AOK Baden-Württemberg
Endometriose: Frühe Hilfe bei einer oft verkannten Krankheit
Veröffentlicht am:26.06.2026
5 Minuten Lesedauer
Viele Frauen leiden jahrelang unter unerklärlichen Schmerzen, ohne zu wissen, dass eine chronische Erkrankung dahintersteckt: Endometriose. Eine neue, vom Innovationsfonds geförderte Versorgungsform – unterstützt von der AOK Baden-Württemberg – will das jetzt ändern. Erfahren Sie außerdem, was Betroffene tun können und wo sie Unterstützung finden.

© GettyImages / Xavier Lorenzo / Ki bearbeitet
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine chronische, oft schmerzhafte Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Betroffene leiden häufig unter starken Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Beschwerden beim Wasserlassen oder Stuhlgang sowie chronischer Erschöpfung. Schätzungen zufolge betrifft Endometriose etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter. Die Diagnose dauert jedoch oft Jahre. „Viele Beschwerden werden als normale Regelschmerzen abgetan oder fehldiagnostiziert“, erklärt Dr. Jürgen Andress, leitender Oberarzt und stellvertretender Leiter des Endometriosezentrums am Universitätsklinikum Tübingen.
Neue Versorgungsform: Schneller zur Diagnose
Baden-Württemberg hat ein neues Innovationsfonds-Vorhaben: ENDO-EVE soll Frauen, bei denen ein Verdacht auf Endometriose vorliegt, frühzeitig helfen. Angestoßen wurde das Vorhaben von der AOK Baden-Württemberg. Mit dem Ziel, das Thema stärker in den Fokus zu rücken, trat sie an die Kooperation Frauengesundheit heran. Die weitere Ausarbeitung übernahmen unter anderem Dr. Jürgen Andress undProf. Dr. Stephanie Wallwiener, Projektleiterin und kommissarische Direktorin der Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Halle (Saale). Neben der AOK Baden-Württemberg sind als weitere Krankenkassen die Techniker Krankenkasse (TK) und die GWQ ServicePlus AG beigetreten. Auch die AOK Sachsen-Anhalt ist beteiligt. „Unser Ziel ist es, die Diagnosezeit erheblich zu verkürzen und Patientinnen schneller in spezialisierte Zentren zu bringen“, sagt Prof. Dr. Wallwiener.
Dafür werden in Hausarztpraxen strukturierte Fragebögen eingeführt, die helfen sollen, Verdachtsfälle gezielt zu erkennen und weiterzuleiten. Gleichzeitig begleitet eine neue App („Digital Companion“) die Patientinnen: Sie unterstützt mit edukativen Inhalten und regelmäßigen Symptomabfragen und ermöglicht bei Bedarf einen schnellen Kontakt zu spezialisierten Therapeutinnen und Therapeuten. Diese Leistungen stellt die AOK Baden-Württemberg ihren Versicherten mittels eines Selektivvertrags zur Verfügung.
Fragen an Dr. Jürgen Andress: „Frühes Handeln ist entscheidend“
Was raten Sie Frauen, die typische Beschwerden haben?
„Frauen sollten auf ihren Körper hören. Wenn Regelschmerzen den Alltag erheblich beeinträchtigen oder Beschwerden beim Wasserlassen, Stuhlgang oder Geschlechtsverkehr auftreten, sollte der Weg zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen führen. Bei Verdacht auf Endometriose sollte dann, je nach Situation, eine frühzeitige Überweisung an ein zertifiziertes Endometriosezentrum erfolgen.“
Was ist das Ziel des Forschungsprojekts in Baden-Württemberg?
„Wir wollen die Diagnosedauer von derzeit sieben bis zehn Jahren drastisch verkürzen und Frauen schneller eine wirksame Therapie ermöglichen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Kliniken und Patientinnen zu verbessern.“
Hilfe in Baden-Württemberg: Hier gibt es Unterstützung
- Erste Anlaufstelle: die Gynäkologin oder der Gynäkologe – wichtig ist eine frühzeitige und gezielte Abklärung bei Verdacht auf Endometriose. Im nächsten Schritt erfolgt eine Überweisung an ein Endometriosezentrum.
- An ENDO-EVE beteiligte Gynäkologinnen und Gynäkologen können unter dem Stichwort „ENDO-EVE“ in der Erweiterten Arztsuche der KV Baden-Württemberg im Bereich „Besondere Verfahren und Behandlungsarten“ oder „Zusatzverträge der Krankenkassen“ gefunden werden.
- Beteiligt an der neuen Versorgungsform ENDO-EVE sind die Endometriosezentren Tübingen, Heidelberg und Halle (Saale). Eine Teilnahme ist ab 1. Juli 2026 möglich.
- Zertifizierte Endometriosezentren in Baden-Württemberg gibt es an den Universitätskliniken in Tübingen, Ulm, Freiburg, Heidelberg und Mannheim sowie an weiteren spezialisierten Kliniken.
- Selbsthilfegruppen: Viele Regionen bieten lokale Selbsthilfegruppen, z.B. über die Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. Austausch kann Betroffenen helfen, sich besser zu orientieren und Unterstützung im Alltag zu finden.
- Online-Informationen: Wissenschaftlich fundierte Informationen gibt es bei der Stiftung Endometriose Forschung und der Endometriose-Vereinigung Deutschland.
- Mehr erfahren über Endometriose und viele weitere Facetten der Frauengesundheit: Die Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg, die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, das Heidelberger Selbsthilfebüro und die AOK Rhein-Neckar-Odenwald bieten hierzu eine Vortragsreihe an.
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