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Häusliche Pflege bis Pflegeheim: Welche Pflegeform eignet sich für wen?

Eine junge Frau stützt einen älteren Mann, der am Rand eines Bettes sitzt und versucht aufzustehen.

© iStock / FG Trade

Lesezeit: 4 Minuten13.07.2022

Ob durch Krankheit, Unfall oder altersbedingt: Wer auf fremde Hilfe angewiesen ist, wünscht sich eine Pflegeform, die den eigenen Bedürfnissen gerecht wird. Diese Möglichkeiten gibt es, Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen.

Inhalte im Überblick

    Diese Pflegeformen gibt es in Deutschland

    Pflegebedürftige Personen können in Deutschland grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten der Pflege für sich in Anspruch nehmen. Es gibt:

    • die ambulante Pflege zu Hause,
    • die stationäre Pflege in einem Pflegeheim,
    • betreutes Wohnen,
    • und das Mehrgenerationenhaus.

    Welche Pflegeform für Sie geeignet ist, hängt vor allem von Ihren Vorstellungen, Wünschen und Ihrer persönlichen Situation ab. Wie viel Unterstützung benötigen Sie im Alltag? Wie wichtig sind Ihnen soziale Kontakte und wie sehr hängen Sie an Ihrer gewohnten Umgebung? Und nicht zuletzt: Welche finanziellen Möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung?

    Diese Fragen sollten Sie für sich klären, bevor Sie sich für eine Pflegeform entscheiden. Sicher ist allerdings: Einen „Königsweg“ gibt es nicht. Jede Pflegeform hat ihre Stärken und Besonderheiten.

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    Pflegeform 1: Die ambulante Pflege zu Hause

    Ein Großteil der Pflegebedürftigen wählt zunächst die ambulante Pflegeform. Denn dabei können sie in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben – sie wird darum auch häusliche Pflege genannt. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine neue Wohnsituation, kein neues und ungewohntes Umfeld. Je nachdem, wie stark die Betroffenen eingeschränkt sind, kommt der örtliche Pflegedienst ein- oder mehrmals am Tag vorbei und unterstützt im Haushalt, beim Essen oder auch bei der Körperpflege.

    Eine Alternative zu ambulanten Pflegediensten sind Pflegekräfte aus dem EU-Ausland. Bei der Suche helfen Ihnen die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit (ZAV), aber auch die Caritas, Carifair, die Diakonie oder FairCare. Bevor Sie eine ausländische Pflegekraft einstellen, sollten Sie sich allerdings fragen, ob Sie mit einer fremden Person zusammenleben möchten und genügend Platz für die Unterbringung haben. Wichtig: Die Betreuungskraft zieht zwar bei Ihnen ein, eine 24-Stunden-Betreuung ist jedoch nicht zulässig.

    Grundsätzlich gilt: Die Kosten der ambulanten Leistungen liegen unter denen der stationären Pflege. Allerdings ist nicht jede Wohnung für eine stark pflegebedürftige Person geeignet. Informieren Sie sich am besten frühzeitig, welche Umbauten notwendig sind und welche Zuschüsse Sie dafür beantragen können.

    Klar sollte sein, dass die Entscheidung für die ambulante Pflege in der eigenen Wohnung nicht zwingend endgültig ist. In manchen Fällen kann ein späterer Umzug in ein Heim sinnvoll sein.

    „Die meisten Pflegebedürftigen möchten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Mit der ambulanten Pflege ist dies möglich.“

    Kathleen Krüger
    Fachreferentin Ambulante Pflege beim ASB Schleswig-Holstein

    Pflegeform 2: Die stationäre Pflege im Heim

    Sind keine Angehörigen, die helfen können, in der Nähe, oder ist die oder der Pflegebedürftige körperlich oder geistig stark eingeschränkt, ist ein Pflegeheim häufig die beste Wahl. Im Heim sind Pflegekräfte rund um die Uhr vor Ort. In Notfällen kann schnell medizinisch geholfen werden.

