AOK Baden-Württemberg

Gesund bleiben bei extremer Hitze im Ländle

Veröffentlicht am:18.06.2026

5 Minuten Lesedauer

Schon heute fordern Hitzewellen pro Jahr bis zu 2.000 Todesopfer in Baden-Württemberg. In Zukunft werden Perioden mit dauerhaft hohen Temperaturen weiter zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass sich die Gesellschaft darauf vorbereitet – und alle Menschen wissen, was sie selbst bei Hitze tun sollten.

Eine Frau steht bei Sonnenschein im Freien. Sie kühlt ihre Stirn mit einem Tuch und fächelt sich Luft zu.

© GettyImages / Pheelings Media / KI bearbeitet

Gesundheitsrisiko Extremhitze

Extremwetterereignisse nehmen im Zuge des Klimawandels zu. Das größte Risiko für unsere Gesundheit besteht bei Hitzewellen, also Zeiträumen von mehreren Tagen, an denen die Temperatur tagsüber bei über 30 °C liegt und in der Nacht nicht unter 20 °C sinkt. In Deutschland sterben jährlich bis zu 10.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze. Baden-Württemberg ist besonders betroffen: Hier fordern Hitzewellen pro Jahr bis zu 2.000 Todesopfer. Schon heute gibt es im Ländle fast dreimal so viele Tage mit Temperaturen von über 30 °C wie noch in den 1950er-Jahren. Die Forschung geht davon aus, dass Hitzewellen künftig häufiger, intensiver und länger anhaltend auftreten. Dabei sind einige Regionen in Baden-Württemberg anfälliger für Extremhitze als andere. Dazu zählen das Rheintal und die Neckarregion sowie Städte wie Mannheim, Stuttgart und Freiburg. 

Darum ist langanhaltende Hitze so gefährlich

Grundsätzlich ist der menschliche Körper in der Lage, mit hohen Temperaturen umzugehen. So produzieren wir bei Hitze mehr Schweiß, der auf unserer Haut verdunstet und damit die Körpertemperatur stabil hält. Bei langanhaltender Hitze stößt dieser Kühlmechanismus – vor allem in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit und starker körperlicher Belastung – an seine Grenzen. Die Folgen reichen von Erschöpfung über Kreislaufbeschwerden bis hin zu einem lebensbedrohlichen Hitzschlag mit Organversagen. Zudem können Hitzewellen bestehende Erkrankungen der Atemwege, der Nieren und des Herz-Kreislauf-Systems verschärfen – ebenfalls mit potenziell tödlichen Folgen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Erkrankte, Kleinkinder, Schwangere und Menschen, die im Freien arbeiten.

Luftaufnahme einer Wohnsiedlung in Baden-Württemberg bei tief stehender Sonne.

© GettyImages / ImageBROKER / Manuel Kamuf / KI bearbeitet

Baden-Württemberg ist besonders von Extremhitze betroffen.

Hitzeschutz als gesellschaftliche Aufgabe

Auf internationaler Ebene bereiten sich Städte wie Paris und Athen bereits auf die Zunahme extremer Hitzeereignisse vor. Deutschland hinkt hinterher. Die AOK Baden-Württemberg, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG) und die Landesärztekammer Baden-Württemberg führten vor diesem Hintergrund einen Workshop zum Umgang mit Extremhitzeereignissen durch. Mit dabei waren Akteure aus Landes-Kommunalpolitik, Gesundheitswesen und Katastrophenschutz. Bestandteil war das Szenario einer Hitzekatastrophe mit mehreren Tagen Dauer über 40 °C, um die Folgen für Gesundheit, Infrastruktur und soziales Leben abzuschätzen und den Stand der Vorbereitung kennenzulernen. Als Ergebnis entstand ein Positionspapier mit Vorschlägen für wirksame Vorbereitungs- und Sofortmaßnahmen in Baden-Württemberg. Darin empfohlen werden unter anderem kommunale Hitzeaktionspläne, die Aufnahme von Hitzeereignissen in die Katastrophenplanung sowie gesicherte Versorgungskapazitäten in Kliniken und Pflegeheimen.

So können Sie sich bei hohen Temperaturen schützen

Auch wenn wir uns selbst fit und gesund fühlen: Bei extremer Hitze kann jede und jeder in eine Risikosituation geraten. Diese fünf Tipps helfen, gesund zu bleiben.

