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EHEC: Gefahr aus Lebensmitteln – was steckt hinter den Bakterien?

Veröffentlicht am:20.03.2026

6 Minuten Lesedauer

Durchfall und Bauchschmerzen sind meist harmlos. Doch hinter manchen Infektionen stecken EHEC-Bakterien, die schwere Verläufe auslösen können. Eine gute Hygiene in der Küche und richtiges Erhitzen von Lebensmitteln senken das Risiko deutlich.

Ein Mann steht auf der Weide mit Kühen und schüttet Milch von einer kleinen in eine große Kanne.

© iStock / SimonSkafar

Was ist eine EHEC-Infektion?

EHEC (E. coli) sind krankmachende Bakterien aus der Gruppe der Escherichia coli. Die stäbchenförmigen Bakterien bilden bestimmte Giftstoffe. Diese Gifte, etwa Shigatoxine, können eine Darmentzündung verursachen.

E.-coli-Bakterien gehören zur normalen Darmflora des Menschen und erfüllen dort wichtige Aufgaben, etwa zur Abwehr von Krankheitserregern oder zur Verdauung von Nährstoffen. Einige Stämme, wie das EHEC, unterscheiden sich aber von diesen harmlosen Varianten. Sie besitzen Eigenschaften, mit denen sie Zellen schädigen können.

Ob eine EHEC-Infektion auch zu Beschwerden führt, ist unterschiedlich. In vielen Fällen bleibt die Infektion mild, manchmal auch unbemerkt. Ein Teil der Infizierten entwickelt jedoch ausgeprägte Symptome wie blutigen Durchfall und starke Bauchschmerzen.

Wie steckt man sich mit EHEC an?

EHEC-Bakterien leben natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen oder Ziegen und werden über den Kot ausgeschieden. Eine Ansteckung erfolgt meist über den Mund, etwa über verunreinigtes Fleisch oder Milchprodukte, verkeimtes Wasser, mit Fäkalien gedüngtes Gemüse oder über eine Schmierinfektion beim direkten Kontakt mit infizierten Menschen oder Tieren.

Jüngere Kinder stecken sich wahrscheinlich überwiegend beim Kontakt mit Tieren mit EHEC-Bakterien an, eine Infektion ist auch über Sandkästen oder mit Kot verunreinigte Gewässer möglich. Bei älteren Kindern und Erwachsenen spielt der Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, wie unzureichend erhitztem Fleisch und Rohmilchprodukten, eine große Rolle. Schon kleine Keimmengen genügen für eine Infektion.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen einer EHEC-Infektion, beträgt meist drei bis vier, manchmal bis zu zehn Tage. EHEC können zudem über längere Zeit ausgeschieden werden, selbst wenn Betroffene keine Beschwerden zeigen. Deshalb ist die Übertragung auf andere Menschen über mehrere Wochen möglich.

Was sind die Symptome von EHEC?

EHEC-Infektionen können unbemerkt verlaufen. Wer doch EHEC-Symptome besitzt, leidet meist unter wässrigem Durchfall, begleitet von Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen, Fieber tritt nur selten auf.

In etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle nimmt die EHEC-Infektion einen schweren Verlauf, Erkrankte entwickeln dabei eine Entzündung des Dickdarms. Das führt zu krampfartigen Bauchschmerzen, blutigem Stuhl und gelegentlich zu Fieber.

Eine ernste Komplikation einer EHEC-Infektion ist das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), an dem besonders Kinder schwer erkranken. Es zeigt sich durch die Zerstörung roter Blutkörperchen, eine verringerte Anzahl an Blutplättchen und Nierenfunktionsstörungen. Langfristige Schäden wie Bluthochdruck oder eine eingeschränkte Nierenfunktion sind möglich.

Warum ist EHEC so gefährlich für bestimmte Personengruppen?

Für Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem kann eine EHEC-Infektion besonders bedrohlich sein, weil sie anfälliger für schwere Verläufe sind. Kinder unter fünf Jahren entwickeln etwa häufiger blutigen Durchfall oder das HUS. Erwachsene unter 60 erkranken meist leichter.

Doch ist EHEC auch für Schwangere gefährlich? Schwangere gehören allgemein zu den besonders schützenswerten Gruppen. Mediziner und Medizinerinnen empfehlen ihnen deshalb, sich an Hygieneregeln und Ernährungsempfehlungen zu halten.

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Wie lange ist man krank bei EHEC?

Die meisten Menschen, die sich mit EHEC infizieren, erholen sich innerhalb von etwa zehn Tagen. Bei milden Verläufen bleiben die Symptome wie wässriger Durchfall, Übelkeit oder leichte Bauchschmerzen nur wenige Tage. Nur ein kleiner Teil entwickelt schwerere Komplikationen wie blutigen Durchfall oder ein HUS.

Ist EHEC meldepflichtig?

Bei EHEC und dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) besteht eine Meldepflicht: Verdachtsfälle, bestätigte Erkrankungen und Todesfälle müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Auch der Nachweis von EHEC, sofern er auf eine akute Infektion hinweist, ist namentlich zu melden. Die Meldung muss spätestens 24 Stunden nach Bekanntwerden erfolgen.

