AOK Bremen/Bremerhaven

Lichttherapie für zu Hause

Veröffentlicht am:12.01.2026

5 Minuten Lesedauer

Die Behandlung von chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte sowie Hand- und Fußekzemen einfacher machen: Das war das Ziel eines Bremer Start-up-Unternehmens. „Skinuvita“ heißt die Anwendung, die auf der bewährten Phototherapie mit gezielten Lichtwellen beruht. Neu ist ein alltagsfreundlicher Ort für die Behandlung: Sie muss jetzt nicht mehr in Arztpraxen erfolgen, sondern kann zu Hause genutzt werden – und der Arzt ist digital immer dabei.

© Philipp Eigner

Firmengründer Jan Elsner leidet seit fast 30 Jahren an Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt. Bei dieser Autoimmunerkrankung erneuern sich Hautzellen rasant. In einem akuten Schub bilden sich dicke, stark juckende Plaques. Es ist das typische Bild der Schuppenflechte. „Die Haut reißt ein, wenn man die Finger bewegt. Das ist kein Spaß“, sagt der 33-Jährige. Hinzu komme die psychische Belastung. Während eines Schubes etwa nur in einem T-Shirt herumzulaufen, koste viel Überwindung. Schließlich sind ihm die Blicke Umstehender dann gewiss. Er spürt sie auch, wenn er in einer Straßenbahn an eine Haltestange greift. „Manche denken irrtümlich, es sei ansteckend. Sie wissen es halt nicht besser und haben daher Berührungsängste.“

Schuppenflechte ist nicht heilbar

Auch für Lynn Grünhagen war es nicht leicht, als sie vor einem Jahr zum ersten Mal einen Schub erlebte. Es war Sommer, als sich ihre Symptome das erste Mal äußerten. Besonders betroffen waren ihre Beine und Füße. „Wir waren an einem See und ich habe meine Füße die ganze Zeit im Sand vergraben. Ich fand es selbst schrecklich.“ In ihrem Fall dauerte es Wochen, bis sie die Diagnose erhielt. In Erinnerung geblieben sind ihr die gutgemeinten Ratschläge, die sie bis dahin erhielt: „Die einen meinten, ich müsse weniger duschen. Andere sagten, ich müsse mehr duschen oder eben die richtige Creme benutzen.“ Heute arbeitet die Medienwissenschaftlerin bei Skinuvita. Über Social Media und den Online-Auftritt des Unternehmens klärt sie dort über chronische Hautkrankheiten wie die Schuppenflechte auf, um Betroffenen die Gewissheit zu geben, die sie selbst nicht hatte und anderen die Berührungsängste zu nehmen. Denn Schuppenflechte ist nicht ansteckend, aber auch nicht heilbar und kann Begleiterkrankungen wie die Psoriasis-Arthritis mit sich bringen, eine entzündliche Gelenkerkrankung.

Bei Lynn Grünhagen haben Salben schnell angeschlagen und geholfen, die entzündete Haut zu beruhigen. In ganz schlimmen Fällen verordnen Mediziner Medikamente, die das gesamte Immunsystem herunterfahren. „Die sind teuer und haben ein hohes Risiko von Nebenwirkungen“, sagt Jan Elsner. Doch es gibt noch etwas dazwischen, was ihm gut geholfen hat: die UVB-Lichttherapie. Dabei werden die betreffenden Körperstellen mit UVB-Licht mit einer Wellenlänge von 311 Nanometern bestrahlt. Das Licht, laut Elsner „gesunde Frequenzen aus dem natürlichen Sonnenlicht“ unterdrückt die überaktive Immunreaktion der Haut und lindert Rötungen, Juckreiz, Schuppenbildung und rissige Haut. „Nach der Therapie bin ich in der Regel ein Jahr symptomfrei“, erzählt Elsner.

