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Haut & Allergie

Gesunde Füße mit der richtigen Fußpflege zu Hause

Veröffentlicht am:13.04.2022

6 Minuten Lesedauer

Die Füße reagieren empfindlich auf äußere Einflüsse. Doch die richtige Fußpflege beugt Hornhautrissen und Nagelbettentzündungen vor. Mit welchen Tipps die Fußpflege zu Hause ganz einfach gelingt und wann eine medizinische Fußpflege sinnvoll ist.

Eine Person sitzt auf einem Stuhl und cremt sich die Füße ein, um sie zu pflegen.

© iStock / AndreyPopov

Inhalte im Überblick

    Porträt von Senta Kammhöfer, Podologin und Inhaberin der Podologie Eckermann in Oberhausen.

    © Senta Kammhöfer

    Senta Kammhöfer ist Podologin und Inhaberin der Podologie Eckermann in Oberhausen. Sie verrät im Interview, was Füße im Alltag stresst und wie wir uns mit einfachen Tipps zu Hause um unsere Füße kümmern können.

    Was stresst Füße im Alltag am meisten?

    Es gibt vieles, was Füße im Alltag stresst. Dazu zählt beispielsweise unpassendes Schuhwerk. Wenn Schuhe nicht richtig sitzen, können sie zu schmerzhaften Druckstellen oder sogar Wunden führen. Das ist besonders bei Diabetikern der Fall – durch den hohen Blutzucker verlieren sie oft aufgrund einer Nervenschädigung das Schmerzempfinden in den Füßen, sie spüren also gar nicht, wenn der Schuh drückt. Generell rate ich all meinen Kunden dazu, die Füße zweimal im Jahr zu messen – schließlich verändert sich der Fuß ein Leben lang.

    Neben dem richtigen Schuh ist das Fußklima entscheidend. Trocken, atmungsaktiv und flexibel – so sieht passendes Material aus, mit dem der Fuß in Berührung kommt. Wer seine Füße täglich in Schuhe steckt, die kein gutes Fußklima ermöglichen, wie Arbeitsschuhe mit Stahlkappen oder vollsynthetische Sportschuhe, entscheidet sich in der Freizeit am besten für einen luftigen Schuh. Auch die richtige Wahl der Socken reduziert den Stress für die Füße. Optimal sind Söckchen aus 100 Prozent Baumwolle mit einem weichen Bund. Mit ihnen wirken wir nicht nur dem schmerzhaften Einschneiden der Bündchen entgegen, sondern ermöglichen dem Fuß auch eine gute Luftzirkulation.

    „Generell rate ich all meinen Kunden dazu, die Füße zweimal im Jahr zu messen – schließlich verändert sich der Fuß ein Leben lang.“

    Senta Kammhöfer
    Podologin und Inhaberin der Podologie Eckermann in Oberhausen

    Wie kann eine tägliche Pflegeroutine für die Füße aussehen?

    Die tägliche Pflegeroutine orientiert sich am besten an der Beschaffenheit der Füße. Je gestresster die Füße sind, desto mehr Zuwendung benötigen sie. Pflegebedürftige Füße erkennen Besitzer übrigens an trockenen Hautstellen oder Hornhaut.

    Folgendes Pflegeprogramm empfehle ich meinen Kunden für zu Hause:

    • Die Füße täglich mit einer milden Seife ohne chemische Zusätze säubern.
    • Vollständiges Abtrocknen nicht vergessen! Das beugt Fußpilz vor.
    • Behutsames Eincremen der Füße mit einer fetthaltigen Creme.
    • Verhornte oder dicke Haut an den Zehennägeln mit Nagelöl behandeln.

    Mit einem Waschlappen klappt die tägliche Fußpflege übrigens besonders leicht, denn so können Anwender auch die Zehenzwischenräume gründlich reinigen. Apropos Zehenzwischenräume: Hier bilden sich durch Restfeuchtigkeit gern kleine Mikrorisse, die wir mit dem bloßen Auge nicht erkennen. In diese Mikrorisse können Bakterien eindringen und Entzündungen verursachen. Deshalb ist es wichtig, die Füße vollständig, bis in jede Ecke hinein, abzutrocknen.