Wie wird eine EHEC-Infektion behandelt?

Eine direkte Behandlung der EHEC-Infektion mit Antibiotika ist nicht sinnvoll. Sie verstärkt die Freisetzung der Giftstoffe (Shigatoxine) und kann den Krankheitsverlauf verschlimmern. Deshalb konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome und den Ausgleich von Flüssigkeit sowie Elektrolyten.

Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust helfen orale Elektrolytlösungen oder Infusionen, um den Körper bei einer EHEC-Infektion wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Patienten und Patientinnen sollten keine Arzneimittel gegen Durchfall einnehmen, da sie die Ausscheidung der Bakterien unter Umständen hinauszögern. Bei schweren Verläufen von Nierenversagen kann eine Dialyse notwendig sein.

Wichtig ist außerdem, EHEC-Erkrankte räumlich von anderen Menschen zu trennen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. In besonders schweren Fällen können die Giftstoffe der Bakterien aus dem Blut gewaschen oder ein experimenteller Ansatz von Antikörpern beim HUS angewendet werden – das sind aber Ausnahmen.

Bei Langzeitausscheidern, bei denen im Stuhl weiter krankmachende Bakterien nachgewiesen werden, obwohl die Symptome längst abgeklungen sind, kann eine Antibiotika-Therapie indiziert sein – aber auch das ist eine Ausnahme.

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In welchen Lebensmitteln können sich EHEC-Bakterien befinden?

EHEC-Bakterien können von Nutztieren in Lebensmittel gelangen – zum Beispiel beim Schlachten, Melken oder der Fleisch- und Milchverarbeitung. Besonders riskant sind Rohmilch, Rohmilchkäse, Hackfleisch oder streichfähige Rohwürste. Auch Obst und Gemüse können durch verunreinigtes Wasser oder Tierkot betroffen sein.

Manchmal schleusen sich die EHEC-Bakterien in das Innere von Pflanzen, etwa in Salat oder Spinat, ein. Wer solche Lebensmittel roh verzehrt, kann sich theoretisch infizieren. Ausbrüche wurden in der Vergangenheit durch rohen Apfelsaft, Sprossen oder frische Blattgemüse verursacht.

Bei welcher Temperatur sterben EHEC-Bakterien ab?

EHEC-Bakterien sterben bei Hitze ab: Dafür müssen die Lebensmittel im Kern für mindestens zwei Minuten auf 70 Grad erhitzt werden. Tiefgefrieren oder Salz schadet ihnen hingegen kaum. Auch Magensäure kann das Bakterium nicht zerstören. Mit ausreichend Hygiene verhindern Menschen, dass Keime durch Hände, Messer oder Oberflächen auf andere Speisen gelangen.

Tipps: Wie kann man EHEC-Infektionen vermeiden?

  • Waschen Sie Ihre Hände zum Schutz vor EHEC nach dem Toilettenbesuch, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Mahlzeiten.
  • Beaufsichtigen Sie Ihr Kind beim Kontakt mit Tieren oder Erde, Ihr Nachwuchs sollte die Finger möglichst nicht in den Mund nehmen.
  • Achten Sie darauf, dass nach jedem Tier- und Erdkontakt die Hände sorgfältig gereinigt werden – mit Wasser und Seife.
  • Zur Vorbeugung von EHEC-Infektionen sollten Menschen mit schwacher Abwehr, Kleinkinder, Senioren und Seniorinnen oder Schwangere Rohmilchprodukte, Rohwürste sowie rohe Sprossen grundsätzlich nur nach dem Erhitzen essen.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät außerdem dazu, Speisen und Getränke nicht direkt in Tierställen zu verzehren.
Ein Junge spült einen Apfel unter fließendem Wasser ab, ein Erwachsener steht lächelnd daneben.

© iStock / Petko Ninov

Frisches Obst und Gemüse sollte vor dem Verzehr immer abgespült werden, das reduziert das Risiko von EHEC-Infektionen.

Was kann man beim Zubereiten von Lebensmitteln beachten?

  • Lagern Sie rohes Fleisch, Rohmilch oder Rohwürste getrennt von anderen Lebensmitteln im Kühlschrank.
  • Erhitzen Sie Fleisch für mindestens 10 Minuten auf 70 Grad und kochen Sie Rohmilch immer ab.
  • Verwenden Sie separate Schneidebretter sowie Messer für rohe Fleischprodukte und reinigen Sie diese danach gründlich – das senkt die Infektionsgefahr bei EHEC.
  • Waschen oder schälen Sie Obst und Gemüse zur Vorbeugung von EHEC-Infektionen, bevor sie auf den Teller kommen.
  • Lassen Sie Sprossen nicht in zu warmer Umgebung keimen (maximal Zimmertemperatur) und lagern Sie diese im Kühlschrank. Vor dem Essen sollten die Sprossen gründlich abgespült oder erhitzt werden.
Fachlich geprüft
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