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Wieder ein Liebespaar werden: Wie Sie das „Empty-Nest-Syndrom“ überwinden

Ein älteres Paar hat das Empty Nest Syndrom überwunden und genießt die gemeinsame Zeit auf der Couch.

© iStock / Creative House

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 12.05.2021

Wenn die Kinder ausgezogen sind, kann es zuhause plötzlich ganz schön still werden. Diese Phase wird in der Psychologie als sogenanntes „Empty Nest“ bezeichnet. Die Partnerschaft vieler Eltern wird durch diesen neuen Abschnitt auf die Probe gestellt. Viele bisherigen alltäglichen Aufgaben und Verpflichtungen fallen weg. Wie Eltern sich in dieser Zeit neu (wieder-)finden können und warum die Leere im Haus für die Beziehung eine große Chance darstellen kann.

Inhalte im Überblick

    Ist das „Empty-Nest-Syndrom“ eine Diagnose?

    Der englische Begriff „Empty Nest“ bedeutet „leeres Nest“ und meint die Phase, in der Kinder „flügge“ werden und aus dem elterlichen Zuhause ausziehen. Das „Empty-Nest-Syndrom“ wurde in den 1970er Jahren von der Pharmaindustrie in den USA erfunden. Damals hat man sich vor allem mit den negativen Auswirkungen des „Verlassenwerdens“ auf die Mütter befasst. Psychopharmaka und Antidepressiva sollten den noch relativ jungen Müttern, die meist keine Berufsausbildung hatten, aus ihrer Identitätskrise nach dem Auszug des letzten Kindes heraushelfen. Die Tabletten sollten Symptome wie Depressionen und Schlafstörungen bekämpfen.

    Derart negative Auswirkungen auf Mütter lassen sich aber nicht nachweisen. Weil Eltern nicht krank vor Kummer werden, ist das „Empty-Nest-Syndrom“ keine eigene Diagnose. In medizinischer Fachsprache wird es als „Anpassungsproblem an die Übergangsphasen im Lebenszyklus“ beschrieben. 

    Man weiß inzwischen: Die Trauerphasen nach dem Auszug sind zeitlich begrenzt und sollten auf keinen Fall dramatisiert werden. Eine Trennung im eigentlichen Sinne findet ja auch nicht statt, es ist mehr ein Abschied von der Selbstverständlichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen. Dennoch ist der Auszug ein großer struktureller Einschnitt in der Familie, der Eltern stark beschäftigen kann.

    Im Gegensatz zu den Vogeleltern, deren Nest als Metapher dient, ist für die Menscheneltern klar: Sie bauen nächstes Jahr kein neues Nest und ziehen erneut Nachwuchs groß. Sie sind nun wieder auf ihre Zweierbeziehung zurückgeworfen und müssen mit der Lücke, die durch den Auszug der Kinder entstanden ist, umgehen lernen.

    Gleichzeitig bietet sich Ihnen eine große Chance, sich als Paar neu zu finden und gemeinsam neue Aktivitäten zu entdecken.

    Beginnt das „Empty-Nest-Syndrom“ immer mit dem Auszug?

    Das „Empty Nest-Syndrom“ muss nicht abrupt eintreten, es kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Kinder machen ein Auslandsjahr oder kommen während des Studiums nur am Wochenende oder in den Semesterferien nach Hause. Eltern mit zwei oder mehreren Kindern haben die Situation bereits erlebt, bevor schließlich das letzte Kind auszieht. Deswegen verwenden Experten auch die Begriffe „Pre-Empty-Nest“, „Partial-Nest“ und „Post-Empty-Nest“.

    Wenn in den Phasen vor dem „Post-Empty-Nest“ schon eine Ablösung stattfindet, ist das hilfreich für die Eltern. Je öfter die räumliche Trennung geprobt wurde, desto leichter fällt schließlich der endgültige Auszug.

    Ein älteres Paar hat das Empty Nest Syndrom überwunden und tanzt in der Küche.

    © iStock / FG Trade

    Welche Auswirkungen kann das „Empty Nest“ auf Eltern haben?

    Die Gefühlslage ist meist zwiespältig

    Ein Elternteil, das mehr mit der Kinderbetreuung befasst war, erlebt den Auszug der Kinder oft intensiver. Meist sind es gemischte Gefühle, die auftreten: Der Trennungsschmerz tut weh, die Entlastung bereitet aber auch Freude.

    Wer beruflich eingespannt war, leidet kürzer

    Ein Elternteil, das in der aktiven Elternzeit beruflich tätig war und gleichzeitig hauptsächlich die Kinder betreut hat, kann meist besser mit dem Auszug der Kinder umgehen. Die Phase der Trauer ist dann meist kürzer und weniger ausgeprägt als bei Elternteilen, die sich hauptberuflich zu Hause um die Kinder gekümmert haben. Diese können einen größeren Identitätsverlust erleben und an sich selbst und der Zukunft zweifeln. Das „Empty Nest“ ist aber nur der Auslöser und nicht der Verursacher dieser Gefühle.

    Die verpasste Zeit wird eventuell bereut

    Ein Elternteil, das beruflich mehr eingespannt war und sich weniger um die Betreuung der Kinder kümmern konnte, leidet womöglich anders unter der Nestflucht der Kinder. Mit dem Auszug kann das Gefühl aufkommen, die Chance am Leben der Kinder mehr teilzuhaben, verpasst zu haben.

    Was passiert mit einer Ehe oder Partnerschaft, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

    An Statistiken lässt sich ablesen, dass Ehen nach dem Auszug der Kinder besonders häufig geschieden werden. Eine Studie der Universität Heidelberg zeigt: Der Eintritt in die „Empty Nest“-Phase erhöht das Trennungsrisiko der Eltern. Im Vergleich zu Paaren, deren Kinder noch nicht ausgezogen sind, ist dieses Risiko dauerhaft erhöht.

    Die Forscher vermuten, dass Kinder auf die Beziehungsstabilität der Eltern einen positiven Einfluss haben, der aber mit zunehmendem Alter der Kinder abnimmt.

    Durch den Auszug fallen schließlich gemeinsame Verpflichtungen und Aufgaben weg, die eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Eltern hergestellt hatten. Gab es schon vorher Schwierigkeiten, wurde die Trennung eventuell der Kinder zuliebe aufgeschoben. Außerdem kann etwas verloren gehen, das die Forscher „ehespezifisches Kapital“ nennen. Das Familienleben hatte eine Befriedigung mit sich gebracht und so den Nutzen aus der Ehe gesteigert.

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    Wie Sie als Paar das „Empty-Nest“ überwinden und davon sogar profitieren können

    Der Auszug der Kinder kann aber auch positiv für eine Paarbeziehung sein. Werden anfängliche Spannungen überwunden und ein neuer gemeinsamer Rhythmus gefunden, erwartet Eltern eine wunderbare Zeit. Endlich können sie sich mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse konzentrieren und ihre Liebesbeziehung wieder mehr genießen.

    Diese Tipps können Ihnen als Paar helfen, Ihre Beziehung neu zu definieren und im „Empty Nest“ wieder näher zueinander zu finden:

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