Krebs

Germanische Neue Medizin bei Krebs: Wenn alternative Methoden falsche Hoffnung wecken

Veröffentlicht am:25.02.2026

3 Minuten Lesedauer

Viele Krebspatientinnen und -patienten suchen nach Alternativen zu Chemotherapie und Bestrahlung – und setzen auf pseudo-wissenschaftliche Behandlungsangebote. Warum das gefährlich werden kann.

Eine Frau entnimmt aus einer kleinen braunen Flasche einige Tropfen Flüssigkeit mit einer Pipette.

© iStock / Vanessa Nunes

Was bedeutet Alternativmedizin bei Krebs?

Eine Krebsdiagnose verändert alles. Manche Menschen, die bei früheren Erkrankungen gute Erfahrungen mit alternativen Therapien gemacht haben, möchten auch bei Krebs solche vermeintlich sanften oder natürlichen Methoden anwenden. Sie wollen die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen oder das Immunsystem stärken. Auch der Wunsch, alles versucht zu haben, kann bei einer schweren Krebserkrankung ein Grund sein, alternative Therapien zu nutzen.

Verwirrend ist zudem häufig, dass die Begriffe komplementär und alternativ bei Krebsbehandlungen für viele Menschen nicht klar voneinander abgrenzbar sind. Fachleute unterscheiden hierbei danach, was erreicht werden soll: Komplementäre Therapien werden zusätzlich zur evidenzbasierten Krebstherapie angeboten, etwa gegen Nebenwirkungen. Alternative Therapien werden anstelle der Krebstherapie angeboten, um Krebs zu heilen. Diese alternativen Behandlungen können sehr riskant sein. Denn sie führen dazu, dass Betroffene zugunsten schlecht oder gar nicht untersuchter Behandlungen auf wissenschaftlich untersuchte und bewährte Therapien verzichten. Zum einen kann damit das Voranschreiten der Krebserkrankung begünstigt werden, zum anderen sind einige alternative Methoden nicht nur unwirksam, sondern auch schädlich.

Wie gefährlich können alternative Krebstherapien sein?

Wer alternative Methoden vorzieht und dadurch eine konventionelle Krebsbehandlung verzögert oder ganz ablehnt, riskiert unter Umständen sein Leben. Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Patienten und Patientinnen mit nicht metastasiertem Brust-, Prostata-, Lungen- oder Darmkrebs ein deutlich höheres Sterberisiko hatten, wenn sie nur auf alternative Medizin setzten. Ihre Sterblichkeit stieg um das 2,5-fache im Vergleich zu konventioneller Therapie. Bei Brustkrebs erhöhte sich das Risiko sogar fast um das sechsfache. Eine der alternativen Methoden zur Behandlung von Krebs ist die Germanische Neue Medizin. Sie wird von der Deutschen Krebsgesellschaft als „gefährlich und unethisch“ eingestuft.

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Was verspricht die Germanische Neue Medizin?

Die Germanische Neue Medizin (GNM) wurde von Ryke Geerd Hamer entwickelt, einem Mediziner, dem die Approbation entzogen wurde. Seine zentrale Theorie: Krebs entstehe durch ein Schockerlebnis, wie den Verlust eines geliebten Menschen, das er als „Dirk-Hamer-Syndrom“ bezeichnete. Nach seiner Lehre müsse man nur diesen Schock oder Konflikt lösen, dann heile auch der Krebs von selbst. Medizinische Behandlungen, insbesondere Chemotherapie und Bestrahlung, lehnte Hamer komplett ab. In Deutschland und Frankreich sind eine Reihe von Fällen mit tödlichem Ausgang unter der Germanischen Neuen Medizin dokumentiert.

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Eine Krebspatientin spricht mit einer Ärztin.

© iStock / FatCamera

Wer die Krebstherapie durch alternative Behandlungen ergänzen möchte, sollte sich vorher zwingend von seiner Ärztin oder seinem Arzt beraten lassen.

Was sollten Krebspatienten und Krebspatientinnen beachten?

Wer Vorbehalte gegenüber der evidenzbasierten Krebsbehandlung hat, sollte unbedingt mit seinem oder ihrem Behandlungsteam darüber sprechen. Ärzte und Ärztinnen können aufklären, welche Heilungsraten und welche Nebenwirkungen bei den empfohlenen medizinischen Behandlungen wahrscheinlich sind und wissen, welche alternativen Methoden Risiken bergen. Offenheit ist dabei wichtig, auch wenn man befürchtet, das Behandlungsteam könnte skeptisch reagieren. Wichtig ist: Informieren Sie sich kritisch bei angebotenen alternativen Methoden. Fragen Sie nach wissenschaftlichen Studien und vertrauen Sie nicht auf Wirksamkeitsversprechen, die nur auf Erfahrungsberichten beruhen. Seien Sie vorsichtig bei Menschen, die behaupten, ihr Verfahren sei die einzig wahre Lösung und könne Operationen und Chemo- oder Strahlentherapie ersetzen. Unseriöse Anbieter und Anbieterinnen nutzen die Verzweiflung von Betroffenen aus, versprechen Heilung ohne wissenschaftlichen Beleg und sind häufig unverhältnismäßig teuer.

Fachlich geprüft
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