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Epilepsie – wenn das Gehirn vorübergehend im Ausnahmezustand ist

Eine Frau liegt mit einem epileptischen Anfall auf dem Boden

© iStock / Tunatura

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 02.07.2021

Unter dem Namen Epilepsie sind eine Reihe verschiedener Erkrankungen zusammengefasst, bei denen wiederholt epileptische Anfälle auftreten. Dabei können die Krampfanfälle sehr unterschiedlich auftreten. Wie Sie den Betroffenen am besten Erste Hilfe leisten können, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was ist Epilepsie?

    Epilepsien sind die häufigsten Krankheiten des Gehirns, rund 600.000 Menschen in Deutschland leiden daran. Besonders häufig tritt die Erkrankung in den ersten fünf Lebensjahren und ab dem 60. Lebensjahr auf.

    Die eine Krankheit Epilepsie gibt es nicht: Es sind vielmehr verschiedene Erkrankungen, denen gemeinsam ist, dass wiederholt epileptische Anfälle auftreten. Dabei handelt es sich um Funktionsstörungen des Gehirns, die durch eine vorübergehende gleichzeitige Entladung größerer Verbände von Nervenzellen des Gehirns verursacht werden. Dadurch ist die Kommunikation der Nervenzellen untereinander beeinträchtigt und es kommt zu Störungen der Sprache, Bewegung oder Bewusstsein.

    Bis zu 10 von 100 Menschen haben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Das bedeutet noch nicht, dass sie tatsächlich an Epilepsie leiden – denn Anfälle können auch nicht-epileptisch sein. So kommt es zum Beispiel bei etwa drei Prozent der Kleinkinder zu sogenannten Fieberkrämpfen. Sie können mehrmals im Jahr auftreten.

    Von Epilepsie sprechen Ärztinnen und Ärzte erst dann, wenn entweder mindestens zwei spontane Anfälle aufgetreten sind oder das Risiko eines weiteren Anfalls nach dem ersten als sehr hoch eingestuft wird. Dies kann beispielsweise bei Auffälligkeiten im Elektroenzephalogramm (EEG) oder Kernspintomogramm (MRT) der Fall sein.

    Epilepsien können in jedem Alter auftreten und die Anfälle unterschiedlich aussehen. In der Regel dauert ein epileptischer Anfall nur wenigen Minuten und hört von selbst wieder auf.

    Wie kann man bei einem epileptischen Anfall Erste Hilfe leisten?

    Je nachdem welche Gehirnregionen betroffen sind, sieht jeder epileptische Anfall anders aus. Je nach Ausmaß können Anfälle viel Verunsicherung auslösen – bei den Betroffenen aber auch den Mitmenschen. Mit diesen einfachen Verhaltensregeln, je nach Ausmaß und Situation, können Sie die Betroffenen bestmöglich unterstützen und Erste Hilfe leisten.

    Eine Person leistet erste Hilfe nach einem epileptischen Anfall und fühlt nach dem Puls am Handgelenk
    Epilepsie – Erste Hilfe nach einem epileptischen Anfall

    Kleinere Anfälle mit und ohne Bewusstsseinsverlust

    Bei kleineren Anfällen ohne Bewusstseinsverlust können Betroffene den Anfall im Nachhinein meist beschreiben, sie erleben ihn bewusst mit – Außenstehende nehmen den Anfall mitunter gar nicht wahr. Es kann jedoch dabei auch zu Muskelzucken in bestimmten Bereichen kommen, zum Bespiel in einer Gesichtshälfte oder in einer Hand. Betroffene können unter einer veränderten Sinneswahrnehmung und auch Schwindelgefühl leiden.

    Erste Hilfe

    Was kann man tun?

    Solch kleinere Anfällen sind in der Regel nicht gefährlich – Betroffene können danach jedoch verwirrt und benommen sein. Hier ist es wichtig, Hilfe anzubieten und ihnen beizustehen, um das Gefühl von Sicherheit wieder aufzubauen.

