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AOK Bremen/Bremerhaven

Integration durch Sport

Veröffentlicht am:11.03.2026

5 Minuten Lesedauer

Sport bringt Menschen zusammen, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Biografie. Genau hier setzt das bundesweite Programm „Integration durch Sport“ (IdS) an. Drei Beispiele aus Bremen und Bremerhaven zeigen, wie Integration im Vereinsleben gelingen kann.

Eine Basketball-Frauenmannschaft steht in einer Sporthalle und blickt von unten durch einen Basketballkorb.

© Jens Lehmkühler

Mehr Teilhabe durch Sport

Sport ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Patrick Pavel vom Landessportbund Bremen (LSB). „Und Sport spricht alle Sprachen“, ergänzt seine Kollegin Kirsten Wolf. Der LSB setzt das Programm „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes in Bremen um. Ziel, ist es, Vereine und Verbände dabei zu unterstützen, Teilhabe zu ermöglichen. Dem Statistischen Landesamt zufolge lebten 2024 im Land Bremen mehr als 40 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund. Den größten Anteil machen Menschen aus der Türkei, aus Syrien und der Ukraine aus. „Mit Integration durch Sport wollen wir mehr Teilhabe ermöglichen“, sagt Kirsten Wolf. Die rund 380 LSB-Mitgliedsvereine und -verbände können über das Programm Fördermittel beantragen, sich beraten oder Mitglieder qualifizieren lassen. „Die Anschubfinanzierungen dienen dazu, die Dinge zum Laufen zu bringen“, so Kirsten Wolf. 

Neue Chancen für Vereine

So hat der LSB im vergangenen Jahr 22 Projekte gezielt gefördert. Sie richten sich an Menschengruppen, die bisher noch unterdurchschnittlich in Vereinen und Verbänden vertreten sind. Die Förderung muss jährlich neu beantragt werden. Ein guter Einstieg seien die sogenannten Mikroprojekte, für die es bis zu 1 000 Euro pro Verein und Jahr gäbe, erläutert Wolf. Damit können Vereine etwa Honorare für Übungsleitende bezahlen, Hallen mieten, Sportgeräte anschaffen oder interkulturelle Feste veranstalten. Die Säulen des IdS-Programms sind die derzeit elf Stützpunktvereine. Dort unterstützen geschulte Sportlotsinnen und -lotsen Neuankommende dabei, sich zu orientieren und Kontakt im Verein zu finden. Mitglieder und Übungsleitende mit Migrationsgeschichte sind eine Bereicherung für Vereine, ist Kirsten Wolf überzeugt. Denn: Vereine, die sich öffnen, bekommen neue Perspektiven. So hat etwa der ehemalige Stützpunktverein SG Findorff erfolgreich eine Cricket- Abteilung aufgebaut – und damit auch neue Mitglieder gewonnen. 

Wie der Basketball Club Bremerhaven Jugendliche auffängt

Dienstagabend in der Bremerhavener Bogenhalle: Die neue Damenmannschaft trainiert. Mit dabei ist auch Lule Duriqi. Sie ist Sportlotsin beim Basketball Club Bremerhaven (BCB), der zu den Bremer Stützpunktvereinen von „Integration durch Sport“ gehört. Mit 16 Jahren floh sie mit ihrer Familie vor dem Krieg in Jugoslawien und kam über Umwege nach Bremerhaven. Sie weiß, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land ein neues Leben aufzubauen. Heute arbeitet sie in der Arbeitsvermittlung und hat ein großes Netzwerk. Das kommt ihr als Sportlotsin zugute. „Integration ist superwichtig. Unser Club ist ein Begegnungsort, ein Platz für den Austausch von Menschen mit verschiedenen Biografien“, sagt sie. Jeremiah Miller ist sportlicher Leiter des BCB und begleitet als Trainer die Damenmannschaft auf ihrem Weg in die Liga. In diesem Jahr wird er 30. Jerry, wie ihn alle nennen, ist in einem sozial schwierigen Quartier in Bremen- Nord aufgewachsen. Er habe familiäre Probleme gehabt und viel Mist gebaut, erzählt er. Leichtathletik war damals ein Ventil für seine Wut. Das tat gut, schade fand er nur, dass man den Sport alleine trainiert. 

Kostenloses Angebot für Kinder und Jugendliche

Seit 2011 ist er beim BCB. „Basketball hat mich gerettet“, sagt er. Manche Mitspieler seien für ihn heute wie Brüder. „In der Schule hast du vielleicht drei, vier Freunde. Im Basketballteam spielst du mit anderen zusammen – man wächst zusammen.“ Mit den IdS-Fördermitteln finanziert sein Verein unter anderem Hallenzeiten, Trainingsmaterial und spezielle Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Frauen. Seit Februar gibt es das kostenlose „Basketball Open Gym für alle“: Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren können freitags von 16 bis 18 Uhr Basketball spielen. „Das Training ist offen für alle, richtet sich aber insbesondere an geflüchtete und zugewanderte Jugendliche“, erläutert Miller. Wenn die Kinder und Jugendlichen zum Training kommen, geht es nicht nur um Sport. „Wir machen hier auch manchmal Hausaufgabenhilfe.“ 

Ausgezeichnet: Yancuba Bajo und das Projekt „KickStart“

Junge Männer spielen Fußball auf einem Fußballplatz.

