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AOK – Die Gesundheitskasse

Was Sie über Krankenhauskeime wissen sollten

Krankenhauskeime- Personal wäscht sich die Hände.

© Bezugsquelle: iStock Urheber: FatCamera Bild-ID: 1212821218

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 29.12.2020

Mediziner fürchten sie genauso wie Patienten. Aber worum geht es bei Krankenhauskeimen überhaupt? Wie groß sind die Gefahren tatsächlich, und wie kann ich mich schützen? Ein Hygiene-Professor hat die Antworten.

Was genau sind Krankenhauskeime eigentlich?

Ich spreche lieber von Krankenhausinfektionen. Der Fachbegriff dafür lautet „nosokomiale Infektionen“. Darunter lassen sich Infektionen zusammenfassen, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung auftreten, beispielsweise in Krankenhäusern. Sie können durch verschiedene Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze verursacht werden.

Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass sich in Deutschland jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Patienten mit verschiedenen Keimen infizieren. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 10.000 bis 20.000. Wie ordnen Sie diese Zahlen ein?

Jeder Fall ist natürlich ein Fall zu viel. Schließlich gehen wir ja ins Krankenhaus, um gesund zu werden, und nicht, um uns eine unter Umständen lebensbedrohliche Infektion zuzuziehen. Beim Blick auf die Todesfallzahlen sollten wir allerdings nicht gleich in Panik ausbrechen. Denn hier haben wir es häufig mit ohnehin sehr kranken Patienten zu tun.

Somit ist es im Einzelfall oft schwierig zu sagen, ob solche Betroffenen direkt an den Folgen einer Krankenhausinfektion gestorben sind oder ob sie auch ohne eine derartige Infektion eine eher schlechte Prognose gehabt hätten.

Woher kommen die Erreger, und was macht sie gefährlich?

Krankenhauskeim- Arzt hält einen Abstrich in der Hand.

© iStock/sonreir es gratis

Die entsprechenden Mikroorganismen besiedeln zum Beispiel natürlicherweise unsere Haut oder den Darm. Es gibt aber auch solche, die in der Umwelt überall vorkommen und sich etwa in Wasserleitungen oder Klimaanlagen finden lassen. Normalerweise können diese Keime einem gesunden Menschen nichts anhaben. Denn ein intaktes Immunsystem und eine gut funktionierende Hautbarriere halten die Organismen in Schach.

In einem Krankenhaus sieht die Sache aber manchmal anders aus. Denn bei sogenannten hautdurchdringenden Eingriffen, etwa beim Legen eines Katheters oder auch bei einer Operation, können zum Beispiel an sich harmlose Bakterien dort hingelangen, wo sie nicht hingehören, beispielsweise in den Blutkreislauf. Zu den häufigeren Komplikationen zählen dann Wundinfektionen, Harnwegserkrankungen oder eine Blutvergiftung.

Patienten stecken sich also bei sich selbst an?

Genau, so könnte man es ausdrücken. Das ist ein großes Problem vor allem bei Menschen, deren Immunsystem eben nicht mit voller Kraft arbeitet. Wir nennen sie „YOPIS“. Die Abkürzung steht für die englischen Begriffe young, old, pregnant und immunocompromised. Damit sind also zum einen sehr junge Menschen wie Säuglinge gemeint, zum anderen ältere Menschen und Schwangere.

Und schließlich auch solche, die zu keiner dieser Gruppen gehören und trotzdem ein schwaches Immunsystem haben, weil sie vielleicht als Krebspatienten eine Chemotherapie bekommen. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch andere Infektionen erwähnen, die von Mensch zu Mensch übertragen werden. Also in einem Krankenhaus etwa durch Ärzte, Pflegepersonal, andere Patienten oder Besucher. Die Übertragung erfolgt dann zum Beispiel über Türklinken oder die Hände.

„Infektionen werden oft durch Erreger, die Patienten selbst mit ins Krankenhaus bringen, verursacht.“

Prof. Dr. Dirk Bockmühl
Professor für Hygiene und Mikrobiologie, Hochschule Rhein-Waal

Welche Anzeichen für eine Infektion gibt es?

Das kommt natürlich immer auf den jeweiligen Erreger und die betroffene Körperstelle an. Allgemein können etwa Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen oder auch Beschwerden an Operationswunden auftreten. Auch hohe Entzündungswerte im Blut deuten auf eine Infektion hin. 

Bei Krankenhausinfektionen spielen auch oft multiresistente Keime, wie der bekannte MRSA, eine Rolle. Was hat es damit auf sich?

Erkrankungen durch multiresistente Keime sind sicherlich die am meisten gefürchteten Krankenhausinfektionen. Nicht etwa, weil sie von Natur aus aggressiver oder gefährlicher als andere bakterielle Infektionserreger wären, sondern weil bakterielle Infektionen in der Regel gut mit Antibiotika in den Griff zu bekommen sind.

Multiresistente Keime haben aber gegen gängige Antibiotika Resistenzen entwickelt. Das heißt, die Mittel wirken nicht mehr. Das hat vielfältige Ursachen, passiert zum Beispiel aber, wenn Antibiotika zu häufig, zu kurz oder zu niedrig dosiert eingenommen werden.

„Multiresistente Keime haben aber gegen gängige Antibiotika Resistenzen entwickelt.“

Prof. Dr. Dirk Bockmühl
Professor für Hygiene und Mikrobiologie, Hochschule Rhein-Waal

Was machen Ärzte dann?

Wenn die standardmäßig eingesetzten Antibiotika nicht wirken, können Mediziner auf Reserve-Antibiotika zurückgreifen. Allerdings gibt es mittlerweile auch bereits Resistenzen gegen diese Wirkstoffe. Deshalb gilt es, Infektionen bereits im Vorfeld so gut wie möglich zu vermeiden oder zumindest das Risiko gering zu halten. 

Wie unterscheiden sich Viren eigentlich von Bakterien?

Wie kann das gelingen?

Viele Infektionen ließen sich schon durch eine gute Händehygiene vermeiden. In fast allen Krankenhäusern stehen an den Eingängen Spender mit Desinfektionsmitteln. Die sollte man auch als Besucher nutzen. Und zwar gleich beim Betreten des Krankenhauses. Schließlich geht es vor allem um den Schutz der Patienten.

Es gibt aber auch andere Maßnahmen, die seitens des Krankenhauses durchgeführt werden. Die bekomme ich als Patient nicht immer im Einzelnen mit, kann aber ruhig mal nachfragen, was im konkreten Fall getan wird, etwa vor einer geplanten Operation.

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