    Welche Vorteile hat ein Fußbad?

    Wer schon einmal in den Genuss eines Fußbads gekommen ist, weiß, wie entspannend und wohltuend das warme Wasser auf die Füße wirkt. Außerdem kurbelt ein Fußbad die Durchblutung an. Doch auch hier gibt es einige Tipps, die Anwender beherzigen können:

    • Ein Fußbad dauert optimalerweise 10 bis 15 Minuten.
    • Milde Zusätze wie handelsübliche Kernseife eignen sich als Badezusatz.
    • Für gesunde Füße bietet sich ein Fußbad ein- bis zweimal die Woche an.
    • Bei offenen Wunden am Fuß am besten zunächst Rücksprache mit dem Podologen oder Arzt halten.

    Ich bin übrigens ein ausgesprochener Fan von Kernseife – sie ist desinfizierend, fetthaltig und macht vor allem Stellen mit Hornhaut weicher. Für ein Fußbad hobeln sich Anwender einfach ein paar Stücke Kernseife mit einer groben Raspel in eine Schüssel mit heißem Wasser – so löst sich die Kernseife am besten. Fühlt sich die Flüssigkeit zwischen den Fingern seifig an, ist die Mischung perfekt. Danach füllen Anwender kaltes Wasser in die Schüssel, und zwar so lange, bis sich die Wassertemperatur angenehm anfühlt. Ich rate meinen Kunden, immer mit der Unterseite des Handgelenks die Temperatur zu prüfen, damit verbrühen sich auch Diabetiker, die unempfindlich an den Füßen sind, nicht mit zu heißem Wasser. Ein Fußbad direkt vor der podologischen Fußpflege ist übrigens keine gute Idee – die aufgeweichte Haut erschwert die professionelle Behandlung, zum Beispiel die Nagelpflege.

    Brauchen stark belastete Füße eine andere Pflege?

    Definitiv, denn Füße, die rau, trocken oder vielleicht sogar rissig sind, stellen die Pflege vor eine besondere Herausforderung. Menschen mit sehr belasteten Füßen machen am besten anstatt zweimal die Woche drei- bis viermal die Woche ein Fußbad. Auch hier ist regelmäßiges Eincremen nach jeder Fußreinigung wichtig. So erhalten die Füße Feuchtigkeit und bleiben geschmeidig – das wiederum beugt schmerzhaften Rissen und Fußentzündungen vor. Stressgeplagte Füße freuen sich auch über eine wöchentliche Hornhautentfernung.

    Brauche ich spezielle Pflegeprodukte für die Füße?

    Meiner Meinung nach brauchen Menschen, die Fußpflege selber machen möchten, keine speziellen Produkte. Das Eincremen der Füße ist das A und O, das geht auch mit fettreicher Creme wie gewöhnlicher Bodylotion. Viel Feuchtigkeit spendet beispielsweise sogenannte Körperbutter, die Drogerien anbieten. Bei besonders empfindlicher Haut oder Allergien lohnt sich aber eben doch ein Besuch beim Hautarzt oder in der Apotheke. Mitarbeiter können hier spezielle Produkte empfehlen. Der Anteil an Urea (Harnstoff) sollte in einer Creme übrigens 15 Prozent nicht überschreiten, ansonsten können sich die Hautschichten am Fuß lösen.

    „Das Eincremen der Füße ist das A und O, das geht auch mit fettreicher Creme wie gewöhnlicher Bodylotion.“

    Senta Kammhöfer
    Podologin und Inhaberin der Podologie Eckermann in Oberhausen

    Wie entferne ich Hornhaut richtig?

    Ich empfehle, die Hornhaut im Anschluss an ein Fußbad ein Stück weit abzutragen. Was wir häufig vergessen, ist, dass die Hornhaut eine wichtige Schutzwirkung hat. Deshalb entfernen Anwender am besten nur so viel, wie es dem Fuß guttut. Wer Rötungen oder eine Schmerzempfindlichkeit bemerkt, hat in der Regel zu viel entfernt. Wir Podologen tragen beispielsweise die Hornhaut nur Schicht für Schicht ab. Eine Behandlung dauert dann zwar einige Wochen bis zum Wunschergebnis, die Kunden verspüren aber so keine Schmerzen durch eine zu dünne Hornhautlage. Das beste Handwerkszeug für die Hornhautentfernung zu Hause ist übrigens ein Bimsstein oder eine Feile mit einer sanften und groben Seite.