© Jens Lehmkühler

Annette Staack ist im „Sportgarten“ im Bremer Ortsteil Peterswerder für die Integration junger Geflüchteter zuständig. Für sie entwickelt der Verein unter dem Label „Schlüssel für Bremen“ verschiedene Angebote. „Ich wollte schon länger ein offenes Fußballtraining anbieten, aber mir fehlten die Spieler“, erzählt Staack. Da kam der Anruf einer Bremer Notunterkunft gerade recht. „Ich habe hier ein paar Jungs, die wollen Fußball spielen“, hieß es. Yancuba Bajo war einer von ihnen. Der Gambier trommelte ein paar Mitspieler zusammen, und das war der Beginn von „KickStart“. Das offene und kostenlose Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 21 Jahren. Es ist zwei Jahre her, dass Bajo als unbegleiteter Minderjähriger nach Bremen kam. Heute ist er 19 Jahre alt. Seine Whats-App-Gruppe „Annette FC“ hat mittlerweile 62 Teilnehmende. Trainiert wird sonnabends draußen in der Pauliner Marsch, im Winter weicht das Team in die Halle von Soccerking in Habenhausen aus. Mal kommen nur fünf Leute, mal sind es 45. 

Neue Perspektiven für junge Geflüchtete

„Fußball ist niedrigschwellig. Alle kennen die Regeln. Sie können zusammenspielen, ohne viele Worte“, sagt Annette Staack. Bajo ist gut vernetzt – mit Übergangsunterkünften, Wohnheimen, Vereinen und dem Landessportbund. Er trainiert beim TS Woltmershausen ein Kinderteam, organisiert Freundschaftsspiele oder die Teilnahme an großen Turnieren wie dem „Afrika Cup“. Auch vermittelt er junge Spieler in Vereine. „Er macht das alles völlig selbstständig und ehrenamtlich“, sagt Annette Staack. Das findet bremenweit Anerkennung. Im Oktober 2025 wurde „KickStart“ mit dem Bremer Engagementpreis ausgezeichnet. Im Dezember erhielt Bajo den Bürger:innenpreis der Bremer Sparkasse in der Kategorie U21. „In Gambia gibt es gute Spieler, aber wenig Möglichkeiten“, sagt der junge Mann. In Bremen hat er eine Perspektive. Bajo lernt Deutsch in einer Sprachlernklasse mit Berufsorientierung. Im Sommer will er seine C-Lizenz Breitensport in der Tasche haben. Damit kann er in Sportvereinen Gruppen anleiten.   

Casa Cultural: Ein Verein setzt auf Integration

Ein Mann und eine Frau bewegen sich im Paartanz in einem Tanzstudio.

© Jens Lehmkühler

Perspektiven bietet auch der IdS-Stützpunktverein Casa Cultural in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs. Rund 280 Mitglieder und 14 international ausgebildete Trainerinnen und Trainer hat der kubanisch-karibische Tanz-, Sport- und Kulturverein. Die meisten von ihnen kommen aus Kuba, aber auch aus Spanien, der Ukraine, Russland, Brasilien und Deutschland. Ob Paar- und Solotanz, Fitnesskurse oder Workshops: Das Angebot des Vereins ist vielfältig. Er kooperiert mit dem Hochschulsport, was Studierende aus aller Welt anlockt. „Tanzen bringt Leute jeden Alters zusammen und ist eine universelle Sprache“, sagt Onelis Sanchez Torres, kurz Nelly. Er ist Trainer, DJ und stellvertretender Vereinsvorsitzender – und seit der Vereinsgründung im Jahr 2014 mit dabei. Der gebürtige Kubaner lebt seit 2009 in Bremen, mittlerweile hat er einen deutschen Pass. „Der Landessportbund fördert mit IdS-Mitteln einige unserer Projekte“, berichtet Antje Jess, die Vorsitzende von Casa Cultural. 

Die Gemeinschaft hilft gegen Heimweh

So gebe es zum Beispiel eine Kooperation mit dem Verein Unity Center Bremen der ukrainischen Exilgemeinde, der bei Casa Cultural Kindertanzen für verschiedene Altersgruppen anbietet. Im vergangenen Jahr wurde ein Tanzkurs für ukrainische Frauen gefördert. „Und unsere deutsch-brasilianische Sportlotsin macht einer sehr internationalen Migrantinnengruppe ein regelmäßiges Sportangebot nur für Frauen.“ Insbesondere für die festangestellten kubanischen Trainerinnen und Trainer ist der Verein ein zentraler Ort der Integration. So wie für Angela Mailym Rodríguez Medina und Kenny Carlos Hermiaga Moreira. Es ist ihr zweites Jahr in Bremen, und sie hoffen, weiterhin hier leben und arbeiten zu können. „Manchmal vermisse ich meine Heimat und meine Familie“, sagt die 29-jährige Medina. „Aber in der Gesellschaft von Casa Cultural fühle ich mich aufgefangen.“

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