Psychologie

Wie hängen Geschlecht und mentale Gesundheit zusammen?

Veröffentlicht am:03.03.2026

13 Minuten Lesedauer

Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen, Wut – würden Sie diese Symptome mit einer psychischen Erkrankung in Verbindung bringen? Tatsächlich können sie Anzeichen einer Angststörung oder Depression vor allem bei Männern sein. Ursachen und Lösungsansätze.

Ein Mann hat den Kopf in die Hand gestützt und schaut aus dem Fenster.

© iStock / Pekic / KI-bearbeitet

Mentale Gesundheit: Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Mentale Gesundheit ist keine Frage des Geschlechts, denn psychische Erkrankungen betreffen alle Menschen. Aktuelle Studien zeigen aber, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Belastungen und Beanspruchungen ausgesetzt sind. Die Forschung konzentriert sich dabei zunehmend darauf, wie biologische, psychologische und soziale Faktoren die mentale Gesundheit von Männern und Frauen unterschiedlich beeinflussen können. Auch in Bezug auf die Häufigkeit von diagnostizierten psychischen Erkrankungen gibt es Geschlechterunterschiede. Eine schwedische Studie mit mehr als neun Millionen Menschen zeigt, dass Frauen deutlich häufiger Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen oder stressbedingte Erkrankungen erhalten als Männer. Dieser Unterschied ist besonders ausgeprägt im Alter zwischen 10 und 54 Jahren. In dieser Altersgruppe sind zudem deutlich mehr Frauen von Essstörungen betroffen.

Bei Männern werden oftmals andere psychische Probleme diagnostiziert als bei Frauen

Im Gegensatz zu Frauen wird bei Männern vor dem 15. Lebensjahr häufiger Autismus oder ADHS diagnostiziert. Im jungen und mittleren Erwachsenenalter (zwischen dem 15. und 54. Lebensjahr) sind Männer, laut der schwedischen Erhebung, häufiger von Substanzgebrauchsstörungen, wie Alkoholmissbrauch, betroffen als Frauen. Auch psychotische Störungen wie Schizophrenie werden bei Männern in dieser Lebensphase öfter diagnostiziert. Diese alters- und geschlechtsspezifischen Unterschiede lassen sich über die gesamte Beobachtungszeit hinweg klar erkennen.

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Häusliche Gewalt und mentale Gesundheit

Trotz der Unterschiede in Bezug auf die mentale Gesundheit von Männern und Frauen, gibt es einen Faktor, der sich unabhängig vom Geschlecht besonders ungünstig auf die Psyche auswirkt: häusliche Gewalt. Sie hängt in jeder Altersspanne eng mit psychischen Erkrankungen zusammen. Frauen sind häufiger von häuslicher Gewalt betroffen als Männer und weisen in diesem Zusammenhang ein höheres Risiko auf, psychisch zu erkranken. So steigt bei Gewalterfahrungen die Wahrscheinlichkeit für depressive Störungen etwa um das Dreifache, für Angststörungen etwa um das Vierfache und für posttraumatische Belastungsreaktionen (PTBS) sogar etwa um das Siebenfache. Diese negativen Auswirkungen auf die mentale Gesundheit zeigen sich sowohl bei körperlicher als auch bei psychischer Gewalt.

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Psychische Gesundheit und typisch männliche Symptome

Die Symptome mentaler Belastungen und psychischer Erkrankungen können vor allem bei Männern anders aussehen, als man es vielleicht erwartet. Sie sind womöglich reizbarer, schneller wütend als gewohnt, aggressiv, ziehen sich zurück oder verhalten sich rücksichtslos. Manche gefährden ihre Gesundheit, indem sie mehr Alkohol trinken oder andere Drogen nehmen, Ablenkung in exzessivem Sport oder in der Arbeit suchen. Dazu kommen körperliche Beschwerden, die auf den ersten Blick nicht unbedingt mit einer psychischen Erkrankung in Verbindung gebracht werden: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit oder Verdauungsprobleme können beispielsweise Anzeichen einer Depression oder Angststörung sein. Da Männer seltener als Frauen über ihre mentale Gesundheit und psychischen Probleme sprechen, werden oft nur die körperlichen Beschwerden behandelt, die eigentliche Ursache bleibt jedoch unentdeckt.