    Es gibt auch Anfallsformen, bei denen das Bewusstsein beeinträchtigt ist – es reicht von schwacher Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Betroffene wirken mitunter verwirrt und orientierungslos. Meist fällt ein solcher Krampfanfall durch auffälliges Verhalten auf – durch Muskelzuckungen, automatisch ablaufende Bewegungsabläufe wie Kau- und Essbewegungen (Schmatzen, Kauen), mechanisches Öffnen und Schließen der Hände und Scharren der Füße. Auch können die Personen plötzlich die Muskelspannung verlieren und infolgedessen stürzen.

    Erste Hilfe

    Was kann man tun?

    Hier ist es wichtig, die Betroffenen vor einer Gefahrensituation zu schützen. Verhindern Sie zum Beispiel, dass die betroffene Person auf die Straße läuft. Bleiben Sie ruhig, reagieren sie nicht zu hektisch und versuchen Sie, die Person nicht zu grob anzufassen. Das könnte zu unerwarteten Reaktionen führen. Vermitteln Sie Sicherheit und Halt. Es hilft schon, wenn Sie einfach da sind und den Anfall mit durchstehen. Auch nach dem Anfall ist Unterstützung und Nähe hilfreich für die Betroffenen.

    Größere Anfälle mit Krämpfen und Zuckungen

    Bei größeren Anfällen kann der gesamte Körper verkrampfen. Die betroffenen Personen stürzen dabei häufig, beißen sich auf die Zunge oder verlieren die Kontrolle über die Blase. Nach einem größerem Anfall sind die Betroffenen meist verwirrt. Das ist eine Phase, in der sie sich nicht gut orientieren können.

    Erste Hilfe

    Wenn eine Person auf dem Boden liegt, sich zuckend und unkoordiniert bewegt und nicht ansprechbar ist, können Sie diese einfachen Dinge tun, um Erste Hilfe zu leisten:

    • Am wichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren.
    • Den Kopf schützen, zum Beispiel mit einem Kleidungsstück unter dem Kopf, damit die Person sich nicht selbst verletzt.
    • Für eine sichere Umgebung sorgen – alle Gegenstände aus dem unmittelbaren Umfeld entfernen.
    • Den Menschen nicht festhalten. Damit steigt nur das Risiko, das die krampfende Person sich oder die Helfenden verletzt.
    • Nichts in den Mund stecken. 
    • Bei der Person mit dem epileptischen Anfall bleiben – erstmal nicht weggehen, um Hilfe zu holen.
    • Auf die Uhr schauen: Die meisten Anfälle dauern ein bis zwei Minuten und hören von allein auf.
    • Hält der Anfall länger an oder wenn die Person wiederholt krampft: 112 anrufen.
    • Auch nach dem Anfall bei der Person bleiben. Es kann sein, dass sie desorientiert ist.
    • Falls die Person direkt nach dem Anfall einschläft: in die stabile Seitenlage bringen.
    • Dem Betroffenen nach Möglichkeit mit einer Decke oder ähnlichem zudecken, um ihn vor neugierigen Blicken zu schützen.

    Bei allen Anfallsformen ist es hilfreich, als Außenstehender Informationen zu sammeln und zu sortieren:

    • Ist eine Epilepsie bekannt? Dann ist oft keine akute Klinikbehandlung notwendig und der Betroffene weiß selbst Bescheid, wie mit dem erneuten Krampfanfall umzugehen ist.
    • Wenn keine Epilespie bekannt und oder wenn keine Information verfügbar ist, trotzdem die 112 anrufen. Als Laie kann man nicht einschätzen, was als nächstes zu tun ist.

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    Unser Youtube-Video „Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall“ veranschaulicht diese Maßnahmen. Wer regelmäßig in Kontakt mit Menschen kommt, die an Epilepsie leiden, für den sind diese Tipps besonders hilfreich.

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