    Von Hornhautraspeln oder sonstigen aggressiven Instrumenten rate ich aufgrund der Verletzungsgefahr ab. Podologen nutzen zwar durchaus für die Hornhautentfernung Skalpelle und andere Instrumente, die Experten sind aber sehr geübt im Umgang damit. Wir haben viele Kunden, die uns davon berichten, dass sie die Hornhaut täglich abtragen. Die alte Binsenweisheit „Viel hilft viel“ ist hier aber ein Trugschluss. Wer mehrmals wöchentlich Hornhaut entfernt, bei dem wächst sie nur noch mehr nach. Eine Entfernung einmal die Woche reicht völlig aus.

    Eine Person entfernt mit einem Bimsstein Hornhaut an der Unterseite des Fußes nach einem Fußbad.

    © iStock / Evgen_Prozhyrko

    Nach einem Fußbad lässt sich Hornhaut besonders gut abtragen. Gehen Sie dabei aber vorsichtig vor und tragen Sie nicht zu viel Hornhaut ab, denn sie ist ein wichtiger Schutzmantel der Füße.

    Wie werde ich Hühneraugen los?

    Hühneraugen sind eine spezielle Form von Hornhaut. Sie entstehen durch Druck und Reibung auf knochennaher Haut, vor allem, wenn Schuhe drücken. Zwar existieren zahlreiche Mittelchen für zu Hause wie Tinkturen oder Pflaster, wir haben in unserer Praxis aber die Erfahrung gemacht, dass sie das eigentliche Problem nicht lösen. Die Tinkturen machen die Haut um das Hühnerauge weicher, den Kern entfernen sie aber häufig nicht. Menschen mit einem Hühnerauge wenden sich daher am besten an einen Podologen, er behandelt die schmerzhafte Stelle meist in nur einer einzigen Sitzung.

    Wie kümmere ich mich am besten um meine Fußnägel?

    Das ist eine sehr wichtige Frage, denn hier kursieren noch viele Irrtümer. Um eingewachsenen Nägeln und Entzündungen vorzubeugen, schneiden Anwender die Fußnägel gerade ab. Auch wenn eine abgerundete Form manchen Menschen besser gefällt, ist sie aus medizinischer Sicht nicht empfehlenswert. Zu einem gesunden Fuß gehört übrigens ein ausreichend großer Zehennagel, der das gesamte Fußbett ausfüllt. Zu kurz geratene Fußnägel begünstigen Entzündungen und sind obendrein sehr schmerzhaft. Die Nagelhaut, die sich rund um den Fußnagel befindet, belassen wir Podologen so, wie sie ist. Wer die Nagelhaut häufig einkürzt, bemerkt nämlich, dass sie umso stärker nachwächst oder sogar verhornt. Zurückschieben mit einem Holzspatel ist also okay, Abschneiden eher nicht.

    Wann sollte ich die medizinische Fußpflege in Anspruch nehmen?

    Die Krankenkasse übernimmt die medizinische Fußpflege bei krankhaften Veränderungen der Füße bei Diabetikern oder Menschen mit Neuropathie (Erkrankungen des peripheren Nervensystems) oder einem Querschnittsyndrom, also einer Schädigung des Rückenmarks. Neben diesen Personengruppen profitieren alle Menschen von einer podologischen Behandlung, die sich nicht mehr selbst um ihre Füße kümmern können. Zum Beispiel, weil sie nicht mehr richtig sehen oder bewegungseingeschränkt sind. Viele Menschen glauben, dass eine Podologiepraxis nur bei medizinischen Problemen der richtige Ansprechpartner ist. Einige Menschen möchten sich und ihren Füßen aber gerne etwas gönnen, auch dafür sind Podologen da.


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