Zwei junge Männer sitzen auf einer Treppe und unterhalten sich über ihre mentale Gesundheit.

© iStock / lorenzoantonucci

Mentale Gesundheit sollte kein Tabu mehr sein: Ein Gespräch unter Freunden hilft, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren.

Warum verschweigen Männer oft, dass ihre mentale Gesundheit leidet?

Männer setzen sich weniger mit ihrer mentalen Gesundheit auseinander als Frauen. Denn viele von ihnen wachsen mit der Vorstellung auf, dass sie stark sein und Probleme allein lösen müssen. Sie haben Schwierigkeiten, sich einzugestehen, dass es ihrer mentalen Gesundheit schlecht geht, weil es nicht mit ihrem traditionellen Selbstbild vereinbar ist. Oftmals ziehen sie es auch gar nicht in Betracht, sich deswegen ärztlichen Rat einzuholen oder sie wissen schlichtweg nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Die tief verwurzelten Rollenbilder können beeinflussen, wie Männer mit den Warnzeichen ihrer psychischen Gesundheit umgehen. Anstatt beispielsweise darüber zu sprechen, verdrängen sie sie.4,5 Je länger man allerdings damit wartet, sich professionelle Hilfe zu holen, umso größer wird das Risiko, dass sich die mentale Belastung zu einer psychischen Erkrankung wie einer Depression entwickelt oder sogar chronisch wird. Der Rat von Medizinerinnen und Medizinern für alle Menschen: Wenden Sie sich an eine Hausärztin oder einen Hausarzt, wenn:

  • Sie sich die meiste Zeit des Tages traurig oder niedergeschlagen fühlen.
  • Ihre Symptome länger als zwei Wochen anhalten.
  • Sie sich Sorgen machen, dass Sie unter mentaler Belastung oder einer depressiven Verstimmung leiden könnten.
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Wie kann ich meine mentale Gesundheit stärken?

Diese Maßnahmen können helfen, die mentale Gesundheit zu stärken oder depressive Verstimmungen zu lindern:

Wichtig: Die Maßnahmen ersetzen nicht den Austausch mit medizinischem Fachpersonal, eine medikamentöse Behandlung oder eine Therapie.

Coach Darius Kamadeva erklärt, warum Mental Health der Schlüssel zu einer guten Lebensqualität ist.

Mentale Gesundheit: Hilfsangebote und Anlaufstellen

Um die Vorurteile bei männlichen Personen gegenüber mentaler Gesundheit abzubauen, hilft der Austausch mit Männern im persönlichen Umfeld. Doch auch online finden Betroffene und Interessierte viele männliche Personen, die offen über mentale Gesundheit sprechen. Das können zum Beispiel Influencer auf Social Media wie Doc Felix sein. Auf dem Instagram-Kanal sowie auf dem TikTok-Kanal der AOK finden Sie Inhalte zur mentalen Gesundheit und Beiträge zu Themen wie Entspannung und Vieles mehr. Der YouTube-Kanal „AOK – Mental Gesund“ bietet viele Videos, um die mentale Gesundheit zu stärken.

Das Männergesundheitsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit bietet ebenfalls fachlich geprüfte Informationen zu den Themen mentale Gesundheit, psychische Erkrankungen oder Suchtprävention.

Es ist wichtig, dass Männer wie Frauen noch sensibler für den Zustand ihrer mentalen Gesundheit werden und es nicht mehr als Schwäche ansehen, sich mit ihrer psychischen Gesundheit auseinanderzusetzen. Eine offene Kommunikation über mentale Gesundheit und die Warnzeichen einer Erkrankung trägt dazu bei, das Thema zu entstigmatisieren und den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern.

Fachlich geprüft
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