    Gute Heime bieten ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten und haben Ansprechpartnerinnen und -partner für Fragen und Probleme. Für Pflegebedürftige, die großen Wert auf soziale Kontakte legen, könnte es deshalb die geeignete Pflegeform sein, lassen sich hier doch schnell neue Beziehungen aufbauen. Allerdings liegen die Kosten in der Regel wesentlich höher als bei der ambulanten Pflege.

    „Pflegeheime bieten Sicherheit rund um die Uhr sowie soziale Kontakte, die vor Einsamkeit und Isolation schützen.“

    Gisela Kreutz
    Einrichtungsleitung Julie-Kolb-Seniorenzentrum der AWO, Marl

    Eine junge Frau steht an einem gedeckten Tisch, an dem sechs ältere pflegebedürftige Frauen sitzen.
    In einem guten Pflegeheim können pflegebedürftige Personen aus einem bunten Angebot an Freizeitaktivitäten wählen, zum Beispiel finden gemeinsame Nachmittage bei Kaffee und Kuchen statt, aber auch Spielen, Malen und Musizieren können Bestandteil des Programms sein.

    © iStock / shapecharge

    Pflegeform 3: Betreutes Wohnen

    Unter betreutem Wohnen lassen sich verschiedene Formen altersgerechter Wohn- und Betreuungsangebote zusammenfassen. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie neben einer barrierefreien Wohnung auch Betreuungsleistungen wie eine Notrufsicherung oder einen Zweitschlüssel-Service bieten. Weitere Leistungen wie Kochen, Reinigung oder Pflege wie auch Freizeitangebote können die Pflegebedürftigen nach Bedarf dazu wählen.

    Betreutes Wohnen eignet sich für Menschen, denen Eigenständigkeit im Alter wichtig ist, die aber dennoch nicht auf professionelle Betreuung und soziale Kontakte verzichten möchten oder können. Träger der Angebote sind entweder Sozialverbände oder private Initiativen.

    „Wir helfen dabei, dass unsere Mieterinnen und Mieter lange in ihrer Wohnung bleiben können. Neben sozialer Betreuung und Hilfeleistung bieten wir auch viele Freizeitaktivitäten an: Sie sind – ohne weite Wege – voll in das soziale Leben integriert.“

    Gabriele Roettger
    Einrichtungsleiterin im Johanniter-Haus Dietrichsroth in Dreieich

    Die AOK an Ihrer Seite

    Die AOK unterstützt Angehörige dabei, die passende Pflegeform zu finden – mit der AOK-Pflegeberatung und dem Familiencoach Pflege.

    Mit dem Pflegeberater der AOK hilft Angehörigen, die Pflege und Versorgung für Ihre Liebsten bestmöglich zu gestalten und zu organisieren.

    Der Familiencoach Pflege unterstützt pflegende Angehörige, den psychisch oft belastenden Pflegealltag zu bewältigen und sich vor Überlastung zu schützen – mit praktischen Tipps und Übungen für den Alltag.

    Pflegeform 4: Das Mehrgenerationenhaus

    Im Mehrgenerationenhaus leben Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Lebenssituation in einem Haus oder Wohnkomplex. Sie unterstützen sich gegenseitig. In der Regel sind auch Wohneinheiten für pflegebedürftige Menschen vorhanden. Hier erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur die notwendige Pflege, sondern sie sind auch Teil der Gemeinschaft, sie übernehmen eine Funktion und können auf diese Weise soziale Kontakte pflegen.

    Geeignet ist das Wohnen im Mehrgenerationenhaus für Menschen, die großen Wert auf gegenseitige Hilfe und den regelmäßigen Austausch mit anderen legen. Dabei ist immer auch eigenes Engagement gefragt. Träger sind beispielsweise Sozialverbände oder private Genossenschaften.

    „Selbstbestimmt leben bis zum Schluss und dabei Teil einer großen Familie zu sein: Das bietet die Pflege-Wohngemeinschaft in einem Mehrgenerationenhaus.“

    Barbara Zimmer
    Mitbegründerin des Glockenhofs Bochum

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