Viele Termine bei der Lichttherapie

Und trotzdem hat der Bremer die Therapie nicht nur positiv in Erinnerung. „Die Behandlung war nie das Problem – wohl aber der Weg dorthin“, erzählt er. In seiner Jugend fuhr er direkt von der Schule in Achim mit Zug und Straßenbahn zur Hautarztpraxis nach Bremen und später mit dem Bus zurück nach Riede in der Gemeinde Thedinghausen. Eingerechnet einiger Fußmärsche war er jedes Mal zwei Stunden unterwegs – und das für eine Bestrahlung, die am Anfang weniger als eine Minute dauert. Vier bis fünf Tage die Woche, bis zu 25 Mal. „Für mich war das lästig, aber Menschen mit einem Vollzeitjob, kleinen Kindern oder einem Wohnort auf dem Land schaffen das gar nicht – oder brechen die Therapie frustriert ab.“

Diese Erfahrungen teilte Elsner, als vor sechs Jahren am Lehrstuhl für Entrepreneurship der Uni Bremen Projektideen für ein Start-up im Gesundheitswesen gesucht wurden. Gefragt waren gesellschaftlich relevante Probleme, die auf eine Lösung warten. Probleme wie die Versorgung von Menschen mit chronischen Hauterkrankungen, für die es theoretisch zwar eine Therapiemöglichkeit gibt, die aber praktisch häufig an hohem Organisationsaufwand und weiten Fahrtwegen scheitert. „Ich persönlich habe seit 30 Jahren ein Problem…“, sagte er in die Runde.

Als Betroffener Geschäftsidee entwickelt

Eine junge Frau trägt eine Schutzbrille und sitzt an einem Couchtisch. Vor ihr steht ein Phototherapiegerät und sie legt ihre Hände darauf.

Unter der Leitung von Elsner entwickelten Studierende der Fachbereiche Informatik, Gesundheitsökonomie, Digital Media und Entrepreneurship „Skinuvita“: eine digitale Lichttherapie, die Betroffene von Psoriasis, Neurodermitis oder Ekzemen an Hand und Fuß unter permanenter ärztlicher Begleitung zu Hause anwenden können. 

Im Herbst starteten die ersten Betroffenen mit ihrer Therapie. 160 Geräte stehen zur Verfügung, monatlich kommen 20 weitere hinzu. Ende des Jahres waren 52 Betroffene in Behandlung, darunter 19 Versicherte der AOK Bremen/Bremen. Als Krankenkasse vor Ort hatte die Gesundheitskasse die Entwicklung der Heimtherapie früh befürwortet und sie nach ihrer medizinischen Zulassung nun auch für ihre Versicherten in ihr Leistungsangebot aufgenommen.

Neue Lösung für zu Hause

Eine ärztliche Diagnose ist der erste Schritt zur digitalen Lichttherapie. Hat ein teilnehmender Dermatologe die Therapie verordnet, erhalten die Versicherten eine Lampe als Leihgerät. Dermatologen und Patienten sind über eine App miteinander verbunden. Nach einer Anamnese in der Praxis legen die Ärztinnen und Ärzte die Dosierung der Lichttherapie fest, über eine Connector-Box wird sie direkt an die Lampe übertragen. Die App führt Patientinnen und Patienten durch ihre Therapiesitzung. Am nächsten Tag teilen sie Bilder und informieren ihren Arzt oder die Ärztin über mögliche Hautreizungen und -rötungen. Erst danach ist die nächste Bestrahlung möglich – gegebenenfalls mit angepasster Dosierung. Jeder Schritt wird durch die Dermatologen gesteuert. 

Preisgekröntes Behandlungsprogramm

Die Entwicklung der Heimtherapie ist inzwischen mehrfach preisgekrönt. Unter anderem mit dem Wittener Preis für Visionäre, dem Innovationspreis Dermatologie und dem Bremer Gründungspreis. Wer teilnehmen kann, darüber entscheiden die Mediziner. Ausschlaggebend ist unter anderem das Ausmaß der Erkrankung und der Krankenversicherer. „Unser Projekt soll denen helfen, die nicht ständig selbst zur Praxis gehen können“, sagt Elsner. „Es ist so, wie ich mir immer gewünscht habe, dass es hätte sein sollen.“

Text: Stefanie Waterkamp / Fotos: Philipp Eigner

Weitere Informationen

Für Erwachsene mit Schuppenflechte, Neurodermitis und Hand- oder Fußekzem übernimmt die AOK Bremen/Bremerhaven die Kosten für die Skinuvita-Behandlung, wenn ein am Programm teilnehmender Dermatologe sie verordnet.

Weitere Informationen gibt es hier.

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