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Bambusgeschirr: nachhaltig oder gesundheitsschädlich?

Mehrere Bambusschälchen stehen gestapelt auf der Küchentheke.

© iStock / wedninth

Lesezeit: 4 Minuten17.01.2022

Bambusgeschirr wird als umweltfreundliche Alternative zu To-go-Bechern, Tellern und Besteck aus Plastik beworben. Doch wo Bambus draufsteht, ist oft noch mehr drin. Worauf Sie beim vermeintlichen Bambusgeschirr achten sollten.

Inhalte im Überblick

    Woraus besteht Bambusgeschirr?

    Die meisten Einwegprodukte aus Plastik – etwa Trinkhalme, Wattestäbchen, To-go-Becher und auch Geschirr – dürfen seit dem 3. Juli 2021 innerhalb der Europäischen Union nicht mehr produziert werden. Die neuen Richtlinien sollen dazu dienen, die großen Mengen an Verpackungsmüll zu reduzieren. Jetzt sind Alternativen zu Einwegplastik gefragt. Bambusgeschirr galt lange Zeit als nachhaltige und umweltfreundliche Lösung. Schließlich ist Bambus ein schnell nachwachsender Rohstoff, der in seiner reinen Form biologisch abbaubar ist. Außerdem ist Bambusgeschirr leicht, robust und sogar wiederverwertbar.

    Das Problem: Was viele Hersteller als Bambusgeschirr deklarieren, ist nur selten zu 100 Prozent aus dem umweltfreundlichen Material gefertigt. In den allermeisten Fällen beinhaltet Bambusgeschirr Melamin-Formaldehyd-Harze (MFR) – also Kunststoffe. Sie dienen als eine Art Bindemittel und verleihen der Tasse oder der Schüssel ihre Stabilität. Der Kunststoffanteil liegt, je nach Produkt, zwischen 20 und 80 Prozent. Damit bestehen einige Becher oder Teller nicht mal zur Hälfte aus Bambus. Folglich ist Bambusgeschirr mit Kunststoffanteilen auch nicht biologisch abbaubar. Hinzu kommt nun, dass verschiedene Verbraucherzentralen Bambus-Kunststoff-Produkte als gesundheitsschädlich einstufen.

    Ist Bambusgeschirr schädlich?

    Reiner, unbehandelter Bambus ist gesundheitlich unbedenklich. Geschirr aus Kunstharz mit Bambusbeimischungen kann jedoch unter bestimmten Bedingungen gesundheitsschädlich sein. Der Grund dafür sind die Kunststoffbestandteile Melamin und Formaldehyd. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Kunststoffen sind diese nicht hitzebeständig. Bei Temperaturen über 70 Grad Celsius können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden und beispielsweise ins Essen gelangen. In diesem Fall kann Bambusgeschirr giftig für den Verbraucher sein. Formaldehyd gilt sogar als potenziell krebserregend. Melamin kann zu Schäden an Blase und Nieren führen.

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt deshalb, beim Kochen, beim Verzehr von heißen Speisen und Getränken sowie in der Mikrowelle auf Bambusgeschirr aus oder mit Melaminharz zu verzichten. Solange der Kunststoff jedoch keinen Temperaturen von über 70 Grad Celsius ausgesetzt ist, besteht laut Verbraucherzentrale keine Gefährdung für die Gesundheit. Kalte Speisen und Getränke können demnach auf Bambusgeschirr mit Kunststoffanteilen beziehungsweise auf reinem Melamingeschirr serviert werden.

    Wie ist Bambusgeschirr mit Kunststoffanteil von reinem Bambusgeschirr zu unterscheiden?

    Reine Bambusprodukte weisen in der Regel eine holzähnliche Maserung auf und sind hell- bis dunkelbraun. Dazu ist natürliche Bambusware vergleichsweise leicht. Bambusgeschirr, das Kunststoffe beinhaltet, ist meist eingefärbt oder bedruckt und hat eine glatte Oberfläche. Hier lässt sich die Faustregel anwenden: Was aussieht und sich anfühlt wie Kunststoff, enthält meistens auch Kunststoff. Wie hoch der Bambusanteil in dem jeweiligen Produkt tatsächlich ist und ob bedenkliche Stoffe darin enthalten sind, lässt sich meist nicht erkennen – in einigen Fällen am Kürzel MF (Melamin-Formaldehyd-Harz). Eine Kennzeichnungspflicht gibt es bisher nicht.

    Bambus-Kunststoff-Produkte dürfen eigentlich nicht einmal verkauft werden. Der Grund: Bei Kunststoffprodukten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, benötigen alle beigemischten Zusätze eine Zulassung. Bambus wie auch Weizenstroh, Reishülsen und Maisstärke wurden jedoch nie als solche Füllstoffe zugelassen. Trotzdem sind nach wie vor viele Bambus-Kunststoff-Produkte in Verkaufsläden und im Onlinehandel erhältlich. Es lohnt sich also, beim Kauf vom Bambusgeschirr genau hinzuschauen.

    Frau isst Salat aus einer Bambusschüssel.
    Bambusgeschirr, das ungemasert, glatt und bemalt ist, enthält oft Kunststoff.

    © iStock / AndreyPopov

    Welche Alternativen gibt es zu Bambusgeschirr?

    Wer unsicher ist, ob es sich bei dem Bambusgeschirr um reine, unbehandelte Produkte handelt, muss nicht auf Plastik zurückgreifen. Es gibt eine Vielzahl an Mehrweggeschirr, das nachhaltig und in seiner Nutzung gesundheitlich unbedenklich ist:

    • Geschirr aus unbehandelten Palmblättern, Zuckerrohr oder Bagasse: Teller, Becher oder Schüsseln, die zu 100 Prozent biobasiert sind und keine Kunststoffzusätze enthalten, sind eine nachhaltige Alternative zu Plastik.
    • Edelstahl: Trinkgefäße aus Edelstahl halten Flüssigkeiten lange warm, sind leicht und robust. Damit eignen sie sich besonders gut für den Transport von Heißgetränken. Nicht zuletzt gibt es auch Brotdosen, Teller, Schüsseln und Besteck aus Edelstahl.
    • Glas: Behältnisse aus Glas sind zwar nicht allzu leicht und auch nicht bruchsicher, jedoch kann Glas als natürliche Ressource unendlich oft recycelt und wiederverwertet werden. Dazu ist es umwelt- und klimafreundlich.
    • Schadstoffarme und hitzebeständige Kunststoffe: Nicht jeder Kunststoff ist in gleichem Maße schlecht für die Umwelt. Polypropylen (PP) ist ein lang haltbarer Kunststoff, der hitzebeständig ist. Dazu lässt er sich gut recyceln. Besser als Mehrweggeschirr aus PP ist es aber natürlich, vollständig auf Plastik zu verzichten.
    • Geschirr aus nicht beschichteter Pappe: Durch diesen Spezialaufbau sind die Teller für die Verwendung mit Lebensmitteln jeglicher Art geeignet. Das Produkt ist durch den Verzicht auf Kunststoff außerdem ohne Probleme über das Altpapierrecycling wiederzuverwerten.

    Fazit: Bambusgeschirr ist eine gute und gesundheitlich unbedenkliche Lösung, sofern es sich um eine reine Form handelt und Sie es von einem vertrauensvollen Händler beziehen.

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