Pflegende Angehörige

Männer in der Pflege: Vorurteile abbauen und Vielfalt fördern

Veröffentlicht am:16.01.2026

4 Minuten Lesedauer

Noch immer arbeiten in der Pflege überwiegend Frauen. Doch männliche Pflegekräfte und pflegende Angehörige sind unverzichtbar für eine starke Pflege. Sie bringen wertvolle Perspektiven ein und zeigen, wie wichtig Vielfalt ist.

Eine männliche Pflegekraft in medizinischer Arbeitskleidung sitzt mit einem älteren Mann an einem Tisch. Die Pflegekraft lehnt sich nach vorne und blickt den älteren Mann im Profil an.

© iStock / Anchiy

Pflege: Ein Beruf im Wandel – aber noch weiblich dominiert

Das deutsche Pflegesystem steht unter Druck: Es fehlen Fachkräfte, während die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wächst. Ende 2023 waren laut Statistischem Bundesamt 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. Die Zahl könnte bis 2055 auf 6,8 Millionen steigen. Das bedeutet auch: Der Bedarf an Pflegepersonal nimmt weiter zu.

Um diese Lücke zu schließen, sind neue Strategien und Wege gefragt. Männer spielen dabei eine wichtige, aber häufig übersehene Rolle. Im Juni 2024 waren laut Bundesagentur für Arbeit 18 Prozent der in der Pflege Beschäftigten Männer. Auch die häusliche Pflege leisten in Deutschland überwiegend Frauen. Einer Befragung für den „WIdOmonitor“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass im Jahr 2023 zwei Drittel (63,1 Prozent) der pflegenden Angehörigen weiblich waren. Während der Anteil von Männern in der Pflegeausbildung wächst, stagniert ihr Anteil in der Pflege durch Angehörige.

Warum die Pflege Männer braucht

Männer als Fachkräfte und pflegende Angehörige lindern nicht nur den Fachkräftemangel, sondern bereichern die Pflege durch vielfältige Perspektiven und Fähigkeiten. Ausgeglichenere Teams arbeiten harmonischer und effizienter, wie Erfahrungen anderer Branchen zeigen. Auch die Patientinnen und Patienten profitieren, indem sie beispielsweise selbst entscheiden können, von wem sie körpernahe Pflege erhalten möchten.

Ein weiterer entscheidender Grund ist die Geschlechtergerechtigkeit. Da Frauen den Großteil der Pflege von Angehörigen leisten, fehlt ihnen häufig Zeit für die eigene Erwerbstätigkeit. Dies kann zu finanziellen Nachteilen führen und ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit einschränken. Eine gerechtere Aufteilung der Pflegearbeit ermöglicht es Frauen, wirtschaftlich unabhängiger zu sein und ihre beruflichen Chancen besser zu nutzen.

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Herausforderungen für Männer in der Pflege: alte Rollenbilder und ihre Folgen

Männer in der Pflege kämpfen mit gesellschaftlichen Rollenbildern und hartnäckigen Stereotypen. Diese prägen nicht nur die öffentliche Wahrnehmung des Berufs, sondern beeinflussen auch die Erfahrungen, die Männer in ihrem Arbeitsalltag machen.

Die Pflege als „Frauenberuf“

Die überwiegende Gesellschaft betrachtet die Pflege noch immer als typisch weiblich und erwartet von Männern, Karriere zu machen und die Familie finanziell abzusichern. Diese Geschlechterstereotype sind historisch gewachsen und sorgen dafür, dass mehrheitlich Frauen Pflegearbeit leisten.

Vorurteile über Männer in der Pflege

Gleichzeitig existieren Vorurteile gegenüber männlichen Pflegepersonen. Untersuchungen zeigen, dass sie fälschlicherweise mit Homosexualität, mangelnder Männlichkeit oder einem „weichen“ Charakter in Verbindung gebracht werden. Wichtig ist: Solche Zuschreibungen entsprechen nicht der Realität und sagen nichts über die professionelle Kompetenz einer Person aus. Dennoch führen genau diese Vorurteile dazu, dass Männer, die sich für den Pflegeberuf entscheiden, häufig Ablehnung oder Geringschätzung im eigenen Umfeld erfahren.

Eine junge Frau und ein junger Mann in medizinischer Arbeitskleidung stehen in einem modernen Krankenhausraum und blicken gemeinsam auf ein Tablet.

© iStock / Jacob Wackerhausen

Diverse Teams arbeiten harmonischer und effizienter. Auch die Pflegebranche kann davon proftitieren.

Geringe Wertschätzung der Pflegearbeit

Obwohl die Pflege systemrelevant ist, fehlt ihr oft die gesellschaftliche Anerkennung. Die niedrigere Bezahlung und der geringere Status im Vergleich zum Arztberuf können Männer davon abhalten, sich für eine Ausbildung in der Pflege zu entscheiden.

Hürden im Alltag

Studien zeigen: Einige männliche Pflegepersonen erleben als Minderheit in Pflegeschulen und Gesundheitseinrichtungen Druck oder Unsicherheit. Sie fühlen sich von Lehrkräften stärker beobachtet oder spüren, dass man von ihnen eine Führungsrolle erwartet. Gleichzeitig erleben männliche Pflegepersonen, dass Patientinnen die Pflege durch sie ablehnen. Dies geschieht insbesondere bei der Körperpflege.

Rollenbilder aufbrechen: Was die Pflege tun kann

Um mehr Männer für die Pflege zu gewinnen und überkommene Rollenbilder zu verändern, empfehlen Expertinnen und Experten folgende Maßnahmen:

  • Den Betrieb modern und vielfältig präsentieren: Ein professioneller Online-Auftritt kann das Image des Pflegebetriebs verbessern und kommt allen zugute, die sich über Pflege informieren möchten. Mit Kampagnen, Veranstaltungen und Aktionen können Männer gezielt angesprochen werden. Das sind niedrigschwellige Angebote, um die vielfältigen Facetten der Pflege zu zeigen.
  • Bildung und Ausbildung geschlechtersensibel gestalten: Schon in der Ausbildung sollte Vielfalt selbstverständlich sein. Schulen und Pflegebetriebe können durch eine gezielte Ansprache in Stellenanzeigen sowie inklusive Unterrichtsmaterialien und Lernangebote dafür sorgen, dass sich alle Geschlechter willkommen fühlen.
  • Arbeitsplätze attraktiv machen: Individuelle Aufstiegschancen, flache Hierarchien und ein wertschätzendes Miteinander sind wichtige Faktoren, von denen alle Beschäftigten profitieren. Um speziell Männer in der Pflege zu halten, kann es sinnvoll sein, diese Aspekte besonders hervorzuheben und gezielt Maßnahmen zu entwickeln, die männliche Fachkräfte stärken.
  • Männliche Vorbilder sichtbar machen: Junge Männer brauchen Identifikationsfiguren. Pflegekräfte, die selbstbewusst von ihrer Arbeit erzählen – ob als Botschafter, Mentoren oder in Social Media – zeigen, dass Pflege auch Männersache ist.

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