  • Regelmäßig trinken: Durch die erhöhte Schweißproduktion verliert der Körper viel Flüssigkeit und damit auch Mineralien, die für wichtige Körperfunktionen unverzichtbar sind. Ausreichend viel und regelmäßig trinken ist bei großer Hitze daher das A und O. Ideal sind Wasser, Saftschorlen und ungesüßte Tees. Auf Limonaden und Alkohol sollten Sie verzichten. Zusätzliche Flüssigkeit liefern wasserreiche Lebensmittel wie Melonen, Gurken oder Salat.
  • Schlafräume kühl halten: Bei nächtlichen Temperaturen von mehr als 20 °C kann der Körper weniger gut regenerieren. Sorgen Sie daher dafür, dass sich Ihr Schlafraum gar nicht erst so stark aufheizt. Dafür sollten Sie in den kühleren Stunden des Tages durchlüften und den Schlafraum am besten mit Rollläden oder Jalousien abdunkeln. Ebenfalls hilfreich: Schalten Sie Elektrogeräte aus, denn auch sie produzieren Wärme.   
  • Kürzer treten: Das Herz-Kreislauf-System ist bei extremer Hitze stark gefordert. Jede zusätzliche Belastung sollten Sie daher vermeiden. Verzichten Sie auf Anstrengungen in der Mittagshitze und legen Sie Aktivitäten wie Einkaufen oder Sport in die Morgen- oder Abendstunden. Halten Sie sich so viel wie möglich im Schatten auf und legen Sie Pausen ein. Luftige Kleidung etwa aus Baumwolle und eine Kopfbedeckung wirken ebenfalls einer Überhitzung entgegen.
  • Für Abkühlung sorgen: Nasse Tücher auf Nacken, Armen oder Beinen sowie kaltes Wasser für Handgelenke oder Füße können entlasten. Kühlen Sie Ihren Körper jedoch nicht zu stark und zu abrupt herunter, weil Sie dadurch Ihren Kreislauf überfordern können. Das gilt vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen.
  • Gegenseitig helfen: Gerade bei extremer Hitze ist es wichtig, dass wir nicht nur auf uns selbst, sondern auch auf andere achten. Behalten Sie daher in ihrem Umfeld insbesondere ältere, kranke oder alleinstehende Menschen im Auge. Ein kurzer Besuch oder Anruf kann im Zweifel Leben retten. 

Podcast-Tipp: Hitze als Leistungskiller

Wie wirkt sich extreme Hitze auf unsere Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Konzentration aus? Welche Pflichten haben Arbeitgebende, um ihre Mitarbeitenden zu schützen? Und was können wir selbst tun, um bei hohen Temperaturen gesund zu bleiben? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert unser GESUNDNAH-Podcast in der Folge „Hitze als Leistungskiller“. Zu Gast bei Moderator Martin Hoffmann sind: 

  • Arbeitsrechtlerin Hanna Binder, stellvertretende Landesbezirksleiterin bei der Gewerkschaft ver.di Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Medizin-Meteorologe von der Universität Freiburg
Hitze als Leistungskiller: Hier anhören!

AOK Baden-Württemberg: Hilfe bei Hitze

Die AOK Baden-Württemberg hat eine Reihe von Angeboten entwickelt, die Sie bei extremer Hitze in Anspruch nehmen können. So können sich Versicherte bei Fragen zu Hitzebeschwerden und geeigneten gesundheitlichen Maßnahmen an das Fachärzteteam sowie die medizinischen Expertinnen und Experten des Hitzetelefons von AOK-Clarimedis wenden. Der Service steht rund um die Uhr bereit – unter der Telefonnummer 0800 1 265 265.

In der klimaresilienten Beratung informieren geschulte Hausärztinnen und Hausärzte Versicherte mit erhöhtem Risiko über klimabedingte Gesundheitsgefahren und konkrete Schutzmaßnahmen. Darüber hinaus hat sich die AOK Baden-Württemberg der Refill-Initiative angeschlossen. In fast allen Kunden- und Gesundheitszentren können Trinkflaschen kostenlos mit Leitungswasser aufgefüllt werden – praktisch bei Hitze und gut fürs Klima. Mehr zu unseren Services erfahren Sie hier.

Fachlich geprüft
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