutgruppe 0 sind beispielsweise weniger anfällig für Malaria als Menschen mit anderen Blutgruppen. Malaria-Parasiten docken besonders gern an einem speziellen Eiweiß an der Blutkörperchen-Oberfläche, einem Rezeptor, an. Auf diese Art kann sich der Parasit leicht Zutritt zu den Zellen verschaffen und sich dort vermehren. Viele Menschen, die selbst oder deren Verwandte aus afrikanischen Gebieten stammen, fehlt allerdings dieses eine Blutgruppenmerkmal, das eine Malaria-Infektion begünstigt. Sprich: Sie sind oftmals genetisch bedingt geschützt.

    Warum Schwangere besonders untersucht werden müssen

    Neben dem AB0-System ist das Rhesus-System die zweitwichtigste Einstufung für Blutgruppen. Etwa 80 Prozent der rhesus-negativen Menschen bilden Antikörper gegen den rhesus-positiven Faktor, wenn sie mit ihm in Kontakt kommen. Das kann während einer Schwangerschaft problematisch werden, wenn die Frau rhesus-negativ ist. Ist nämlich das Baby rhesus-positiv und kommt es zum Blutaustausch zwischen Mutter und Kind – etwa während der Geburt –, bildet die Frau Antikörper.

    Das ist beim ersten Kind kein Problem – bei einer weiteren Schwangerschaft schon. Denn die bereits vor der Geburt in großen Mengen vorhandenen Antikörper der Mutter können die Plazentaschranke überwinden und die roten Blutkörperchen des Fötus zerstören. „Deswegen wurde eine Rhesusprophylaxe eingeführt. Wenn eine werdende Mutter rhesus-negativ ist, bekommt sie in der 28. Woche den Antikörper gespritzt“, erklärt Dr. Weinstock. Dies wirkt ähnlich wie eine Desensibilisierung: Das Immunsystem der Mutter „schläft“ weiter und bildet keine Antikörper.

    Schwangere Frau bekommt einen Bluttest.

    © iStock / lostinbids

    Was hat es mit der Blutgruppendiät auf sich?

    Nehmen wir mal an, man könnte ganz einfach abnehmen und sich so richtig wohl in seiner Haut fühlen, wenn man seine Blutgruppe kennt – das wäre ein Traum. Und in der Theorie des amerikanischen Naturheilkundlers Peter D’Adamo bedeutet das Folgendes: Menschen mit der Blutgruppe 0 sollten alle Milchprodukte meiden, Menschen der Blutgruppe A sollten sich am besten vegan ernähren.

    Die Blutgruppe B verträgt Milcherzeugnisse und Eier am besten, und jene mit Blutgruppe AB haben angeblich richtig Glück – sie vertragen alles! Doch die Diät erntet viel Kritik. „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass D’Adamos Thesen stimmen“, so Dr. Weinstock. So viel man auch in unserem Blut lesen kann – welche Ernährung wir vertragen, gehört wohl leider nicht dazu.

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